Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 1 (10.1874)
- Date
- 1874-10-01
- Page
- Seite 30 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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80 jahrsfest ist? Sie stehen an einem Wendepunkte Ihres Lebens, vor einem neuen Lebensabschnitt, Sie treten in einen neuen Stand, neue Anforderungen, neue Pflichten warten ihrer, kurz es beginnt für Sie ein neues Leben. Wie der Neujahrstag ein Tag der Erinnerung, so ist diese Stunde für Sie eine Stunde heiligster Erinnerungen. Die ganze hinter Ihnen liegende Vergangenheit Ihres Lebens tritt jetzt vor Ihre Erinnerung, die goldene Zeit srohverlebter Kindheit und Jugend, da die erwärmenden Sonnenstrahlen der Elternliebe Sie noch beschienen, Sie gedenken dann, geschätzter Bräutigam, der Zeit, da Sie frühzeitig das Elternhaus verlassen mußten, um in der Fremde oft unter widerstrebenden Verhältnissen durch Thätigkeit und Ausdauer sich Selbstständigkeit zu erringen und unter Gottes Beistand eine Stellung zu gewinnen, die Sie mit Ehre^l ausfüllell. Und während Sie, werthe Braut, in dieser Stunde dem Herrn sicherlich für das besondere Glück danken, daß er Ihnen die hochbetagten Eltern in Rüstigkeit und Kraft erhalten hat, und daran das inbrünstige Gebet knüpfen: ״nlögen sie noch fürder blühen im hohen Alter, frisch und markig bleiben!" (Ps. 92, 15,) — weihen Sie, gesch. Brtg., dem Andenken der Frühverstorbenen eine heiße Wehmuthszähre der Erinnerung, — und so fühlen Sie Beide niit einem Male sich von jener tiefernsten Herzeusstimmung ergriffen, die ganz besonders der Neujahrs- und der Versöhnungstag in uns erwecken. Ja, diese Stunde hat auch etwas vorn Versöhnungstage in sich, sagen doch schon unsere Weisen, daß der Vermählungstag für das Brautpaar an heiliger Weihe dem Versöhnungstage gleiche. Wie am Versöhnungstage unser Aller Augen fragelld zum Lenker unserer Geschicke nufschallen, ob uns ein ruhiges oder bewegtes Leben beschieden sei, so schwebt auch auf den Lippen oder im Herzen erustdenkender Brautleute — ausgesprochen oder tief empfunden — die Frage des treuen Dieners Abrahams, der da ausging, eine würdige Gattin für den Sohn seines Herrn zu suchen: ״ ההצליח ה דרכי אם לאWird der Ewige den Weg, den wir fortan miteinander wandeln wollen, zu einem glücklichen werden lassen?" Allein wie es am Versöhnungstage die Liebe des Allvaters ist, und die Treue, die wir ihnl geloben, die uns beruhigt hoffend in die Zukunft schauen lassen und zu erneuter Thätigkeit und Selbstarbeit anspornen, so sind es auch hier die gegenseitige Liebe und die beiderseitige Treue, auf die gestützt, Sie heiteren Muthes der Zukunft entgegengehen können. Wo Liebe und Treue die Pfeiler sind, worauf-der Bau aufgeführt wird, da bieten sie die beste Bürg-