Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 1 (10.1874)
- Date
- 1874-10-01
- Page
- Seite 26 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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_26_ so oft der Groll gegen den Nächsten in Deinem Innern Wurzel fassen will, eingedenk zu sein dieses Tages, der so eindringlich Versohnung predigt und dann auszureißen aus der Brust den Dich entwürdigenden Menschenhaß, der nur Dein Herz verbittert, Dein Leben verkürzt. — ״Was hat Dein Lebeu so verlängert?" במה הארכת ימים wurde ein greiser Lehrer gefragt, und er antwortete: ״ ,מימי לא עלתה עמי קללת חברי על ממתיich ließ jedesmal mit dem Schwinden des Tages auch allen Haß aus meinem Innern schwinden. כי הא המר זופרא׳ כי הוד, פליק לפורייה אמר, שרי ליה לכל מאן דצערן wie jener weise Mann, der sein Lager stets mit den Worten bestieg: Verzeihung Allen, die mich heute gekränkt." — Heil Dir, m. Fr., wenn Du Dein Leben so geheiligt hast, daß Du jeden Tag zum Versöhnungstage machen'kannst! — Und glaube mir, m. Br., durch die Aussöhnung und den Frieden mit Deinem Nebenmenscheu erlangst Du auch den Frieden und die Aussöhnung mit der Welt und Deinem Schicksale. Befrage nur wohl Dein Inneres unb Du wirst sehen, daß aller Unfrieden, alle Zwiespältigkeit und alle Unzufriedenheit, die Dein Herz verwunden, zerreißen, sie gehen zumeist hervor aus der tiefen Kluft, die da zwischen Deinem Herzen und der Welt besteht, und diese wieder zumeist aus dem Unfrieden, aus den lieblosen Gefühlen gegen die Nebenmenschen. Deine Wünsche sind groß und die Welt gibt nur Kleines, und klein erscheint es Dir vor Allem deßhalb, weil Deinem Nächsten Größeres beschieden wurde, Du jagst nach dem oft, was Deiu Bruder erwirbt. Dein Verdienst scheint Dir groß, das Deines Nächsten nur gering zu sein. Unvermerkt wächst in Deinen Augen die Ungunst Deines Geschicks durch die Mißgunst gegen das Deines Nächsten und grollst so immermehr mit der Welt und den Menschen. O, so neige heute willig Dein Ohr der sanften Stimme der Versöhnung. Sieh Dich hier um, wie wir Alle uns in gleicher Weise hinmerfen, bittend, flehend vor dem Antlitz des Herrn, wie es hier keinen so Glücklichen gibt, der nicht noch etwas auf dem Herzen hätte, dessen Erfüllung ihn erst glücklich machen würde. Sieh Dich um, wir sind alle Bedürftige und sehen demüthig und sehnsüchtig nach der Hilfe des Herrn empor; so söhne Dich aus mit den Bedürftigen und Deinem Schicksale, erkenne, daß nicht die Welt Dir Unrecht, sondern daß Du der Welt und den Menschen Unrecht zufügst, so Du von ihnen Dein Glück erwartest und es nicht in Dir selber zu suchen lernst. So lerne denn an diesem heiligen Tage Versöhnung mit der Welt, mit den Menschen.