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Israelitisches Predigt-Magazin · 1894-01-01 · 1894 · p. Seite 32

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
12 (1894)
Issue
1894
Date
1894-01-01
Page
Seite 32 (sequence 38)
Language
German
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32 bleibt Dir fremd? Ach Freund, es dauert so lange gar nicht, :uw die Thore werden geschlossen, die Lebenspforten schließen sich, wir aber sollen das Neilagebet verrichten, so lange die Snnne noch auf den Gipfeln der Bäume weilt, Du aber willst der Zeit nicht gedenken, wo auch Deine Lebenssonne ini Versinken ist, wo auch Dir der Tag des Lebens zürn Abschied winkt? Ach Herr, mit der tiefsten Inbrunst unserer Seele flehen wir: ״Verwirf uns nicht nicht zur Zeit des Alters, wenn unsere Kräfte uns verlassen, o verlaß Du uns nicht!" — Aber wie Wenigen geht dieses Gebet in Erfüllung? an wie viele Greise heftet sich der Schmerz und die Schwäche, die Krankheit und das Leiden? Und doch auch diese schwere Zeit noch kannst Du. so Du nur willst, zu einem heiligen und erhebenden Nei'lagebet gestalten, so Du nicht weilst in den Versammlungen der Jrdischgesinnten, so Du gedenkest Deiner unsterblichen Seele, so Du gedenkest Deines wahren Berufes hier auf Erden. Wenn der Hohepriester seinen heiligen Dienst au! Jaumhakipurim im Heiligthum geendet, dann ordnete er noch die Lichter vor Gott, daß sie helleuchtend brennen und nimmer verlöschten. Sei auch Du, me.n Freund, sei auch Du, israelitische Schwester, seid auch Ihr lichtumstrahlte Hohepriester, nach des Tages heiligem Dienst, nach eines Lebens redlichen! Streben ordnet auch Ihr noch die Lichter in Eurem Hause, zündet auch Ihr noch bei Euren Kindern und Kindeskindern die heilige Flamme des Glaubens an und der Liebe, seid ihnen am Lebensende noch ein leuchtendes Beispiel jedweder Tugend, ein sllamuundes Zeichen der Menschenliebe und Gerechtigkeit, der Demut und der Gottesfurcht. Die Sonne sinkt, der Tag geht nieder, aber Deines Lebens letzte Stunden sind umspielt vom Sonnenschein der ewigen Liebe, Dein lichtumflosscnes Lager umstehen dankbar Urenkel und Enkel beim Schluß des Thores aber steigt Deine Seele auf wie inbrünstiges Neilagebet, vom Dunkel der Erde hinaus zun! Urquell des Lichtes und der Liebe, wo alle deine Lieben weilen. Amen! (Jiskor!)

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