Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 12 (1894)
- Issue
- 1894
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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i9 reichen Ertrages, welchen sie von ihrer Reise erwarten, jubelt ihr Herz, ersüllt freudige Lust ihr Gemüt. Doch an der Stätte der allgemeinen Freude fehlt es auch nicht an Trauer; im äußersten Winkel des Schiffes liegt ein Mann, ganz teilnahmslos, gesenkten Hauptes, verstörter Mine, düstern Blickes; der laute Jubel der Schiffsgenossen dringt nicht in sein Ohr, das fröhliche Treiben im Schiffsräume erheitert nicht sein Gemüt, וישבב וירדים, er liegt da in tiefer Betäubung. Was ist's mit dem Manne, daß inmitten der Freude und Fröhlichkeit sein Geist von düsterer und trüber so ganz gelähmt erscheint? Gewiß muß schweres Leid ihn bedrücken, bitterer Kummer auf seiner Seele lasten; allein, die Insassen des Schiffes haben kein Auge für den Unglücklichen, sie beachten ihn nicht, zeigen keine Teilnahme für ihn, überlassen ihn seinem stumpfen Hinbrülen, suchen nicht seine Trauer zu mildern, fragen nicht nach der Ursache seines Kummers, sein Leid stört sie nicht in ihrer heitein Fröhlichkeit. Es ist ja das, a. Z., eine täglich wiederkehrende Erscheinung; der Glückliehe empfindet nicht den Schmerz des Unglücklichen, er schaut nicht in das düstere Gemüt, das von den Schlägen des 1111־ gemaches aufgewühlt ist, in seinem Herzen regt sich kein Mitgefühl für den von Leid und Weh Tiefgebeugien. Aber welche plötzliche Veränderung nehmen wir auf dem Schiffe wahr! Die Sonne zieht ihre lichtspendendeu Strahlen mit einemmaleein, schwarzes Gewölk verfinstert den Horizont, ein Sturm furchtbar und gewaltig erhebt sich auf dem Meere, und das Schiff droht zu scheitern. Wie mit einem Zauberschlage war jede Freude, jede Lust, jeder Jubel auf dem Lchiffe geschlvunden. Angst und Schrecken ergriff die Seeleute. Das ist die menschliche Freude, wie schnell endet sie oft, lvie plötzlich wandelt sie sich in Trauer! Was sollten sie nun in der Not beginnen? wie das Unglück abwehren und bannen? 'Im Unglück erst erkennt der Mensch sein Unvermögen, seine Schwäche, es schwindet sein Selbstvertrauen, er sieht, daß Gott es ist, der Rettung bringen kann. ״Ein jeder schrie zu seinem Gotte", in der Noth, da findet jeder seinen