Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 12 (1894)
- Issue
- 1894
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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6 sie reichlich mit Speise und Trunk versehen, es lug ihr blos ob, des Weges genau zu achten, und das mußte sie umsomehr, da die Mutterpflichten es erheischten. Aber nein, leichten Sinnes, ohne mütterliche Sorgfalt im Herzen ging sie einher, und sehr bald wurde sie gewahr, daß sie vom graden Weg abgewichen, zu ihrem Schrecken sah sie sich in der Wüste verirrt — ותלך ותתע במדבר. Tie Folgen ihrer Unachtsamkeit, ihrer leichtfertigen Sorglosigkeit, blieben nicht lange aus, ihr Kind schrie nach Wasser, aber das Wasser war zu Ende gegangen in dem Schlauche. Haben wir m. a. Z.. hier nicht ein Bild, wie wir es im menschlichen Leben gar oft begegnen? Biele sind es, denen an nichts gebricht, die vom Segen Gottes reich bedacht sind, denen die Sonne des Glückes stets geleuchtet, die die Lebensbürde nie gedrückt hat. Aber das macht sie sorglos, sie beachten nicht den rechten und geraden Lebenspfad, leichten Sinnes schreiten sie einher, und plötzlich werden sie gewahr, daß sie von ihrer hohen Lebensbestimmung abgeirrt sind, eine Wüste mit all' idren Schrecknissen breitet sich vor ihrem Auge aus. Mas nun thun? was nun in der Stunde der Gefahr beginnen? So fragte auch Hagar; aber anstatt ihr Herz im heißem Gebete zu Gott zu erheben, anstatt Gottes Beistand anzurufen, anstatt Mittel und Wege zu suchen, ihr Kind aus der Noth und Gefahr zu retten, bemächtigte sich ihrer eine dumpfe Verzweiflung, sie vergißt ganz ihrer heiligen Mutterpflichten, ותשלך את'הילד sie wirft ihr Kind, ihr geliebtes Kind unter eines der Gewächse, bleibt nicht einmal in der Nähe ihres Kindes, ותלך ותשב לה מנכד sie setzt sich fern davon, um nicht das Sterben des Kindes zu sehen, und alles, was sie als Mutter für ihr Kind that: ״sie erhob ihre Stimme und weinte." Eine Mutter wirft ihr Kind in der Stunde der Gefahr hin, hat für ihr Kind nur Thränen, die nichts nützen und keine Hilfe bringen! Das, m. a. Z., sind die Folgen einer jeden Verwirrung; sie führt zur thatenlosen Verzweiflung, wo das Auge nicht zu Gott emporschaut, wo es im Herzen eiskalt ist und es nicht auch durch die Sonne des Glaubens an die Hilfe des himmlischen