Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 11 (1893)
- Issue
- 1893
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 25 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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Wenn daher der Rasch-Raschono uns zur Selbstprnfung aufsordert, so geschieht dies nach der sinnigen Anordnung unserer Weisen — durch ein Widderhorn, um uns das Andenken an die Akedali vor die Seele zu führen, auf daß wir Alle, Jung und Alt, Mann und Frau, wenn die Schofarstimlne uns ruft, heute oder im Lause des Jahres, die Antwort bereit haben: ״ הגנוHier sind wir," bereit Dir zu dienen, bereit Dir zu leben, bereit Dir zu sterben! Amen! Ja, hier sind wir, Herr und Vater, bereit Dir zu huldigen, denn Dein ist die Macht und unser die Schwäche- Hier sind wir, bereit, unser Andenken zu Dir aufsteigen zu lassen, denn Dein ist die unendliche Gnade und unser das unendliche Bedürfniß nach ihr. Hier sind wir, bereit den Schofarton zu vernehmen und seine ausrüttclnde Kraft wirken zu lassen in uns allezeit. Amen! IV. Was lehren die Schosartöne? Predigt am Neujahrsfeste. Ewiger, Ewig-Einziger! Der Tag ist angebrochen, den Deine unergründliche Weisheit zum ersten des Jahres geweihet hat, und an den Pforten eines neuen Jahres blicken wir zurück in die Vergangenheit, aus deren flüchtigen Schatten die Erinnerung als ein bleibendes Denkmal an Deine Huld und Liebe in unserem Herzen festgewurzelt ist. Ja die Erinnerung ist es, sie, die uns erhebt über die Gebilde der Schöpfung zu Dir, dem Ewig- Uuerschaffenen, die Erinnerung ist es, der Du den heutigen Tag geweihet hast. Und die Erinnerung, sie inalt sich heute in dem Lächeln der Freude, die Du in der Fülle Deiner Gnade ausgegossen über so manches Herz, sie spricht sich aus in dem freundlichen Blick der Dankbarkeit, die der genesene Kranke, der aus Gefahren Erlösete, die gestillte Sehnsucht, die gewährte Bitte, die erfüllte Hoffnung vor Dich auf den Altar legt, — sie malt sich aber auch als ein stummes Wehe in der hervorquellenden Thräne, die geknickte Hoffnungen beweint, die in dem Auge der Mutter, in dein Auge der Gattin, in dem Auge der Eltern und der Kinder perlt, sie zeichnet auf das Antlitz Vieler die Züge des Grams und der Sorge, die mit den Tagen des hingeschwundenen Jahres mühevoll gerungen und geängsteten Blickes in die dunkle