Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 1893
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 73 (sequence 164)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/9616701-9618061-9618062--2194-9618223- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
73 Deutschland, die dem Gedanken einer jüdischen Religio nsschule Gestalt und Inhalt verlieh. An dieser Religionsschule wirkte der Verstorbene 37 Jahre als hebräischer Hauptlehrer ununterbrochen mit seltener Berufstreue bis in sein Alter hinein; streng und ernst war er gegen sich in Ausübung seiner Pflicht, und selbst wenn die Seinigen in letzter Zeit ihn! Schonung und Erholung anempfahlen, er wollte oft trotz Unwohlseins den Unterricht nicht aussetzen. Ihm fiel das schwierige Gebiet des hebräischen Unterrichts zu, von den Anfangsgründen bis zur Vorbereitung zur Barmizwa — wie Viele von Euch haben nicht bei ihm hebräisch lesen gelernt? wie Viele lernten bei ihm das Kaddisch-Gebet? wie Viele den Segen sprechen über die Thora? wie Viele die Vorlesung der Haftara in althergebrachter Weise? ״ ולהורות נתן בלבוdie Kunst des Unterrichtens, sie war ihm in's Herz geschrieben", darum unterrichtete er ln Milde und Nachsicht, wie sich dies an einer jüd. Religionsschule ganz besonders empfiehlt, במטה נ1י<ם ״mit dem Stabe der Liebe" nnb nicht ״ במטה חובליםmit dem Zuchtstock der Verwundung." Darum ist gerecht euer Schmerz und eure Klage, ihr lieben Schüler, die ihr dem gel. Lehrer sicherlich durch euer ganzes Leben ein dankbares Andenken bewahren werdet; denn auch von ihm gilt das Wort Daniels, das unsere Weisen ganz besonders auf Lehrer anwenden: ״Die Lehrenden sie leuchten fort und fort wie ein Himmelslicht", denn was sie ins Herz ihrer Schüler gesenkt, das pflanzt sich von Vater auf Sohn, von Mutter auf Tochter, weiter fort durch Generationen. III. Der Verstorbene war aber nicht nur ein wisfensreicher Cantor, ein tüchtiger, berufstreuer Lehrer, er war auch ein aufrichtiger charaktervoller Freund und Berather der Gemeindemitglieder. Wer nahezu vier Jahrzehnte in einer Gemeinde lebt und wirkt, an Leid und Freud' in jeder Familie theilnimmt, der wird, wenn er, wie der Verstorbene, Charakter