Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 1893
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 45 (sequence 136)
- Language
- German
- Belongs to
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45 und sein Werk fortsetzen werden, das ist unsere Hoffnung in dieser ernsten Stunde. Aber da er neue Quellen grub zur Belebung des Gemeinsinns, da mußte er wohl gefaßt sein auf Streit und Widerspruch, in dem sichern Vertrauen, daß redliche Arbeit zu Sieg und Anerkennung durchdringen werde. Von Jsak heißt es, als er den ersten Brunnen gegraben, stritten sich mit ihm die Insassen des Landes, und er nannte ihn darob ״Zank", und beim zweiten ging es ihm nicht besser und er nannte ihn Sitnah: ״Widerspruch" und als er zum dritten Male grub, da stritten sie nicht mehr, er nannte diesen Brunnen Rechobot: Freiheit, Friede; ״denn, sprach er, der Herr hat uns Raum gewonnen und wir werden gedeihen im Lande." Das ist ein Gleichniß des Weges, den die Männer zu durchwandern haben, die mit festem Sinn ohne Ehrgeiz und Eigennutz in Treue und Liebe für die Gesammtheit arbeiten. Da rechne keiner alljährlich aus eine neidlose Ancrkcnnung seiner Verdienste; er grabt einen Quell und wieder einen, aber gerade um diese erhebt sich Zank und Widerspruch, ein Gegner möchte es nicht gelten lassen, daß er sich gemüht, daß er sie gefunden hat, und zuletzt sagen sie: ״unser sind die Brunnen", Du hast gar kein Verdienst an all dem Guten, das in der Gemeinde blüht; aber das ist der rechte Prüsstein der Treue, ob Einer dann ermattet und still hält, oder ob er weiter grübt unermüdlich, unbekümmert um Lob oder Tadel. Das that der Verewigte, und wie Jsak den dritten Quell nennen durfte: Freiheit, Friede, so hat auch er sich durchgerungen zur Anerkennung seiner Gegner, zu freudigem, begeistertem Lobe seiner Freunde; und dieser wackere Mann ist Ihnen, g. L., ist uns allen entrissen; das ist ein kaum zu bewältigender Schmerz: fehlen wird der Gattin der treue aufmerksame Lebensgenosse, fehlen wird den Kindern ihr Stolz und ihre Krone, fehlen wird der Gemeinde deren besonnene Leitung, die den religiösen Gegensatz versöhnte, die in Gemeinschaft mit seinem edlen Freunde, der ihm in die Ewigkeit vorangegangen ist, wirkte, ohne mit den Traditionen