Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 1893
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 113)
- Language
- German
- Belongs to
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22 fröhliche Hingabe an den Lebensgenuß, die heitere Stimmung, die selbst das Schwerere leicht nimmt, während sie selbst das Leichte schwer nahm. Dieses Gemüth hatte Perlen iit seinen Tiefen, und wer sie genauer kannte, der erstaunte über ihren Edelsinn, ihre Wohlthätigkcit, über ihre verwandtschaftliche Treue, über ein poetisches Empfinden, das sie sich noch bis in's Alter bewahrt hat. Aber freilich alle diese Tugenden treten bei oberflächlichem Verkehr nicht so deutlich zum Vorschein und sie ist vielfach verkannt worden. Der Bach weide gleich war sie demüthig und bescheiden, sie war bis zum höchsten Maße anspruchslos und begehrte sehr wenig für sich; sie hatte ausgezeichnete Eltern, sie lebte in friedlicher Ehe mit einem allgemein geachteten Manne, der durch ein fast vierzigjähriges Wirken zum.Wohl der Gemeinde und durch segensreiche Stiftungen ein dauerndes Andenken sich hierorts gegründet hat. sie stand so vielen angesehenen Familien verwandtschaftlich nahe, aber keine Spur von Hochmuth nistete in ihrer Seele. Wie die Myrthe war ihr Seelenleben zart und rein: in ihren späten Lebenstagen konnte sie mit der Begeisterung der Jugend sich an der schönen Litteratur ergötzen, wie die Palme war ihr Sinn nach oben zu Gott gerichtet; Gott hat besonders im letzten Jahrzehnt ihr schwere Prüfungen auferlegt, sie hatte unsäglich gelitten, sie hat keine gesunde Stunde genossen, und dazu war ihr Leben so arm an Liebe, sie war so einsam und verlassen und hätte doch so gern sich angeschlossen und ihr Herz geöffnet. Wenn der Schmerz sie einmal zu Athen! kommen ließ, da hat sie, gegen die das Schicksal mit dem Glücke so gekargt hat, manches gute Werk gestiftet; sie war wohlthätig, obgleich ihr gar sehr wehe war. Nun ist die Dulderin erlöst worden, und wir vertrauen, daß ihr das Glück und der Frieden, die ihr im Diesseits nicht beschieden waren, im Reich der Seligen werden wird. Hat sie doch von ihrem Besitz den würdigsten Gebrauch gemacht und durch letztwillige Verfügung große Summen zum