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Israelitisches Predigt-Magazin · 1893-01-01 · 1893 · p. Seite 62

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
10 (1893)
Issue
1893
Date
1893-01-01
Page
Seite 62 (sequence 73)
Language
German
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62 die Milde und Schonung im Urtheil, die Feinheit und Freundlichkeit im Verkehr, den großstädtischen, weiten Blick in der Wahl der Mittel, Menschen und Zwecke — Vorzüge, welche im öffentlichen Wirken Schwierigkeiten ebnen, Schroffheilen ausgleichen, Gegner entwaffnen, Widersacher in An- Hänger und Freunde verwandeln. Im Alterthum und im Mittelaller pruste man den Stand der Gestirne bei der Geburt eines Menschen, um dessen Kern und Entfaltung zu ergründen; in Israel galt der Spruch: ״Der Ort entscheidet". Befrage nicht den Himmel sondern die Erde, den Ort, wo ein Mensch geboren wird, die Umgebung, in der er anfwächst, die gesellschaftlichen Zustände, Sitten, Einflüsse, die auf ihn einwirken, und es erschließen sich dir die geheimen Zugänge und die verborgenen Windungen seines Seelenlebens. Wir preisen und beglückwünschen den Sohn unserer Gemeinde. ״Unserer Gemeinde" — ist diese Bezeichnung eine richtige? Gab es eine israelitische Cultusgemeinde in Wien, als uirser Jubelpaar vor einem halben Jahrhundert den Bund der Ehe einging? Ach nein! Man kannte Juden und Vertreter der Juden in Wien, anerfctnute aber mit Nichten eine Gemeinde. Diese half er erst schaffen, aufttud einrichten, entwickeln, ihr Stellung, Ansehen und Einfluß erringen, ihre Institutionen, Lehranstalten und wichtigsten Vereine begründen und befestigen. Er rvar nie der Sohn, sondern ist der Vater unserer Gemeinde, ihr Haupt, ihr Führer, Freund und Fvrtbilduer; er ist der Sohn und Nachkomme jener uralten Wiener Gemeinde, die Wohlthun und edles Wirken voranstellte, deren berühmtester Lehrer unfern Festtext zum Titel itnd Wahlspruch seines großen Werkes gewählt hatte. Ja, ־01״ sa1ua‘;, Licht strahlt, Licht wird ausgesäet uttd ausgestreut, Licht 1mt> Thaten des Lichtes werden verbreitet weit Hittaus über die Linien und Wälle der Stadt. Das ist der Wahrspruch, das die Frömmigkeit, das die Gerechtigkeit unserer Gemeinde vor Gott! Wir preisen und beglückwünschen den Sohn unseres Volkes, der für die Ehre des jüdischen Namens, für die

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