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Israelitisches Predigt-Magazin · 1893-01-01 · 1893 · p. Seite 59

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Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
10 (1893)
Issue
1893
Date
1893-01-01
Page
Seite 59 (sequence 70)
Language
German
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59 So lautet das Wort des heutigen Sabbat, das nie in Israel verstummt ist, das im Munde des Propheten forttönte, in fast all' ihren Reden als Grundton durchklingt. Als der große Prophet Jirmejah die erschütternde Entscheidung über sein Volk Hereinbrechen, Staat und Altar zusammenbrcchen sah, rief er aus*): ״Nicht rühme sich der Kluge seiner Klugheit"; der heranstürmende Babylonier macht alle eure politischen Berechnungen zu Schanden. ״Nicht rühme sich der Starke seiner Starke"; das gewaltige Heer Babylons wirft die Stärksteil zu Boden. ״Nicht rühme sich der Reiche seines Reichthunis"; die nordischen Kriegsschaaren ziehen plündernd einher und vernichten eure Reichthümer. ״Nur deß rühme sich der Rühmenswerthe, daß er zur Einsicht und Erkenntniß gelangt ist, daß ich der Ewige Liebe bethätige, Recht und Gerechtigkeit auf Erden übe, daß ich an den Werken der Liebe und Gerechtigkeit allein Wohlgefallen finde", daß in diesen allein die Klugheit, die Stärke und der Reichthum des Menschen fortbesteht. Israel kehrte in die alte Heimat aus Babylon zurück, erbaute von Neuem den zweiten Tempel, und wieder sah ein Prophet einen goldenen Leuchter und hörte als Echo gleichsam des heutigen Sabbat: ״Nicht durch Menge und nicht durch Macht, sondern nur durch meinen Geist"**); der Geist Gottes muß in Euch walten, in eurer Mitte leuchten, von erkorenen Männern gepflegt werden. Und auch der zweite Tempel wurde zerstört, auch dieser Altar zertrünnnert, und wieder erscholl das Wort eines großen Lehrers in Israel, des Rabban Jochanan ben Saecai: ״Verzaget nicht und verzweifelt nicht, o ineine Brüder; noch haben wir einen herrlichen Altar, den Altar der erlösenden, befreienden, rettenden und helfenden Menschenliebe; so lange aus diesem Altar das heilige Feuer lodert, Licht und Wärme ausbreitet, findet Gott Wohlgefallen an uns, an unseren Werken, an unseren Friedensfürsten, an unseren Priestern der Humanität, der Liebe, Güte und Gerechtigkeit."***) *) Jer. 9, 22, 23. **) Zach. 5, 6. ***) Abot (Trabbi Natau C.4.

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