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Israelitisches Predigt-Magazin · 1892-01-01 · 1892 · p. Seite 55

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
9 (1892)
Issue
1892
Date
1892-01-01
Page
Seite 55 (sequence 115)
Language
German
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Geoffenbarten. Geradezu tritt die Lehre heran an den Menschen wie ein Spiegel, in dem er seine Tugenden, seine Leidenschaften, seine Schicksale wiedererkennt, hier begleitet von der drohenden Mahnung, dort von dem aufmunternden Lobe, hier im Perein mit einer tröstenden Verkündigung, dort gepaart mit einer aufschreckenden Warnung. Es bedarf keines Vermittlers zwischen Gott und seinen Menschen, denn es herrscht eine verständliche Sprache unter ihnen wie zwischen dem Vater und seinen Bindern. Trefflich drücken unsere Weisen diese bedeutungsvolle Wahrheit aus. Sie vergleichen die Offenbarung am Simai mit dem Anblick eines Bildes. כאיהוניז הזה אלף בני אדנב מביטין בה,בל אחד אומד בי ד,יא ״ בבטתWie es mit einem Bilde ist, — tausend Menschen schauen zugleich darauf und einem Jeden will es bednnken, als richte das Bild gerade auf ihn fein Auge: — כד הל,״בד. היה אלהיד.מביט בכל אחד ואמר אנב, so der Heilige gelobt sei er, — als er am Sinai sich offenbarte, da schauete er jeden Einzelnen von Israel an, da schien es einem Jeden von ihnen, als gelte gerade ihm das göttliche Wort, — denn also heißt es, wie wenn der Herr den Einzelnen angeredet hätte: ״Ich bin der Herr Dein Gott!" Und diese Unmittelbarkeit, mit welcher die Offenbarung stattfand, mit welcher die Lehre an den Einzelnen sich wendet, sie muß denn auch den natürlichen Erfolg haben, daß was so sehr auf den Einzelnen seine Anwendung findet, von dem Einzelnen auch beherzigt werde. Es darf uns nich't genügen, die Lehre bloß in ihren großen weltbewegenden Wahrheiten als maßgebend anzusehen, es darf uns nicht genügen, unsere Thütigkeit bloß ihren allgemein menschlichen Gesetzen unterzuordnen, oder die Göttlichkeit ihrer Gebote und die Verständlichkeit ihrer Anssprüche bloß im Großen und Ganzen und, wenn man so sagen darf, in gruppenweiser Zusammenstellung anzuerkennen, sondern es muß unser Bestreben sein, ihrem Fingerzeige auch in jedem besondern Verhältniß, in jeder besondern Lage unseres Leben willig zu folgen, weil sie eben jede besondere Färbung unserer Lebenslage, jede Eigenthümlichkeit

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