Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 1892
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 45 (sequence 105)
- Language
- German
- Belongs to
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45 mit gutem Grunde die Meinung hegt, es sei sinnlos ohne Noth ein Märtyrer zu werden. Das ist's, was unsere Feinde nie an uns verstehen werden, daß ein kühler 5iopf und ein warmes Herz nicht selten in den Tüchtigen unter uns einträchtig zusammenwirkt; das haben wir unserm Lebensquell zu danken, der uns das Feuer und das Wasser spendet, der Thora, die uns nicht zu Schwärmern, sondern zum Einklang von Denken und Fühlen erziehen will. Und nur der Nüchterne besitzt die Ausdauer, ohne die kein großes Werk entsteht. Im Fluge gelingt selten eine große Thal, und wenn auch der Gedanke plötzlich wie ein Blitz durch die Seele fährt, es bedarf der Arbeit, daß er reise und in's Leben trete. Schon unsere alten Lehrer warnen uns davor, dem zu glauben der prahlt: ich habe mich nicht gemüht und dennoch gefunden. Das Gotteswort am Sinai, das war der Blitz, der in die Herzen schlug und das Feuer entfachte; aber nun wurde es unermüthlich gepflegt und weiter getragen; da wurde sorgsam nach jeder Stelle geforscht, an der man Bresche legen, könnte in den gewaltigen Wall des Irrthums. Jahrhunderte, Jahrtausende lagerte Israel vor diesem Wall; durch diese Ausdauer erlangt es Erfolge, von ihr erhofft es neue Wege. III. Die Thora, so fahren die Alten fort, ist uns gegeben worden in der Wüste. Die Wüste ist das Sinnbild der Armuth, der Entsagung; schmucklos steht sie da, von den Menschen gemieden; aber in der Wüste wurde die Thora gegeben, zum sichtbaren Zeichen; כל מי שאינו עושה את צצמי כמדבר אינו קונה התורה והחכמה daß ״wer sich nicht selbst zur Wüste machen, d.h. wer nicht entsagen kann, daß der nicht Thora und Weisheit erwerben werde." Verlockend liegt der Weisheit liebliches Gefilde auf der Höhe eines Berges, aber durch die Wüste führt der Weg; da gilt es Hunger und Durst zu ertragen, da gilt es die Beschwerden des Weges auf sich zu