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Israelitisches Predigt-Magazin · 1890-01-01 · 1890 · p. Seite 60

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
8 (1890)
Issue
1890
Date
1890-01-01
Page
Seite 60 (sequence 66)
Language
German
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60 stand der greise Mann, dem die Liebe nur als einziger Schatz im Unglück war geblieben. Es kam ein Schiff gar schön beflaggt, und Alles strömt' dem Fahrzeug, dem willkommenen Gaste zu. ״Jst's wohl der Bruder, der gekommen?" Ach nein! Mit Hangen und mit Bangen wartete der Freunde Schaar. Das Schiff ging ab, wie es gekommen war. ״Sei beruhigt edler Mann", ließ tröstend eine Stimme sich vernehmen, in wenigen Tagen wird das Heil erscheinen, ein neues Schiff erwarten wir, das von des Ocean's Gestade Dir die ersehnte Hilfe bringen kann. Die Zeit war um. Ein großes Schiff gar reich beladen kam nun an, man harrte vom Morgen bis zum Abend der Ankunft des erbetenen Heilsverkünders. Vergebens! ״Das Schiff ist weg", so seufzte der bedrängte und bedrückte Mann. Herr, nur deiner Vaterhand allein überantwort' ich mein Schicksal und mein Leben! M. th. A.! Wer von uns hat nicht vor Beginn des neuen Jahres, aus dem Einzel- und Gesammtleben heraus, Enttäuschungen erfahren? Wer, der sich am Alter reicher fühlte, nicht auch zugleich an Wünschen ärmer? Wer ist so glücklich, sich zu sagen: Mir bleibt nichts zu wünschen und nichts zu hoffen mehr übrig? Und wäre denn eigentlich Derjenige glücklich zu nennen, dem nichts zu wünschen und zu hoffen übrig bliebe? Da giebt es aber eine Schaar von Unglücklichen, um ihres Glaubens willen Verfolgten, die ihr theures Heim verlassen mußten, um in weiten Fernen Heil und Rettung zu suchen. Es giebt Verwittwete und Verwaiste im Volke Israel, die den Berather, die Stütze, die Zierde, die Freude ihres Lebens verloren haben. Es giebt der Edlen Viele, die Alles, was ihnen der Allgütige an irdischem Besitze gnadenvoll gegeben, mit den Armen, den Nothleidenden, den Gekränkten und Bedrängten redlich getheilt haben. Der Verlust des Besitzes dieses mit himmlischem Segen des Herzens so reich Begnadeten bedeutet für die Unglücklichen unseres Volkes eine unsägliche Fülle des Jammers und des Elends. Da gingen sie nun Alle zum

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