Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 1 (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- Seite 244 (sequence 257)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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244 von dem des Weibes ist, so dürfen doch die durch das heilige Band der Ehe Verbundenen nichts weniger als in einer gewissen Abgeschlossenheit von einander der Erfüllung ihrer hohen Aufgaben und Pflichten nachgehen. Haben Sie doch, meine Geehrten, gemeinschaftlich an dem Wohl und Heil des von Ihnen heute zu gründenden Hauses zu arbeiten, und wie könnte dieses Haus glücklich gedeihen und fortschreiten, wenn Sie nicht Beide in gleich treuer Eingabe an dem schönen Ausbau desselben Tbeil nehmen wollten! Die Arbeiten und Leistungen des einen Theiles in der Ehe müssen aber auch jederzeit dankend und liebevoll von dem anderen Theile anerkannt werden, und wo sie hinter den gehegten Hoffnungen und Erwartungen weit Zurückbleiben, darf kein schwer tadelndes oder heftig zürnendes Wort das Zartgefühl des Weibes, das Selbstbewußtsein des Mannes, tief verwunden, sondern muß der wahrgenommene Mangel in echt liebevoller Weise gerügt, in solcher Art zur Verbesserung und, wenn möglich, zur gänzlichen Beseitigung desselben angeregt werden. Die wahre Liebe bekundet sich ganz entschieden nicht im Aussuchen von Fehlern an dem geliebten Wesen, sondern im Gegentheil, im zarten Verhüllen derselben (Spr. Salom. 10,12.); sie empfindet ein beseligendes Glück, wenn sie in ihrer Ueberlegenheit sich mild und nachsichtig, bescheiden und demuthsvoll zu zeigen vennag. — Und s o müssen auch Sie, meine Theueren, stets fest und einmüthig die Hände zusammenhalten, die gewissenhafte Wahrnehmung Ihrer verschiedenartigen Aufgaben und Pflichten Sich gegenseitig nach Kräften zu erleichtern suchen, und Sich glücklich schätzen, wenn es dem Einen von Ihnen hie und da gelingen sollte, dem Anderen still und geräuschlos eine Arbeit abzunehmen, einen klugen Nach zu ertheilen, eine unerwartete Freude bereiten, einenunverhofften Genuß verschaffen zu können! — Eintracht zweitens in glücklichen und freudigen Tagen und Stunden. Die Verschiedenheit der Gesinnung bei Ehegatten nach dieser Seite hin hat schon so manches Eheglück in seinen ersten Anfängen für immer zer-