Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 1 (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- Seite 61 (sequence 74)
- Language
- German
- Belongs to
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61 verfolgend den Frieden." Friedensliebe, Friedensbestrebung, — das ist das Eine, nt. A.! Friede ist der Inbegriff und die Grundbedingung alles Glückes. ״Es giebt Nichts, das den wahren Segen in sich schließt, es sei denn der Friede." Friede ist die Krone und der Gipfelpunkt unserer höchsten Wünsche, der Schluß und Schlußstein des heiligsten Gebetes, welches wir alltäglich Morgens und Abends zunt Herrn der Heerschaaren emporsenden. Friede — vor Allenr religiöser Friede. Ihn unserer engeren Genteinschaft zu wahren uttd zu erhalten, daran haben die größten Männer aus unserer Mitte ihre edelsten Kräfte gesetzt. Und diese religiöse Einheit, sie wurde nicht errungen durch Unterdrückung der Widerstrebenden, durch Knechtung der Geister, durch Ertödtung jeder freien, selbstständigen Regttng. Nein, wer nur einen Blick in den Talmud geworfelt, der weiß, daß in keinem Gesetzbuche der Welt mehr Meinungsverschiedenheiten sind geltend gemacht und verzeichnet worden. Der inviduellen Auffaffung des Einzelnen, solattge sie sich nicht gänzlich von den Grundlagen der Religion losgelöst hatte, ist der weiteste Spielraum gelassen worden, und doch ist es gerade das Judenthum, welches ant wenigsten ein eigentliches Sektenwesen in sich hat aufkommen oder mindestens es nicht zu einer fruchtbaten Entfaltung dauernd hat gelangen lassen. So tief hat im Herzen des Volkes der Einheitsdrang getvurzelt, so sehr wurde er von seinen hervorragenden Geistern in ihnt gepflegt und unterhalten Und diese große Segensarbeit der Vergangenheit muß die Gegenwart wieder ausnehmen und sie mit Eifer und Energie weiter fort,ühren. Wem sollte es entgehen, daß gerade in unserer Zeit die religiöse Eittheit gar stark bedroht ist. Noch imnter haben wir nicht überwunden den Uebergattg aus der alten in die neue Zeit, aus der alten in die neue Lebensanschauung; ein Uebergang aber vollzieht sich selten ohne gewaltige Bewegungen - und Erschütterungen. Und so ist denn heute fast aller Orten entweder der Kampf bereits mehr oder ntittder heftig entbrannt, oder es sind wenigstens