Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 1 (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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6 liche Welt — alles luftig und duftig! Und heute, wie ist es so anders geworden auf dieser Erde, in deinem Leben! Morsch und zerbröckelt liegt alles vor dir da, zerschellt und zerklüftet; die Jugend ist dahin und mit ihr auch die Unschuld, die Zufriedenheit; die Sonne ist zerronnen und aus ihren Funken gebildet, tanzen Irrlichter, die aus dem Schlamme des Lebens aufsteigen, vor deinen Augen; düster ist's drinnen und draußen und der gepreßten Brust entringt es sich: Goldene Jugend, kehre wieder! aber sie kehrt nicht wieder und was der Ewigkeit Schlund ausgenommen, es erscheint nimmer wieder und das arme Herz seufzt und klagt und sehnet herbei, das Unerreichbare. Doch warum zagen, armes Herz, warum bangen, Menschenbrust, eines kann dir noch immer werden, eines kannst du stets dir retten aus dem Schisfbruch derZeiten — die Heiligkeit des Lebens, das beglückende Gefühl der Freudigkeit am Dasein! Ein Menschenherz gleicht dem Mundervogel der Sage, der aus seiner Asche sich neu verjüngt erhebt, und wenn du es verkohlt, gehaltlos, ohne Kraft und Wärme wähnst, es lebt — ein Menschenherz trotz allen Zeiten und Schmerzen, vermag ewig jung zu bleiben. Hörst du des Schofar Töne, Klänge sind's, die in guter, alter Zeit in heiliger Versammlung dein Herz berührten und ihm auch heute am יום, am Tage des Posaunenschalles der Jugend frohe, selige, glückliche Stimmung verleihen wollen; heilige Klänge sind's, die dich an den Fuß des rauchenden Sinai versetzen, in die Jugendzeit deines Volkes, da es erfüllt von frischen Muth, freudig und vertrauensvoll gerufen: ״Wir wollen schaffen! Wir wollen erfassen!" Heilige Stimmen sind es, die auch deinem Herzen diese Rufe entlocken wollen, daß auch du neu geweiht eintretest in den Weltendienst, daß auch in dir eine neue Welt erstehe, eine Welt der Wahrheit und des Lichts, eine neue Welt, eine heilige Welt, eine Welt, in der die Götzen des Wahns und der Eitelkeit zusammensinken in ihr leeres Nichts und Adonai, der Eine allein nur thront; heilige Stimmen sind's, die des Lebens Heil und Heiligung, Erhebung und Verjüngung verkünden