Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 2 (1875-1876)
- Issue
- 11-12 (8.1876) August-September
- Date
- 1876-08-01
- Page
- [Seite 42] (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
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L > — 314 — man glauben, daß es sich wie ein Mann dankerfüllten Herzens an die Lehre und an den Glauben seiner Väter, denen es alles dies zu verdanken hat, desto fester klammert. Dem ist aber nicht so. I Da kommen die f a l s ch e n Zeitpropheten als Verkünder der glücklichen Zukunft und rufen: ״ נלכה אחרי אלהים אחריםWir wollen dienen dem Fremden!" Der Zeiten Geist drängt, wir wollen und können nicht länger mehr uns auf den breitgetretenen ästen Gedankengeleisen des jüdischen Lebens fortbewegen. Wir wollen alles Confessionelle — ich will nicht sagen Religiöse — bei Seite gelassen wißen. Leichterdings wird nun selten Jemand auf diesen Ruf hören, j um die Axt an die Wurzel des altzn Lebensbaumes des Judenthumes zu legen, aus dem man durch Jahrtausende Licht, Erfrischung und Nahrung gezogen hat. Jeder halbwegs Vernünftige wird zur Bekräftigung des Gesagten von dem neuen Propheten das vorgeschriebene אות ומופת sichere Anzeichen, Beweise, Gründe verlangen. i . Jedoch Beweise und Gründe, zumal Scheinbeweise und Scheingründe, sind mit Anwenduüg von historischer Schönfärberei für Alles leicht zu erbringen. Sie sind daher mit denselben gleich zur Hand. Höret, Drei Dinge, sagen sie, hielten seit ältesten Zeiten wohl das Band der Einheit unter den Bekennern des Judenthums zusammen. §1 S Erstens das Band der gemeinsamen Nationalität, zweitens das Band der gemeinsamen Leiden, drittens das Band des gemeins amen' Glaubens. Die jüdische Nationalität gehe aber in den übrigen Völkern, unter denen wir wohnen, auf. Die ' gemeinsamen Leiden und das Mißgeschick hielten wohl die Söhne Jsraels fester zusammen, als das gegenwärtige Glück. Denn Leidensgeführten sind inniger verbunden, als Glücksgenossen. Die Leidensgenossenschaft aber gehöre in unserer gegenwärtigen Stellung zu den überwundenen Standpunkten. Aber auch das dritte Band, das des gemeinsamen Glaubens, das früher das ganze äußere Leben regelte und ordnete, hätte keinen festen Halt mehr. Denn der Glaube bekunde sich jetzt nicht mehr in dem äußern re- ׳1 ligiösen Thun und Handeln, sondern er ist Gegenstand des inneren Fü'hlens und Denkens. Er habe sich auf sein inneres Gebiet des Geistes und des Herzens zurückgezogen, und dazu bedarf es nicht der Einheit und Gemeinschaft, auf dem Gebiete des Herzens ist sich - l| 1 jeder Einzelne genug! Hier haben wir die verwundbare Stelle, deren Antasten den