Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 2 (1875-1876)
- Issue
- 11-12 (8.1876) August-September
- Date
- 1876-08-01
- Page
- [Seite 38] (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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die Großen und führen ernstes Wort, und es ist uns gelungen, manche Schranke zu brechen, manche Mauer einzureißen, manche Last von uns zu schütteln. Wir können׳ frei nun jedes Gewerbe treiben, an jeden Ort dürfen wir uns niederlassen, und jede Bildungsstätte steht uns offen, wir dürfen Häuser bauen nach unsres Herzens Lust, und unsre Aecker können wir bestellen und unsere Weinberge bepflanzen. Wir sitzen mit im Rath der Weisen und in der Gelehrten ernsten Kreisen erheben wir das ernste Wort. Der Name Jude ist kein Schimpf mehr, und schön unb herrlich ist das Leben uns geworden. Könnten wir hier rufen: כחי ועצם ידי עשה לי את החיל הזה, Ist es unser Werk gewesen? Sind der Menschen Herzen, sind Fürstenseelen denn in unsrer Hand? Wer hat die Geister von dem Wahn befreit? Wer hat die Axt des Fanatismus ihnen aus der Hand gewunden und der Liebe Scepter hingereicht? Wer hat von ihren Lügen der Verblendung dichten Flor gerissen? Wer hat die Herzen denn bezwungen und wer die wilde Leidenschaft gezähmt? Wer hat so plötzlich die Gemüther umgewandelt, uns aus der Felsenzeit des Mittelalters dep Liebesstrom der Gegenwart entquillen lassen? Wer hat die mächtigen Reiche denn gestüzt, wer hat die Millionen Opfer denn gerächt, die der entmenschten Baalspriester rohe Hand dem Moloch ihres Wahns geopfert, wer hat die Schwerter denn zerbrochen, wer die Burgen eingerissen, wer die Blutgesetze denn zerrissen, die eine mächtige Vorzeit gegen uns ergrübelt? Sollte es das schwache gehetzte Juda denn gewesen sein? Befreit der Wehrlose allein sich aus der Hand des Starken? O nein, das Glück, das wir heute genießen, die Sonne, die 1ms heute strahlet, der Schatten, der uns heute kühlet, wir danken's ihm, dem Herrn der Welten, ganz allein. So gleichen wir Menschen und besonders wir Israeliten einem Menschen, der sich die Gnade eines Fürsten erworben hat. Er zieht ihn an seinen Hof, zeichnet ihn vor Allen aus, giebt ihm ein schönes Schloß und Park und Felder und Weinberge dazu. Er öffnet ihm auch seines Geldes Schätze. Und so wird reicher der Mann. Wem dankt er's, sich oder seines Fürsten Gnade? Was wir besitzen, ist unseres Gottes Gabe, das Hirn mit den Gedanken, das Blut mit seinem Willen, dies Alles ist ein Gottesgeschenk, und was wir damit erreichen, das haben wir durch Gott erreicht. Hat da nicht Recht gehabt der greise Lehrer Mose, wenn er einst gerufen: ״ וזכרתSei des eingedenk!"