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Israelitisches Predigt-Magazin · 1876-05-01 · 8-9 (5.1876) Mai-Juni · p. Seite 258

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Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
2 (1875-1876)
Issue
8-9 (5.1876) Mai-Juni
Date
1876-05-01
Page
Seite 258 (sequence 46)
Language
German
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258 willenloseste Werkzeug in der Hand seines Zwingherrn, den Muth hat, vor seinen Führer hinzutreten und zu sprechen (Deut. 1, 22): ״Laß uns Männer vor uns herschicken, daß sie uns erforschen das Land und uns Bericht erstatten über ben Weg, auf dem wir hinaufziehen, und über die Städte, zu denen wir kommen werden", die Thatsache, daß Israel bald nach seiner Befreiung aus Egypten einer! ausgeprägten, einrnüthigerr, festen Volkswillen entfaltete, schon diese Thatsache allein ist so erfreulich, daß sie zur Genüge die Bereitwilligkeit erklärt, mit welcher Moses dieser Forderung seines Volkes entgegenkam, aber noch weit erfreulicher ist es, daß wir diese Forderung selbst auf eine hervorragende Eigenthümlichkeit unseres Volkscharakters zurückzuführen berechtigt sind. Wir Israeliten, nr. A., sind ״ כאמינים בני כאמיניםgläubige Nachkommen Gott ergebener Ahnen;" wir sind das Volk der Religion schlechthin; wir haben uns auf unserer Wüstenwanderung nicht blos vorn Nil bis zum Jordan, sondern auch vorn Jordan bis zun! Euphrat und Tigris, bis zu den entlegensten Gestaden aller Weltmeere von dein reinsten Gottvertrauen, von dem Glauben an ben gütigen Schöpfer und Erhalter des Alls leiten und führen lassen, niemals jedoch haben wir uns der Obhut dieser Wegweiser mit geschlossenen Augen überlassen. Wir haben immer auf Gott vertraut, weil wir unser Selbstvertrauen niemals verloren hatten, wir habsn uns den Glauben der Väter rein und unverfälscht bewahrt, weil wir uns eine Ueberzeugung zu verschaffen bemüht waren. Wir Israeliten sind gläubig, weil wir die Grenzen kennen, bis zu welchen das Gebiet menschlichen Wissens reicht, aber innerhalb dieser Grenzen lassen wir den Glauben nicht in erster und nicht in letzter Reihe gelten, innerhalb dieser Grenzen wollen wir vom Glauben nichts wiffen, weil wir an die Macht des Wissens glauben. Und dieser Eigenthümlichkeit begegnen wir' schon in der Wüste bei unseren Ahnen, die es nicht bewenden ließen bei der Versicherung, daß sie das Land der Verheißung erobern werden, sondern die sich von der Möglichkeit, die Bewohner dieses Landes zu besiegen, mit eigenen Augen überzeugen wollten. Daß die Gesandten die drohenden Gefahren mit grellen Farben gemalt, daß sie Alles mit dem scheuen Blick der Furchtsamkeit angesehen, daß die Stammesfürsten ihr eigen Volk bethört und zur Empörung aufgereizt, ist eine Verirrung, für die unsere Väter gebüßt, und dw auch wir beklagen müffen, aber darüber wollen wir doch nicht vergeffen, daß

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