Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 2 (1875-1876)
- Issue
- 8-9 (5.1876) Mai-Juni
- Date
- 1876-05-01
- Page
- Seite 250 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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250 Bescheidenheit uns als erstrebenswerthe Äugend anempfiehlt? ״Als an Mose der göttliche Befehl erging, siebzig Greise aus den 12 Stämmen Israels zu wählen, befand er sich nach einer Erzählung unserer Alten in einer eigenthümlichen Verlegenheit. Wie soll ich thun? fragte er sich. Soll ich aus jedem Stamme 6 wählen? Allein dann umgehe ich den ausdrücklichen Befehl Gottes. Soll ich von 10 Stämmen je 6 u. von zweien je fünf nehmen? Allein הרי אני מטיל קנאה בין שבט ושבט dann muß ich befürchten, Eifersucht u. Zwist zu erregen zwischen einem Stamme u. dem anderen." Und wer befreite ihn aus dieser Verlegenheit? אלדד ומיהה היו שם} ומיעטו עצמן« אין אנו כדאי להיות במיני! הזקנים ועל ״ שמיעטו עצמן נמצאי יתרים על הזקניםEldad u. Medad waren zugegen u. schlossen sich selbst von der Zahl der zu Wählenden ans. ״Nicht gebührt uns der Vorzug, unter die Greise gewählt zu werder:", sprachen sie bescheiden. Und weil sie in Bescheidenheit von der Wahl zurückstanden, zeichneten sie sich eben dadurch vortheilhaft vor beit Anderen aus." (Midr. Rabboth. Num.) Ja, auf das Nachdrücklichste u. Eindrucksvollste legt uns der heutige Wochenabschnitt die Verpflichtung an's Herz, nach Bescheidenheit zu streben, wenn er unserem großen Lehrer Mose nachrühmt: והאיש משד, ענו מאד ״ מכל האדם אשר על כני האדמהUnd der Mann Mose war sehr bescheiden vor allen Menschen der Erde", (,Numeri. XII. 3) So will es uns denn ein Wort zu seiner Zeit scheinen, am heutigen Lage von geweihter Stätte aus, in dieser Stunde der Andacht u. religiösen Belehrung gewidmet, in aller Kürze u. mit schlichten Wor- . Len die Fragen zu erörtern: Wozu uub in welcher Weise frommet uns Bescheidenheit? Leiten mögen uns die Worte der Schrift. ״Und der Mann Mose war sehr bescheiden vor allen Menschen der Erde". 1. ״ והאיש משה ענו מאדUnd der Mann Mose war sehr bescheiden". In dem Tugendkranze, welcher um die Stirn unseres großen Lehrers gewunden ist, erscheint die Bescheidenheit nicht gerade als sein geringfügigster Schmuck. Wenn wir des Mose Thaten u. Erfolge uns vor die Seele führen; wenn wir bedenken, welchen Mächten dieser Mann Trotz zu bieten vermocht; wenn wir erwägen, daß seine Worte dem Pharao schließlich unbedingt zu vollstreckender Befehl geworden, daß das wildschäumende Meer vor seinem erhöbe-