Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 2 (1875-1876)
- Issue
- 8-9 (5.1876) Mai-Juni
- Date
- 1876-05-01
- Page
- Seite 214 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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214 liegt in ihm aber ein ewig Wahres, ein allgemein Gütiges, und das ist es, was wir durch eine auftnerksame Betrachtung in ihm finden wollen. I. ״ וחייתםUnd ihr werdet leben." Das Leben des Einzelnen und das Leben einer Gemeinschaft von Menschen, besonders von Israeliten, das ist das heißersehnte Ziel des Propheten. Aber worin sieht ein Prophetenauge das wahre Leben. צדיקים אף ״ במיתתם! קרוים חייםDie Gerechten werden selbst bei ihrem Tode Lebende genannt, אבל הרשעים אף בחייהם קדוים מתים aber die Frevler werden selbst in ihren! Leben Todte genannt." Also צדקה, Gerechtigkeit im Sinne der Schrift, die dies Wort angewendet, treues Festhalten und Ausüben der Befehle, die der Allgerechte gegeben, treue Hütung seiner Anordnungen, inniges Bewahren derselben, das ist צדקה im ursprünglichen Sinne, und das ist Leben, so unvergängliches, daß es den! Tode trotzt; aber רשעה, das ist Trotz gegen die Gottesbefehle, Abfall von den Bestimmungen, die der Welten Herr gegeben, leichtsinniges Verlassen und absichtliches Vergessen derselben, die Auflehnung und der Ungehorsam, die Hartnäckigkeit und Widerspenstigkeit, die Treulosigkeit und muthwillige Versündigung, das ist רשעה, das ist so sehr Tod, daß selbst das glänzendste Dasein, die strahlendste Lebensstellung, der unermeßliche Reichthum, der üppigste Genuß, der gewaltigste Ruhm ihn nicht aufhalten, nicht verdecken können. So ist das Gesetz für den Einzelneu, so auch für die Gemeinschaft. Trägt sie ihren Namen noch, hat sie ihre Sammelhäuser, hat sie ihre Heilsanstalten, hat sie ihre Verwaltungen, aber erben sie sich nur wie lästige Gesetze fort, liegen sie nicht mehr der Gemeinschaft am Herzen, stehen die Häuser leer, werden die Anstalten spärlich besucht, denken die Verwaltungen nur an das Sparen, Geldhüten und Geldsammeln, denken sie nur an ihre Ehre und ihre Stellung, ist ihnen die Erhaltung der Gemeindeziele, der Religionsgesetze nicht ans Herz wie das Theuerste ihres Lebens gebunden, wird das Wort der Lehre in den Häusern nicht gelesen und der Jugend nicht als Kleinod empfohlen, wird es in der Gemeinde nicht mehr gepflegt und erforscht, werden die Folianten nur zu Staubbewahrern, und die, welche sich der Wissenschaft der Religion, der gemeinsamen Vergangenheit widmen, gleichgütig behandelt, dann ist eine solche Gemeinschaft — t o d t. Und wenn