Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 2 (1875-1876)
- Issue
- 4-5 (1.1876) Januar-Februar
- Date
- 1876-01-01
- Page
- Seite 142 (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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142 Asche des verbrannten Entsündigungsopfers und thue darauf lebendes Wasser in ein Gefäß". Erst das aus dem מקור מים חיים ״aus dem lebendigen Quell hervorsprudelnde Wasser" vollzog und vollendete die Reinigung; erst der in dem Menschen waltende und schaffende lebendige Geist Gottes, den der Prophet als jenen Quell lebendigen Waffers bezeichnet, kann und darf sich an das göttliche Wort heranwagen, wenn es uns-nicht als todt und inhaltslos entgegenstarren soll. — Gleichwie ein kunstvolles, in all' seinen Stücken vollkommenes Gemälde erst Leben gewinnt und in seiner ganzen Erhabenheit und Vollendung sich darstellt, wenn es von einem Kennerauge allgeschaut wird, das Ln dem Kunstwerke die ihm zu Grunde liegende und mit ihm in's Leben gesetzte Idee des Künstlers sieht: ebenso kann die Hoheit und die Tiefe des göttlichen Wortes nur der erblickell und ganz durchschauen, der an dasselbe mit klarem, ungetrübtem geistigem Auge und mit lauterem, fleckenlosem und empfänglichem Herzen herantritt. Erst dem frommen Gemüthe und dem forschenden Geiste, dem besseren und göttlichen Theile im Menschen, offenbart sich der in den scheinbar tobten Buchstaben enthaltene, lebendige göttliche Geist, wie Gleichartiges dem Gleichartigen. — Und diesen Mangel an Empfindullg und Empfänglichkeit des Herzens für die Religion und die göttlichen Satzungen, und diese Trägheit in der Anwendullg der von Gott uns verliehenen Gabe des Geistes, diese Veruntreuung des uns anvertrauten Gutes der Vernunft —, Vorzüge und Kräfte, die wir heutzutage auf allen Gebieten des vielgestaltigen Lebens sich bethätigen, nur auf dem Gebiete der Religion und der Erforschung der göttlichen Wahrheiten ungenutzt bei Seite liegen sehen —, diese Gleichgiltigkeit hat schon der Prophet in unserer heutigen Hastarah gerügt. Ein empfindsames Herz und ein auf das göttliche Wort gewandter Geist sind die Zeichen und die Merklnale einer schönen, idealen Zukunft, die der Prophet verheißt. ״Und ich gebe euch ein neues Herz, und einen neuen Geist gebe ich in eure Brust, und schaffe das Herz von Stein aus eurem Körper und gebe euch ein Herz von Fleisch. Und meinen Geist gebe ich in eure Brust und bewirke, daß ihr nach meinen Satzullgen wandelt und meiner Rechte wahret und sie thut." — Zwar ist uns die Zuficherung geworden, daß dieser göttliche Geist nicht schwinden werde aus Israel; aber dennoch muß es das Herz der Männer, die ihr Leben dem Dienste der Religion und der Forschung in der heiligen