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Israelitisches Predigt-Magazin · 1877-01-01 · 3 (1877) · p. Seite 209

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
3 (1877)
Issue
3 (1877)
Date
1877-01-01
Page
Seite 209 (sequence 45)
Language
German
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V — 209 — genannt, ansehen und schon darum, so weit es an ihm liegt, Frieden und Eintr-acht anstreben; er sollte sich aber auch m oralisch verpflichtet fühlen, den Frieden mit und in sich zu wahren, das ist, das Gleichgewicht seiner Kräfte herzustellen, eine Uebereinstimmung zwischen Wollen und Können, Sollen und Müssen zu erzielen; er sollte als eine mit so mannig-' fachen moralischen Machtmitteln reichlich ausgerüstete zum ideellen Streben angelegte Natur zeigen, daß der Mensch Alles kann, wenn er will, nur solle er auch wollen, was er kann! Allein wie läßt doch der Mensch ungehoben den reichen, in sein Inneres von einer gütigen Vorsehung gelegten Schatz; wie untreu wird er doch der ihm gewordenen Ausgabe und der mit des Menschen Geburt beabsichtigten Zweckbestimmung! Die Genien des Friedens und der Wahrheit verhüllen ihr Antlitz vor Scham, sich durch des Menschen Sinnen und Trachten, Gefühle und Thaten so oft hohngesprochen zu sehen. Die gnadenreiche Milde und Liebe legen zwar in der Beurtheilung des Menschen ihr Rettungswort in die Wagschale; der mit dem. Gottesgnadengeschenk einer unsterblichen Seele ausgerüstete Mensch, vermag sich auch, so urtheilen diese es mit den Menschen gut meinenden holden Genien, die sich Jedermann in seinen Tugendwerken nach dem Ausspruch unserer Weisen erschaffen könne, von der Erdscholle zur Lichthöhe, von der Engherzigkeit zur Hochherzigkeit, von dem selbstischen Schaffen zum uneigennützigen Wirken emporzuheben! Nimmermehr sagt die Wahrheit. כלו שקרים Lug und Trug sind des nur auf Eigennutz bedachten Menschen bewegende und treibende Kräfte; sein eigenes kleinliches ״Ich" im Auge, übt der Mensch das Gute nicht des Guten, sondern der mehr weniger zu Tage tretenden Nebenabsichten wegen; דכלו קטטה engänzt der Genius des Friedens, von einem Krämergeist beseelt, ist der Mensch eine zänkische, hadersüchtige Natur, milde gegen sich, streng gegen Andere; von Schelsucht, Mißgunst, Neid vergiftet, in der Anschwärzung Anderer seiner eigenen Thaten Beschönigung suchend, kann er Andere nicht glücklich, nicht geachtet sehen — ohne stch selbst unglücklich, zurückgesetzt zu finden.

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