Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 3 (1877)
- Issue
- 3 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- Seite 200 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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200 stehende große und herrliche Zukunft anstimmen. Und wer hatte Recht? Die ungläubigen Römer, oder der glaubensstarke jüdische Rabbi? Die Römer, welche auf ihren stolzen Lebensmuth pochten, sie sind schon mehr als anderthalb Jahrtausende von der Erde verschwunden, das damals tiefgebeugte jüdische Volk hat sich aus dem Staube der Bedrückung erhoben, ist wieder auserstanden, wurde wieder neubelebt, lebt und wird leben bis zum Ende aller Zeiten. So können wir, m. g. Z., heute, wo schon mehr als anderthalb Jahrtausende über dieses Ereigniß hinweggezogen sind, unseren Gott preisend und lobend ausrufen: ״Was geschehen ist, wird wieder sein,- Israel war und wird ewig sein." II. ״Was geschehen ist, wird wieder geschehen." M. g.Z.! Die zweite Frage bei unserem Rückblicke in die Vergangenheit lautet: was ist geschehen, was war und worin bestand das Wirken des jüdischen Volkes während der Jahrtausende seines Bestehens? Die Beantwortung dieser Frage kann uns nicht schwer fallen, der bekannte und jedem Israeliten geläufige Spruch im Tractate Aboth gibt sie uns. Dieser Spruch lautet: ״Drei Dinge sind die Grundpfeiler der Welt, die Gotteslehre, der Gottesdienst und die Wohlthätigkeit." Rabbi Juda, Sohn des R. Bezalel, dessen Andenken in unsererer Gemeinde noch heute so hoch gefeiert wird, und dem unsere Chebra Kadischa ihre Entstehung verdankt, erläutert diese Mischna durch folgende sinnreiche Betrachtung. Alles, was Gott geschaffen hat, sagt er, ist entweder gut an sich selbst, oder es ist gut in Bezug auf ein anderes Schöpfungswerk; wo diese beiden Voraussetzungen fehlen, ist der Untergang unvermeidlich. Dem Menschen, als der Krone der Schöpfung, muß das Bestreben innewohnen, beides zu erreichen; er darf keinen Augenblick die Veredlung seiner selbst, die Ausbildung seiner Geisteskräfte außer Acht lassen, er muß aber auch bedacht sein, seine Be- Ziehungen zu Gott, als seinem Schöpfer und Erhalter, und zu seinen Nebenmenschen durch gute Handlungen immer inniger