Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 3 (1877)
- Issue
- 2 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- Seite 114 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/9616701-9617072-9616818--0874-9616844- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
114 ist deshalb, fragen wir, das Räthsel der Weltleitung gelöst? das Wunder begriffen? Ist mit dem neuen Namen ״ Natur - gesetze" in Wahrheit etwas mehr gesagt, als daß die Gesetze, nach denen die Natur regiert wird, Wunder sind, die regelmäßig wiederkehren, und die man daru m müde wird, tagtäglich zu bewundern, und deshalb mit dem umfassenderen Namen ״Naturgesetze" bezeichnet? Wie es, irt. a. Z., bei großen Kunstwerken so oft der Fall ist, man vergißt, in Anschauung versunken, nach deni Künstler zu fragen, man vergißt über dem Werke des Meisters, so ging es auch hier bei dem größten aller Kunstwerke, bei der Natur. Ueber der Großartigkeit der Erscheinungen in ihr, über der Mannigfaltigkeit ihrer Geschöpfe vergaß man, nach dem Schöpfer zu fragen, ja man ging noch weiter, man vertauschte Werk und Meister, Geschöpf und Schöpfer, man ver g ö t t e r t e die Natur, man vermeinte, in der ,׳Natur Gott schon zu haben; und so weiß denn auch unsere ן Gegenwart so viel von der Weisheit der Naturgesetze zu re- I den, und so wenig von der größeren Weisheit des Gesetzj gebers. M.. A.! Wir haben es gesehen, wie gar sehr die | stumm-beredte Zeugenstimme der Natur mißverstanden worden. Weil ״ohne Rede, ohne Worte", deshalb ״wurde ihre Stimme nicht verstanden". Darum bedurfte es eines neuen Zeugen, und der ist: Israel. ״ דקעד לאומים נתתיוSiehe, zum Zeugen für die Völker habe ich. ihn eingesetzt". Ihr seid meine Zeugen, und ich bin Gott!" Israeliten! Die Frage, ob es einen Gott giebt, der der Natur die Gesetze vorschreibt, die Frage, ob eine Vorsehung waltet auf Erden, die Fragen, ob Gott liebt, ob Gott straft, diese Fragen alle, von deren Beantwortung die Möglichkeit einer Religion abhängt, sie sind gelöst durch einen Blick auf den Zeugen Gottes, der da erstand in jener Nacht, als Gott zu den Gefesselten sprach: Ziehe heraus! als Gott seine Hand ausftreckte über den Uebelthäter Mizraim, daß er erzitterte in allen seinen Lebensfiebern ob dem Finger Gottes, der ihn be- . rührte. Seit jener Gnadenzeit ist das Ohr der Tauben geöffnet, das Auge der Blinden erhelli, daß sie hören die Stimme