Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 3 (1877)
- Issue
- 1 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 noch immer die Menschen unter den Bäumen des großen Weltgartens und sammeln die Früchte und sammeln so emsig, daß sie keine Zeit finden, zu lauschen auf die Stimme des Herrn und ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden seinem mächtigen Wort. Sie hängen sich an den vergänglichen Erwerb, an niederen Genuß, an äußeren Flitter und Glanz — und verbergen sich vor Gott, brechen die Verbindung mit ihm ab, wollen nicht berührt werden von seinem belebenden Hauch, keinen leichten Strahl aus Himmels Höhen dringen laßen in ihr Herz. — Sie sitzen im erquickenden Schatten der herrlichen Bäume, und ihre Früchte schmecken gar süß dem Gaumen — da mögen sie nicht daran denken, daß eine höhere Gewalt sie von ihnen losreißen und aus dem Garten Hinaustreiben könne, da vermögen sie es nicht zu ertragen, daß nicht ihr Wille allein auf Erden gelten soll, sondern das göttliche Machtwort die Welt beherrscht. Und was Ihnen sie? Sie welchen solchen Gedanken und Vorstellungen aus, sie fliehen förmlich Alles, was sie an ihre Abhängigkeit von der Vorsehung erinnert, sie verbergen sich gleichsam vor der Gottheit, wo sie durch die Ereignisie deutlich zu ihnen spricht. Das eben ist der Menscheu Art, daß sie sich vergraben in den irdischen Besitzungen, sozusagen eine Scheidewand Herstellen zwischen sich und dem Himmel und sich dann einreden möchten, daß die Stimme des Ewigen diese Scheidewand nicht durchbrechen, seine mächtige Hand sie nicht in ihrer Verborgenheit erreichen könne! Aber, mochte auch Adanl sich eine Zeit lang vor dem Herrn verbergen, schließlich mußte er doch Hervorkommen aus seinem Verstecke — denn immer näher trat die Gottesstimme, immer deutlicher und mächtiger wurden ihre Laute, sie drang mit einer Gewalt auf ihn ein, daß er nicht länger mehr zu widerstehen vermochte. ויקרא ד א' אל האדם ויאמר לו איכה ״Es rief Gott der Ewige den Adam und sprach zu ihm: wo bist du?" und da kam er beschämt hervor und stellte sich vor seinen himmlischen Richter. Ja, m. A., mag der Mensch auch oft genug seinen Schöpfer zurückweisen, es treten doch Tage im Leben ein, wo dieser sich nicht zurückweisen läßt, wo