Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 29 (1968)
- Issue
- 2297 (6.12.1968)
- Date
- 1968-12-06
- Page
- [Seite 8] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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o°m FRANQUEO PAGADO Conces'ón 908 fc Ï c ir 4> R t» c O L 4) < O tarifa reoucioa Concesión 1629 SEMANA ISRAELITA Año XXIX BUENOS AIRES, VIERNES 6 DE DICIEMBRE DE 196« N* 2m en toda la República EL EJEMPLAR 30.- PUEYRREDON 2190 1» l*q. T.E. 83-2613 Buenos Aires Unruhe unter den Palaestinensem »Gebt uns eine Chance“, sagten vor kurzem die Bürgermeister einiger Städte von Samaria dem Sicherheitsminister und dem Militärkommandanten des Distrikts. sie wussten, dass sie nach zwei unruhigen Wochen von Schiilerstreiks u i -demonstrationen. von Ausgel erboten und Landesverweisungen im Grün, le keine Wahl haben; entweder sie sorgen für die Wiederherstellung von Ruhe uni öffentlicher Ordnung und setzten sich gegen die extremistischen und aufsässigen Elemente durch oder die israelische Militärverwaltung wird für Ruhe und Ordnung sorgen, was nicht nur für die betreffenden Städte mit weitreichenden und recht unangenehmen Folgen verbunden wäre, sondern auch für die traditionelle Führung der palästinensischen Bevölkerung in Judäa und Samaria. Nach eineinhalb Jahren lit>era!e.i Besrtzungsregimes haben die Palästinenser viel zu verlieren; die offenen Brücken nach Transjordanieu und die offenen Wege zu Arbeitsplätzen in Israel; die Möglichkeit Handel mit Israel und Transjordanien zugleich zu betreiben und von ZEEV BARTH manches mehr. Solange nur ihr Herz für Hussein schlägt, haben sie nichts zu befürchten sie dürfen fühlen, denken, sagen und glauben, was sie wollen solange sie nichts tun, was die Ordnung stört. Bisher hatten die Bürgermeister und Stadtverordneten zuminoest geduldet, dass Schüler und Schülerinnen nicht nur in den Streik traten, sondern auch mit provokativ-antiisraelischen Parolen durch die Strassen zogen, Steine warfen und Chausseen blockierten. Dieses Verhalten der halbwüchsigen Mädchen und Burschen entsprach zwar wedei der „Ideologie“ noch der Taktik der traditionellen, husseinistischen Führung, aber man bekämpfte die Unruhen nicht, aus Angst, des Verrats und der .Kollaboration ' bezichtigt zu werden. Die wirklichen Rädelsführer der- Unruhen stehen — soweit sie nicht inzwischen na_h Transjordanien abgeschoben wurden — auf der äussersten Linken und damit in Opposition nicht nur gegen Israel, sondern auch gegen die Bürgermeister und sogar gegen Hussein. AN DER DIPLOMATISCHEN FRONT Aufgabe hätten, die „arabschen Rechte“ zu schützen. Die Beobachter weisen darauf hin, dass der Kreml dazu übergegangen ist, den Araber klarzumachen, dass sie im Falle eines Krieges mit Israel nicht auf russische militärische Hilfe rechnen dürfen. Man glaubt hier, dass die Russen überrascht waren, als Israel kürzlich eine Vergeltungsaktior. gegen ägyptischen Ziele in der Nähe des Assuan-Damms unternahm. und dass Moskau Kairo den Rat erteilt habe, keine neuen israelischen Repressalien herauszufordern, die -ich diesmal gegen das Stauwerk selbst richten '-önnten. ISR AELS EXISTENZRECHT London. — Während sowjetische Sprecher fortfahren Israel als Friedensstörer im Mittelosten anzuklagen und den Abzug aus den besetzten Gebieten zu fordern, bezeichnet der Kreml andererseits eine friedliche Lösung des Nahostkonflikts als wünschenswert und betont Israels Recht, als unabhängige Staat zu existieren. wie ein Korrespondent der JCNS mitteilte. Am einer kiirzlichen Pressekonferenz erklärte der sowjetische Aussenminister Andrei Gromyko, es sei zwax ein Irrtum anzunehrnen. dass die Friedensbemühungen in eine Sackgasse geraten seien aber man könne auch nicht behaupten dess ..realistische Fortschritte“ erzielt wurden, so dass die Gefahr weiter bestehe Er „bedauerte“ Israels Weigerung, die Räumung der besetzten Gebiete vorzunehmen, ohne die keine Lösung zu erwarten sei. und empfahl den israelischen Staatsmännern ihre Posi ion zu revidieren, da dies im Interesse Israels lägi. .Aber alle möglichen Lösungen“, fügte er hinzu, „müssen das Recht Israels aut eine Existenz als unabhängiger Staat anerkennen.“ BEOBACHTER IN WASHINGTON Washington. — In westlichen diplomatischen Kreisen ist man der Ansicht, dass Sowjetrussland nicht pla nt, zugunsten der Araber militärisch zu intervenieren, da die Russen letzthin unterlassen naben, in Pres.seerx ärung«n über ihre Flot-!,etil>“wegungen im Mittel-! me^i zu erwähnen, dass die sowjetischen Schiffe die KEINE ILLUSIONEN Tel Aviv. — Die Warnung der NATO an die Sowjetunion hat zum ersten Mal d.2 vergeblichen Bemühungen enthält, welche Israel im Jahre 1950 unternahm, um entweder eine klare USA-Garantie seiner Sicherheit oder aber seine Aufnahme als Vollmitglied der NATC zu erlangen. Israel schreibdas Scheitern seiner Bemühungen, die von seinen Freunden in Europa gefördert wurden, heute noch der Illusion Washingtons zu. wie sie am besten in der sogen. Eisenhower- Doktrin zum Ausdruck kommt, dass die USA die arabischen Staaten zu einer prowesiiichen Allianz bewegen könnten. Inzwischen hat Israel gelernt, sich auf seine eigene Verteidigungs - Kapazität zu verlassen und unterliegt nicht mehr der Versuchung, eine Garantie seiner Sicherheit von der NATO zu verlangen, die keinen direkten Bezug auf die israelisch-»rabi*<eUe Lage und. EIN AI,TER TRICK Mittelschüler, besonders abei Schülerinnen vorzuschieben, ist ein alter Trick am Westufer. Dieser Methode bediente sich die Opposition schon gegen Hussein und seine Beduinen-Legio näre Nichts wäre den Rädelsführeri lieber, als Zahal in Konflikt mit jungen Mädc' en zu verwickeln und in der Weltpresse Fotos zu publizieren, wie israelische Soldaten junge Araberinnen an Jen Haaren von der Strasse zerren. Der Einsatz der Mittelschüler als „Stosstrupp“ hat auch andere Gründe. Zunächst einmal heisst es, sich von den israelischen Vorstellungen zu trennen dass es sich nur um 14—lßjährige Kinder handelt. In den arabischen Ländern kommen die Schüler oft erst in fortgeschrittenem Alter in die Mittelschule, insbesondere ist dies bei der Dorfjugend der Fall, sodass die Demonstranten zumeist 17 bis J8 oder mehr Jahre alt und somit jener Kategorie hinzezuzählen sind, die in der übrigen Welt schon unter dem Begriff „Studenten firmiert. Darüber hinaus ist die Schuljugend viel leichter für extremistische Paro'en und Handlungen zu gewinnen und zwar nicht nur wegen der altersbedingdie Beibehaltung der besetzten Gebiete hat.t.»—, ESHKOLS USA-REISE ABGESAGT Tel Aviv. — Ministerpräsident Levi Eshkol iiess ankündigen, dass seine geplante Reise nach den USA abgesagt worden ist. Die offizielle Erklärung hierfür lautet, dass sowohl Präsident Johnson wie der gewählte Präsident Nixon gegenwärtig überbeansprucht seien. Es kommt hinzu, dass Eshk-l selbst durch seine kiirzliche Ei'krankung und die Anhäufung unerledigter Angelegenheiten gerade jetzt schwer abkömmlich ist. Politische Beboachter se-- hen allerdings den Aufschub der USA-Reise Eshkols im Licht neuer Spannungen zwischen Jex'usalem und Washington, die sich aus der vei’steiften und un. geduldigei Haltung des State Department ergeben haben. Die Grenzfrage ist angeblich ein Grund für einen stäx-keren Druck auf Israel und das State Department besteht darauf, Israels Minimalforderungen für eine friedliche Lösung zu erfahren. Israel wartet nunmehr auf den Amtsantritt des neuen USA - Präsidenten, dessen Haltung für die weitere Entwicklung in Mittelost entscheidend sein wird. Inzwischen hofft Jerusalem, das Abkommen über den Verkauf der Phantom-Kampfflugzeuge mit der Johnson- Administration endgültig abzuschliessen, während es andererseits versucht, sich nicht nurch die Unterzeichnung des Atom Vertrages die Hände zu binden. (JCNS) ten Unüberlegtheit, sondern auch, weil sie noch nicht wirtschaftliche Erwägungen anzustellen pflegt. Ein Kaufmann muss sich wohl überlegen, ob er sein Geschäft schiiesst, ein Arbeiter ist gezwungen, an den Entgang des Verdienstes oder gar an den Verlust der Arbeitsplatzes im Streikfall zu denken, während der Schüler von all diesen Ueberlegungen frei ist. URSACHEN UND ZIELE Wenn man den Ursachen unu den Zielen der Demonstranten und der Unruhestifter nachgeht, befindet man sich sehr bald in einem regelrechten, schwer zu durchdringenden Dschungel. Sie sind zunächst einmal in den politischen Auseinandersetzungen in Transjordanien zwischen den Befürwortern der pi’owestliehen Politik Husseins und der nationalistischen Linksopposition um Suleiman Nabulsi zu suchen. Die Linkskräfte in Samaria und Judäa möchten durch pronasseristische und radikale Parolen ihrer Solidarität mit den Gesinnungsgenossen in Amman Ausdi'uck verleihen und deren Position im Kampf mit Hyssein stärken. Hmzu kommen die GerueWe über angebliche israelisch - transjordanische Vernandlungen Diese wirken sich dreifach — und stets negativ — auf die Lage in den besetzten Gebieten aus; «_ 9 Sie veraiülksen die pronasseristischt Opposition zu einem verstärkten Kampf gegen jeden israelisch-transjordanischen Separatfrieden und für das Verharren bei de x Beschlüssen von Khartum; \ O Die Äoffnung (oder je nachdem; Befürchtung), dass Husseins Rückkehr nach dem Westufer bevox-steht, ver inlasst manche Palästinenser oder „Palästiniste;» , sich ein Alibi für ihre bisherige Kooperation mit dertey raeiischen Militärverwaltung durch antiisraelische Demonstratione - zu schaffen und lässt manche bisherigen Befürworter einer Dii'ektregeiung mit Israel aus Angst vor Husseins Rache ins Lager der Radikalen umschwenken; # Der Protest gegen eine israelisch - transjordanische Regelung „über ihre Köpfe hinweg“, da sie das Gefühl haben, dass wieder einmal über die Palästinenser ohne ihre Mitwirkung entschieden werden wird. Schliesslich darf auch nicht die konstante Verbitterung angesichts der Tatsache ignoriert werden, dass wir Israelis nach wie vor am Jordan stehen und auch anderthalb Jahre nach dem Krieg keine Anstalten machen von dort abzuziehen, vielmehr wollen wir noch ein jüdisches Viertel in Hebron und Ostjerusalem erbauen. Die Phantasie der Palästinenser ist ebenfalls mit im Spiel. Einmal heisst es, die Juden hätten die Machpela- Höhle entweiht ein anderes Mal ist von der Aussiedlung von 200 arabischen Familien aus der Jerusalemer Altstadt die Rede, die durch Juden ersetzt werden sollen, dann wieder von 17 toten Schülern in Jenin, die von israelischen Soldaten bei einer Demonstration getötet worden sein sollen. Eine weitere Ursache der wachsenden Unruhe ist zweifellos auch die zunehmende arabische Rundfunk- und Fernseh - Propaganda. Amman hat zwar Angst vor den Demonstrationen der Linksradikalen, weil sie sich ungünstig auf den Foxtbestand des Regimes auswirken könnten, aber es nat auch Angst vor einer Ruhe im Westufer, die dazu führen könnte, dass die Bevölkerung sich langsam mit der israelischen Präsenz abfindet. ZWISCHEN SAMARIA UND JUDAEA Dem aufmerksamen Zeitungsleser dürfte es aufgefallen sein, dass alle Schülerstreiks und Demonstrationen sich im Grunde nördlich von Ramalla abspielten, während Judäa im Süden ruhig geblieben war. Worin liegt der Unterschied zwischen den beiden Teilen des Westufergebietes? Zunächst einmal muss man verstehen, dass politisch unter Judäa im Grunde nur Hebron und Umgebung zu verstehen sind. In Ostjerusalem ist das Risiko für die Unruhestifter zu gross, BethlehgOL.- -ist ein Sonderfall (zahlreiche Christen heilige Stätten, wirtschaftliche und touristische Abhängigkeit von Jerusalem;, und Jericho ist politisch total unbedeutend. Bleibt also Hebxon. Die Gegend von Hebron unterscheidet sich aber mit ihrem religiös - traditionellen feudalen System, familiären Bindungen und Mangel an Industrie radikal von Nablus oder Ramalla, die in gewissem Sinne viel „entwickelter“ und „fortschrittlicher“ sind. Während in Hebron die traditionellen Führer noch ihren Einfluss auszuüben imstande sind und ihre Ablehnung von Unruhen von der Bevölkerung nolens volens akzeptiert wird, wurden die traditionellen Führer von Samaria von Radikalen links überholt und haben ihre Städte weniger im Griff. Hinzu kommt noch die Angst, die den Hebronerrv seit der Zahal-Aktion gegen die Attentäter an der Machpela-Höhle in den Knochen steckt. DIE GAZA-ZONE Die Gaza-Zone ist ein Kapitel für sich. Sie unterscheidet sich von Judäa und Samaria zunächst einmal durch die Tatsache, dass während die Westufergebiete eine administrative Bindung an Transjordanien haben, die Gaza-Zone niemals ein integraler Bestandteil Aegyptens war und eine administrative Bindung somit auch nichi besteht. Sogar die Terroraktionen in der Gaza-Zone sind weit primitiver als diejenigen an der transjordanischen Grenze. In der Zone gibt es keine wohlorganisierte Terrorgruppe, da gibt es nur Einzelgänger, die ihrem Hass gegen Israel durch vereinzelte Granatenwürfe Luft 6 Mona)« Gefängnis Frankfurt am Main. — Der 57 jährige Arbeiter Rudolf Kölle wurde zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt, weil er währendder Rosch Haschana-Andacht im vergangenen September einen Stein durch das Fenster der frankfurter Baumwag- Synagoge geschleudert batte. Kölle sagte dem Gerichtshof, er sei „gegen alles, was mit Juden zu tun hat“, und er habe das Fenster zertrümmert, als er die Gebete aus der Synagoge hörte. (JCNS) machen. Das ergibt für die Sicherheitsorgane erhebliche Probleme, denn es ist viel einfacher, einer organisierten Gruppe auf die Spur zu kommen als einem Einzelgänger oder einem kleinen Grüppchen von Verschwörern. FUER DAS „NEIN“ VON KHARTUM Abschliessend ist festzustellen, dass der überwiegende Teil der Palästinenser in den besetzten Gebieten einem etwaigen israelisch - transjordanischen Separatfrieden sich ablehnend verhält und hinter den Beschlüssen von Khartum stehe. Es ist kein Zufall, dass die Demonstranten von Nablus, Jenin, Ramalla oder Tulkarem „Nasser, Nasser!“ riefen, den Namen „ihres“ Königs Hussein aber unerwähnt liessen. Für sie ist Nasser weiter der grosse Führer aller Araber und vor allem der Repräsentant einer Politik, die jede Anerkennung Israels, Verhandlungen oder Frieden mit Israel ablehnt und zusätzlich zur „Auslöschung der Spuren israelischer Aggression“ vom Juni 1967 auch noch die Rechnung für 1948 präsentieren möchte. In israelischen Sicherheitskreisen neigt man zur Ansicht, dass der Höhepunkt der palästinensischen Unruhe noch nicht erreicht wurde. Immerhin sind die nun ergriffenen Massnahmen, ist die Politik der ,.starken Hand“ dazu angetan, die palästinensische Öffentlichkeit zu neuen Ueberlegungen zu veranlas&cn. Sie werden sich nun in Nablus in Jenin, in Tulkarem oder Ramalla fragen müssen, ob das hysterische Geschrei der Schürerinnen den wix-tschaftlichen Schaden ausgleieht, den sie an jedem Tag, an dem Polizeistunde angeordnet wird, erleiden. Und wenn sie dann die Bürgermeister belagern mit der Foxderung, sich bei den Militärbehörden für eine Aufhebung der Massnahmen einzusetzen, dürften diese auch die Möglichkeit gewinnen —, ihr Prestige wieflerhex-zustellen und sich durchzusetzen. Ueber kurz oder lang wird jeder Palästinenser am eigenen Leibe und an der eigenen Brieftasche die Ei'fahrung machen; die Alternative zum Besatzungsi-egime ist weder Terror noch Unruhe, sondern nur eine Friedensregelung. Ir preso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 8SI Registro de 1« Propiedad Intellectual N* 989 562