Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 29 (1968)
- Issue
- 2289 (11.10.1968)
- Date
- 1968-10-11
- Page
- [Seite 8] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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ISRAELITA FRANQUEO PAGADO Conces*ón 908 TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 Año XXIX BUENOS AIRES, VIERNES 11 DE OCTUBRE DE 1968 N» 2289 L a,i EL EJEMPLAR Qíl en toda la República OU*" PUEYRREDON 2190 - 1» izq. Buenos Atres T.E. 83-2613 -7----—- Die Studenten-Unruhen Debatte um einen Richter von JOEL LIBMAN FRANTZ Es ist nicht weiter zu verwundern, wenn das Thema ..Studenten-Unruhen“ in allen Ländern und Kreisen heftig erörtert wird Viele junge Morschen haben ihr Leben für ein Ideal hergegeben, das 'de jedoch nicht klar erkannten, vielleicht ahnten, vielleicht auch nicht einmal klar empfanden. Die Vorgänge in Mexiko nahmen bereits die Form unkontrollierter Krawalle an, die in einen Bürgerkrieg auszuarten drohen. Der sicherlich vorhandene Idealismus einer unzufriedenen Jugend wird in Blut erstickt, obwohl inzwischen sogar der Papst sagte, man müsse für diese jugendliche Rebellion Verständnis aufbringen und in mancher Hinsicht sogar zufrieden mit dieser Unzufriedenheit sein. Bisher stehen aber die Zornesausbrüche der Jugend der vielen Länder, die solche Unruhen aufweisen, nicht unter einem einheitlichen Zeichen, sodass es jedenfalls bis zum Augenblick verfehlt sein dürfte, in diesen Studentenunruhen eine einheitliche Bewegung zu erblicken. Dies könnte man nur tun. wenn man von so allgemeinen Beweggründen wie „Unzufriedenheit mit dem Bestehenden" ausgeht, was allerdings in den meisten Fällen zutreffen dürfte. Inzwischen haben ernste Wissenschaftler versucht, das Phänomen der studentischen Unruhe und deren Folgen zu analysieren. Um die Zustände zu schildern, hat man neue Schlagwörter erfunden, spricht von „Eskalatation der Gewalt“, vom individualistischen Elitedenken, von Haltungsfeh'ern der Gesellschaft, von Konformismus und Sezession, von manchen anderen Hoffnungen und Illusionen, die man häufig in unverständliche oder schwer verstandene Fremdwörter kleidet, Um den ganzen Habitus mit dem Nimbus des Geistigen noch unverständlicher zu machen. Man spricht und schreibt über Beatles, Happies und Hippies sowie über andere neu entdeckte menschliche Spezien, man publiziert Bücher über „Gammler, Beatniks und Provos“. Wo noch ein bisschen sexuelle Pikanterie hinzukommt, vermischt mit einer tiefschürfenden Betrachtung unter sozialen oder soziologischen Aspekten, ist auch der äussere. vermeintlich geistige Rahmen für die neue Linie gegeben. Man präsentiert den Europäern unbekannte, ferne Gestalten wie „Che“ Guevara, den man zum romantischen Helden macht, zu einer Art modernen Karl von Moor, dem Räuberhäuptling Schillers, der auszog. die faulende Gesellschaft, das tintenklecksende Säkulum, umzubilden so wie die heutigen Revolutionäre sich anschicken, ihre Weit zu verbessern. Und man denkt über die Möglichkeit nach, solche Rebellen gegen ihre Zeit oder solchen von ihrer Nach- oder Umwelt zu Heldenfiguren gemachten Nonkonformisten aus den vergangenen Jahrhunderten mit den heutigen Unzufriedenen zu vergleichen. Zu diesem Thema mag es genügen, hier einen deutschen Professor zu zitieren, den Leiter der sozialpsychologischen Abteilung des Siegmund Freud-Instituts in Frankurt, der nach einer ausführlichen Analyse der Situation sagte: „Vor einigen Wochen fand ich einen alten Artikel aus der eigenen Feder, den eine Berliner Tageszeitung 1946 damals als Stellungnahme eines 30-Jährigen zur Generationenfrage unter dem Motto einer „freimütigen Anklage gegen die Generation der Väter, veröffentlichte Mit einigem Erstaunen las ich nach 22 Jahren dort: „Erst in der Freiheit des Rechts eigener Mitwirkung..., die zukünftige deutsche Schicksal“ bestimmen wird, kann diese Jugend aus der Atmosphäre des Wartenmüssens heraus, um die Ueberalterung abzulösen. Es scheint an der Zeit zu sein, dass man sie nach ihrer Meinung fragt.,.., denn alles bisher zu Verantwortende steht ungetilgt auf dem Konto der Väter. Diese Jugend wird nicht bereit sein, es zu übernehmen.“ — An der Identität, zumindestens aber an der Aehnlichkeit der Situation und an der Gleichlagerung des uralten Spannungsverhältnisses zwischen den Generationen kann kaum gezweifelt werden. Wie der inzwischen wohl installierte Professor in Frankfurt in einer Jugendschrift, die er vor 22 Jahren verfasste, den Standpunkt der heutigen Jugend wiedererkennt, so wird es jedem ergehen. Nur dass jede Zeit andere Formen schafft, in der dieser Bruch oder diese Begegnung zwischen den Generationen vorgenommen wird: auch die Burschenschaft, auch die Bewegung des Wandervogels waren Dokumentationen der Nonkonformität einer Jugend mit dem, was sie vorfand. Die Entwicklung wird zeigen, ob aus diesem Zusammenstoß der Generationen neues Leben und ein Fortschritt erwachsen wird. Helden des Sechstagekrieges Tel Aviv. — Jeder Abiturient wird in Israel in diesem Jahr das Buch über die 51 Kriegshelden des Sechstagekrieges erhalten, die besonders zitiert worden sind. Das Buch wir vom Erziehungsministerium herausgegeben und vom Verteidigungsministerium gedruckt. Jüdischer Sowjet - General Wien. — Anlässlich der 50- Jahr-Feier der sowjetischen Armee wurde General Jakob Grigorewich Kreiser mit dem Orden des Roten Banners für seine Verdienste um die Streitkräfte geehrt. General Kreiser ist 62 Jahre alt und der einzige Jude in diesem hohen Rang. von ARIE ASHKENAS Der Posten des Präsidenten am Obersten Gericht in den Vereinigten Staaten war neu zu besetzen. Das Vorschlagsrecht steht dem Präsidenten der USA zu, von dem Johnson auch Gebrauch machte und den ihm befreundeten bisherigen Richter am Obersten Gerichtshof Abe Fortas vorschlug. Fortas sollte also der Nachfolger des bisherigen Präsidenten Earl Warren werden, der jener Kommission und ihrem Vorschlag seinen Namen gab, die den Tod des Präsidenten Kennedv zu untersuchen hatte. Der Vorschlag des Präsidenten Lyndon B. Johnson stiess sofort in gewissen Kreisen auf Widerstand, weil Abe Fortas Jude ist. Man wurde ein wenig hart daran erinnert, dass selbst in den Vereinigten Staaten „Vorurteile“ bei der Besetzung von Posten und führenden Stellungen im Staat eine erhebliche Rolle spielen. Alle priesen die grossen sachlichen und fachlichen Qualitäten, aber der Senat verhinderte, dass es überhaupt zu einer Abstimmung in dieser Frage kommt, sodass Fortas selbst den einzig vernünftigen und würdigen Vorschlag machte, nicht mehr zu kandidieren und den Präsidenten bat, seine Ernennung zurückzunehmen, was auch geschah. Es hat bereits mehrere Juden auf diesem hohen Posten gegeben, unter ihnen Brandeis, Frankfurter und Goldberg. aber auch bei deren Ernennung traten ähnliche Schwierigkeiten auf und wurden Einwendungen gemacht, die jedoch letztlich unbeachtet blieben. Seit 173 Jahren ist es nicht vorgekommen, dass ein vom Präsidenten vorgeschlagener Vorsitzender für das Oberste Gericht der USA vom Senat nicht bestätigt worden ist. Nur im Jahre 1795 lehnte der Senat die Ernennung von John Rutledge ab, den Washington damals in Aussicht genommen hatte, der aber schliesslich doch dieses Amt bekleiden konnte. Die Diskussion um Abe Fortas, die sich über Monate hinzog, wirft ein sehr schlechtes Zeichen auf die innere Lage der Vereinigten Staaten von Nordamerika, deren demokratische Position hierdurch nur noch tiefer erschüttert worden ist. Sachliche Einwände wurden gegen Fortas nicht vorgebracht, denn das Argument, er sei mit dem Präsidenten Johnson zu eng befreundet, ist nicht ernst zu nehmen. Die Gegner der Wahl des Richters Fortas wurden ausschliesslich — und unbestritten — von der Tatsache beeinflusst.1. dieses Amt auch nicht einem so qualifizierten Juristen zu überlassen, weil er Jude ist . Die amerikanischen Juden wollen diese Vorgänge anders verstehen, obwohl die Zahl derer, die über dieses Verhalten im Senat stutzig geworden sind, wächst. Nicht nur die Gegensätze zwischen Weiss und Schwarz haben sich verschärft, die Mentalität, aufgrund derer die rassischen Kämpfe überhaupt mögiieh sind, hat auch zu einem wachsenden Antisemitismus geführt. Denn es geht nicht nur um die „Spitzenerscheinung“, die in der Ablehnung eines Juden für einen der höchsten, überhaupt zu vergebenden Posten aufgetreten ist, sondern um eine Tendenz, die sich gerade für viele jugendliche Menschen auswirkt, die ihre Entfaltungsmöglichkeiten aus antijüdischen Gründen beschränkt sehen. Nur diejenigen, die den Mut haben, sich mit der Wirklichkeit zu konfrontieren, haben bisher die einzig richtige Konsequenz gezogen und ihre Uebersiedlung nach Israel vorbereitet, wo sie alle Möglichkeiten der freien Entwicklung haben. ARIE ESHEL s. A. Ottawa- — Der israelische Botschafter in Kanada, D. Arie Eshel, erlag einem Herzschlag, nachdem er in Ottawa an einem diplomatischen Empfang teilgenommen hatte. Die Beisetzung erfolgt in Jerusalem. Eine Botschaft Sapirs Tel Aviv. — Israels Aroeiterpartei glaubt, dass England einen wichtigen Beitrag zur Befriedung des. Mittelostens leisten und die Sicherheit Israels und anderer Völker in diesem Raum fördern wird, so heisst es in einer Botschaft, die der Generalsekretär dieser Partei Pinchas Sapir, an die kiirzliche Konferenz der englischen Labourpartei in Blackpool richtete. „Als Sozialisten wissen wir, dass wir geeint bestehen und getrennt fallen“, erklärte Sapir. „Niemals seit den Tagen des Zweiten Weltkriegs war die internationale Zusammenarbeit so wichtig wie jetzt*'. USA-FIugzeuge Aus Washington wird gemeldet, dass Präsident Lyndon B. Johnson den Staatssekretär Dean Rusk beauftragt hat, Verhandlungen mit Israel über den Verkauf von Ueberschallflugzeugen einzuleiten. Der Pressechef des Weissen Hauses George Christian lehnte es ab, diesen Auftrag Johnsons an Rusk zu kommentieren, so dass nicht ersichtlich war, ob es sich um die Phantom- Kampffleugzeuge handelt, die Israel zu kaufen wünscht. Johnson begründete seine Anweisung an Rusk mit der Erklärung, er fühlte sich gehalten, der dieser Operation günstigen Stimmung im Kongress Rechnung zu tragen. Einladung aus Frankreich Paris. — Die französische Nationalversammlung hat die Knesset eingeladen, eine Delegation nach Frankreich zu entsenden. (JCNS) Ein Hass ohne Grenzen von HORST WINCKLER Innere Auseinandersetzungen, Wahlkämpfe, Rivalitäten zwischen Parteien und Gruppen, Interessengegensätze zwischen Konkurrenten und in. und ausländischen Produzenten, zwischen Arbeitern und Arbeitgebern, kurzum Spannungsfelder gab und gibt es innerhalb aller Völker, Dass aber diese Diskussionen oder Streitigkeiten in Bürgerkrieg oder in einen grenzenlosen Hass gegeneinander ausarten müssen, das ist immer ein Zeichen der Unreife oder ein Charakterfehler. Diese Stimmungslage kann man heute vor allem in Deutschland beobachten, wobei es nicht unsere Aurgabe ist festzustellen, ob dies für die Deutschen typisch ist oder nicht. Ein verallgemeinerndes Urteil ist stets bedenklich. Wie weit der Hass zwischen Deutschen geht, kann man aus der Nationalzeitung ersehen, die gewiss für die Beurteilung der Bundesrepublik nicht typisch ist, aber so hemmlungslos schreibt, dass sie mitunter nicht nur den Charakter ihrer Schreiber, sondern generelle Züge des Volkscharakters offenbart, zumal sie sich selbst als „die Stimme des Gewissens“ betrachtet. Ausserdem bemüht sich der Herausgeber dieser Zeitung darum, auf dem Gebiet der rechtsradikalen Presse ein zweiter Axel Springer zu werden, indem er versucht, diese Organe in seiner Hand zu konzentrieren, wobei er bereits ansehnliche Erfolge aufweisen kann. Denn er hat die folgenden Zeitungen oder Zeitschriften erworben; Der Sudeten-Deutsehe, Teplitz-Schönauer Anzeiger, Schlesische Rundschau und Notweg der 131er Kriegsopfer, Vertriebenen und Flüchtlinge. Ob inzwischen weitere Blätter hinzugekommen sind, entzieht sich unserer Kenntnis. Auf der Seite 2 der Deutschen Nationalzeitung vom 23. August 1968 sieht man ein Bild, auf dem 11 oefer 12 Personen, unter ihnen zwei Frauen photograhiert sind, das folgende Unterschrift trägt; ,,Es wird schwierig sein, irgendwo auf der Welt auf so engem Raum eine solche Ansammlung von Schwerverbrechern zu formieren. Unser Foto zeigt die „Regierungsbank“ bei der Rede des sowjetzonalen Aussenministers Winzer vor der „Volks kammer“ vom 9. August. Winzer hat das volle Vertrauen des Kreml, der bei ihm keinerlei „zionistische Abweichungen“ fürchtet, sondern des zuverlässigen Nachbetens der jeweiligen Propagandathesen sicher ist. Links neben Winzer Ulbricht. Auf der Sitzung der Separatisten wurden die gemeinsten Anwürfe gegen die Bundesrepublik vorgebracht und die Forderung auf eine totale Kapitulation erneut gestellt. Bonns Antwort; Minister Schiller wird demnächst seinen sowjetzonalen „Kollegen“ treffen und ihm neue Zahlungen der Bundesrepublik anbieten. Die Zone wird mit weiteren Faustschlägen reagieren.“ — Soweit die Nationalzeitung, deren Ausführungen keines Kommentars bedürfen. Obwohl sich das Blatt über die „gemeinsten“ Angriffe gegen die Bundesrepublik durch die „Ansammlung von Schwerverbrechern“ auf kleinstem Raum beklagt, werden die Politiker der Bundesrepublik in der gleichen Ausgabe der Nationalzeitung über viele Seiten hinweg mit Kübeln von Schmutz bedacht, angefangen von Kiesinger über den Justizminister Heine Mann zum MdB Blacbstein, suw. Auch andere rechtsradikale Publikationen sind in diesem hasserfüllten Ton geschrieben. Ein Propaganda-Blatt der NPD, das undatiert vom Landesverband Nordrhein-Westfalen der NPD verteilt worden ist, schreibt; „Der Altkommunist Herbert Wehner, Bundesminister in Bonn, hat in Bremen erklärt, die NPD sei weder national noch demokratisch. Wir haben Herrn Wehner seine Vergangenheit noch nicht vorgehalten. Aoer wir verbitten uns, dass ausgerechnet der frühere Sekretär der .bolschewistischen Komintern“ uns über nationale Haltung und demokratische Verantwortung belehrt“ .... Gegen einen UN-Beschluss Tel Aviv. — Informationsminister Israel Galili erklärte, dass die israelische Regierung nicht mit dem UN-Emissär Zusammenarbeiten wird, welcher zur Untersuchung der Lage der Araber in den besetzten Gebieten entsandt werden soll. Galili sprach auf einer Gedenkfeier für die Opfer der Ghetti in Polen und betonte, dass Israel nichts im Zusammenhang mit den Arabern in den besetzten Gebieten zu verbergen habe, während die Welt über die Lage der in den arabischen Ländern verfolgten Juden in Unkenntnis ist. Israel werde den UN-Emissär nur dann anerkennen, wenn sein Auftrag dahin erweitert wird, dass er sich auch über die Lage der Juden in den arabischen Ländern unterrichten soll. Der Minister bestritt, dass der betreffende Beschluss des Sicherheitsrates gerecht fertigt sei. „Israel ist ein offenes Land“, führte er aus, „in dem hunderte ausländische Journalisten sich ungehindert bewegen und alle von ihnen gewünschten Informationen erhalten können,“ (ITA) Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831 Registro de la Propiedad Intellectual N® 980 562