Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 29 (1968)
- Issue
- 2288 (4.10.1968)
- Date
- 1968-10-04
- Page
- [Seite 8] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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FRANQUEO PAGADO o od O — Concesión 903 £ c 2 i«» o mi: O V- 4# « o TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 Año XXIX BUENOS AIRES, VIERNES 4 DE OCTUBRE DE 1968 N* 2288 EL EJEMPLAR Oft en toda la República OU*" PUEYRREDON 2190 - Buenos Aíres T.E. 83-2613 1* Izq. Tunis lehnt Mitwirkung ab Immer am Beghm und in de« ersten Tagen einer Generalversammlung der Vereinten Nationen werden »atilreiche Erklärungen und Manifestationen der Regierungen und der Aussenminister herausgegeben, um hierdurch die allgemeine Stimmung und vielleicht auch die Richtung der Debatten zu beeinflussen. Auch in diesem Jahr fehlten solche Deklarationen nicht; im Gegenteil, sie waren häufiger als sonst, denn die Situation in allen Teilen der Welt ist sehr wenig erfreulich. Während die indische Ministerpräsidentin südamerikanische Länder besucht, wird aus Indien gemeldet, dass 600.000 Menschen vom Hungertod bedroht sind. Der Aussen minister von Biafra erklärt, der Krieg habe soeben erst begonnnen... Die Nachrichten aus Vietnam, dem Nahen Osten, aus Malasien, der CSR, aus Deutschland und sonstwo auf der Erde bezeugen nur immer wieder den verzweifelten Zustand einer Welt, die so viel vewn Frieden spricht und so viel gegen den Frieden tut... Unbehindert von der Generalversammlung der UN, zu der auch sämtliche arabische Staaten gehören, havon B. B. SAMUEL ben Nisser und mit ihm einige anderen arabischen Paladine ihre alte, üble Hetzkampagne gegen Israel wieder aufgenommen, nachdem sie hierzu vom Kreml nicht nur mit Worten sondern auch mit Waffen ermuntert worden sind. Diesem gewissenlosen Treiben haben die Westmächte regungslos zugesehen, weil sie entweder andere Sorgen zu haben behaupteten oder miteinander in Konkurrenzkämpfen standen, die ein einheitliches Einschreiten gegen den russischen Vormarsch im Mittelosten vereitelten. Eifersüchtig auf die Amerikaner bemühten sich die Franzosen um die russische Gunst in der vergeblichen Erwartung, auf diesem unverständlichen Umweg einen grösseren Einfluss zu gewinnen. Die gegen die Blockmächte gerichteten Vorwürfe, die Welt stillschweigend in oder nach Yalta unter sich aufgeteilt zu haben, nehmen immer schärfere und deutlichere Gestalt an. Die Einfluss-Sphären wurden offensichtlich mit dem Bleistift fein säuberlich voneinander abgegrenzt. Auf andere Weise ist die russische Untätig- BEDAUERLICHES - KURZ GESAGT von KURT KAISER-BLUETH GESCHMACKLOS ,,L’Aurore“, das Pariser rechtsbürgerliche Blatt mit starker Auflage (rund eine halbe Million publiziert ab 24. September ,,in Exclusivität für Frankreich“ die Memoiren des Hitlerschen Reichsjugendführers Baldur von Schirach. L’Aurore hat den Geschmack, dies tendenziöse Plaidoyer des ebenso viel wie schlecht schreibenden Baldur von Schirach in eigener Sache ein historisches Dokument zu nennen. Um das schlechte Gewissen der Redaktion zu beschönigen, wird Baldur von Schirachs Rechtsfertigungsversuch unter dem Motto „Die Geständnisse des Chefs der Hitlerjugend“ den Lesern serviert. Wie man erfährt, haben zahlreiche Leser des Blattes m scharfer Form bei der Redaktion der L’Aurore gegen die Publikation des „historischen Dokuments“ protestiert. Das Blatt hat, wie man weiter erfährt, an den Manager des Herrn von Schirach für den Erwerb des Manuskripts ein Vermögen bezahlen müssen. Das Ganze ist umso peinlicher, weil der Besitzer der L’Aurore der vor kurzem tödlich verunglückte jüdische Publizist Lazurick war und das Blatt wahrscheinlich noch zur Stunde im Besitz der Familie ist. WASSERSTOFFBOMBE Adolf von Thadden, der Vorsitzende der NPD, hat dieser ’Tage mit beredten Worten für Frankreichs Recht auf atomare Waffen plaidiert. „Ich halte sehr viel von der französischen Wasserstoffbombe“, hat der Chef der deutschop Neonazis gesagt, „es ist sehr gut, dass auch die zweite Bomb» gezündet hat. Diese Waffe kann jetzt zu unseren Gunsten eingesetzt werden“... EIN TEST Der Club Voltaire in Stuttgart (die Clubs, die 1h der Bundesrepublik zahlreich sind, zählen sich zur sogenannten Ausserparla ment arischen Opposition), versuchte dies »■»’'Tage in seinem Schaufenster einen Test. Er stellte Nazi-Schundliteratur und handfeste Wahrzeichen der tauscifd Jahre aus. Wie erwartet, stiess sich an dieser provokatorischen Ausstellung kein Mensch. Nicht ein Protest erfolgte, kein Polizist schritt ein. Dann wechselten die „TVjsffeure“ die Szene. Statt der braunen Schmutz- und Schundsei'Ite bot man den Passinten drei Beardsley- Plakate af, die Skizzen zu „Lysistrata“ darstellten. Der Erfolg liess nicht auf sich warten. Bereits einen Tag nach dem Szenenwechsel kamen Beamte des Stuttgarter Polizeipräsidiums und beschlagnahmten die Plakate. Wegen ,(Gefährdung der Sittlichkeit“. keit gegenüber den Vorkommnissen in Vietnam oder die amerikanische Gleichgültigkeit in Osteuropa nicht zu erklären. Nicht so eindeutig ist die Behandlung des Streitobjektes Mittelosten, über den es offensichtlich kein Uebereinkommen zwischen Ost und West gibt. Die bisherige Regelung ist durch den Sechstagekrieg über den Haufen geworfen worden, nachdem sich Transjordanien — ursprünglich westlich orientiert — immer deutlicher in das ägyptische Schlepptau und damit in russische Obhut begeben hat. Aehnlich Nasser versucht Hussein jetzt von westlicher und östlicher Seite Hilfe zu erhalten, indem er ungestört das ägyptische Spiel mitmacht; von irgendwelchen westlichen Interventionen oder Ermahnungen ist hierbei nicht die Rede. Weder Generalversammrückziehen solle, ist eine neue Provokation, die auf der Linie der allgemeinen russischen Politik liegt, die vom Kreml im letzten Jahr, vor allem während der Tschechenkrise, befolgt worden ist. Um die allgemeine Unsicherheit zu erhöhen, fördern die Russen den arabischen Terror, der sich immer störender auswirkt, die militärische oder politische Lage jedoch nicht beeinflussen kann. Die UN werden erst dann eingreifen, wenn Israel zurückschlägt, womit man mit grosser Wahrscheinlichkeit rechnen darf. Dann werden alle wieder die scheinheiligen Minen aufsetzen, die U Thants und Odd Bulls an dei Spitze. Solange nur israelische Zivilisten und Soldaten als Opfer der arabischen Mordtaten fallen, schweigen sie alle... zur eigenen Schande. Bei der nach aussen scharfen russischen Haltung spielen gewiss auch interne Israels Vizepremieririinister Yigal Allon bei der Beerdigung des Scheichs Abu Jusef, der mit 93 Jahren in Tuba (Obergalliläa) verstarb. lung noch Sicherheitsrat der UN werden irgendeinen Schritt unternehmen, um den arabischen oder russischen Drohungen Einhalt zu gebieten. Die israelische Haltung ist im Angesicht dieser, eigentlich unveränderten Lage durch die äusseren Notwendigkeiten bestimmt. Aussen minister Abba Eban erklärte jüngst in London, Israel betrachte einen neuen Krieg für vermeidbar, würde aber seine ganze Aufmerksamkeit auf einen neuen Ausbruch der Feindseligkeiten konzentrieren. Israels Verteidigungskräfte sind wachsam und bereiten sich auf militärischem Gebiet für den Ernstfall vor. Auch zum russischen Friedensplan nahm Eban Stellung; er sagte: „Das ist kein Friedensvorschlag. Es ist ein Plan, aufgrund dessen Israel auf die Voraussetzungen seiner Sicherheit verzichten soll-“ — Dieser Auffassung kann nur in vollem Umfang zugestimmt werden. Zu verlangen, dass Israel sich schweigend auf seine Ausgangspositionen vom Juni 1967 zu- Schwierigkeiten eine nicht unerhebliche Rolle. Zwar sickern Nachrichten hierüber aus Moskau in die freie Welt, aber Einzelheiten sind bisher nicht bekannt geworden. Dass auch im arabischen Lager tiefgehende Gegensätze ständig aufeinanderprallen, ist bekannt. Die Streitigkeiten treten deutlicher hervor und bewegen sich keinesfalls nur zwischen Nasser und den rivalisierenden Königen, nicht nur zwischen Aegypten und Yemen, nicht nur zwischen Nasser und den Baat-Anhängern in Syrien und im Irak; die Trennungslinien verlaufen tiefer und nach allen Seiten, nach Westen und nach Osten, aber auch nach dem Süden, wo der Sudan keinesfalls mit der Politik der Aegypter einverstanden ist. Gegensätze ernster Natur bestehen zwischen Syrien und dem Libanon, der sich verzweifelt gegen den syrischen Einfluss und die ständigen syrischen Interventionen wehrt. Differenzen und Schwierigkeiten bestehen zwischen ihnen allen, den arabischen Ländern, den NPD als Schreckgespenst nehmen die regierenden Parteien und die M e ^,e wachsende Stimmenzahl zugunsten der NPD, der nationaldemokratischen Partei sehr ernst denn m jedem Fall müssen die drei „traditionellen“ parteien einige Sitze abgeben. Wer hiervon am meisten betroffen sein wird, steht nicht fest, dürfte auch nicht wesentlich sein, da allein durch die neue Partei die seit Jahren geführten „harmonischer.“ Auseinandersetzung gen im Bundestag gestört werden. Verschiedene Umstände haben dazu beigetragen, der NPD grössere Aufmerksamkeit als bisher zu schenken, natürlich in erster Linie die Wahlerfolge dieser Partei in einigen deutschen Bundesländern. Die offiziellen Stellen haben durchaus nicht geschlafen, wie man erfährt, sondern stets ein waches Auge für die Umtriebe aller extremer Gruppen gehabt, der rechten wie der linken. Ohne einer Instanz, einer Be-* hörde oder einem einzelnen Minister Unrecht zu tun, darf man wohl sagen, dass den Extremlinken bei weitem grossere Aufmerksamkeit als ihren Kollegen vom anderen Flügel geschenkt worden ist. Denn keine „linke“ Zeitung hat jemals eine Hetzpropaganda in Deutschland entfaltet wie die Nationalzeitung, die geschützt von Richtern, die wohl auch nicht weit von der Position dieser Zeitung entfernt stehen dürften, unangefochten in Inhalt und Stil schreibt, wie ihre Vorbilder aus der grausamen Zeit. Das Bundesinnenministerium hat seit Jahren Ber richte veröffentlicht, die sich mit der Entwicklung des Rechtsextremismus beschäftigt haben. Die Berichte waren gründlich und sicherlich auch objektiv. Es ist jedoch kein Geheimnis, dass man über den gleichen Gegenstand in durchaus differenter Form berichten kann, ohne an der Tatsache etwas zu ändern. Das berühmteste Beispiel bietet die Geschichte von den beiden Theaterdirektoren, die vor der Vorstellung durch den Vorhang sehen, um zu wissen, wie es mit ihrem Erfolg steht. Der eine rauft sich verzweifelt die Haare, weil das Haus halb leer ist, der andere beruhigt hin. was er eigentlich wolle, das Theater sei'doch halb voll... Das Bundesinnenministerium hat sich Jahre lang damit zufrieden gegeben, dass „nur“ eine bestimmte Anzahl bedauerlicher Fälle zu verzeichnen gewesen sind. Es hätte viel schlimmer sein können... Ob die verantwortlichen Kreise verstanden haben, dass nur durch konstruktive Massnahmen jener unglückliche Marsch nach rechts und direkt ins Chaos verhütet werden kann, ist nicht ohne weiteres ersichtlich. Mit der Beschädigung des Automobils des neuen Führers und Adolfs, diesmal von Thadden, ist noch nichts getan. Ihm ein Glas Bier über den Kopf zu stülpen, ist noch keine Heldentat und auch kein Ereignis von politischer Tragweite. Dagegen wäre die allgemeine Stärkung der europäischen Front, die wirtschaftliche Festigung und politische Annäherung zwischen den europäischen Ländern ein Weg, jeden Extremismus auszuschalten, nicht nur den von rechts. Die Kooperation zwischen Deutschland und Frankreich, die gerade grosszügig in Bonn gefeiert wurde, hätte auf England erweitert werden sollen, gegen dessen Aufnahme in die EWG de Gaulle wieder einmal gestimmt hat. Auch für Frankreich liegen gewisse Anzeichen vor, dass rechtsgerichtete Elemente munterer geworden sind. Die faschistische Internationale hat überall ihre Fühler ausgestreckt. Selbst wenn NPD mit der faschistischen Internationale nicht in Kontakt stehen sollte, sind Einzel- und Querverbindungen vorhanden, die unter dem Rubrum „persönliche Kontakte“ verschrieben sind. Allein die Tatsache, dass in der Bundesrepublik eine Partei mit alten nazistischen „Gedanken“, Parolen und Kämpfern existieren kann und reale Aussichten besitzt, eine politische Rolle zu spielen, begünstigt die Faschistische Internationale. Da auch in anderen westlichen Ländern der Nazispuk in der einen oder anderen Form weiter besteht, ist erhöhte Aufmerksamkeit aller Kreise am Platz, die mit Sicherheit auf dem blutigen Altar brauner Machthaben geopfert werden sollen. Jedenfalls ist der Kampf um die Demokratie in Europa, vor allem in der Bundesrepublik, bereits in die Defensive gedrängt worden. kleinen und den grösseren Staaten, die eifersüchtig aufeinander darüber wachen, dass ihre Souveränität nicht angetastet wird. Nur dann finden sie sich im wilden Kampfgeschrei zusammen, wenn es gegen Israel geht, das sich bisher als das einzige Bindemittel für die Ara/ber bewährt hat... Zum dritten Mal in den letzten zehn Jahren hat sich Tunis ganz offiziell aus der Arabischen Liga zurückgezogen, da die Liga keine Plattform für eine interarabische Kooperation darstellen würde. Mit energischen Worten brach Tunis seine Beziehungen mit der „von Kairo beherrschten Liga“ ab und warnte die islamische Welt vor einer Situation, die schlechter als diejenige vor der „Katastrophe des israelisch - arabischen Krieges“ von 1967 ist. Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 83’ Registro de la Propiedad Intelectual N* 847 22f