Mannheim
Compact Memory

Jüdische Wochenschau · 1968-09-27 · 2287 (27.9.1968) · p. [Seite 8]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
29 (1968)
Issue
2287 (27.9.1968)
Date
1968-09-27
Page
[Seite 8] (sequence 8)
Language
German, Spanish
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/9616703-9616177-9616517--5401-9616525
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

O CÛ o c FRANQUEO PAGADO Concesión 908 t_ ■*-’ <TÍ C L_ o i» t: o ® c <o| tarifa reducida Concesión 1629 Ano XXIX ISRAELITA BUENOS AIRES, VIERNES, 27 DE SEPTIEMBRE DE 1968 N* 2287 EL EJEMPLAR en toda la República 30, PUEYRREDON 2»90 ■ Bo;nos Aires T.E. 83-2613 1» tzq. Der Kanal taut auf Der Suez-Kanal, der seit dem Sechstagekrieg im vergangenen Jahre wie eingefroren wirkte, ist seit kurzem in Bewegung geraten. Die Idylle auf beiden Ufern — badende israelische Soldaten hier und ägyptische drüben, Wachen an den Ufern, die sich interessiert durch Fernrohre betrachten, — ¡st plötzlich zuende gegangen. Fast täglich werden Inzidente gemeldet und die Zahl der Opfer summiert sich schon im Laufe kurzer ■Zeit zu recht bedenklichen Ausmassen. Diese ,.nasse Grenze“ war über ein Jahr hindurch völlig ruhig, fast harmlos. Die israelischen Positionen erstreckten sich über grosse Strecken und längs des ägyptischen Ufers hat die gesamte neu - aufgerüstete ägyptische Armee mit einer Unzahl russischer „Berater“ Stellung bezogen. Es stimmt; Aegypten bietet mehr und ergiebigere Ziele als die israelische Seite: die Städte Ismalia Suez und Port Tufik wurden zwar zum Teil evakuiert, aber die dort konzentrierten Industrien sind weiterhin im Betrieb titid im direkten Schussbereich der israelischen Geschütze. Aber Israel ist klarerweise an der Ruhe auch in diesem Grenzsektor interessiert, denn Ruhe an den Grenzen ist die erste Voraussetzung für die Sc. iffung einer Atmosphäre. in der allein friedliche Schritte oder Schritte in Richtung Frieden unternommen werden können. Warum will Aegypten hier die Grenzruhe stören? Es scheinen einige Beweggründe im Spiele zu sein. Da ist zunächst wieder einmal die unersättliche Prestigesucht Nassers, der sich seit dem Sechstagekrieg in dieser Sphäre nicht mehr so behaglich wie früher fühlt. Nicht nur, dass sein militärischer Nymbus arg lädiert wurde und er selbst in Aegypten der Grossprecherei geziehen wird — die Konzentrierung aller Aktivitäten der Terror-Organisationen an der israelischen Grenze mit Transjordanien erwecken, auch wenn sie wahrscheinlich nicht auf , von unserem H.W.-Berichterstatter (Jerusalem) Initiative König Husseins, aber doch von diesem geduldet, in Erscheinung treten, den Anschein in der arabischen Welt, als ob sich Nasser mit einer passiven Zuschauerrolle im Kampf gegen Israel begnügen wollte. Es scheint jedoch auch irgendwie in der ägyptischen Armee, zumindest in den untersten Schichten, zu gären. Die Moral der Armee den nicht allzu breiten Kanal zu durchschwimmen, um in ein ruhiges und ordentlich geführtes israelisches Gefangenenlager zu gelangen. Die Hälfte der Deserteure der vergangenen Woche waren Mittelschulabsolventen, die jetzt in viel grösseren Mengen als früher zum Militär eingezogen werden. Man will damit allem Anschein nach das Intelligenzniveau der Heeresüber ihre Familien und Trauer und Bestürzung über den gesamten Jischuw. Wer sind diese zehn Opfer, denen unzählige vorangegangen und schrecklicherweise wahrscheinlich noch andere — eine Woche weniger. die andere mehr — folgen werden. Nach den kurzen Zeitungsnotizen im Ausland sind es unbekannte Soldaten, über die man vielleicht mit einer wehmütigen Geste hinweggeht. Hier in Israel haben sie Namen, Fa- •mm-*- Mit ihnen weint ganz Israel um »eine gefallenen Soehne wird durch das arrogante und unverständliche Auftreten der vielen Russen und durch die nicht geänderte grobe Behandlung der Soldaten durch ihre eigenen Offiziere beträchtlich angeschlagen. Es mehren sich Fälle von Desertion — man braucht nur in der Nacht Abwarfende Haltung Johnsons Washington. — Der engste Ratgeber des USA-Präsidenten in internationalen Sicherheitsfragen, Walt Rostow, versicherte in einem Schreiben an den republikanischen Senator Hugh Scott, dass Johnson „versprochen hat, Israels militärische Verteidigungsstärke in aktiver und günstiger Beurteilung zu verfolgen“. Dies entspreche der Politik Johnsons, fügt Rostow hinzu, und „wir beobachten die Entwicklung der militärischen Lage mit grösster Aufmerksamkeit.“ Kürzliche Zeitungsmeldungen in entgegengesetztem Sinne bezeichnete er als irrig. Walt Rostow fügte seinem Schreiben an den Senator einen Auszug aus der Rede bei, die Präsident Johnson am 10. September vor der Konvention der Bne Brit hielt, in der er darauf hinwies, dass „es dringend geboten ist, ehestens zu einer internationalen Verständigung über die Waffenlieferungen an diese Region (Mittelosten) der Welt zu gelangen.“ Senator Scott hatte an das Weisse Haus geschrieben, um seiner Besorgnis über Johnsons ablehnende Antw it auf das israelische Ersuchen nach Lieferung der Phantom-Flugzeuge Ausdruck zu geben. (ITA) einheiten heben und die Zahl jener Soldaten vermehren, denen auch moderne Waffen anvertraut werden können. Aber gerade diese jungen Intelligenzler sind viel empfindlicher für die unendliche Distanz, die auch heute noch den ägyptischen Offizier von seinen Soldaten trennt, und sind nach den Angaben der Deserteure entsetzt über die selbstherrliche und unmenschliche Art, mit der sie von diesen Offizieren behandelt werden. Nicht zuletzt ist vielleicht auch nicht der Verdacht von der Hand zu weisen, dass auch Moskau an der Erhitzung des Suez-Kanals interessiert erscheint, um ein wenig die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit von dem Geschehen in der okkupierten Tschechoslowakei abzulenken. An einem Tage dieser Woche fielen der ägyptischen Kanonade zehn israelische Soldaten zum Opfer.# An einem friedlichen Tage löschte der Tod in Gestalt russischer Geschosse zehn junge Leben aus, brachte Unheil milien, Freunde, Lehrer, viele Bekannte in den Siedlungen und Städten, aus denen sie stammen, für die alle dieser Tag ein schwarzer Tag war. Es sind keine exzeptionellen Helden, keine Männer, die im öffentlichen Rampenlicht stehen — aber es sind die bescheidenen Helden, die unsere Grenzen bewachen und denen wir es zu verdanken haben, wenn un. ser Alltag friedlich bleibt und der Aufbau ruhig weiterschreitet. An diesem Tage fielen: Elischa Azulin, 18jährig, der erst vor neun Monaten zum Militärdienst eingezogen wurde. Er ist der älteste Sohn eines Arbeiters der Zementfabrik Nesher in Ramie; David Azulin, 18, aus Naharia. Auch er trägt erst seit neun Monaten die Uniform, hat neun Geschwister, Sein Vater starb vor fünf Jahren und David trug seinen ganzen Lohn als Tischlergehilfe zur Unterhaltung der Familie bei. Einer seiner Brüder ist noch beim Militär, ein anderer zeichnete sich im Sechstagekrieg aus. Wegen seiner aus. gezeichneten Leistungen Für die Staerkung Israels Washington. — Gouverneur Spiro G. Agnew, republikanischer Vizepräsidentschaftskandidat, machte der USA-Regierung Zum Vorwurf, dass sie Israel nicht die notwendigen Waffen liefert. In einem vom Comité für amerikanisch-israelische öffentliche Angelegenheiten herausgegebenen Communique erklärt Agnew, dass „die Behörden in Washington noch immer den gleichen Mangel an Verständnis zeigen, der unsere Mittelostpolitik in den letzten 18 Monaten charakterisiert hat. Anstatt Israel mit den Waffen zu beliefern, die es braucht, um die massiven Lieferungen moderner Waffen an die Araber durch Sowjetrussland auSeugleichen, klammert sich unser State Department an die Hoffnung, dass die Russen dem Beispiel der Westmachte folgen und die Waffenlieferungen einschränken werden.“ Gouverneur Agnew vertritt die Auffassung, dass „ein starkes und wohlgerüstetes Israel erforderlich ist, um die Kriegsdohung abzuwenden und das für den Frieden unerlässliche Gleichgewicht der Kräfte zu wahren“, und fügt hinzu: „Daher unterstütze ich die militärische USA-Hilfe für Israel.“ „Die Sicherheit der USA und die Sicherheit Israels und unserer Rechte und Freiheiten sind unzertrennlich verbunden. Wenn wir die Sache Israels in seiner Suche nach Freiheit und dem Recht auf ein Löben in Frieden unterstützen, so unterstützen wir als Amerikaner die Sache unseres eigenen Landes in seinen Beziehungen mit allen Völkern der Weit,“ (ITA) während des Militärdienstes sollte er demnächst in ei nen Ausbildungskurs für Unteroffiziere eingereiht werden. Korporal Jack Ben-Abu 19, hat zehn Brüder und Schwestern, wurde in Rabat in Marokko geboren und wanderte im Jahre 1954 mit seiner Familie ein. Er sollte in den nächsten Tagen befördert werden; Korporal Chajim Saadja wurde vor 22 Jahren in Jemen geboren, wanderte im Alter von zwei Jahren mit seiner Fa milie ein, die in einer Siedlung in den Bergen Jerusa lems lebt. Er ist Absolvent einer Handwerkerschule in Petach Tikva; Unterleutnant Jehuda Pikman, trägt seinen Vornamen nach seinem Bruder, der vor 20 Jahren zu jenem Convoy gehörte, der der völlig eingerchlossenen Siedlung Kfar Etzion in den Bergen bei Hebron Hilfe bringen wollte und von den arabischen Truppen völlig aufgerieben wurde. Er ist vor zwei Jahren zum Militärdienst eingezogen worden, nachdem er seine Gymnasialstudien in Tel Aviv mit Erfolg abschioss. Aharon Peor wurde vor 22 Jahre in Damaskus geboren. Seine Familien wanderte nach der Errichtung des Staates Israel ein. Er half seinem kranken Vater auch noch während seiner Militärurlaube in dem Alteisengeschäft; Jakob Pakir wanderte mit seiner Familie, die in Jerusalem lebt, 1951 aus dem Irak ein, meldete sich mit 17 Jahren freiwillig zum Militärdienst. An dem Tage, an dem er am Suez- Kanal fiel, feierte die Familie in Jerusalem die Verlobung einer seiner Schwestern. Erst am nächsten Morgen traf die fürchterliche Nachricht ein... Josef Sirm, 18, war bis zum Einrückungstage als Diamantenschleifer Haupternährer seiner in Jaffa lebenden Familie; sein Vater ist Invalide; Jehuda Wiener Russische Anschuldigung' Die Sowjetunion hat Israel „gefährlicher Provokationen“ gegen die arabi* sehen Länder beschuldigt und die Israelis vor der „ernsten Verantwortung“ gewarnt, die sie durch die Vorfälle im Mittelosten auf sich laden. Die Erklärung, die bei einer Sitzung der Presse im sowetischen Aussenministerium verlesen wurde, ist auch von der staatlichen Tass - Agentur verbreitet worden. „Der Weg, auf den Israel und seine Beschützer die Ereignisse im Mittelosten zu lenken bemüht sind, könnte zu sehr ernsten Konsequenzen für die Sache des Friedens führen“, heisst es darin. „Es ist daher die Pflicht aller den Frieden liebenden Völker, wirksame Mittel zu ergreifen, um eine neue gefährliche Explosion in dieser Region zu verhindern“, fährt die Erklärung fort. Tass fügt hinzu, dass die Warnung Israel anschuldigt, „mit Unterstützung gewisser Kreise in den USA“ eine Haltung zu beziehen, die das einzige Hindernis für eine „Normalisierung“ im Mittleren Osten darstellt. 19, gehört einer alteingesessenen Familie in Benjamina an. Seine verwitwete Mutter ist eine bekannte Sozialarbeiterin, er ist der jüngste ihrer drei Söhne. Er hatte erfolgreich die Aufnahmeprüfung für die medizinische Fakultät der Jerusalemer Universität bestanden. Seine Hochschulstudien wollte er sogleich nach Beendigung des Militärdienstes beginnen. Das sind die zehn Opfer eines Tages; unbekannte Soldaten, das rechte Spieelbild des Jishuw, der arbeitet und trauert. Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 8."F_ Registro de la Propiedad Intelectual N? 947 226

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.