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Jüdische Wochenschau · 1968-09-20 · 2286 (20.9.1968) · p. [Seite 24]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
29 (1968)
Issue
2286 (20.9.1968)
Date
1968-09-20
Page
[Seite 24] (sequence 24)
Language
German, Spanish
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SAMUEL drohte und dazu aufforderte. die Juden ins Meer zu werfen .. Die grossen Staatsmänner zeigten sich der Situation nicht gewachsen. Die Russen empfanden die arabische Niederlage als ihre eigene, de Gaulle hielt seiue Stunde für gekommen, sich als entscheidende Kraft anzubiedern, indem er gegen die westliche Haltung die russische antiisraelische Linie guthiess, und die westliche Welt sah ebenso erschrocken wie hilflos zu, als der Kreml die historische Wahrheit umdrehte und der. Dr. Globke von SEM FRAISKENSTEIIS Die graue Eminenz, der Adenauer-Staatssekretär Dr. Hans Globke. der Jahre hindurch immer wieder wegen seiner Tätigkeit während des Dritten Reiches angegriffen worden ist, lebt seit dem Tode des Alt-Bun deskanzlers zurückgezogen. Sein Namen erscheint nur noch selten in der Oeffentlichkeit, wurde aber in dem Prozess gegen von Hahn, der aus vielen Gründen bemerkenswert ist, erneut genannt, diesmal vom Verteidiger des angeklagten ehemaligen Legationssekretärs in Sofia. Dass sie alle nichts gewusst haben, wissen wir schon lange. Dass die hohen Herren des AA, des Auswärtigen Amtes in Berlin, niemals etwas von den Judenausrottungen gehört hatten, ist zum Ueberdruss versichert worden. Sie wussten es nicht, obwohl es dort eine eigene Judenabteilung gegeben hat, die sich offensichtlich nur mit dem Wohl der Juden beschäftigte. Dabei waren die Nachrichten über die Massenverbrechen an den Juden längst bekannt, wenn man von allen anderen Verfolgungsmassnahmen seit 1933, vom Boykott, der Kristallnacht, der Ausschaltung der Juden aus allen Zweigen des Lebens und ihrer Deportation einmal absieht. Dass all dies geschah, haben alle gewusst, die im Dritten Reich gelebt haben. Ob sie etwas gegen diese Schandtaten unternehmen konnten, sie für gut oder schlecht hielten, sind ganz andere Fragen. Aber GE¬ WUSST davon haben sie alle. Wer könnte wohl annehmen, dass man im AA nicht die ausländischen Zeitungen gelesen oder die auswär tigen Nachrichten abgehört hat. Sind denn keine auswärtigen Diplomaten aus neutralen Ländern zu Besuch gekommen, haben nicht die einfachen Soldaten über das mit Empörung berichtet, was sie selbst gesehen, erlebt oder erfahren hatten? Wenn auch die Schuld der kleinen oder kleineren Uebeltäter dadurch nicht geringer wird, dass man die „Grossen" laufen lässt, ist der Hinweis des Verteidigers im Prozess gegen von Hahn . durchaus beachtlich: Es sei sinnlos, ehemalige untergeordnete Funktionäre des NS-Regimes vor Gericht zu stellen, wenn andrerseits ehemalige NS-Anhänger in der Bundesrepublik hohe Posten bekleiden würden. Der frühere Staatssekretär im Bundeskanzleramt, Hans Globke, sei zum Beispiel für seine Mitarbeit an der Rassengesetzgebung des Dritten Reiches nie zur Verantwortung gezogen worden. — Das ist eine Tatsache, durch die allerdings im Gegensatz zur Auffassung des Verteidigers der Prozess gegen von Hahn durchaus nicht sinnlos geworden ist. Bedauerlich ist nur, dass man die „Grossen“ noch immer laufen lässt, auch Herrn Globke. Denn von einer „Mitarbeit an der Rassengesetzgebung" bei einem Mann zu sprechen, der darüber hinaus durch seinen Kommentar zu ihrer Rechtfertigung beigetragen hat, ist sehr freundlich ausgedrückt. Auch nach dem Ausscheiden Dr. Adenauers aus seinem Amt als Bundeskanzler und dem gleichzeitigen Ausscheiden Globkes ist nichts geschehen, um auch nur dessen Verantwortlichkeit zu untersuchen. Inzwischen sind wir alle gut über die internen Vorgänge orientiert, auch über die Rolle, die Globke gespielt hat. In diesem Zusammenhang sei auf den ausführlichen Bericht verwiesen, den der einstige Ministerialrat im Reichs- und Preussischen Ministerium des Innern, Dr. Bernhard Lösener. ebenfalls Kommentator der Nürnberger Gesetze gemeinsam mit Dr. Knost), vorgelegt hat. Lösener spielte als Zeuge in den Nürnberger Prozessen eine grosse Rolle. Sein Erlebnisbericht ist in den Vierteljahre«hcften für Zeitgeschichte (1961. 3. Heft), abgedruckt. L'i--'«er ist aus seinem Amt 1943 ausgeschieden. Globke blieb... 1 Angegriffenen schamlos zum Angreifer machte. Die UN die sich vor dem Ausbruch des Krieges und während der ersten Stunden auf die arabische Seite stellten, da sie das Ende Israels herannahen sahen, waren ohn mächtig und blieben es bis heute. Noch nicht einmal die grossen Versager des Vorjahres, vor allem den General Odd Bull, haben sie ausgetauscht, der seine zwar unbedeutende, aber doch störende Funktion weiter ausübt. De Gaulle weigerte sich nach dem israelischen Sieg, die in Frankreich bestellten und bereits bezahlten Mirage-Flugzeuge zu liefern. Jetzt hat er sich hierzu bereit erklärt, allerdings mit der Bemerkung, er werde die Lieferung nach dem Ausgang der amerikanischen Wahlen gestatten..., sonst weiss man nicht, wie weit die Israelis gehen werden. Nachdem de Gaulle miterleben musste, wozu seine „Bundesgenossen" in Moskau imstande sind, die heute ganz Europa bedrohen, zeigt er sich zur Erfüllung seiner alten, Israel gegenüber eingegangenen Verpflichtungen bereit. Diese Zusammenhänge sind merkwürdig und unterstreichen nur die Skrupellosigkeit, mit der heute Politik gemacht wird. Angesichts der unbestrittenen Bedrohung, der sich Israel bedauerlicherweise erneut gegenübersieht, hatte man allgemein erwartet, dass wenigstens die Amerikaner durch eirie konkrete Tat ihre Bereitschaft beweisen würden, den Israelis beizustehen. Statt dessen erschien Amerikas Präsident Johnson auf einer Tagung des Ordens Bne Brith, sicherlich eine freundschaftliche Geste für einen so vielbeschäftigten und mit so schweren Sorgen belasteten Mann wie Johnson. Alle erwarteten mit grosser Spannung die Rede und hofften dass der Präsident die von Israel verlangte Lieferung der Phantom-Flugzeuge verkünden würde, was allerdings nicht der Fall war. E besteht immerhin noch eine schwache Möglichkeit, dass Johnson klüger als seine jü dischen Partner war und die Flugzeuge schicken wird ohne damit politische Pro pagando zu machen. Leider ist es aber wahrscheinlicher dass auch Johnson nur schöne Worte gebraucht. Hierin liegt der Unterschied zwi sehen den brutalen roten Imperialisten und den vor. nehmen und mitfühlenden Demokratien: die einen re' den und tun, und die ande ren reden auch aber lassen ihren schönen Deklarationen keine Taten folgen. Die Versuche zur Verstär kung des arabischen Ter rors richten ohne Zweifel einen erheblichen Schaden an. Diese Sabotageakte sind aber nicht geeignet, irgendetwas zur Verschiebung des Kräfteverhältnisses beizutragen. Es sind verbreche rische Aktionen, die von ls rael bisher nur schwach gesühnt worden sind. Das wissen die Araber auch. Wenn Nasser sagt, der ägyptische Armee sei heute nicht schlechter ausgerüstet als im Juni 1967, so ist da mit noch nichts gesagt Denn die ägyptische Position ist heute weit schwä eher, als sie es vor einem Jahr war. Die freie Welt erwartet, dass die Kriegsgefahr vor übergeht. Aber was wird sie nach diesen Erwartungen unternehmen, um den Frieden herbeizuführen und die Existenz Israels zu sichern? Das ist die entscheidende Frage. Wird sie nicht gelöst, werden wir weiterhin Augenblicke der Gefahr und der Bedrohung für Israel erleben. Wir hoffen auf Frieden. Wir wissen, dass Israel auch im kommenden Jahr seine Grenzen erfolgreich verteidigen wird, um sein Land weiter aufzubauen. UNRUHIGE WOCHE In der letzten Woche waren täglich Zwischenfälle an Israels Grenzen zu verzeichnen, insbesondere am Suezkanal, wo die Aegypter durch verschiedene Aktionen versuchten, Israel zu provozieren. Die Rede des USA-Präsldenten, die sich dadurch auszeichnete, was er nicht sagte, und in der Johnson nicht die Lieferung der versprochenen Phantom-Flugzeuge ankündigte, wurde stark kritisiert. So schrieö u. a- Oberst Robert S. Allan in einem Artikel über militärische Fragen, der in allen amerikanischen Zeitungen erschien, Johnson sei c.er einzige Mensch, der den Verkauf der 50 Phantom Kampfflugzeuge an Israel verhindere. Aussenminister Abba Ebau appelierte an das ägyptische Volk, sich nicht zur Kriegshysterie hinreissen zu lassen. Verteidigungsminister Dajan warnte die Araber vor unüberlegten Schritten; sollten sie sich noch einmal in ein Abenteuer stürzen, so würden sie wiederum geschlagen werden, sagte Dajan. Der Israel-Botschafter in Washington, General Jizehak Rabin, erklärte, dass Israel mit. allen Mittel den arabischen Terror bekämpfen wird. Israelische Artillerie unternahm eine Vergeltungsaktion gegen die transjordanische Stadt Irbid. nachdem die Transjordanier die israelische Stadt Beisan bombardiert hatten. Die Aegypter behaupteten, eines der beiden israelischen Flugzeudie der deulsch* Bundeskanzler Kurt *f,esUlge«’ 'n dem Prozess gegen den ehemaligen Nazidiplomaten Fritz Gebhard von Hahn gemacht ha? Seiten M“pe,«her Angriffe die von verschiedenen ge®*n ,den Bundeskanzler gerichtet werden. Die MnfrhfhHIGesmgers war für den Verlauf des Prozesses unerheblich, womit von Anfang an gerechnet werden ussfe, sodass es eigentlich nicht recht ersichtlich ist aus welchen Gründen der Bundeskanzler in diesem Fall überhaupt geladen werden musste. Mit einer brutalen Gehässigkeit hat sich die Deutsche Nationalzeitung und Soldatenzeitung dieses „Falles" angenommen, der durch die Bemerkung des Bundeskanzlers, er könne sich nicht exakt an alle Einzelheiten erinnern, berechtigtes Aufsehen erregt hat. Insoweit ist die Zeugenaussage Kiesingers erstaunlich, weil sie jedem, der sich nicht erinnern kann oder will, die lange gesuchte Rechtfertigung gibt. Denn wenn sich schon der Bundeskanzler nicht erinnert, was verlangt man von weniger qualifizierten Mensohen, mögen sie nun als Angeklagte oder als Zeugen auftreten. Die Wege des politischen Lebens sind eigenartig. Der ehemalige Spiegel-Redakteur Conrad Ahlers, der selbst im Zusammenhang mit der bekannten Spiegeiaffäre aus der Aera Adenauer grosse Unbequemlichkeiten auf sich nehmen musste und schlecht behandelt worden ist, fungiert heute als der stellvertretende Sprecher der Bundesregierung in Bonn. In dieser Eigenschaft hat er alle Versuche zurückgewiesen, Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger zu verleumden, in der NS-Zeit die antijüdische Politik des Dritten Reiches unterstützt zu haben, Ahlers wandte sich damit gegen eine Agenturmeldung, wonach amtlich Stellen in Bonn damit begonnen hätten, Auszüge aus einer Veröffentlichung in der DDR zu prüfen. Danach soll Kiesinger damals Fragen in Rundfunksendungen angeregt haben, unter anderen, ob der amerikanische Präsident nicht von Juden umgeben sei. Ahlers stellte fest, dass sich amtliche Stellen nicht mit einer solchen Prüfung befassen, weil es überhaupt keinen Anlass dazu gebe. Aus der Veröffentlichung gehe klar hervor, dass Kiesinger sich weder selbst mit diesen Anregungen befasst noch an ihnen mitgewirkt habe. Es handele sich um einen Bericht des damaligen Botschafters in den USA, Dyckhoff, den Kiesinger auf Anforderung des Propagandaministeriums weitergeleitet habe. Er sei damit nicht aktiv befasst gewesen. Damit charakterisiere sich diese Dokumentation als einer der Verleumdungsversuche gegen führende Persönlich keiten der Bundesrepublik, sagte Ahlers. Er verband ries mit dem Hinweis, dass der Bundeskanzler nachweislich alles getan habe, um der antijüdischen Politik des Dritten Reiches entgegenzuwirken und dafür persönliche Risiken auf sich genommen habe. —. Ob man nach dieser Erklärung des Herrn Ahlers uch seine Meinung teilen will, dass der Bundeskanzler nachweislich alles getan habe, um der antijüdischen Politik des Dritten Reiches entgegenzuwirken, bleibe dahingestellt. Die Weiterleitung eines Berichts ist eine Pflicht des damit befassten Beamten, der von seinem Posten hätte zurücktreten müssen, wenn er sich derartigen, unbequemen Situationen hätte entziehen wollen. Das hat der jetzige Bundeskanzler eindeutig nicht getan, sondern sich bestenfalls damit zufrieden gegeben, seine Opposition in seinem Innern zu bewahren. Aus welchen Gründen Ahlers heute behauptet, dass der Bundeskanzler „alles getan habe, um der antijüdischen Politik des Dritten Reiches entgegenzuwirken", ist nicht verständlich. Eigentlich hat man dies bisher mit dieser Bestimmthei noch niemals erklärt. Auch den Nachweis hierfür ist man bis heute schuldig geblieben. Im übrigen steht diese Feststellung Ahlers, Kiesinger habe „nachweislich" alles getan, um der antijüdischen Politik entgegenzuwirken, mit der bisherigen These, Kiesinger habe überhaupt keinen Einfluss gehabt in einem nicht zu erhellenden Gegensatz. Die Verteidiger Kiesingers sollten sich endlich entschliessen, welche Argumente sie zu seiner Entlastung vorzutragen haben. ge abgeschossen zu haban, die einen Erkundungsflug über Port Said durchführten. Verteidigungsminister Da jan äusserte sich in einer Rede vor Führern der Arbeiterpartei in Tel Aviv zu der Möglichkeit einer sowjetischen Intervention im Mittelosten, die nach seiner .privaten Meinung" nicht zu erwarten sei, weil Russen wüssten, dass „unvermeidliche“ Folge ein Zusammenstoss mit den USA und der Welt des Westens sein würde. Tel Aviv. — Die Spannung an der israelisahen Grenze hält an. Die Transjordanier haben wieder einen Ueberfall im Beisan-Gebiet gegen eine israelische Siedlung gerichtet. Auch an der bisher ruhigen Grenze mit dem Ltdie j banon wurden einige Minen die 1 gefunden. Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavla 83* Registro de le Propiedad Intelectual N* 947 288 Ká«jiiíliíi,i<Wiií*ia 1262

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