Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 29 (1968)
- Issue
- 2286 (20.9.1968)
- Date
- 1968-09-20
- Page
- [Seite 7] (sequence 7)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Viernes, 89 de Septiembre de 196« SEMANA ISRAELITA Año XXIX. — N? %%m — T Araber spendeten Beifall .... ■■ ui b_be« mehr Verständnis für Moskau war wohl noch nie seit der Revolution des Jahres 1917 so isoliert in der Welt wie heute nach der Okkupation der Tschechoslowakei. Dieser brutale und plumpe Schritt hat nicht nur zahlreiche Illusionen in der westlichen fortschrittlichen Welt über die Möglichkeiten eines politischen Tauwetters im Osten und eines anschliessenden Völkerfrühlings der. friedlichen Kooperation hinweggefegt, sondern auch die Sympathien, die Moskau in den liberalen Kreisen und der „Neuen Unken“ zu erwecken und auszuweiten versuchte, fast auf den Nullpunkt sinken lassen. In den volens-nolens an diesem makabren Abenteuer beteiligten Satelliteniändern herrscht ein offensichtlich bedrängendes Schweigen, in fast allen kommunistische« Parteien der Welt gärt und brodelt es und vielerorts zeichnen sich ganz neue Entwicklungen auf der Linken ab. Uneingeschränkten und lauten Beifall erntete Moskau nur in drei arabischen Staaten — in Aegypten, Syrien und im Irak. Die ägyptische Presse verzeichnete voll Stolz, dass Abdel Nasser zu den vier Staatsmännern der Welt gehörte, die Moskau in der Nacht vom 21. zum 22. August von der „bevorstehenden“ Okkupation verständigte. (Johnson, Wilson und De Gaulle). Alle Eine Ernennung Jerusalem. — Generalmajor Josef Gueva ist kürzlich zum Generaldirektor des unlängst geschaffenen Ab' sorptions - Ministeriums er nannt worden. Gueva ist 44 Jahre alt und war israelischer Militärattache in Washington. (ITA) von unserem H. W.-Berichterstatter Radiostationen der drei arabischen Länder brachten im siegesgewissen Ton die russischen Nachrichten aus Prag und verschwiegen in den ersten drei Tagen überhaupt jegliches Zeichen des tschechoslowakischen Widerstandes. Radio Bagdad ging noch einen Schritt weiter und zog bereits die Nutzanwendungen für die arabischsozialistische Welt; sie müsste ihre Beziehungen so regeln, dass überhaupt nicht das Aufkommen eines Dubceks hier möglich sein wür-' de. Kairo wurde nicht müde, weite Folgerungen der Okupation für den Mittelosten vorauszusehen. Es gehört allerdings keine besondere politische Phantasie dazu, um sich Rückwirkungen des grossen Wendepunktes in der kommunistischen Welt auch für andere Zonen auszumalen. Und in Kairo dachte man wohl in erster Reihe an Israel, wenn man den Mittelosten nannte. Einige Parallelen liegen auf der Hand. Ein kleiner Staat wird von einer Supermacht angegriffen und besetzt — und die Welt, von Empörung gelähmt, rührt keinen Finger. Auch die Vereinten Nationen begannen sich erst zu besinnen, als die Okkupation bereits eine vollendete. Tatsache war. Die sowjetische Taktik die der Okkupation vorausging, ruft Vergleiche auf den Plan. Die Macht, die sich allezeit in der Pose des Verteidigers des Friedens und der kleinen „vom Imperialismus bedrohten Nationen“ gefällt und die besonders in den naiven und auf edle und fortschrittliche Parolen so leicht hereinfallenden Krei- Die nichts wussten von JOEL LIBMAN FRANTZ Der ehemalige Reichsjugendführer und Chef der HJ der Hitler-Jugend. Baldur von Schirach, der sich auch in dichterischen Versuchen gefiel, hat sich veranlasst gesehen, einem neugierigen Reporter ein interview zu ge ben, das ,an sich“ ohne grosse Bedeutung ist und keine Erwähnung verlangt haben würde. Der fteichsjugendführer hat sicherlich durch die lange Haft und seine Krankheit schwer gelitten. Dennoch steht die jetzige Form seines lammhaft-frommen Auftretens in einem so diametralen Gegensatz zu seiner forschen Art aus seiner NS-Jugend und Vergangenheit, dass man über diesen Kontrast erstaunt sein muss. Erinnern wir uns doch noch des lauten „Führers“ der münchener NS-Studentenschaft, als Baldur von Schirach den Frieden der Alma mater mit seinen heftigen Reden und aggressiven Drohungen zu stören bemüht war. Schon damals galt er als des Führers Liebling und der auserkorene Kronprinz. In dieser Rolle gefiel er sich, der Mann mit dem Namen des Germanengottes, der Sohn Odins, der von sich glaubte, als später Nachfolger des Lichtgottes auf die Erde gekommen zu sein, der alles andere als eine lichte oder schlichte Gestalt war, sondern zu den finsteren Figuren der nazistischen Hierarchie gehörte. Anstatt zu schweigen. gibt Baldur von Schirach „Informationen“ über Hitlers Tierliebe, die so ganz zu seiner Mordlust an Menschen im Gegensatz stünde... Der Exjugendführer, der heute immerhin schon 61 Jahre alt ist, einst Unruhestifter an Universitäten und damit ein Vorläufer des heutigen roten Fritz Teufel und anderer Rebellen deutscher Hochschulen, rückt aber ungeniert von 'Hitler ab, der sein Idol war und dem er schliesslich alles zu verdanken hatte: seinen kühnen Aufstieg zum Reichsjugendführer und seine grosse politische Karriere, die ihn zum Gauleiter der deutschen Ostmark gemacht hatte, die allgemein unter dem Namen Oesterreich bekannter ist. Aber auch diese gegenseitigen Beschuldigungen sind nur für die Nazis typisch, die von ,Männertreue‘ sprachen und sich gegenseitig im entscheidenden oder gefährlichen Moment verraten. Von Schirach schliesst sein Interview mit dem Bemerken, dass er nichts von der „Endlösung der Judenfrage“ gewusst und sich keine Vorstellung über das Schicksal der Juden gemacht oder gehabt habe, das die Juden während des Dritten Reiches erlitten haben. Die se Dreistigkeit, den unwissenden und unglücklichen Hitlergegner zu spielen, geht zfi weit. Als Gauleiter in Oesterreich hat er genau davon Kenntnis gehabt, was mH den Juden geschieht, deren Vernichtung er bereits als „Student“ an der Münchener Universität gefordert hat .. Feine Leute! sen der „Neuen Linken“ und ihrer Schützenhelfer im liberalen Lager auf kritik- und bedingungslose Mitläuferschaft rechnen kann, zögert keine Sekunde, diese Phrasenkulisse beiseite zu schieben und ihre wahre Fratze zu zeigen. Das hat Israel bereits zu ungezählten Malen erlebt: vor und nach dem Sechstagekrieg, in den Vereinten Nationen, bei der ungehemmten Bewaffnung seiner arabischen Nachbarn. Aber hier endet auch der Vergleich. Eingriffe in die Weltgeschichte lassen sich nicht ohne weiteres rückgängig machen oder reparieren. Sie lösen starke Erschütterungen auch in weit entfernten Zonen aus und schaffen dadurch neue geschichtliche Gegebenheiten. Es kann wohl kein Zweifel daran bestehen, dass die heldenmütige Reaktion Israels gegen die brutalen und sehr realen Drohungen einer Uebermacht im Jahre 1967 auch das gesunde Bewusstsein vieler anderer kleiner Nationen wachgerüttelt hat — und gewiss nicht in letzter Reihe der Tschechen und Slowaken. Im gleichen Masse wird auch das sowjetische Fiasko dieses Jahres als Erfahrungs. erlebnis auf lange Sicht ätif viele andere Staaten, im Sowjetbereich und jenseits wirken. Auf viel kürzere Sicht ist gewiss die Gefahr gebannt, dass sich die zwei Supermächte auf Kosten Israels über eine Regelung im Mittelosten einigen können. Die USA werden wohl nicht mehr bei jedem Kontakt mit Israel ängstlich nach Russlandschielen und sich immer erst fragen, was wohl Moskau sagen wird. Mit anderen Worten; man wird vielleicht nicht mehr so übervorsichtig sein, wenn es um die. Erhaltung .. und Festigung des Verteidigungspotentials der verlässlichsten Position der westlichen fortschrittlichen Welt im Mittclosten geht. Vielleicht ist es kein blosser Wunschtraum, wenn man eine leichte Erwärmung der französischen Haltung erhofft; vielleicht wird Paris nach diesem gewaltigen weltpolitischen Erdbeben mehr Verständnis Israel zeigen. Auch Sowjetrussland agiert nicht im luftleeren Raum. Die starke emotionelle Reaktion in aller Welt — und nicht nur im demokratischen Westen— haben deutlich gezeigt, dass seiner Hemmungslosigkeit Grenzen gezogen sind. Im Westen, wo man gerne alles überschätzt, was Moskau leistet und plant, hat man eine wichtige Lektion gelernt: dass sich selbst die grossen politischen Strategen und Denker im Kreml verrechnen können. Das ist eine wichtige Erkenntnis auf dem Wege zur Stärkung des Selbstvertrauens und des Selbstbewusstseins der demokratischen Welt. Rdsh Hashaná os año nuevo para la familia judía, un rnensaje de paz, felicidad y prosperidad para toda ta humanidad. LESHANA TOVA TIKATEVU Séd inscriptos para un buen año 5729. BANCO COMERCIAL DE BUENOS AIRES compartj nUestra alegría. KL.IVI KÖNIGLICH-NIEDERLÄNDISCHE Ein gutes Neues Jahr 572 9 urDn ÍI31B m? 7