Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 29 (1968)
- Issue
- 2281 (16.8.1968)
- Date
- 1968-08-16
- Page
- [Seite 5] (sequence 5)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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SEMANA ISRAELITA A&0 XXIX. — N“ 2281 — 5 Víame«, 1« de Ai«*« de 19** i*rm*L jeíw . *+*>*>» ' **» *t ' **'>'• > >' sA-í<-V ** . . .■.:■■■:£<>:•*• '}.‘ká\ ■'■ .. émm< jdii^A *•» + *»**■****■■** + as.*m äuwi Ä * íWW?»fc m > , >v,, ' S" 6.03 ' *•' ■ÍA>V DIE NEUE BRIEFMARKENSERIE ISRAELS, die zu Rosch Haschana 5729 herausgegeben wird und Werte von 12. 15. 35. 40 und 60 Agurot mit Motiven aus dem wiedervereinigten Jerusalem enthaelt. Laila und die „boesen" Israelis Aus recht erschreckten Augen blickte sie sich um. Das junge Mädchen — sie ist 22 Jahre alt, wie sich heraussiellte — erwartete wohl jeden Augenblick die „israelischen Mörder“ auftauchen zu sehen, die man ihr geschildert hatte. Laila Michail Musa Sayag war mit ihrem transjordanischen Pass ins falsche Flugzeug gestiegen. Sie befand sich auf Israels internationalem Flugplatz Lod, statt, wie sie hoffte, auf dem Flugplatz in Amman. Das ganze Unglück war geschehen, da Laila nicht aufgepasst hatte. Sie war es auch nicht gewohnt, in der Welt herumzureisen. Sie hätte die TWA - Maschine, die sie von New York nach Rom gebracht hatte, dort verlassen und in ein Flugzeug der transjordanischen Luftlinie nach Amman umsteigen müssen. Ihre Koffer u verliessen die TWA-Masc-hine in Rom. Sie aber nahm die Transitkarte und stieg in dasselbe Flugzeug zurück. So gelangte sie nach Israel. Der Schreck war gross, und gross war auch die Angst. Was hatte man ihr nicht alles von den grausamen Juden erzählt, von jenen Israelis, die brutal gegen jeden Araber vorgehen, die jedes Mädchen vergewaltigen, die alte Männer und Frauen quälen, die genauso reagieren wie die Nazis. Sie wusste allerdings nicht ganz genau, wer und was Nazis sind. Deshalb kommt ja der Vergleich auch so oft. Im Ostblock weiss man sehr genau, wo man die Vergleiche anzubringen hat. Und während also Gunnar Jarring, der Sonderbotschafter U Thants, für den Nahen Osten mit unbeirrba¬ Blick in die Welt von HAROLD SCHWARCZ DER WAHLSIEG Nixons stellte keine sonderliche Ueberraschung dar. — ANTONIO ARGUEDAS, der frühere bolivianische Innenminister, machte durch Rundreisen von sich reden. DIE LAGE IN Uruguay wird immer chaotischer. — DIE ZENTRALregierung in Madrid führt einen Kleinkrieg gegen die Basken. — EIN NEUES Buch über Hitler erregte Aufsehen und führte zu einer Diskussion, auf welche Weise Hitler sich ermordet hat. — MARSCHALL TITO wurde mit grossem Enthusiasmus in Prag empfangen. — DER AUSSENMINISTER Kolumbiens, Germán Zea Hernández, hat seinen Rücktritt erklärt. — DAS NATIONALE China unterhält Sabotagetrupps auf dem rotchinesischen Festland, wie behauptet wurde. DIE REGIERUNG Brasiliens hat eine spezielle Kommission zur Beobachtung der „fliegenden Teller“ eingesetzt. — IN RHODESIEN wurden 32 Schwarze wegen unerlaubten Waffentragens zum Tode verurteilte). — IN FRANKREICH streikten wieder einmal Radio und TV. — MIT TUMULTEN endete der kommunistische Jugendkongress in Sofia (Bulgarien) und machte die Spaltung im kommunistischen Lager sichtbar. — HILFERUFE für Biafra werden von vielen internationalen Körperschaften erlassen, aber Frieden zu schliessen, sind sie nicht fähig. — DER PAPST wiederholte energisch, die Kirche werde an ihren Grundprinzipien festhalten. — DIE ROTE Garde soll in Peking ein neues Blutbad angerichtet haben. — RUMAENIEN protestierte in Moskau, dass es nicht zur Sitzung der kommunistischen Länder in Pressburg eingeladen worden war. — DASS ES IN Perú Guerilla-Krieger gäbe, wurde offiziell bestritten. — SCHWERE Ueberschwemmungen werden aus Indien gemeldet. — BRASILIEN mobilisierte seine Armee zum Einsatz gegen Studenten und andere Demonstranten. — PLOETZLICH erklärte Nixon, er werde möglicherweise Verhandlungen mit Rotchina unterstützen. — HEFTIGE Demonstrationen fanden in Guayaquil statt. — KONGO-Brazaville hat eine neue Regierung, nachdem man erst den Präsidenten Massemba-Debat verjagt und dann wiedergeholt hatte. — DIE NEUE IRAKISCHE Regierung will den Krieg »it den Kurden beenden. — MARSCHALL Konstantin K. Rokossowsky, einer der siegreichen Heerführer Stalins gegen Hitler, verstarb in Hoskau (72). — rem Optimismus seine Mission weiterführt, ohne dass bisher greifbare Ergebnisse vorliegen, und während die Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York tagte und ein neuer Sonderbotschafter des UN- Generalsekretärs „die Lage der Zivilbevölkerung im Nahen Osten“ untersuchen soll — auf arabischen Antrag die Situation der Zivilbevölkerung in den von Israel besetzten Gebieten, und auf Antrag Israels die Lage der Juden in den arabischen Staaten — kam Laila nach Lod. Und sie fürchtete sich. Allerdings verbarg sie ihre Angst, denn sie wollte nicht feige erscheinen. So behauptete sie, ihre Blässe und ihr Zittern komme nur davon, dass sie sich während des Fluges schlecht gefüh.t hatte. Man sprach sie englisch an, aber sie reagierte nur zögernd. Erst als die heimatlichen arabischen Laute an ihr Ohr drangen, begann sie aufzutauen, obwohl sie englisch recht gut sprach, wie sich später herausstellte, denn sie arbeitet bereits sei drei Jahren in New York. Bei einem Juden übrigens. Sie weiss nur, dass er „Maxie“ heisst, den Nachnamen kennt sie nicht. Oh ja, sie fühlt sich ganz wohl dort, sie würde nur gerne mehr verdienen. Na ja, sic hat nichts weiter gelernt, deshalb musste sie ja auch diese Stellung annehmen. Sie glaubte es keineswegs, als man ihr versicherte, sie würde auf Kosten der israelischen Behörden im jüdischen Staat übernachten, um am nächsten Morgen mit derselben TWA-Maschine nach Rom zurückzgeschickt zu werden, damit sie dort das Flugzeug nach Amman erreiche. Man hatte ihr zuviel über die Art erzählt, in welcher die Juden Israels Araber behandeln, um annehmen zu können, dass man sie so gut behandeln könnte. Scheu, erstaunt, ungläubig blickte sie sich in der Halle des eleganten Avia* Hotels, das neben der Flugplatz liegt, um. Der Beamte, der sie begleitete, ging mit ihr zum Empfangsschalter und nahm ein Zimmer für sie. Laila blieb über Nacht im ,,Avia“. So schön hatte sie in ihrem ganzen Leben noch nicht gewohnt. Sie ass unten im modernen, weiss gedeckten, für ihre Augen wie ein aus dem Märchen stammender Schlossaal wirkenden Speisesaal, schlief dann, wie sie morgens bestätigte, trotz mancherlei Bedenken und Aengste, ausgezeichnet, erhielt früh ein reichliches Frühstück und wurde zum Flugplatz zurückgebracht. Bald sass sie erneut in dem TWA-Flugzeug, das sie nach Rom zurückbrachte, und am Nachmittag desselben Tages konnte sie ihre Verwandten auf dem Flugfeld der transjordanischen Hauptstadt umarmen. Als sie sich von den israelischen Beamten vor Abruf ins Flugzeug verabschiedete, merkte man Laila deutlich an, dass sie einiges an ihren Ansichten geändert, revidiert hatte. Sie unterhielt sich angeregt, und sie bedankte sich. Der Polizist, der mit ihr sprach, ist allerdings etwas skeptisch. Er meinte, die Begeisterung, welche Laila morgens in Lod gezeigt hatte, werde nicht bis zum Abend desselben Tages angehalten haben. „Man wird ihr schon jede Form von positiver Einstellung uns gegenüber wieder austreiben“ sagte er. „Und dann, wenn die Tage vergehen, wird sie eine ganz andere Version ihres Israelbesuches erzählen, solange und soviel erzählen, dass sie letzten Endes selbst die neue, die falsche Version glauben wird.“ Wahrscheinlich hat er recht, der junge Beamte. So und nicht anders sehen ja alle Reaktionen der feindlichen Nachbarn Israels aus. So und nicht anders muss auch vieles erklärt werden, was Frieden und Regelung im Nahen Osten verhindert. „Sie haben mich nett, freundlich und menschlich behandelt, und das, obwohl ich mit einem transjordanischen Pass kam“, sagte Laila zu dem Beamten, bevor sie Lod wieder verliess. Beilage für die Jugend Die Jüdische Wochenschau wird, beginnend im Monat September, künftig eine Sonderbeilage für unsere Jugend in SPANISCHER SPRACHE herausgeben, um auf diesem Wege zur Verbreitung jüdischen Wissens und zur Belebung der jüdischen Interessen unter unserer Jugend beizutragen. Die Beilage wird vier Seiten umfassen und sieh in erster Linie an unsere Zweite Generation wenden, die nicht mehr Zeitungen in deutscher Sprache zu lesen gewohnt ist. Zur selben Zeit werden die Organisationen der Jugend die Möglichkeit haben, sich an unsere Jugendlichen zu wenden, die ihre Nachrichten in dieser Beilage veröffent.ichen können. Die Beilage wird unter dem Titel SEGUNDA GENERACION den hohen Zielen unserer Zeitung dienen, um die Liebe an jüdischer Tradition zu stärken oder zu wekken, die Verbindung mit der jüdischen Welt aufrecht zu erhalten, jüdisches Wissen zu verbreiten und einen engen Zusammenhang zwischen den Generationen zu schaffen, durch den allein die Kontinuität unseres Leben gewahrt werden kann. Wir bitten die Gemeinden und Vereinigungen, ihren Jugendgruppen und jugendlichen Mitarbeitern von dieser neuen Publikationsmöglichkeit Mitteilung zu machen und sie zur Mitarbeit aufzufordern. Jeder Leser der Jüdischen Wochenschau ist aufgefordert. die Beilage seinen Kindern oder anderen Jugendlichen in die Hand zu geben, damit ein möglichst grosser Kreis erfasst wird. Unverwüstliche Dreigroschenoper John Gays „Bettleroper“ und Villons Vagantenlieder haben dank der „Dreigroschenoper“ neues Leben bekommen Brechts klar und scharf gefassten sozialen Anklagen und die Musik von Weill haften. Man kann sie immer wieder mit Genuss sehen. Auch die Aufführung der Kammerspiele verdient es. Reinhold Oiszewskis Regie verdient hohes Lob. Er iberwand alle Schwierigkeiten (Krankheiten auch in letzter Minute). Das Bühnenbild von Gunter Kupfer war hübsch und erlaubte schnellen Szenenwechsel. Olszewski schuf eine Schluss- Szene vo Rang. Hans Gerd Kübel kam eigens aus Europa. Sein Mackie Messer ist zu liebenswürdig. Irl habe ebenso gute Sprecher des Brecht- Der Beamte lächelte ihr zu, als er antwortete: „Ja, warum sollten wir Sie eigentlich nicht nett und freundlich behandeln? Ihr Pass war schliesslich in Ordnung. Und in dem Pass steht ausdrücklich: „Gültig für alle Länder der Welt“... sehen Textes gehört, aber keinen so gut singenden Mackie Messer. Karin Kleine als Polly war reizend als naives Mädel und rauh als Chefin der Diebesbande. Ursula Schaeppi als Lucy war eine andere Liebe Mackie Messers: eifersüchtig und streitbar. Lily Wiehere sprang wie im „Boyfriend“ in letzter Minute erfolgreich für erkrankte Kolleginnen ein und macht nun die ganze Tournee mit. Sie brachte die Ballade der Polly mit der ganzen Wucht von Brechts Worten. Peter Gavajda als Moritatensängei traf am genauesten den schon klassischen Stil von Brecht und Weill. Hanita Ha:'an war eine Spelunken-Jenny. die begreiflich machte, dass Mackie Messer ihretwegen zweimal in die Falle ging. Das gesamble Ensemble (nicht alle Mitwirkenden können hier aufgezählt werden) spielte meist in mehreren Rollen ansprechend und voll Leben. Die Aufführung gefiel und wurde von Anfang an stark beklatscht. Dr Karl Kost I« Im Juni 1967 % kamen Sie von allein W ARUM warten wir in diesem Jahr noch immer auf Ihre Selbsthesfeuerung? COMITE CEMTROEUROPEO de la Campaña Unida (Keren Hajessod) Sarmiento 2376, 3? — T.E. 47-3820 u. 47-1661