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Jüdische Wochenschau · 1968-08-09 · 2280 (9.8.1968) · p. [Seite 8]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
29 (1968)
Issue
2280 (9.8.1968)
Date
1968-08-09
Page
[Seite 8] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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o 03 o £ o; - J- C « O FRANQUEO PAGADO Concesión 908 TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 Año XXIX ISRAELITA BUENOS AIRES, VIERNES 9 DE AGOSTO DE 1968 V» 228» EL EJEMPLAR en toda la República PUEYRREDON 2190 1» laq. Buenos Aires T.E. 83 - 2613 Aktion gegen Terroristen So reden sie unter sich von HORST WINCKLER Journalistische Bacchanalien, deren Niveau weit uater dem Gefrierpunkt des Erträglichen lieg', feien die Deutsche National- und Soldatenzeitung, die sich Numnter für Nummer mit immer neuen provokatorisches Artikeln und sensationell-langweiligen „Entdeckungen“ bemuht, die Aufmerksamkeit eines sich schnell radikaHsiorenden Publikums auf sich zu lenken. Als Beispiel hierfür mag die Ausgabe vom 21. Juni 1968 dienen. Auf der Titelseite prangen die Bilder der Herren Kurt Georg Kiesinger und Walter Ulbricht, Bundeskanzler der eine und Chef der DDR, der Deutschen Demokratischen Republik, der andere. Die Bildunterschriften lauten: Kiesinger, ein prominenter früherer Nationalsozialist, der unglücklicherweise zum Kanzler avanzierte, zeigt sich Ulbricht nicht gewachsen.Die andere Bildunterschrift: Ulbricht, ein kommunistischer Schwerverbrecher in russischen Diensten, entwickelt seit 20 Jahren staatsmännisches Format. Motiv für diese hasspriihende Gegenüberstellung: „Berlin ist verraten und verkauft“. Nachdem Kiesinger und Ulbricht in dieser Weise abgefertigt sind, kommt der SPD-Politiker Klaus Schütz an die Reihe, der als Israel-Freund präsentiert wird, mit dem Zusatz, „zum Unglück unseres Vaterlandes ausserdem noch Bürgermeister von Westberlin“. Da Schütz sich bei einem Israelbesuch geäussert hat, dass Jerusalem nicht wieder geteilt werden sollte, greift ihn die Zeitung an, weil er hiermit die Araber verletzte, die zum Freundeskreis der genannten Zeitung gehören, wie nicht anders zu erwarten ist. Nachdem Schütz auch noch gesagt haben soll: „Ich werde mich der Förderung engerer Verbindungen zwischen Berlin und Israel widmen“, ergiesst die Ultrarechte ihren Zorn auf ihn, nicht ohne auch einen Herrn Herz zu erwähnen, den Sprecher des Beniner Senats, der von sich gesagt habe, er komme zwar selbst aus der Assimilationsperiode der Juden Deutschlands, wisse aber dennoch nicht, warum er eigentlich dort (in Berlin! und nicht hier (in Tel Aviv! lebe. Diese, ob echte oder erfundene Bemerkung des Herrn Herz bietet dem Artikelschreiber der Nationalzeitung wiederum reichlichen Stoff zu seinen Betrachtungen. Dann prasselt es auf alle Beteiligten mit Pech und Schwefel hernieder: Ausdrücke wie Verbrecher und Verbrecherbande, Verräter und ähnliche werden zur Verächtlichmachung benutzt, und der Bundeskanzler dadurch getroffen, dass ihn der Autor des fraglichen Artikels als unfähig bezeichnet, demgegenüber der ostdeutsche Chef Ulbricht „die wirtschaftliche Weltmacht Bundesrepublik in die Ecke zu treiben“ vermag. Der gesunde Schuss von Antisemitismus fehlt nicht durch den dezenten Hinweis auf einen Herrn Herz und dessen Herzenswünsche, der aber mit einer schwachen Anerkennung abgeschwächt wird. So wird hemmungslos kritisiert und entstellt. Und als Beobachter solchen Geschehens kann nur die Verrohung des Tons interessieren, die bereits einmal das Präludium für die Verrohung des gesamten bürgerlichen und staatlichen Lebens gewesen ist... T d Aviv. -- Flugzeuge der israelischen Luftwaffe Wur den über einem transjordanisehen Gebiet eingesetzt, in dem sich ein Schulungslager der El Fatach und ein l.-mmando dieser Terrororg-nisation befinden. Ein militärischer Sprecher teilte mit, dass die Aktion beschlossen wurde, weil die Saboteure längs der Feuereinstellungslinie ihre Aktivität steigerten und eine wachsende Zahl von Einfällen in israelisches Territorium von Transjordanien aus zu verzeichnen war. Die Luftoperation richtete sich gegen ein Uebungslager der El Fatach und Waffenarsenale 5 Kilometer südlich von Es Salt sowie gegen einen Stützpunkt 3 Kilometer westlich der gleichen Ortschaft. In den Lagern lebten etwa 400 Saboteure. Allein im Monat Juli ereigneten sich 98 Zwischenfälle. Die israelischen Angriffe konzentrierten sich gegen das Jordantal, in dem verschiedene El Fatach-Basen iiegeu. Ein Wald bei Es Salt diente als Ausgangspunkt der Bauden, die sich zu Einfällen in isracl.-ehes Gebiet vorbereiteten, und in der Nähe waren Waffen und Sprengstoffe aufgestapelt. Dort befanden sich auch viele Fahrzeuge, welche nicht die üblichen transjordanischen Nummernschildern sondern Schilder mit den Buchstaben FFF, dem Abzeichen der El Fatach, trugen. „Ich hoffe, dass diese Aktion, die ein schwerer und unerwarteter Schlag für die Terroristen war, sie veranlassen wird, über ihre Aktivitäten nachzudenken, und sie gleichzeitig eine Warnung an die transjordanischen Behörden darstellt und ihnen zeigt, dass ihre Zusammenarbeit mit den Saboteuren unerfreuliche Früchte zeitigt“, erklärte Generalstabschef Chaim Bar Lew den Journalisten. Bar Lew fügte hinzu, man wisse zwar noch nicht, wieviele Saboteure getötet worden seien, doch' er sei im Besitz positiver Beweise, dass die Terroristennester bei dieser Aktion, die mit Unterbrechungen etwas über drei Stunden dauerte, zerstört wurden. Er unterstrich, dass die Aktion erforderlich war, da die Ueberfälle der Terroristen sich auf täglich drei Angriffe im Durchschnitt vermehrt hatten. Die Et Fatach hielt dieses Lager für sicherer als ihre Base in Karameh, da sie innerhalb des transjordanischen Territoriums lag. „Diese Aktion“, bemerkte er. „wird sie belehren, dass sie nirgends sicher sind. Wenn sie den Frieden wollen, dann müssen sie zuerst ihre feindseligen Ueberfälle auf Israel einstellen.“ Während der ganzen Zeit, die der israelische Angriff dauerte, wurde kein wirksamer Widerstand geleistet. Hin und wieder war Abwehrfeuer aus den im Operations _ Gebiet gelegenen transjordanischen Positionen zu hören. Nach Aussagen des israelischen Generalstabschefs bombardierten die israelischen Flugzeuge weder die Ortschaft Es Salt noch die dortige Position der transjordanischen Armee, obwohl diese aus ihren Abwehrgeschützen gegen die israelischen Flugzeuge schoss, allerdings ohne Erfolg. Transjordanische Flugzeuge waren am Himmel nicht zu sehen. General Bar Lew hob hervor, dass diese Aktion die Kampfkraft der Saboteure fiir einige Zeit schwächen werde und denen als Warnung dienen würde, die daran dächten, sich dieser Organisation anzuschliessen. Ueber das Ausmass der Aktion äusserte der General, dass sie die ausgedehnteste seit dem Sechstagekrieg war, lehnte jedoch ab, Auskunft über das Modell und die Zahl der eingesetzten Flugzeuge und abgeworfenen Bomben zu erteilen. Dagegen enthüllte er, dass die israelischen Maschinen auch tausende Flugzettel abwarfen, in denen die Saboteure gewarnt wurden, dass die israelischen Streitkräfte sie vernichten würden. ANRUFUNG DES SICHERHEITSRATES New York. — Auf Ansuchen von Israel und Transjordanien trat der Sicherheitsrat zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen, um über die mit dem israelischen Luftangriff gegen die Stützpunkte der arabischen Terroristen im Jordantal zusammenhängenden gegenseitigen Beschuldigungen zu beraten. Transjordanien ersuchte den Sicherheitsrat um die Verhängung von Sanktionen gegen Israel. Der Botschafter dieses Landes, Mohammed El Farra, forderte „neue wirksame Massnahmen vonseiten der UN, um den ständigen aggressiven Akten der Israelis ein Ende zu setzen“. Er klagte Israel an, fortgesetzt die Autorität des Sicherheitsrates und seine Resolutionen zu missachten und die Gebiete zerstören zu wollen, die es nicht besetzen Vor den UN New York. — Israels Botschafter vor den UN, Joseph Tekoa, erklärte im Sicherheitsrat, dass Israel auf eigene Verantwortung handeln wird, falls die Vereinten Nationen keine wirksamen Massnahmen ergreifen sollten, um der arabischen „Verschwörung zur Aggression“ Einhalt zu gebieten. Tekoa bezeichnete die Beendigung des von arabischen Ländern aus gegen Israel geführten Kleinkrieges als Vorbedingung für irgendwelche Verhandlungen über einen dauerhaften Frieden im Mittelosten und wies darauf hin, dass keines der arabischen Länder seine Teilnahme an den fortgesetzten Einfällen in israelisches Gebiet in Abrede gestellt hat. konnte, indem es die Landwirtschaft vernichtet und die Bevölkerung durch Terror zum Verlassen ihrer Böden zwingen will.“ Der israelische Repräsentant Joseph Tekoa bezichtigte die Regierung und Armee Transjordaniens, „die von palästinensischen Kommandos ausgeübten terroristischen Ueberfälle auf Israel zu dulden und zu begünstigen.“ Es handelte sich um die erste Sitzung des Sicherheitsrates, die sich seit dem 21. Mai mit der Nahostkrise befasste und dem neuen USA - Botschafter George Bail Gelegenheit bot, zum ersten Mal an der Arbeit des Rates teilzunehmen. MALIK GEGEN BALL Vereinte Nationen. — In einer zweiten Sitzung, die am darauffolgenden Tage stattfand, äusserte der sowjetische Botschafter Jacob A. Malik die Vermutung, dass der kürzliche Besuch des USA-Botschafters George Ball in Israel mit dem israelischen Angriff gegen transjordanisches Territorium in einem gewissen Zusammenhang stehen könnte. Ball bezeichnete diese Behauptung als , .offensichtlich falsch“ und beschuldigte Malik sich „einer ungewöhnlichen Logik“ zu bedienen, „die Phantasie statt Wirklichkeit anwendet.“ NEUER ZWISCHENFALL Amman. — Ein Sprecher der transjordanischen Armee teilte mit, dass die auf dem Westufer des Jordans stationierten israelischen Truppen mit Maschinengewehren, Mörsern und 106 mm-Kanonen gegen die transjordanischen Truppen in der Nähe der Almapani- Brücke über den Jordan und das Dorf Meschia im Südwesten des Tiberiassees das Feuer eröffneten. Die Transjordanier hätten das Feuer erwidert, so fügte der Sprecher hinzu, und eine israelische Kanone und zwei Maschinengewehre ausser Gefecht gesetzt. Er behauptete, dass sieben israelische Soldaten verwundet wurden. Anleili« für Verteidigung Jerusalem. — Sämtliche Minister des Kabinetts haben sich verpflichtet, Bonds der Anleihe für die Vertei digung Israels in der Höhe eines vollen Monatsgehalts ohne Abzüge für die verschiedenen Steuern zu erwerben. Die mit dem Verkauf der Bonds betrauten öffentlichen Comites haben die festangestellten Arbei, ter aufgefordert, nur die Hälfte eines Monatslohns unter Anrechnung der Abzüge zu dem gleichen Zweck zu opfern. (ITA) Vorzeitig haftentlassen von SEM FRANKENSTEIN . jn den 140.000 Juden, die am 10. Mai 1940, dem Taals Hitlers Truppen in Holland einfielen, in den Niederlanden lebten, waren am Kriegsende beim Zusammenbruch des Dritten Reiches 110.000 in deutschen Konzentrationslagern umgekommen. An dem Mord von diesen mehr als einhunderttausend Menschen war der ehemalige Chef der Sicherheitspolizei in Holland, SS-Brigadeführer Dr. Wilhelm Harster, entscheidend beteiligt. Er wurde deswegen erst im Februar des vorigen Jahres wegen gemeinschaftlicher Beihilfe zum gemeinschaftlichen Mord an mehr als 82.000 holländischen Juden zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Man wird zugeben müssen, dass diese Strafe äusserst gering ist, wenn man sich euch nur einen Augenblick vergegenwärtigt, was es bedeutet, am Tode von zweiundachtzigtausend Menschen mitschuldig zu sein... 15 Jahre für Beihilfe zum Mord in 82.000 Fällen! Das Gericht verhängte aber nicht allein eine relativ geringe Strafe mit diesen 15 Jahren Zuchthaus, die der Herr mitmordende Doktor erhielt, sondern rechnete auch die in Holland verbüsste Untersuchungshaft und Kerkerstrafe an, um die sich — ebenso wie um die in Deutschland verbüsste Untersuchungshaft — die Strafe von 15 Jahren entscheidend verringerte. Jedenfalls waren im November 1967, d. h. nach wenigen Monaten, bereits zwei Drittel der Gesamtstrafe irerbüsst. Damit hatte der Zuchthäusler und Brigadeführer das Recht, seine bedingte Entlassung aus dem Zuchthaus zu beantragen, die ihm selbstverständlich vom zuständigen Landgericht München gewährt wurde, demselben fcandgericht, das mit besonderem Vergnügen die Klage der Opfer der NS-Verfolgungen für ihre Gesundheitsschäden oder in anderen Sachen, meist aus formellen oder fadenscheinigen Gründen, abschmettert... Auch der Leiter des jüdischen Dokumentationszentrums in Wien, Ing. Simon Wiesenthal, soll mit der vorzeitigen Entlassung einverstanden gewesen sein, wie mitgeteilt wurde, habe doch Harster zusammen mit seinem Mitarbeiter und Mitangeklagten Wilhelm Zoepf, ganz im Gegensatz zur Praxis aller anderen Kriegsverbrecher seine Schuld eingestanden. Auch dieser Hinweis verdient, dass man hierüber einen Augenblick nachdenkt. Dass ein Nazi einmal die Wahrheit sagt, ist ein derartig auffallendes und exzeptionelles Ereignis, dass dies allgemein tiervorgehoben wird, ist aber auch eine weitere Schande für ein System, dessen Träger, Vollstrecker und Handlanger zum Mord an Massen, aber auch zur Feigheit gegenüber sich selbst erzogen worden sind. Die wenigen Nazis, die den Mut hatten, die Wahrheit zu sagen, können einzelnen angeführt werden. Ihre Geständnisse haben aber ohne langen Zeugenbeweis die Grausamkeit, die Schrecken und die unbeschreiblichen Verbrechen bestätigt, die von den Deutschen während der braunen Diktatur begangen worden sind. Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavra 83r Registro de i* Propiedad Intelectual N* 947 22f Eine Ankündigung der BBC London. — Der libysche Minister für Information und Kultur ist nach Mitteilung der libyschen Nachrichtenagentur von einem zweiwöchigen offiziellen Besuch aus London zurückgekehrt. Der Minister erklärte, er habe bei den britischen Funktionären grosses Verständnis für die arabische Position gefunden, und erwähnte in diesem Zusammenhang dankbar die vom britischen Unterstaatssekretär für auswärtige Beziehungen, Morris Foley, angekündigte Einstellung der Hebräischen Stunde im Programm der BBC. Jerusalem. — Beamte des israelischen Aussenministeriums enthüllten, dass Israel die Regierung Englands ersuchen wird, den Beschluss die hebräischen Sendungen der BBC "einzustellen, wieder rückgängig zu machen. Der im Unterhaus mitgeteilte Beschluss, der ab Oktober in Kraft treten soll, entfesselte herbe Kritiken bei den Abgeordneten und jüdischen Organisationen. Die hiesigen Beamten bemerkten, dass die Uebertragungen der BBC in arabischer Sprache nicht abgesagt und nicht einmal eingeschränkt werden sollen, was Anlass zu Zweifeln an der offiziellen Erklärung gebe, dass die Sendung der Hebräischen Stunde wegen unzureichender Mittel nicht mehr möglich sei. Daher betrachte Israel die Massnahme als politischer und nicht ökonomischer Natur und halte sie nicht für gerechtfertigt. (ITA)

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