Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 29 (1968)
- Issue
- 2280 (9.8.1968)
- Date
- 1968-08-09
- Page
- [Seite 1] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/9616703-9616177-9616434--5311-9616435- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
JÜDISCHE IDOCHEDSC /aJewxiKaJ&xaeliia PUEYRRfcDON 2190 — 1’ izq. Año XXIX T. E. 83 - 26 1 3 BUENOS AIRES, VIERNES 9 DE AGOSTO DE 1968 N° 228» Die Macht des Geistes Am 24. Juli 1918 fand auf dem Skopusberg in Jerusalem. dem Har Hazofim, die feierliche Grundsteinlegung für eine Hebräische Universität statt. Auf diesem Berge hatte der römische Feldherr Titus rund zweitausend Jahre zuvor sein Lager aufgeschlagen, um die Heilige Stadt zu erobern. Die grosse symbolische Bedeutung der Tatsache, dass nach Jahrtausenden das jüdische Volk, das von der Macht der grossen und der kleineren Imperien nicht besiegt werden konnte, an diesen Ort zurückkehrte, um eine Stätte für seine geistige Arbeit zu errichten, wurde vom ersten Augenblick an erkannt. Versetzen wir uns für einen kurzen Augenblick in die Zeit der Anfänge unserer zionistischen Arbeit. Ein Mann von besonderem Format, der seine Laufbahn als Kaufmann in Odessa begann und dann Professor für Mathematik an der Universität Heideiburg wurde, hatte sich Hermann Hirsch Schapira schon vor der Gründung der Zionistischen Organisation für die Schaffung des Jüdischen Nationalfonds in einem Projekt ausgesprochen, das er der Kattowitzer Konferenz der Chawewe Zion vorgelegt hatte. Der Plan wurde dann erneut von Schapira dem 1. Zionistenkongress in Basel (1897) unterbreitet, dem dieser geniale und vorausschauende Mann ebenfalls vorschlug, eine jüdische Hochschule in Palästina ins Leben zu rufen. Es sollten von JEHVDA GOTTHEIMER jedoch mehrere Jahre vergehen, bis diese Pläne im Jahre 1901 von der sogen. ,,demokratisch - zionistischen Fraktion“ erneut aufgegriffen wurden, deren Leitung in den Händen von Martin Buber, Berthold Feiwel, Leo Motzkin und Chaim Weizmann lag. Buber hatte damals das Wort von der ,,Gebrä¡sehen Universität, deren Gründung bereits vor dem Weltkrieg eine dringende Notwendigkeit für die studierende oder zum Studium drängende jüdische Jugend, vor allem aus Osteuropa, geworden war, nachdem die deutschen wie die schweizerischen Universitäten unfreundliche Massnahmen ge¬ Boykott wurde angedroht Bonno. — Die Internationale Transport-Föderation hat auf ihrem 29. Kongress in Wiesbaden einstimmig beschlossen, einen Boykott gegen Algerien zu proklamieren, wenn das am 23. Juli von arabischen Terroristen gekaperte israelische EL AL-Flugzeug, das seither von Algerien mit 12 Israelis einbehalten ist, nicht sofort zusammen mit den verhafteten Passagieren an Israel zurückgegeben wird. Der westdeutsche Gewerkschaftskongress erliess einen scharfen Protest gegen das Verhalten Algeriens und ersuchte den Internationalen Luftransportverband IATA, die algerische Fluglinie Air Algerie wegen der Teilnahme Algeriens an der Luftpiraterie aus seinen Reihen auszuschliessen. (ITA) genwartsarbeit“ geprägt: „Wir sehen, wie in unserem Zeitalter auf allen Gebieten Theorie und Wort durch Leben und Tat verdrängt werden“. Das ist übrigens eine Feststellung, die in jedem Zeitalter, gewiss aber in unseren Tagen nichts an ihrer Aktualität verloren hat. Weizmann, der während des Ersten Weltkrieges die Leitung der Zionistischen Organisation de facto übernommen hatte, war der hervorragendste Vorkämpfer des Gedankens einer Hegen eine „Ueberfüllung“ mit Ausländern, gemeint waren Juden, erlassen hatten. Nachdem die Balfour-Deklaration erlassen war (November 1917), wurde eine von der englischen Regie, rung autorisierte .Palästina- Kommission“ unter Füh-, rung Weizmanns entsandt, die alle Einzelheiten prüfen sollte, die für die Durchführung des Mandats erforderlich waren. Weizmann verlangte vom General Allen. by, der kurz zuvor Jerusa* Die wahren Ziele Nassers Jerusalem. — Aussenmi- | zerstören jedwede Illusion nister Abba Eban erklärte, i Uber eine ägyptische Mässi- Präsident Nasser von Ae gypten habe mit „brutaler Klarheit“ die Politik seines Landes gekennzeichnet, die sich auf „totalen Widerstand, ohne Reserven und ohne Kompromisse für den Frieden“ gründet. In seiner Rede im Aussenministerium, die 90 Minuten dauerte, hob Eban hervor, dass Nasser jede Möglichkeit für eine fried* liehe Regelung des arabischisraelischen Konflikts ausgeschlossen und versprochen hat, die von Israel im ver* gangenen Jahr besetzten Gebiete zurückzuerobern, ,,selbst wenn wir für jeden Zoll Bodens einen Märtyrer opfern müssen". Er warnte seine Zunörer zwar vor einer verfrühten Wiederaufnahme der Feindseligkeiten, versicherte jedoch, dass die israelischen Truppen „Tag und Nacht arbeiten, um sich vorzubereiten." „Nasser* Rede ist ein Ereignis von internationaler Bedeutung“, führte Eban aus. „Sie zeigt mit brutaler Klarheit und endgültig, dass die VAR den Krieg will. Diese Politik steht in offenem Gegensatz zur UN-Charter und den Grundprinzipien des internationalen Rechts. Nasser lehnt den erklärten Willen der internationalen Gemeinschaft ab, durch Verhandlungen über ein Abkommen zu einem dauerhaften und gerechten Frieden zu gelangen. Diese Rede sowie andere Informationen Uber die ägyptische Politik gung. Nasser will einen neuen Krieg, um Israel völlig zu vernichten. Er ist gegen den Frieden, gegen ein Ad- Kommen, gegen Verhandlungen, gegen die Anerxennung der Souveränität Israels. Die früheren ägyptischen Erklärungen über die Bereitwilligkeit zu einer friedlichen Regelung und die Annahme der Resolution des Sicherheitsrates für einen Frieden sind jetzt hinfällig geworden. Nasser hatte nur die Absicht, die öffentliche Weltmeinung irre- Nachfolger von Golda Meir Tel Aviv. — Mit nur einer Gegenstimme und zwei Stimmenthaltungen wurde Pinchas Sapir zum Generalsekretär der Arbeiterpartei gewählt. Er ist der Nachfolger von Frau Golda Meir, die dieses Amt niederlegte und ihren Entschluss trotz der Bitten der Parteiführer nicht rückgängig gemacht hatte. In seiner Antrittsrede erklärte Sapir, er betrachte es als seine voräringliche Aufgabe, die letzten Reste der trennenden Auffassungen zwischen der in der «euen Partei zusammengeschlosenen Mapai, Achdut Awoda und Rafi zu beseitigen. (ITA) zuführen. Jetzt will er selbst dies nicht mehr. In seiner von Hass, Kriegslust und Aggressivität durchtränkten Rede nimmt er die volle Verantwortung für die Spannung in der Region und die Ausweglosigkeit der Bemühungen um den Frieden auf sich.“ Der Aussenmininter betonte, dass „dieser Umstand die Pflicht und die Ent* schlossenheit Israel stärkt, die für die Sicherheit erforderlichen Massnahmen solange aufrecht zu erhalten, bis die VAR ihren Kurs von Grund auf ändert“. Er fügte hinzu, dass „die öffentliche Weitmeinung zu dem schliesslichen Frieden im Mittelosten beitragen könne, indem sie energisch und ohne Umschweife die ägyptische Rebellion gegen den internationalen Frieden und die regionale Eintracht verurteilt.“ In seiner Analyse der Nasser - Rede unterstrich Eban dass diese Erklärung „ausser ihrer unheilvollen Bedeutung für das arabischisrae.isehe Problem höchst beachtlich ist, weil sie seine völlige Unterwerfung unter die Politik einer ausländischen Grossmacht und sein Bemühen zeigt, in den Beziehungen zwischen den grossen Mächten neue Spannungen zu entfachen“. —- „Nassers Haltung zu Israel und dem Konflikt zwischen West und Ost ist die gleiche, welche im vergangenen Sommer die Welt in grosse Gefahren gestürzt hat.“ warnte Abba Eban. lern erobert hatte, den Grundstein für die Hebräische Universität legen zu dürfen, was von den Engländern auch genehmigt wurde. Der englische Oberkommandierende verstand zunächst diese Bitte des jüdischen Professors und Politikers nicht. Noch war das Grollen der Kanonen an der nahen Front vor den Toren Jerusalems zu vernehmen, noch befand sich das Land im Kriege, noch waren die Verhältnisse in der soeben eroberten Heiligen Stadt nicht geklärt und nicht geordnet, noch befand sich alles rings um im Land wie in der ganzen vom Weltkrieg aufgewühlten Welt in voller Entwicklung, deren Ende nicht vorauszusehen war, da hatte der Vorsitzende der Palästina-Kommission keine andere Sorge, als um die Erlaubnis zur Grundsteinlegung für eine Universität zu bitten... Wieder schweift unser Blick Jahrtausende in die Zeit der römischen Eroberer zurück, die dem grossen Gelehrten Jochanan ben Sakkai die Erlaubnis erteilt hatten, das Lehrhaus von Jawne als Stätte des Geistes zu führen, nachdem Jeru" salem mit all seinen Lehrhäusern von den Römern zerstört worden war. So wurde das geistige Judentum nach der Zerstörung seiner weltlichen Einrichtungen über die Zeiten bis in unsere Gegenwart bewahrt. Schon frühzeitig hatte Weizmann als Wissenschaftler wie als Politiker die Rolle erkannt, die den Wissenschaften und dem Geist als solchem bei der Erschliessung und friedlichen Wiedereroberung des Landes Palästina zukam. Deswegen setzte er alle Hebel in Bewegung, um die Erlaubnis zur Grundsteinlegung für die Universität zu erhalten, die dann auch am 24. Juli 1918, also vor 50 Jahren statgefunden hat. Dass eine Universität, ihre Gründung und Grundsteinlegung nicht nur eine wissenschaftliche Bemühung, sondern zugleich auch ein Politikum ersten Ranges ist oder sein kann, hatte vor Weizmann bereits Herzl erkannt, der den Plan Schapiras und die Forderungen der demokratischen Fraktion suggerierte, die damals nicht über Hochschulen verfügten. Weizmann benutzte die Grundsteinlegung, um den englischen Militärbehörden, die damals die Balfour-Deklaration ignorierten, die Tatsache des britischen Versprechens zur Schaffung einer jüdischen Heimstätte DELEGACION ISRAELI EN RUMANIA Israel resolvió prestar su concurso a Rumania en un vasto proyecto a realizarse en ese país para regar una superficie de 5.000 hectáreas, a raíz de las negociaciones celebradas entre la delegación económica israelí, que viajó a Bucarest presidida por el Ministro de Comerci® e Industria, Sr. Zeev Sharef, y las autoridades rumanas. Al término de las conversaciones mantenidas en la capital rumana se suscribió un protocolo en el marco del convenio comercial oportunamente concertado entre ambos países. También se emitió un comunicado en el que los dos países expresan su satisfacción por el constante aumento del intercambio comercial, indicándose que también se ampliaría el ámbito de la cooperación económica y otras esferas de colaboración. Al margen de los contactos mantenidos con el Ministro de Comercio Exterior de Rumania, el Sr. Zeev Sharef fué recibido por el Primer Ministro de ese país, Sr. Gheorghe Maurer, y por el Canciller Gheorghe Mac®- vesco. Este último cumplió recientemente una visita a Israel. SHLOMO S. TANGER Israel - Delegation in Rumaenien Israel hat beschlossen, Rumänien seine Beihilfe zu einein umfangreichen Projekt zu leisten, welches in diesem Land zur Bewässerung einer Fläche von 5000 Hektar verwirklicht werden soll, nachdem Verhandlungen zwischen einer israelischen Wirtschafts-Kommission. die von Handels- und Industrieminister Zeew Scharef angeführt nach Bukarest reiste, und den rumänischen Behörden stattgefunden haben. Am Ende dieser in der rumänischen Hauptstadt geführten Unterha tungen wurde im Rahmen des seinerzeit zwischen beiden Ländern geschlossenen Handelsvertrages ein Protokoll unterzeichnet. Ferner wurde ein Communiqué herausgegeben, in dem die beiden Länder ihre Genugtuung über den ständigen Anstieg des Handelsaustausches bekunden und auch bemerken, dass der Umfang der wirtschaftlichen Kooperation und andere Sphären der Zusammenarbeit erweitert werden sollen. Am Rande der mit dem Minister für Aussenhandel Rumäniens bestehenden Kontakte wurde Zeew Scharef vom rumänischen Ministerpräsidenten Gheorge Maurer und vom Aussenminister Gheorge Macovesco empfangen. Letzterer stattete Israel kürzlich einen Besuch ab. SHLOMO S. TANGER Methodische Diskriminierung London. — Von der polnischen Botschaft in London wurde das Buch „Die Bundesrepublik und Israel“ von Tadeusz Walichnowski besprochen, das als Quelle der Wahrheit über die imperialistische Komplizenschaft zwischen Bonn und Tel Aviv angepriesen wird. Der Zionismus habe sich mit den reaktionären Kräften der Welt verbündet. Israel habe sich auf die andere Seite der Barrikade, welche die Welt teile, gestellt. Israel habe „das Erbe des nicht nur in die Erinnerung zu rufen, sondern sie gleichzeitig mit der neuen Wirklichkeit vertraut zu machen. Insgesamt wurden zwölf Grundsteine entsprechend den zwölf Stämmen Israels gelegt. Um die Verbindung mit der dort lebenden arabischen Bevölkerung herzustellen, lud Weizmann den damaligen Mufti von Jerusalem, Said Mohammed Kemal el Husseini, ein, an der Feier teilzunehmen und einen der Grundsteine zu legen. Der Mufti folgte der Einladung und war unter den zwölf Männern, welche die Grundsteinlegung vollzogen, Das war ein politischer Erfolg ersten Ranges, der allerdings durch die spätere Entwicklung überholt und illusorisch gemacht werden sollte. Der Mufti-Nachfolger, Bruder der Said Mohammed, wurde einer der grössten Widersacher der jüdi- (Schluss auf Seite 2) Das Unglück der arabischen Welt Habib Bouiguiba erklärte in einem Interview in der amerikanischen Zeitschrift „U. S. News and World Report“, Nasser sei ein Unglück für die arabische Welt, da er den Abschluss eines permanenten Friedens im Mittleren Osten verhindere. Bourguiba behauptete, Nasser bringe nicht nur über die arabische Welt, sondern auch über sein Volk das Unglück und sei ein Gefangener seiner eigenen Vergangenheit, weshalb eine Beilegung des Konflikts mit Israel nicht herbeigefiihrt werden könne, solange Nasser an der Macht bleibe. Was die Beziehungen zwischen Isael und den Arabern betrifft, handelt es sich eigentlich um eitle Frage der Beziehungen zwischen den Juden und den Palästinensern, sagte der Präsident Tunesiens. Wenn man dies verstehen wird, dürften Syrien, Aegypten und der Libanon ihren Einfluss im Mittleren Osten eitibüssen. Dritten Reiches“ angetreten. Mit Wiedergutmachungen und individuellen Entschädigungen hätten die Juden ihre Gewissen verkauft. Der Zionismus betreibe eine systematische Hetzkampagne gegen Polen. Man dürfe die jüdischen Zentren im Westen nicht übersehen, welche die Oeffentlichkeit zu überzeugen versuchen, dass die Polen am Untergang der Juden beteiligt gewesen seien. Mehr Polen seien durch die Nazihände gestorben als amerikanische Soldaten, weil sie Juden Hilfe und Unterstützung gewährten. (Der Verlust an amerikanischen Soldaten auf den eurpäischen Kriegsschauplätzen betrug 100.000 Tote). Wenn das Buch nicht von der polnischen Botschaft angepriesen würde, wäre kein Anlass vorhanden, auf die Behauptungen des Verfassers zurückzukommen. Es genügt dabei auf eine Aeusserung von SS - General Stroop hinzuweisen, dass die polnische Bevölkerung einen ausserordentlich starken Anteil an der Vernichtung des Warschauer Ghetto gehabt habe und dass polnische Partisanen immer wieder mit der Auslieferung der Juden an die Nazis gedroht haben. Das Buch ist nur ein Glied in der Kette der Diskriminationen gegen die 20.000 bis 25.000 Juden in Polen, die gewissermassen als fünfte Kolonne betrachtet werden und nicht einmal mehr die Hilfe des Joint von 500.000 Dollar jährlich in Anspruch nehmen dürfen. Die Auswanderung nach Israel oder in andere Staaten ist gedrosselt. Die einst 120 ORT-Institutionen wurden ebenfalls geschlossen. Die Hilfe an die Altersheime ist nicht mehr möglich, und die jüdischen Klubs erhalten keine Subventionen mehr; ebensowenig die jüdischen Genossenschaften und die Ferienlager. So ist die Frage berechtigt, ob das jüdische Leben in Polen nun dem Ende entgegengeht, nachdem es sich noch zwanzig Jahre lang nach der deutschen Niederlage mühsam behaupten konnte.