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Jüdische Wochenschau · 1968-07-19 · 2277 (19.7.1968) · p. [Seite 1]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
29 (1968)
Issue
2277 (19.7.1968)
Date
1968-07-19
Page
[Seite 1] (sequence 1)
Language
German, Spanish
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JÜDISCHE UlOCUEflSH PUEYRREDON 2190 — 1* i«|. JûxJG&nxutaDbAjGielUG, T. E. 83 - 2613 Año XXIX BUENOS AI-RES, VIERNES 19 I»E JULIO DE 1968 N’1 2277 Die Flutwelle steigt von JEHUDA GOTTHEIMER Eia Mensch, der seine Pro* bleme nicht meistern kann, wird eines Tages nicht mehr weiter kommen. Ein Volk in dieser Situation wird in tiefe Not geraten. Eine Zeit aber, die sich nicht mehr isurecht findet und hilflos auf den Wellen des Sturmes herumtreibt, steuert dem Chaos entgegen. Befindet sich lie Menschheit in dieser tragischen Lage? Zwei Weltkriege und eine kaum zu übersehende Anzahl von bewaffneten Konflikten in allen Teilen unserer Erde haben dieses Jahrhundert erschüttert und nicht vermocht, Lösungen auf viele unbeantwortete Fragen zu bringen, die uns alle angehen. Dass durch Kriege nur sehr selten »rauchbare Ergebnisse erreicht werden können, gehört zu den vielen geschichtlichen Erfahrungen, aus denen Menschen zu lernen entweder nicht bereit oder nicht imstande sind. Immer wieder wählen die Staatsmänner, die meist gar keine sind, die „.letzten“ Entscheidungen, durch die in Wahrheit der Weg zum Fortschritt verbaut anstatt geöffnet wird. Die Ausweglosigkeit der eigenen Lage ermuntert immer wieder, zu den Waffen zu greifen, wodurch die „modernen“ Menschen den Loswurf der „Primitiven“ ersetzen wollen. Kaum eines der Probleme, die durch die Evolution des jetzigen Zeitalters, durch die Industrialisierung, die Technisierung und die steigende Bevölkerungszahi geschaffen worden sind, konnte geklärt werden. Der Sturz der für göttlich deklarierten Herrschaft der Monarchen und ihr Ersatz durch die demokratisch oder parlamentarisch regierten Völker, die Beteiligung der Massen an der Leitung und Lenkung der Schicksale, die Emanzipation der Arbeiterschaft, der Frauen, der Nationen führten nicht zu dem ersehnten Ziel einer nationalen oder internationalen Befriedung. Die Entthroni* sterung der Geistlichkeit und die Errichtung von Die Moskauer Konferenz Wenige Tage nach den n n letzten Besprechungen Nasvon D* u" sers im Kreml dürfte man nur die eine Tatsache mit Sicherheit feststellen können, dass die Begegnung des ägyptischen Diktators mit den Machthabern im Kreml diesesmal nicht nur eitel Freude, sondern Komplikationen, Schwierigkeiten und Differenzen gebracht und gezeigt hat. Aus bisher noch nicht völlig klar gewordenen Gründen, die sowohl auf dem Gebiet der allgemeinen internationalen Politik wie im Spannungsverhältnis des Kreml zu Aegypten zu suchen sein dürften, ist es zwischen der Moskauer Zentrale und ihren Bundesgenossen zu Meinungsverschiedenheiten gekommen. Offensichtlich versuchen die Russen, in einigen Fragen mit dem Westen au einer Verständigung zu gelangen. Dass die Russen eigentlich stets der Meinung waren, Israel ist eine Realität, dürfte sich aus der Tatsache ergeben, dass Stalin den Staat Israel als zweiter damals führender Staatsmann unmittelbar nach Tmman anerkannt hat. Mit einer „Nichtwirklichkeit“, also mit einem Traumgebilde, kann man weder diplomatische Beziehungen unterhalten noch abbrechen. Bereits einmal haben die Russen die Beziehungen zu Israel hergestellt und zweimal haben sie diese auch abgebrochen... Dass die Araber, jetzt die Aegypter, sich zu erklären herablassen, sie seien Realpolitiker und eine der Realitäten der Politik ist Israel, dürfte interessant, aber ohne grösseren Einfluss auf den Verlauf des Geschehens sein. Denn es ist geradezu eine Groteske, die Existenz eines Staates zu leugnen, mit dessen Vernichtung Nasser seit beinahe zwei Jahrzehnten droht und von dem er bereits dreimal schwere Niederlagen hinnehmen musste. Nur die Sonderinteressen der Grossmächte haben bisher diese politische Spiegelfechterei ermöglicht, durch welche eine Befriedung des Mitteiostens verhindert worden ist. Die Russen waren in den letzten Jahren hierbei die Hauptakteure, aber keineswegs die einzigen. Plötzlich versuchen die reaktionären und antiisraelischen Kräfte aus der Weigerung Israels nach bedingungslosem Rückzug seiner Truppen aus den „eroberten“ Gebieten den Hinderungsgrund für eine Verständigung und Befriedung zu machen. Zunächst einmal müsste geklärt werden, welche Gebiete erobert und welche befreit worden sind. Israel (und mit ihm das jüdische Volk) ist keineswegs damit einverstanden, z. B. die Höhen von Goian oder die bisher unterdrückten Teile des Gebietes von Jerusalem als „eroberte“ Gebiete wiederherzugeben, da es Teile Israels waren und sind, die man bisher widerrechtlich Israel vorenthalten hat. Aber auch zur bedingungslosen Herausgabe der sogen, besetzten oder eroberten Gebiete besteht keine Veranlassung, da Israel mit Recht als ersteu Schritt verlangt, dass der arabische Standpunkt der Nichtexistenz Is- C AMI in raels aufgegeben werden oAlNUfcL muss und die gemeinsamen Verhandlungen für die Schaffung eines Friedens erforderlich sind. Friedensvermittler werden oftmals in solchen Situationen erforderlich und nützlich sein, aber die Abmachungen sind nicht von Dritten, sondern von den beteiligten Partnern zu treffen. Nasser spricht aber nicht nur von Realitäten, sondern denkt an die Revanche, die er an Israel zu nehmen gedenkt, um vor seinem Volk gerechtfertigt zu sein. „Die Sowjetführer haben zugesagt, so erklärte Nasser, uns beim Befreiungskampf für die von Israel besetzten Gebiete zu helfen.“ Aus den Veröffentlichungen über den Moskau-Besuch ergeben sich zwei Gesichtspunkte: Die Araber werden von den Russen zur Realität gerufen und hoffen auch weiterhin auf russische Unterstützung. Um von diesem mageren Ergebnis der Konferenz abzulenken, erklärte sich Nasser zur Wiedereröffnung des Suezkanals bereit, wobei die israelischen Schiffe auch durch den Kanal fahren dürften. Ohne Zweifel schliessen diese Worte eine ägyptische Konzession ein; wie sollten sonst die Worte interpretiert werden, mit welchen Nasser einem nach seiner bisherigen Meinung nichtexistenten Staat das Recht erteilt, den Kanal zu durchfahren. Im übrigen übersieht aber Nasser geflissentlich, dass er in seiner überraschenden Grosszügigkeit von Plänen spricht, deren Durchführung vielleicht auch, aber niemals nur von ihm abhängig sind. Vorläufig stehen noch die israelischen Truppe« am Suezkanal, vorläufig bestimmt noch die Regierung Israels und nicht die Regierung Nassers, ob ein Schiff durch den Kanal fährt oder ni?ht. Mit der wahrscheinlich voreiligen Erklärung Nassers über den Suezkanal hat der ägyptische Diktator eine Frage in den Vordergrund geschoben, die in den letzten Monaten bewusst vernachlässigt oder aus den Debatten ausgeklammert worden ist. Der Wahrheit dürfte man nahe kommen, wenn man das letzte Wort bei der Kanaldebatte weder Israel und schon garnicht Aegypten zugesteht, sondern den Hauptmächten, deren eigene Interessen hier scharf aufeinander prallen. Die Russen sind am Kanal interessiert, denn hiermit würde ihre Machtstellung in den arabischen Ländern durch Verkürzung des Wasserweges gestärkt werden. Die westlichen Staaten nehmen den Nachteil eines langen Umweges in Kauf, um den Russen die Vorteile des Kanals zu verwehren. Auf diesem Hintergrund finden die Auseinandersetzungen über das Problem der Kanaleröffnung statt. Die Unklarheiten über den Ablauf der letzten Moskauer Gespräche zwischen Araber und Russen deuten auf eine Aenderung der sowjetischen Haltung hin, über deren weitere Entwicklung keine Prognosen gestellt werden können. Ein Positionswechsel ist jedenfalls bisher noch nicht eingetreteo. Volksherrschaften durch die kommunistischen Staaten haben zu keiner Aenderung der bestehenden Zustände hinübergeleitet, die schroffen Gegensätze zwischen den besitzenden und besitzlosen Klassen und Vö.kern, heute eingeteilt in „fortge- | schrittene“ und nicht entwickelte Länder, wurden verlagert, aber keinesfalls überwunden. Trotz wissenschaftlicher Erkenntnisse und ihrer Nutzanwendung wurde eine bessere Verteilung der Güter und Schätze der Eide nicht erreicht, um die sozialen und sonstigen Unruheherde auszuschalten oder zu verkleinern. Obwohl sich alle Menschen und deren Führung darüber im Klaren sind, dass der Gebrauch der neuesten Waffen vernichtende Folgen haben muss, dass sogar die totale Zerstörung alles Lebens droht, ist weder eine Verständigung über die Einschränkung solcher Produktion noch über den Einsatz dieser Vernichtungswaffen erreicht worden. Die Experimente mit Atombomben gehen weiter. Ob sie an verschiedenen Stellen gebraucht werden, ist nicht ersichtlich. Ferngelenkte Geschosse und hoch potentielle Bomben werden sicher auch in diesen Tagen auf schutzlose Zivilbevölkerung abgeworfen, da der Krieg längst nicht mehr nur gegen Armeen und verteidigungsbereite Soldaten, sondern gegen Fabriken, halbmilitärische Stützpunkte und gegen die zivile Bevölkerung tobt. Friedens - Verhandlungen werden abgehalten, während zur gleichen Stunde Tausende unschuldiger Menschen in Uniform oder in Fetzen gehüllt, Männer, Frauen uud Kinder, einen ebenso grausamen wie sinnlosen Tod sterben... Ob die Hauptakteure die Erbärmlichkeit ihres eigenen Tuns erkennen, ob sie die furchtbare Ironie ihres Vorgehens und den kaum zu übertreffenden Sarkasmus verstehen, der über ihrem Gehabe mit all den dazu gehörenden Zeremonien und (Schluss auf Seite 2) Waffen für Israel Washington. — Die mit der Ausarbeitung der Parteiprogramme beauftragten Comités der Republikaner und Demokraten sollen ersucht werden, in ihr Programm einen Paragraphen über den Mittelosten aufzunehmen, der auch auf die Notwendigkeit direkter Verhandlungen zwischen den Araberstaaten und Israel sowie auf Unterstützung Israels durch Lieferung von Ueberschallflugzeugen und andere Waffen hinweist, um „Israel instand zu setzen, die ihm drohende Aggression aufzuhalten“. Das Ersuchen an die Demokraten wird vom Präsidenten des Amerikanisch-Israelischen Comités für Oeffentliche Angelegenheiten, Rabbi Philip s. Bernstein, ergehen. Irving s. Kane, Kopräsident des gleichen Comités, wird das gleiche Ansinnen an die Republikaner richten. (ITA) Escuela Técnica en Méjico México, D. F. — Una escuela técnica fué recientemente inaugurada en la Secundaria Albert Einstein, donada por la comunidad judía de México a la Secretaría de Educación Pública por intermedio del Comité Central Israelita de México. Esta entidad, que representa a todos los sectores de la comunidad judía del país, está afiliada al Congreso Judío Mundial, en señal de solidaridad con todo el pueblo judío del mundo. La Secundaria Einstein fué construida hace 20 años y donada al Gobierno por el Comité Central Israelita- Con el correr del tiempo los judíos de México la han id® aumentando con la construcción de nuevas secciones jr pabellones. La nueva sección, inaugurada ahora, es d© talleres; de hecho será todo un colegio de artes y oficios. Su construcción costó más de un millón de peso*- A la inauguración asistió el único hijo del Prof. A** bera Einstein, el Dr. Han« Albert Einstein, acompañad® de su esposa. Estuvieron presentes @i Secretario de Educación pública y varios de sus asistentes, el Embajador de Israel, así como representantes de todas las instit». ciones educativas judías de esta capital. Presidió la cer* remonia el titular del Comité Central Israelita, Dr. Grer* gorio Shapiro. JAMES BERG | Technische Schule in Mexiko Mexiko D. F. — Eine technische Schule wurde kür», iich im Albert Einstein-Gymnasium eingeweiht, welche von der jüdischen Gemeinde Mexikos durch das Jüdir sehe Zentralcomité Mexikos dem Ministerium für öffenfc. liehe Erziehung geschenkt worden ist. Dieses Comité, da» alle Sektoren der jüdischen Gemeinschaft des Lande» repräsentiert, ist als Zeichen seiner Solidarität mit den» ganzen jüdischen Volk in der Welt dem Jüdischen Weltkongress angeschlossen. Das Einstein-Gymnasium wurde vor 20 Jahren gebaut und der Regierung vom Jüdischen Zentralcomitö zum Geschenk gemacht. Im Laufe der Zeit haben die Juden Mexikos es mit der Errichtung neuer Abteilungen und Pavillons erweitert. Die neue, jefzt eingeweihte Abteilung enthä:t Werkstätten, in Wirklichkeit wird sie eine Schule der Künste und handwerklicher Berufe sein. Ihr Bau kostete über eine Million Pesos. Der Einweihung wohnte der einzige Sohn von Prof. Albert Einstein, Dr. Hans Albert Einstein, in Begleitung seiner Gattin bei. Anwesend waren der Minister für öffentliche Erziehung und verschiedene seiner Assistenten, der Botschafter Israels sowie Vertreter aber jüdischen Erziehungsinstitutionen der mexikanischen Hauptstadt. Die Zeremonie leitete der Präsident des Jüdischen. Zentralcomités, Dr. Gregorio Shapiro. JAMES BERG Oestlicher Antisemitismus von JOEL LIBMAN FRANTZ Im Laufe unserer langen jüdischen Geschichte kann man mit ausreichender Müsse betrachten, dass die Jndenfeindschaft zu verschiedenen Zeiten auch verschiedene Formen angenommen hat. Ob bestimmte Völker immer antisemitisch gewesen sind, wie etwa die Deutschen, die Polen und die Russen, ist eine weitere Frage, die wahrscheinlich weder mit einem klaren Ja noebk mit einem klaren Nein zu beantworten ist. Auch in unserer, an Widersprüchen so überreichen Gegenwart, in der wir den höchsten, niemals erahnten Fortschritt ner* ben den grausamsten Symptomen einer primitiven Gesellschaft beobachten können, tritt der Antisemitismus in verschiedenen Formen auf. Mit Rücksicht auf di© schrecklichen Geschehnisse der NS-Epoche zeigen die meisten Gegenwartsantisemiten den Willen, sich von solchen Geschehnissen wie denen in den KZ und im Zu-, ge der Endlösung praktizierten klar zu distanzieren. Man kann ihnen sogar glauben, dass sie solche Exzesse weder gewollt haben noch heute gutheissen würden, wobei man sie nur daran erinnern muss, dass die Resultate einer Hassbewegung niemals im voraus abgegrenzt werden können und Hass als soziales Phänomen stet» die Tendenz zur Vernichtung und Zerstörung aufweist. In den kommunistischen Ländern wurde der Hass gegen die Juden auch in den letzten Jahren immer wieder als ein politisches Mittel benutzt, um gewisse Ziele oder Absichten der Machthaber zu popularisieren oder ihre Durchsetzung zu erleichtern. Nicht immer ist es einfach, die Absichten antisemitischer Propagandalügen sofort zu erkennen. Jedenfalls beruht das Geheimnis der antisemitischen Propaganda darauf, dass die zu Judenhass neigenden Massen die Unrichtigkeit der Behauptungen nicht erkennen und auch nicht erkennen wollen. Aus diesen Gründen muss man beobachten, wie sich Zeiten einer rüden antiemitischen Kampagne mit solchen relativer Koordination und Friedlichkeit gegenüber dem jüdischen Bevölkerungsteil ablösen, besonders in kommunistischen Staaten. Als typische Beispiele können Polen und die CSR dienen, in denen die antisemitischen Aktionen in Schüben auftreten. Nach der Explosion an. tijiidischer Stimmungsmache während der Studentenunruhen, in denen die Un*u#riedenheit der Massen mit dem augenblicklichen System ausgedrückt wurden, versuchen die offiziellen Stellen jetzt einzulenken, nachdem sie zunächst die Verantwortung für die feindselige« Kundgebungen gegen die Regierung „den Juden“ anhänge wollten. Die polnische Botschaft in London berichtet jetzt ausführlich von einer Ausstellung in Warschau, in welcher die Hilfeleistungen der polnischen Bevölkerung für die Juden in der Zeit der Naziverfolgungen (1939 bis 1945) demonstriert werden. Eine ähnliche Ausstellung werde auch in Krakau gezeigt. Auch jüdische Stimmen wurden eingespannt, um gegen „die Anschuldigungen einiger reaktionärer jüdischer Kreise“ zu opponieren, dass die Polen seinerzeit die Naziverfolger bei der Aus" rottung der Juden in Polen unterstützt hätten. Das sei unwahr. Dieser Fragenkomplex hat nach dem Krieg häufig zu Kontroversen geführt, dürfte jedoch keineswegs geeignet sein, die antisemitische Linie der heutigen polnischen Regierung selbst für den Fall zu entlasten, das* man zu dem Ergebnis gelangt, die Polen hätten einen ernsten Widerstand gegen die Naziverfolgungen gelei-

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