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Jüdische Wochenschau · 1968-06-14 · 2272 (14.6.1968) · p. [Seite 8]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
29 (1968)
Issue
2272 (14.6.1968)
Date
1968-06-14
Page
[Seite 8] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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Correo Argentino Central B FRANQUEO PAGADO Concesión 908 SEMANA ISRAELITA Año XXIX BUENOS AIRES, VIERNES 14 DE JUNIO DE 1968 N® 2172 EL EJEMPLAR 4A en toda la República UUa TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 PUEYRREDON 2190 1» Izq. Buenos Aires T.E, 83 - 2613 Massenmoerdern auf der Spur Knapp zwei Jahre vor Ablauf der Verjährungsfrist für NS-Verbrechen sind bei der zuständigen Sonderkommission des Bayerischen Landeskriminalamtes München noch 10T Verfahren an hängig, darunter dreissig grosse Komplexe mit Hunderten von Verdächtigen, Tausenden von Zeugen und Hunderttausenden von Opfern Die Sonderkommission untersucht NS - Verbrechen im Auftrag aller bayerischen Staatsanwaltschaften k Nicht nur Fälle in der Sowjetunion, der Slowakei, m Holland und Dänemark sind darunter, sondern auch ein NS-Massenmord, der 20 Kilometer von München ver übt wurde. Es handelt siel, dabei um den Tod von 400 katholischen Priestern, die im KZ Dachau umgebracht wurden. Die Priester kamen nach den Ermittlungen der Sonderkommission in den Jahren 1939 bis 1941 ums Leben. Bisher wurde noch niemand festgenommen. „Der Fall ist erst seit Herbst 1967 anhängig“, erklärte Präsident Hans Schneider vom bayerischen Landeskriminalamt Die von ihm 1959 gegründete Sonderkommission, dm i-ms 22 Beamten and fünf Angestellten besteht, unter suchte seither 473 Falle von denen 366 abgeschlossen werden konnten. Die Verfahren endeten mit 27 Verurteilungen zu lebenslängli chen oder zeitlichen Zuchthausstrafen. „Die Aufgabe der Kommission ist rein kriminalistisch. Die Beamten kommen zum grössten Teil aus der Mordkommission. Es geht um die Verfolgung grausiger Verbrechen Emotionelle Wertungen, etwder Hinweis, man solle Vergangenes ruhen lassen, oder die nahe Verjährung rechticrti^G ©in Nachlässen in der Arbeit, wären kriminelles Denken“, sagt Schneider Er war immer bemüht, der Kommission genügend Personal und finanzielle Mittel zur Bewältigung ihrer Aufgabe zur Verfügung zu stellen. „INSGESAMT VIELLEICH'1' 8.009 LEUTE ER¬ SCHOSSEN“ Seine Bemühungen haben, •wie die Beamten bestätigen. Erfolg. „Unsere Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft, die früher ganz miserabel war, ist jetzt ausgezeichnet“, stellte ein leitender Kriminalist der Kommission fest. „Wir finden jede Unterstützung“. Nur gelegentlich. wenn es um die Zusammenarbeit mit Beamten.gehe, deren Karriere im Dritten Reich das Kriegsende jählings unterbrochen hatte, fiele gelegentlich die Bemerkung, „ob es nicht Zeit sei aufzuhören“. Vor einigen Jahren musste der Leiter des NS-Referats bei einer bayerischen Staatsanwaltschaft von einem Tag zum anderen abgelöst werden. Der Staatsanwalt, persönlich integer und politisch unbelastet, hatte sieh in einer nicht tragbaren Weise für Beschuldigte eingesetzt. „Es kam natürlich manchmal zu Szenen, wenn Mütter und Kinder, besonders| Säuglinge zu erschiessen waren. Man erschoss zuerst die Kinder, damit sie nicht noch mehr Geschrei vollführen konnten. Die Mütter und Kinder mussten sich in eine Grube legen, erstere die Kinder festhalten. Wir batten nicht die Aufgabe festzustellen, ob alle wirklich tot waren. Es ist nicht ausgeschlossen, dass auch noch Lebende begraben wurden.“ Diese Aussage stammt aus dem Protokoll eines ehema iigen' Polizeibeamten, der an der Judenerschiessung während seines Osteinsatzes beteilig^ war In der Niederschrift heisst es weiter: „Es kamen keine Ausschreitungen vor. Vorgegangen wurde so human wie möglich.“ Auf Anfrage gab der Beschuldigte an, gegen den zur Zeit ermittelt wird, er habe, „wenn nur einige hundert Menschen zu töten waren, keine Hilfe benötigt. Insgesamt habe ich vielleicht 8.000 Leute erschossen.“ Es handelt sich be‘ ‘hm, nach Auskunft eines Kriminalbeamten, um einen Beamten niederen Ranges dessen Vorgesetzte es nicht schwer hatten, ihn für sich dienstbar zu machen. „Untere Ermittlungen gehen immer von unten nach oben. Wir versuchen, an den klei nen Mann heranzukommen, um ihn zu fragen, was geschah.“ Kommandeure hätten vielfach bei der ersten Vernehmung alles abgestritten und sogar behauptet, sk hätten von Judenerschiessungen nie etwas gehört. SEIT KRIEGSENDE UNTER FALSCHEM NAMEN Angesichts dieser Erfahrung ist es verständlich Die Methode des Verschweigens Washington. — „Istwestja“ unterliess es, in ihren Informationen über die Ermordung Senator Kennedys zu erwähnen, dass der Mörder ein Araber ist. Die Zeitung beschuldigt den Bürgermeister von Los Angeles Sam Yorty, den Mörder prokommunistischer Neigungen und „anti-israelischer Gefühle“ zu bezichtigen, „um die Verantwortung — nach amerikanischer Weise — von den wahren Schuldigen abzulenken“. Bonn. — Das ostdeutsche kommunistische Blatt „Neues Deutschland“ erwähnte in seinem Bericht über den gewaltsamen Tod Robert Kennedys nicht, dass der Mörder ein Araber ist. Es bezeichnet den Mord nur als Teil der gleichen Verschwörung, der John Kennedy und Martin Luther King zum Opfer fielen HTA) wenn es die Sonderkommission den an den Judendeportationen aus Holland beteiligten Harster und Zopf die 1967 verurteilt wurden, anrechnete, dass sie Reue zeigten und sich zu ihren Untaten bekannten „Die meisten Beschuldigten müssen Schritt für Schritt über führt werden. Von sich aus geben sie nichts zu. Unsere Arbeit wird dabei von Jahr zu Jahr schwieriger, weil das Gedächtnis der Zeugen naturgemäss sehr stark nachlässt und auch viele sterben.“ Auf einer Karten in den Räumen der Sonderkommission an der Barbarastrasse zeigen Hunderte von Nadeln die Tatorte der Ein satzgruppe D an, die in den Jahren 1941 und 1942 in Südrussland die Mitglieder aller jüdischen Gemeinden umbrachten. Jede Nadel bedeu tet an die zehntausend Opfer. Die zahlreichen Nadeln auf einer Karte von Oesterreich und Deutschland kennzeichnen die Orte, wo heute noch Zeugen und Beschuldigte eines anderen Einsatzkommandos, gegen das zur Zeit ermittelt wird, leben. Meterhoch stapeln sich die Hauptakten der einzelnen Verfahren. Der Kommandeur eines Einsatzkommandos der berüchtigten Gruppe D wurde erst kürzlich in Bebra ermittelt, wo er seit Kriegsende unter falschem Namen lebte. „Ein Herr mit silberweißen Haaren, in seinem Wonnviertel geachtet, öffnete uns“, berichteten die Beamten. Paul Zapf, Einsatzkommando - Kommandeur, hatte von seiner Dienststelle noch vor Kriegsende gefälschte Papiere auf den Namen Friedrich Brehm erhalten, mit denen er sich in Bebra niederliess. Die Papiere machten ihn um zehn Jahre älter. Nur sein engster Bekannten- und Verwandtenkreis wusste von seiner Existenz. Den anderen galt er als tot. Die Befragung von Mitgliedern des Einsatzkommandos ergab schliesslich Hinweise, die zu seiner Entlarvung führten. Er war, von seiner Familie getrennt lebend, zuerst Bundesbahnarbeiter und nahm nach seiner Pensionierung eine Stelle bei einer der Bundesbahn nahestehenden gemeinnützigen Wohnungsseilschaft an. DAS SCHLECHTE GEWISSEN „Wenn die Untergetauchten auch jahrelang solide Bürger spielen, dick geworden sind und Bankkonten haben, so werden sie doch vielfach vom schlechten Gewissen gepeinigt“, meinte ein Beamter der Sonderkommission. Vor einiger Zeit nahm er einen ehemaligen SA-Mann fest, der 1931 an der „Liquidierung“ eines seiner Kameraden beteiligt war. Der Ex - SA - Mann Fränkle hatte nach dem Krieg unter dem Namen FVanke gelebt. „Ich traf ihn in seiner Garage in einem Ort in der Nähe Münchens nnd sprach ihn mit seinem wirklichen Namen an Der Gesuchte antwortete sofort- Alle Papiere und Unterlagen, die Sie suchen, finden ner 'v e,nen\ Kuvert in meiner Kommode.' In der gan zen Zeit seines Versteck- ,hatte er m't seiner Entdeckung gerechnet und war täglich darauf vorbereitet.“ Wenn die SonderkommisfähriV<? Ciner Gr“PPe er- 1 hrt, die an Morden während der Nazizeit beteiligt war, so ist es ihre Aufgabe, zunächst alle noch lebenden Mitglieder der betreffenden Einheit zu ermitteln. Sie arv mA der Zetltralstelle f-ur Verfolgung von NS-Verbrechen der Länderjustizverwaltung i„ Ludwigsburg zusammen, mit dem USA- Dokumentenzentrum in Berlin und mit anderen Archi ven und Zentralstellen, die Dokumente über die Nazizeit gesammelt haben „im tjernner Archiv sind'unter anderem die Akten aller SS- Offiziere fast vollständig vorhanden, darunter auci» U^ageQ des Rasse-" und Siedlungshauptamtes“ erläuterte der zuständige Beamte. Unter den letztge- «annten Dokumenten finden riiAhwAntra?e hoher Nazis dl£-ijann lhren Lebenslauf schildern und dabei gelegentlich stolz auf ihre Mit- KÄi*1 SIE WIDERSETZTEN SICH DEN MORDEN In der. Archiven konnten die Beamten auch feststel w"h„daSSues immer wieder S «h-Sangehöri^e und 2lz,e,fmere gab, die sich ¡5“ Jvde^i0rden widersetzten Ein Oberst der Schutzpolizei, der beauftragt war, Juden in Pinsk, 16.000 Menschen, erschiessen zu lassen, ging nachweislich, mit ge- Vofg^tzi^Lm^dagS ObeSniTndefpffirer blockierte in einem ruSSif3he“.0d e>ne Brücke mit Sandsacken, um den Abtransport der zur Erschier?rn!-^St'mmten jüdischen Gemeinde zu verhindern in seinen Akten findet sich ein Nimm? riftliCher Vermerk Himmlers: „Nach dem Krie* zu erschiessen.“ Belgische Neonazis London. — Laut Meldung des londoner „Daily Tele graph“ griffen belgische Neonazis das Vereinslokal jüdischer Jugendlicher und Studenten in einem brüsseler Vorort an. Die Rowdies schlugen die Fenster ein und schleuderten Brandbomben in die Räume, die glücklicherweise keine grösseren Schäden verursachten. Am Tatort fand man Zettel, auf denen zu lesen stand, dass das Attentat von den „Jungen Wächtern des Westens“ verübt wurde. Diese Vereinigung ist als Brutstätte faschistischer, rassistischer und antisemitischer Tendenzen bekannt. Die Attentäter wüteten auch gegen den Sitz des Vereins der Afrikanischen Jugend in Brüssel. — (OJI) Die Rathenau - Moerder von HORST WINCKLER Ein Artikel, der in der Deutschen Wocienzeitung, dem Zentralblatt der NPD, vor einiger Zeit erschienen ist, beschäftigte sich mit dem 100. Jahrestag der Geburt Walther Rathenaus, der im Juni 1922 von jungen deutschen Nationalisten ermordet worden ist. Rathenau war derjenige deutsche Aussenminister nach dem vom deutschen Kaiserreich verlorenen Ersten Weltkrieg, dem ei gelungen war, das am Boden liegende Land wieder in die internationale Politik als gleichberechtigten Partner einzuordnen. Die Nazis haben sofort die Rathenau-Mörder in Schutz genommen und nach ihrer Machtübernahmen zu einer Art nationaler Heroen erhoben. Rathenao war immer und selbst nach seinem Tode die Zielscheibe antisemitischer und nationalistischer Angriffe, da er, der (assimilierte) Jude es gewagt hatte, in gemeinsamer Anstrengung mit seinem Reichskanzler und Freunde Dr. Joseph Wirth einem demokratischen Deutschland den Weg in eine aussichtsreiche und friedliche Zukunft zu bahnen. Die Deutsche Wochenzeitung verteidigt nicht offen die Rathenau-Mörder. Soweit ist man noch nicht gesunken, um den Mut zu haben, die Maske vollends fallen zu lassen. Wohl aber schreibt diese Zeitung kein Wort über die Verwerflichkeit einer Tat, die seinerzeit im deutschen Volk selbst auf grösste Ablehnung gestossen ist. Es wäre die Gelegenheit gewesen, von jenen Tendenzen klar abzurücken, die den Weg in das nazistische Chaos und zu den Gaskammern geöffnet haben. Wieder taucht das Märchen von der „jüdischen Weltherrschaft“ auf, das schon einmal den deutschen Chauvinisten unübersehbare »Mid I “ ' ->c Wählermassen in die Arme getrie^'"- ' ‘i* . in diesem Zusammenhang scheut man sich erneut nicht davor, die Juden einfach als Kommunisten oder — je nach den Notwendigkeiten — als die Prototypen des Kapitalismus zu bezeichnen. Der Artikelschreiber argumentiert in einer seltsamen Form: als Rathenau ermordet wurde, haben in allen Ländern» vor allem in den USA und in der Sowjetunion, weite Kreise in einer Form reagiert, die einen bis dahin nicht bekannten Zusammenhang offenbar werden Hessen. Selbst in Frankreich haben ebenso wie in anderen Ländern Syndikate, Gewerkschaften und einzelne Politiker in Rathenau ihren Repräsentanten gesehen, erklärt der Artikelschreiber der NPD. Natürlich seien auch die bekannten jüdischen Persönlichkeiten unter denen gewesen, die Rathenaus Tod beweinten; als solche werden aufgezählt: Emil Ludwig, Arnold Zweig, die marxistischen Parteien und ein bestimmter Sektor einflussreicher Juden in der Welt. Man beachte, dass die „marxistischen Parteien“ plötzlich als „jüdische Persönlichkeiten“ hineingeschmuggelt werden. Stimmungsmache ist alles! Geflissentlich wird übersehen, dass alle anständigen Menschen — ohne Ausnahme — jenen Mord als politische Aktion abgelehnt haben, unter ihnen auch solche, die Gegner Rathenaus gewesen sind. Soweit wie die alten Nazis gehen die NPD-Schrei'ber und Schreier heute noch nicht. Hat doch Hitler noch vor der „Machtübernahme“ sich mit den Mördern mit „unbegrenzter Treue“ identifiziert, soweit diese Mörder seine Parteigänger waren. Die Gefahr besteht heute darin, dass mit solchen Artikeln und Reden der Weg zurück in die Barbarei geebnet wird. Das sollten alle erkennen, die eine Verantwortung für die Zukunft tragen. Nazipartei in Australien Sydney. — In der Bundeshauptstadt Australiens, Canberra, ist eine „Nationalsozialistische Partei“ gegründet worden. Anscheinend waren an dieser Gründung ehemalige deutsche Nazis, die in Australien Asyl gefunden haben, sowie Agenten der Arabischen Liga beteiligt. Der „Führer“ der Partei, deren Emblem das Hakenkreuz ist, ist der 26jährige Edward Cawthorn. In ihrer Propaganda ahmt die neue Nazipartei die arabische Hetze gegen Israel nach und verbreitet die Verleumdung von der „jüdischen Kontrolle über die internationalen Finanzen.“ (OJI) USA-Nahrungsmitt«l für Israel Washington. — Die USA werden Israel im Rahmen des Regierungsprogramms „Brot für den Frieden“ landwirtschaftliche Produkte im Wert von 30,4 Millionen Dollar liefern. Ein Abkommen über die Lieferungen wurde in Washington vom israelischen Botschafter Rabin und dem Unterstaatssekretär im amerikanischen Aussenministerium, Lucius Battle, unterzeichnet. Die Lieferung muss im Rahmen eines langfristigen Kredits bezahlt werden. (AWZ) Nur die Namen geaendert London. — Die bisherige Nationalsozialistische Bewegung in England, die unter dem Motto „England den Engländern“ agitiert, nennt sich jetzt „Englische Bewegung“ (British Movement). Ihr Führer ist weiter der Nazi Colin Jordan. In den USA änderte die Amerikanische Nazipartei ihren Namen jn „Nationalsozialistische Partei der Weissen“ ab und verkündete als ihr Hauptziel, gegen die Bewegung der Befreiung der Neger zu kämpfen. Sowohl in England wie in den USA ist die Partei der Nazis nach dem Beispiel ihrer deutschen Vorläuferin wild antisemitisch. (OJI) Impreso en 1» Imprenta POLIGLOTA — Rivadavla 83* Registro de!• Propiedad Intelectual N* 947 22f 3! a

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