Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 29 (1968)
- Issue
- 2268 (17.5.1968)
- Date
- 1968-05-17
- Page
- [Seite 8] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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«Mam »- — i i .... Correo Argentino Central B FRANQUEO PAGADO Concesión 908 SEMANA ISRAELITA Ano XXIX BUENOS AIRES, VIERNES 17 DE MAYO DE 1968 N* 2168 EL EJEMPLAR OH en toda la República TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 PUEYRREDON 2190 1* izq. Buenos Aires T.E. 83 - 2613 Suchet den Frieden von SEM FRANKENSTEIN Die Woche der Brüderlichkeit ist vor allem in der Bundesrepublik Deut-»'..bland /,u eitwr fe.t.ea EmiitJiLmg geworden, die im Zeichen -der Verständigung zwischen Juden Uno Christen steht. In seinem Grunde genommen ist der Gedanke der Brüderlichkeit, für den alle Fortschrittlichen in der Zeit der Französischen Revolution auf die Barrikaden gestiegen sind, nicht an Glaubensbekenntnisse gebunden und nicht auf das Verhältnis zwischen Juden und Christen begrenzt. Als man nach dem letzten Krieg auf die Trümmerhaufen blickte, die das Dritte Reich hinterlassen hatte, erwachte wohl das christliche Gewissen und wollte auf dem Wege über die Woche der Brüderlichkeit eine moralische Wiedergutma chung versuchen, durch welche über die christlichen Bekenntnisse hinaus eine Normalisierung der deutsch-jüdischen Beziehungen von den Trägern dieser Initiative erreicht werden sollte. Ob dieser Gedanke als solcher für Juden akzeptierbar ist oder nicht, soll hier nicht im einzelnen erörtert werden, zumal es kaum neue Gesichtspunkte gibt, die dieser alten Kontroverse hinzugefügt werden könnten. An der Tatsache, dass diese Woche der Brüderlichkeit durchgeführt wird, ändern diese Betrachtungen nichts In diesem Jahr steht die Woche der Brüderlichkeit in Deutschland unter dem Motto: „Suchet den Frieden und jaget ihm nach“, einem Psalmwort (Ps. 34.15) das im Laufe der Jahrtausende weder an seinem Gehalt noch an seiner warnenden Kraft Einbusse erlitten hat. Man kann verstehen dass sich die christliche Welt besondere für dieses Psalmwort interessiert, denn sie hat Jahrhundert um Jahrhundert Kriege geführt, auch ge gen uns Juden, sodass sie endlich die Mahnung erfüllen sollte, was hier durchaus nicht in einem polemischen Sinn gemeint ist oder aufgefasst werden darf. Dabei int es nicht schwer, diesen Frieden, den man nach dem zum Motto der Woche der Brüderlichkeit erhobenen Psalnv woti suchen soll, tatsächlich; zu finden, denn das jüdische Volk war immer zu diesem Frieden bereit. Wenn trotz der gutgemeinten Woche der Brüderlichkeit sehr ernste Zweifel daran bestehen, ob die christliche Welt aufrichtig diesen Frieden sucht, dann ist diese Befürchtung und dann sind diese Zweifel in der Haltung recht grosser Kreise der christlichen Welt begründet, die trotz des II. Vatikanischen Konzils und trotz der Beteuerungen selbst jüdischer Notabein immer noch an den alten Vorurteilen, Anschuldigungen und nicht zu rechtfertigenden Verdächtigungen gegenüber dem Judentum und der Judenheit festhalten. Darüber helfen uns auch die Wochen der Brüderlichkeit und ihre vielen projüdischen Manifestationen nicht hinweg. Eine weitere, bisher nicht geklärte Frage ist das viel diskutierte Problem des Philosemitismus, der von weitesten jüdischen Kreisen mit vollem Recht abgelehnt wird. Schon Pinsker hat gesagt: ,,Als Jude geplündert oder als Juden geschützt werden ist gleich beschämend, gleich peinlich für dais Gefühl der Juden“. — Wir brauchen uns nicht die Werthaftigkeit unserer Gedanken-, Gefühls¬ und Vorstellungswelt von anderen bestätigen zu lassen. — Die „Allgemeine unabhängige Wochenzeitung“, die in Düsseldorf erscheint, widmet seit Jahren der Woche der Eine Messe für Hitler London. — Wie aus Madrid verlautete, wohnten etwa 300 spanische Nazis in einer madrider Kirche einer Messe für Adolf Hitler bei und schrien später auf der Strasse „Heil Hitler“. Ohne öffentliche Bekanntmachung waren privat Einladungen zu dieser Messe am 23. Todestag Hitlers verteilt worden, auf denen zu lesen stand: „Messe für die Ruhe seiner Seele und aller derer, die mit ihm in Verteidigung der christlichen und westlichen Zivilisation starben“. Unter den Anwesenden befand sich der General Federico Garcia Rebull, Kommandant einer Tankdivision bei Madrid. Die Demonstration einer Gruppe von Spaniern der extremen Rechten, von denen viele im Zweiten Weltkrieg in der Blauen Division an der Seite der Nazis an der russischen Front gekämpft hatten, wurde von der Deutschen Botschaft in Madrid streng kritisiert. Angestellte der Botschaft, die von der Zele- Drierung einer Messe für Hitler Kenntnis erhalten hatten, waren sowohl beim Aussenministerium als auch beim Erzbischof von Madrid vorstellig geworden, Massnahmen zu ergreifen, um die Veranstaltung zu verbieten und vor allem zu verhindern, dass sie zu einer politischen Kundgebung ausarte. Sie wiesen darauf hin, dass eine solche Demonstration sich ungünstig auf den Besuch auswirken könne, den Bundeskanzler Kurf Kiesinger Ende Mai in Madrid abzustatten plant. Eine ähnliche Messe in Barcelona wurde von der Polizei und den Kirchenbehörlen untersagt. (ITA) VORSCHLAEGE UND UEBERFAELLE TAEGLICHE ZUSAMMENSTOESSE Amman. — Ein transjordanischer Sprecher meldete den elften Zusammenstoss mit den Israelis am Jordan in elf Tagen, bei dem transjordanische und israelische Tanks etwa 5 Kilometer nördlich der Allenby-Brücke Schüsse wechselten. Natürlich behauptete er, dass die Israelis das Feuer eröffnet haben. Er berichtete nichts von Verlusten. DIE ERSTE BEDINGUNG Kairo. — Auss offiziellen ägyptischen Quellen verlautete, dass Aegypten weiter den Rückzug Israels aus den im Sechstagekrieg besetzten arabischen Gebieten als erste Bedingung für direkte Verhandlungen über einen Frieden unter den Auspizien der Vereinten Nationen betrachtet. Die Zeitung „Al Ahram“ publizierte ein Schreiben des Aussenministers der VAR, Mahmud Riad, an den UN-Schlichter Gunnar Jarring, um ihm das Einverständnis seines Landes mit der Aufnahme von Friedensgesprächen in New York mitzuteilen. Das Schreiben Riads wur- Brüderlichkeit eine Sondernummer ihrer Zeitung, was auch daraus zu erklären ist, dass ihr Gründer und ehemaliger Herausgeber, Karl Marx s. A., zu den Promotoren der Wochen der Brüderlichkeit gehörte. Jeder Mensch und vor allem jede Zeitung haben das Recht freier Meinungsäusserung, aber auch der kritischen Betrachtung. Wenn man die letzte Sondernummer der Allgemeinen betrachtet, muiss auffallen, dass auf der Titelseite das Bild des Bundespräsidenten und dessen Begrüssung zur Woche der Brüderlichkeit erechienen ist, was unter „normalen“ Verhältnissen nicht weiter auffallen würde. Nachdem man aber die innerdeutsche Diskussion über die Vergangenheit des Bundespräsidenten während der NS-Zeit kennt und diese Streitfrage keineswegn als abgeschlossen ansehen kann, muss der demonstrative und politische Charakter dieser Publikation auffallen, der das Mass der „Brüderlich keit“ bei allem Wohlwollen überschreitet. Mindestens ebenso merkwürdig mutet an, dass ebenfalls auf der ersten Seite ein Gruss des Kölner Erzbischofs, Kardinal Frings, steht, dessen Interview mit dem bekannten Rabbiner Dr. Max Nussbaum allgemeines Aufsehen erregt hat. Dass die Allgemeine gerade die Ex-klärungen dieser beiden Persönlichkeiten als erste zur Woche der Brüderlichkeit veröffentlichte, hat weder der allgemeinen Debatte den Boden entzogen noch der jüdischen Sache einen guten Dienst geleistet. Man muss den Eindruck gewinnen dass es nicht sonderlich um diese Brüderlichkeit bestellt sein kann, wenn man die Herren Dr. h. c. Lübke und Kardinal Dr. Frings als die Kronzeugen dieser Brüderlichkeit zitiert. de Dr. Jarring während seines kürzlichen Aufenthalts in Kairo überreicht und enthält die Bitte, nach seiner Rückkehr von seiner Rundreise durch die Hauptstädte des Mittelostens das Datum der Verhandlungen vom Sitz aer UN aus bekanntzugeben KEINE DIREKTEN KONTAKTE Beirut. — Der Aussenminister Libanons, Fuad But: os, erklärte Dr. J arring während einer anderthalbstündigen Unterhaltung in der libanesischen Hauptstadt, dass „die arabischen Länder, einschliesslich Libanon, die Fortsetzung der bisher fruchtlosen Bemühungen des UN-Emissärs um eine Regelung im Mittelosten wünschen“, nachdem dieser vorgeschlagen hatte, die gegenseitigen Standpunkte der feindlichen Parteien ohne direkte Fühlungnahme in New York zu klären. NEUE FRONT Jerusalem. — Israel gab bekannt dass libanesische Truppen zu mitternächtlicher Stunde die israelische Siedlung Margaliot mit Mörserfeuer angriffen. Laut Mitteilungen eines offiziellen Sprechers beantworteten die Israelis die Schüsse und brachten die feindlichen Kanonen zum Schweigen. Israelische Verluste wurden nicht gemeldet. Ein ähnlicher Zwischenfall trug sich auch in der Vorwoche an der Grenze zwischen den beiden Ländern zu. Nach Meinung von Beobachtern könnten diese Attacken als Anzeichen gedeutet werden, dass die Araber planen, eine neue Angriffsfront gegen Israel zu eröffnen. ZWEI VERWUNDETE Tel Aviv. — Zwei israeli sehe Soldaten wurden bei einem Zusammenstoss mit El Fatach-Terroristen nördlich von Jericho am vergangenen Wochenende verwundet. Ein Araber wurde getötet und ein anderer verwundet, wie ein militärischer Sprecher bekannt gab. VERLUSTE DER TERRORISTEN Tel Aviv. — Ein Sprecher der Sicherheitsdienste teilte mit dass bei den verschiedenen bewaffneten Zusammenstössen mit El Fatach- Terroristen seit dem 1. April 43 Angehörige dieser Organisation getötet, 11 verwundet und 96 gefangen genommen wurden. EINE WARNUNG Tel Aviv. — Israel hat die Regierung Libanons offiziell gewarnt, arabischen Terrorgruppen die Benutzung ihres Territoriums für ihre gegen Israel gerichteten Operationen zu gestatten. Die libanesischen Behörden stellten die Behauptung in Abrede, dass der auf einen Kibbuz verübte Ueberfall von ihrem Gebiet ausgogangen sei. Eine am Tatort geführte Untersuchung ergab jedoch, dass die Mör- War das notwendig? von JOEL LIESMAN FRANTZ Wie in den von Rolf Vogel herausgegebenen .deutschland-berichten“ mitgeteilt wurde, hat der Präsident des Ordens Bne Brit Wexler zusammen mit dem Direktor des Internationalen Beirates der Bne Brit-Logen, Herrn Hermann Edelsberg, im vergangenen Januar dem westdeutschen Bundeskanzler, Herrn Dr. Kurt Georg Kiesinger, einen Besuch abgestattet und ihm eine Mesusa überreicht. Kiesinger, so heisst es in diesem Bericht, habe mit bewegten Dankesworten die Mesusa entgegengenommen. Er wolle sie in seinem Hause anbringen. Im Verlauf der Unterhaltung wurde die Besorgnis der Pesucher über „gewisse antidemokrarische Strömungen' in Deutschland und die Auffassung zum Ausdruck gebracht, dass schwere Verbrechen gegen die Menschlichkeit von jeglicher Verjährung auszuschliessen seien Es heisst dann wörtlich: „Der Bundeskanzler bekundete sei« Vertrauen in die demokratischen Kräfte der Bundesrepublik Deutschland und erläuterte die Politik der Bundesregierung zur Festigung der demokratischen Ordnung. Wexler erklärte im Anschluss an die Ausführungen des Kanzlers, dass er von der Entschiedenheit der Bundesregierung, die Demokratie zu verteidigen, beeindruckt sei.“ — Dass Bundeskanzler Kiesinger nicht nur Parteimitglied der NSDAP und Leiter einer Propaganda-Abteilung in einem Ministerium gewesen ist, in welcher Nazi-Propaganda ins Ausland übertragen wurde, ist unbestritten. Dass man geneigt ist, diese Epoche im Leben eines heute an vorderster Stelle stehenden Mannes als abgeschlossen und durch seine inzwischen eingenommene Haltug und Stellungnahme als kompensiert ¿u betrachten, mag l chtig oder falsch sein, sollte nicht von jedem einzelnen Zeitbetrachter kritisiert werden, da hohe politische Interessen auf dem Spiel stehen. Ob es aber angebracht war, dem Bundeskanzler eine Mesusa zu überreichn, das zu bezweifeln, muss das Recht jedes Juden sein. Denn die Mesusa enthält das jüdische Glaubensbekenntnis, das Sch’ma, das mit den Worten beginnt: „Höre Israel, der Herr, unser Gott, ist ein einiges, ewiges Wesen“. Die Mesusa enthält die Verse 4—9 des 6. Kap. im 5. Buche Moshes sowie die Verse Kap. 11, 13—21 desselben Buches. Die Frage dürfte deswegen woh1 nicht unberechtigt sein, ob es keine anderen Geschenke gibt, die man dem Herrn Bundeskanzler überreichen könne. Dass er ausgerechnet eine Mesusa, das Symbol des jüdischen Hauses an die Pfosten seines Hauses anbringen will, dürfte als merkwürdig bezeichnet werden und nur so zu verstehen sein, dass er nicht weiss, was eine Mesusa ist. Wir fragen: War es wirklich notwendig, dieses Geschenk zu machen? Die Frage liegt auf der gleichen Ebene wie die jüdische Verteidigung zugunsten des Herrn Bundespräsidenten. Es wäre sicherlich eine bessere jüdische Haltung und Politik, die in jedem Fall zu wahrende Distanz zu beachten und nicht jüdische Symbole wie Thorarollen, eine Mesusa und andere deutschen Politikern zu schenken (oder aufzudrängen?), deren Verhältnis zu den Juden gerade in unserer schwersten Zeit nicht eindeutig war, selbst wenn wir die Vergangenheit wohlwollend beurteilen. ser von der libanesischen Grenze aus abgefeuert worden waren. IM SINAI Tel Aviv. — In militärischen Kreisen wurde die Vermutung laut, dass die El Fatach-Führer eine weitere F-ont gegen Israel in Sinai aufzuroilen versuchen, da sie anscheinend von den Ergebrissen ihrer Aktivität von Tranvjordanien aus nicht be1friedigt sind, besonders nach dem Scheitern ihres Vorhabens, die Jom Haazmaut-Parade in Jerusalem zu stören. Auf der Sinai- Halbinsel flogen in der Ge' gend von Romani zwei Militä rautos in die Luft, die auf Dynamit stiessen, wobei 3 israelische Soldaten den lod fanden und 7 Wageninsassen verwundet wurden. Da sowohl Nasser als auch der Premierminister Syriens die El Fatach-Organisation aufwiegeln, Israel von ihren Ländern aus anzugreifen, rechnen die israelischen Militärs mit neuen Unruhen an der ägyptischen und syrischen Grenze. Man nimmt Festsitzung der Knesset Jerusalem. —• Die Knesset veranstaltete am 20 Unabhängigkeitstag eine feierliche Sitzung, bei der ein einziger Redner, David Ben Gurion, sprach. Auf den Tribünen sassen Präsident Salman Shazar und sein Gattin, der vollzählige Generalstab und sämtliche Mitglieder des Obersten Gerichtshofes, Mitglieder der Jewish Agency, die Oberrabbiner, Mitglieder des Provisorischen Staatsrates vor 20 Jahren, zahlreiche andere Persönlichkeiten, Führer der Zionisten und der Jewish Agency. auch an, dass bei der Legung von Minen in Romani und Port Fuad ägyptische Kommandos den Fatachisten Hilfe leisteten. Diese ägyptischen Kommandos, welche in Transjordanien stationiert sind, operieren ferner in Elat und in der Gegend des Toten Meeres, wie gemeldet wurde. Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 83* Registro de la Propiedad Intelectual N9 947 226