Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 29 (1968)
- Issue
- 2266 (3.5.1968)
- Date
- 1968-05-03
- Page
- [Seite 5] (sequence 5)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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/ n Viernes. 3 de Mayo de 1968 SEMANA ISRAELITA A fio XXIX. — N? 2166 — 5 Ausstellung in Jerusalem Die Menora in Arad wird mit Gas aus dem Negew entzündet, nachdem die Leitung fertiggeste’lt worden ist. reienisse der Woche , t *’ f mm ( WM f_ fu* \ Í//Í. ■ " ,’e/ “>-A MM mm «■ *; Mm s; * »■- MM V 1 mm wm WM “¿Sí; m-’imm i. Ein bestimmtes Wort kann manchmal einen Zeitabschnitt in unserem Leben bestimmen, ein Leitwort werden. Momentan scheint es mir. dass das Wort ,Chan‘ diese Rolle spielt, in seiner wurzelverwandten arabischen und hebräischen Bedeutung. In beiden Sprachen heisst es Lagerplatz, wobei man im Hebräischen Chanjon sagt. Die Wurzel aber ist Chan, lagern. In der alten Fassung unserer Nationalhymne, der Hatikwa, hiess es noch: Ir bah David chana, die Stadt jn der David lagerte, womit natürlich Jerusalem gemeint war. Zunächst trat der Chan in Form einer Ruine bei uns auf, die gegenüber dem Jerusalem er Hauptbahnhof (es gibt gar keine Nebenbahnhöfe; ein unbeachtetes Mauerdasein führte, bis sich die „Gesellschaft für die Entwicklung Ost - Jerusalems“ dieses Steinhaufens erinnerte und ihn zu einem Theater mit Bar, Filmvorführungsräumen und einem Puppentheater für Kinder machte. Niemand weiss, was dieser Chan eigentlich früher war, und so inseriert die Gesellschaft, gibt gleichsam Sucnanzeigen auf. Wer etwas über die Vergangenheit des Chan zu melden hat, bekommt eine Freikarte. Offensichtlich handelt es sich hier um eine Karawanserei, wie wir sie ja auch von Akko her kennen. Wer aber der Herr des Chan (nicht der Herr Cahn) war, ist hierorts unbekannt. Der Chan wird grosse Mode, einem Zuge der Zeit folgend, die gern raminmierte Altertümer in moderne Rahmen kleidet . nicht nur bei uns. II. Auf der Landkarte Israels wurde Chan Junis wieder sichtbar, südlich von Gaza, ein Marktflecken, der den Karawanenhandel mit Aegypten vermittelte. Der Chan, die Karawanserei, von Chan Junis, wurde von den israelischen Modeschöpfern als Hintergrund für modernste Kreationen gewählt. Dieselbe Lust am Kontrast: das Uralte und das Hochmoderne. III. Der Chan der Chane aber ist jüngst unser Chanjon in Jerusalem-Bet Hakerem ge- Nunmehr wurde daß erste arabisch-israelische Orchester gebildet, und sein Dirigent ist der junge Hassni Mohammed Hassan Abu Ba ker, der im Jahre 1944 in Jerusalem geboren wurde. Nach Absolvierung der Volksschule trat Hassni in die Musikschule der Arabischen Liga ein, die in Am man dem Schulungslager der Legionäre angegliedert ist. Nach Beendigung seiner musikalischen Ausbildung nahm er an einer Studienreise teil, die ihn nach London, Rom und New York führte. Sein Lieblingsinstrument ißf die Klarinette, die er zugleich mit dem Saxofon und Horn zu spielen lernte. Nach seiner Rückkehr nach Jerusalem im Jahre 1965 wurde Abu Baker Musiklehrer am mohammedanischen Waisenhaus in der Altstadt. Nach dem Sechstagekrieg entschloss er sich, iie Lehrtätigkeit aufzugeben, und alß im September vorigen Jahres die Stadtverwaltung von Jerusalem die Bil Jung eines arabischen Jugend Orchesters beschloss, wurde Hassni als sein Dirijent vorgeschlagen, womit von einem Korrespondenten wesen, wo die Panzerwaffe ihre Freilicht - Ausstellung durchführte. Vor allem am Aber.d bei feenhafter Beleuchtung erstrahlten die Mordgeräte in musealer Harmlosigkeit. Möchten sie doch endgültig der Geschichte meinetwegen der Kriegsgeschichte, angehören, mehr und mehr in die Archäologie abrollen. Aber es sieht nicht so aus. Es sieht vielmehr nach Zeitungsroman aus: „Fortsetzung folgt“. Leider... Der Ausstellungsplatz wird Chanjon genannt. Uebersetzt etwa: Lagerplatz. Dieses militärische Heerlager bot den Anblick eines bunten Volksfestes. Die israelischen Tanks und die ägyptischen (russischer Produktion) sowie die transjordanischen (vorwiegend anglo-amerikanische Erzeugnisse) wurden von einer fröhlichen Kinderschar erklettert. Junge Mädchen liessen sich mit Vorliebe auf Kanonenrohren photographieren (Psychoanalytiker an die Front!). Es wäre so lustig, wenn es nicht so traurig wäre. Ein Spruchband am Eingang empfing uns mit dem Ruf des Elischa, den er seinem entrüsteten Meister Elija nachsandte: „Mein Vater. mein Vater, Wagen Israels und seine Reiter“. (2. Kön 2, 12). Es passt nicht ganz, aber Patton- und Centuriontanks werden wörtlich nicht in der Bibel erwähnt, und ganz ohne Bibelsprüche geht es bei uns nicht. Unter den Zelten, die den Chanjon bilden, fiel sozusagen das Stiftszelt auf, die Feldsynagoge mit Thorarolle, Kiddusehbecher und merkwürdigerweise einem sechsarmigen Leuchter. — Wurde der siebente Arm weggeschossen? Auch hier empfing uns ein biblisches Spruchband: Psalm 144 1: „Gelobt sei der Herr, mein Fels, der meine Hände kämpfen lehrt und meine Finger Krieg zu führen.“ Friedlichere Psalmen, z. B.: „Der Herr ist mein Hirte“ sind mir persönlich sympathischer, passten hier aber wohl nicht so ganz in die Umgebung, die freilich momentan friedlich wirkt. Die Geschütze waren geschlossen. Trotzdem herrschte strenges Rauchverbot, und er sich sofort einverstanden erklärte. Seither verstrichen viele Monate, in denen das Orchester fleissig übte. Diejenigen, die dem Jugendorchester beizutreten wünschen, werden strengen Prüfungen unterworfen, um ihre Eignung zu beweisen. Die jungen Leute erhalten zusätzliche Mußikstunden, in denen sie Praxis und Theorie erlernen und bisher sind 35 Mitglieder ausgewählt worden, dio in das Orchester eintreten dürfen. Die jerusalemer Stadtver waltung ordnete an, das Jugendorchester mit den fehlenden Instrumenten zu versorgen. Inzwischen sind auch jüdißche Musiker zugelass'en worden, so dass das erste gemischte arabisch-israelische Orchester in der Welt entstanden ist. „Seine Mitglieder“, so berichtet Gideon Weigert in der „Jerußalem Post“, „studieren eifrig die Folklore beider Jordanufer, denn sie wollen, wie sie sagen, ebenso in den jüdischen Vierteln von Jerusalem wie auch bei den Festen und Jahrmärkten der Araber aufspielen.“ Feuerlöschgeräte standen bereit .. (Man kann nicht wissen). Besonders fielen unter den Besuchern die Massen der Jeschiwa-Schüler auf, die dank des Konkordats der Regierung mit Mea Schearim die Tanks nur von aussen bei dieser Ausstellung bewundern konnten, da sie ja sonst vom Heeresdienst befreit sind. Ohrenbetäubende Musik hüllte den Besucher ein, immerhin besser als der Donner der Kanonen. Mit gemischten Gefühlen verliess man diese Ausstellung. Gewiss ist es unerlässlich. dass die Israelis diese Tanks besitzen, und gewiss ist es erfreulich dass sie feindliche Tanks erbeutet haben, deren Geschütze gegen sie gerichtet wurden. Aber so recht freuen konnte ich mich dieser Sch iu nicht, und ein anderes Bibelwort, das ging mir nicht aus dem Sinn. Variiert würde es heissen: „Und sie werden ihre Pattons in Combines umbauen, und ihre Centurions in Traktoren... bald in unseren Tagen.“ Literarische Notizen Siegesmünzen Die von der Bank Israel unlängst herausgegebene Siegeismünze war in 50 nordamerikanischen Städten binnen weniger Stunden ausverkauft. Die Münze im Nominalwert von 10 Israelpfund wurde zum Preise von 10,50 Dollar verkauft. Altersheim Die aus 2 000 Familien bestehende Gemeinde „Gemilut Chessed oi Greater New \ork“ konnte nach Ueberwindung bedeutender Schwierigkeiten mit dem Bau ih res Altersheim in Palisades, New York, beginnen. Die Gemeinde, die im nördlichen Teil von Manhattan ihren Sitz hat, besteht zum. grossen Teil aus Mitgliedern der deutschen Einwanderung der Hitlerzeit. T odesncrchricht Der bekannte, vor allem durch sein Mahnmal im Rotterdamer Hafen weltberühmt gewordene Bildhauer Ossip Zadkine ist vor kurzem im 77. Lebensjahr verstorben. Er stammte aus Smolensk, war Sohn eines russischen Philologen und einer englischen Mutter. Mit Unterbrechungen hat er fast fünfzig Jahre in Paris gelebt. Obwohl auch Maler und Zeichner ist Zadkine vornehmlich durch seine Skulpturen bekannt geworden. Vie’e Gesichter Das American Jewish Committee wandte sich an So zialwißsenschaftler, um Wege zu finden, wie der Antisemitismus als Erscheinung der Massenpsychopathologie zu bekämpfen sei. Die herausgegebene Schrift „Die vielen Gesichter des Antisemitißmus“ betont, dass das Studium des Antisemitismus auch Einsichten in die Bekämpfung von Diskriminierung anderer Gruppen vermittelt. „200.000 Taler" Die Deutsche Oper in Berlin hat dem Komponisten Boris Blacher, der gerade seinen 65. Geburtstag feierte, den Auftrag erteilt, eine Oper nach dem Libretto „200.000 Taler“ von Scholem Aleichem zu schreiben, welches als Schauspiel 6chon kürzlich an der berliner Freien Volksbühne aufgeführt wurde. (Fortsetzung der Ereigmsse der Woche von Seite 4) sondere Schmieraktionen, deren Opfer Synagogen und jüdische Schulen gewesen sind. An verschiedenen Häuserwänden war mit schwarzer oder roter Farbe angemalt: „Fuera judíos burgueses! Viva Cuba!“ Dann war mit ungeschickter Hand Hammer und Sichel als Unterschrift gemalt w-orden Dieses Spruchband erschien an verschiedenen Häuserw’änden in verschiedenen Teilen der Stadt. An der Synagoge der Gemeinde Bet El in Beigrane waren ebenfalls antisemitische Bemerkungen in grosser Schrift mit einem Hakenkreuz angebracht, worüber w'ir s. Zt. schon berichtet haben. An der Synagoge des Culto Israelita in der Vidal (ebenfalls im Stadtteil Belgrano gelegen) konnte der Schmierfink seine „Arbeit“ nicht vollenden, da er beim Malen des Hakenkreuzes von einem Polizisten erwischt und auf die zuständige Polizeiwache gebracht worden war. An die Wand des Gebäudes der Asociación Israelita de Beneficencia y Culto de Parque Patricios wurden ebenfalls verschiedene Hakenkreuze angemalt. Aggressive Liga Die argentinische Sektion der Arabischen Liga hat in den letzten Wochen erneut eine aggressive Tätigkeit entfaltet und die durch nichts bewiesene Behauptung aufgestellt, sie sei von „pistoleros a sueldo“, auf gut Deutsch von gedungenen Räubern überfallen worden die angeblich ein Magen David an die Wand gemalt hätten. In einem Flugblatt , Zionistisches Kommando in Aktion“ wird behauptet, dass diese „Internationale Maffia“ Argentinien terrorisieren wolle und die innere Ruhe des Landes zu stören beabsichtige. .. 8. Gemeinde- Konvention Im August wird die 8. argentinische Landestagung aller jüdischen Gemeinden (Kehillot) abgehalten werden, worüber der Vorsitzende des Landesverbandes (Waad Hakehillot), Herr Dr. Tobias Kamenszain, jüngst berichtete. Das Programm dieser Tagung wird von den Aufgaben und den Notwendigkeiten der Gemeinden bestimmt. Im Vordergrund stehen erzieherische Probleme. Auf die besonderen Fragen der Gemeinden im Landesinnern und vor allem auf dem Camp wird eingegangen w'erden, worüber sich u. a. Herr Oberrabbiner Dr. Kahana äusserte. tieltul^dini fiammrrspiele Intendant: REINHOLD K. OLSZEWSKI TEATRO MUNICIPAL GENERAL SAN MARTIN (Sala Martin Coronado) — Corrientes 1530 7. Mai, Premiere um 21 Uhr DAS GROSSE WELTTHEATER von HUGO VON HOFMANNSTHAL Bearbeitung und Inszenierung: Prof. Werner Kraut Weitere Vorstellungen am 9., und 10. Mai um 19 Uhr und am 12. Mai um 15 Uhr 30 Eintrittskarten 48 St. vor Beginn an der Theaterkasse. TEATRO MITRE CORRIENTES 5424 T. E. 54-9049 FREITAG UND SONNABEND UM 22 UHR SONNTAG UM 18 UND 22 UHR Gastspiel der berühmten Künstler Rat Maimon Salmen Kaleshnikow in dem Welterfolg von Scholem Alechem Tewje und seine Toechter Arabisch - israelisches Orchester