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Jüdische Wochenschau · 1968-04-26 · 2265 (26.4.1968) · p. [Seite 12]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
29 (1968)
Issue
2265 (26.4.1968)
Date
1968-04-26
Page
[Seite 12] (sequence 12)
Language
German, Spanish
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o a) o E FRANQUEO PAGADO Concesión 908 TARIFA reducida Concesión 1629 Ano XXIX ISRAELITA BUENOS AIRES, VIERNES 2« DE ABRIL DE 1968 N? 2165 EL EJEMPLAR en toda la República 30.- PUEYRREDON 2190 1o ¡zq. Buenos Aires T.E. 83 - 2613 Mit ungebrochenem Optimismus romantisch-national von HORST WINCKI ER An der Schwelle des dritten Jahrzehnts der staatlichen Unabhängigkeit blickt des jahrtausendealte Volk in seine jüngste Vergangenheit zurück, um sich über seine Erfolge und Misserfolge, über seine Aktiva und Paßsiva klar zu werden und aus seinen Fehlern zu lernen. Es prüft seine heutige Lage in kritischer Selbstbesinnung. nimmt ein ideologisches, politisches und soziologisches Inventar auf. um seine Situation nach möglichst objektiven Gegebenheiten abzuschätzen. Es versucht einen Blick in die Zukunft, um sich über seinen Weg und sein Ziel klar zu werden. Dass Israel trotz der ununterbrochenen Anfeindungen seitens seiner Nachbarstaaten, trotz der Aggressionen, die manchmal zu schweren kriegerischen Zusammenstössen führten, manchmal in Infiltrations- und Terrorwellen ihren Ausdruck fanden. zwei Jahrzehnte überdauert hat und heute stärker dasteht denn je, beweist die Existenzfähigkeit des Staates. Die Fronten der Völker in ihrer Einstellung zum jüdischen Staat haben sich in dieser Zeitspanne gewandelt. Vor zwanzig Jahren stimmten die USA und die Sowjetunion gemeinsam für die Errichtung Israels in den UN Die Tschechoslowakei war unter den ersten, die Israels Verteidigungsheer Waffen lieferten, die Sowjetunion beeilte sich, den neugegründeten Staat sofort nach den USA anzuerkennen. Heute steht die USSR in einer Front mit den arabischen Feinden gegen Israel. Ein Staat des Ostblocks, Rumänien, hat sich im letzten Jahr zu einer unabhängigen Politik bekannt, verhält sich neutral im Mittelostkonflikt und pflegt seine Beziehungen zu Israel. Auch die CSR hat jüngst den Weg zu einer objektiven Einstellung gegenüber dem Judenstaat beschriften. Dagegen hat sich die jahrelange freundschaftliche Einstellung Frankreichs zu Israel völlig gewandelt. Es ist kaum anzunehmen, dass die jeweiligen Jerusalemer Regierungen die Schuld daran trifft, wenn auf internationalem politischem Forum oder in den direkten Beziehungen zu diesem oder jenem Staat peinliche Situationen eintraten. Die Politik der Mächte wird durch ihre geopolitischen Interessen diktiert. Sympathien und Antipathien spielen in der Weltpolitik eine viel geringere Rolle als im Verhältnis von Nachbarvölkern zu einander, wo Hass und Freundschaftsgefühle entscheidend sein können. Ein die Jahre überdauerndes konstantes Freundschaftsverhältnis zu Israel bewiesen die Staaten Amerikas von Kanada, USA, Me* xiko bis zum Südende Lateinamerika*>, die nordwesteuropäischen Länder, die Schweiz, die Deutsche Bundesrepublik, Oesterreich und von MEIR FAERBER manche andere Staaten Würde nicht die Rücksichtnahme auf ihre Interessen in den arabischen Ländern ihnen Reserve auferlegen, so wäre die Zahl der Freunde Israels unter den Entwicklungsländern Afrikas und Asiens dank der ihnen geleisteten technischen Hilfe viel, viel grösser, als sie heute noch ist. Jedenfalls gibt es auch jetzt bereits genügend Staaten, die die Existenz Israels bejahen und seine lebenswichtigsten Interessen schützen. Der Arabischen Liga ist trotz aller Anstrengungen nicht gelungen, die Wirtschaft Israels durch den Boykott zu untergraben. Den arabischen Heeren ist in drei Kriegen, 1943. 1956 und 1967 nicht gelungen, den Bestand des Judenstaates zu erschüttern. Im Gegenteil: Zahal ging aus allen militärischen Zusammenstössen siegreich hervor. Israel kontrolliert heute das ganze Gebiet vom Herrnon bis an den Suezkanal und vom Meer bis an den Jordan. Die strategische Lage ist günstiger, als sie je gewesen war. Trotzdem sind die Bemühungen um einen Waffenstillstand. der zürn Frieden führen könnte, bisher erfolglos und auch die unter Auspizien der UN im Juni 1967 hergestellte Waffenruhe ist beunruhigend labil. Hussein erwies sich ausserstande, das Anwachsen der Terroraktivität in seinem lädierten Königreich zu unterbinden. Die Kontrolle über sein Volk und sein Heer ist seinen Händen entglitten, und er wird von den Stürmen einer Politik, auf die er keinen Einfluss hat, hin und her gerissen. In diesen zwanzig Jahren war Israel wiederholt gezwungen, der Häufung von Infiltranten-Aktionen durch Gegenmassnahmen kleineren oder grösseren Ausmasses entgegenzuwirken, je nachdem wie die Lage eis erforderte. Zur Zeit der Staatsgründung musste ein umfassender Krieg gegen die konzentrische Invasion der 1 Heere der arabischen Nachbarstaaten und des Irak geführt werden. Als die Aegypter 1956 und 1967 grosse Mengen von Kriegsmaterial und Militär im Sinaigebiet konzentrierten und gleichzeitig durch ein Kriegsbündnis mit T-ansjordanien und Syrien die Existenz Israels bedrohten, fand 1956 der Sinaifeldzug und im Juni 1967 der Sechstagekrieg statt. In beiden bewährte sich Zahal in einer Weise, dass Israel auch in absehbarer uZkunft — nach Meinung international anerkannter Militärsach verständiger — keinen Angriff zu befürchten braucht, auch wenn einer, was durchaus im Bereich der Möglichke:t liegt, erfolgen sollte. Aus eigener Kampflust oder unprovozierter Initiative ist Israel nie zum Angriff übergegangen, sondern Zahal zog zu Kämpfen etets nur dann aus, wenn dies unvermeidlich erschien, denn Israel sucht und will keine Siege sondern den Frieden. Israels waren im Laufe dieser zwanzig Jahre so manche Wellen der Entwicklung und auch Rückschläge zu verzeichnen. Nach einer Epoche der Masseneinwanderung, in der der Aufbau der Wirtschaft mit dem Bevölkerungszustr jm Schritt hielt, so dass es kaum eine nennenswerte Arbeitslosigkeit gab, setzte mit dem Abflauen der Einwanderung auch eine Verlangsamung der wirtschaftlichen Entwicklung ein. Im Lauf der Zeit wurde die Währung in Zusammenhang mit Wirtschaftsplänen wiederholt abgewertet, aber trotzdem gewann das Israel- Pfund in den letzten Jahren Vertrauen, und es gilt als relativ verlässliche Währung, obwohl es an den Börsen nicht offiziell notiert wird Die Sparbewegung, die auch im Lebensveräscherungs- Sektor ihren Niederschlag findet, hält sich nicht nur auf stabilem Niveau, sondern sie hat auf gewissen Gebieten sogar bedeutend zugenommen. Sowjetische Drohung Washington. — Der sowjetische Premierminister Kossygin erklärte bei einem Interview im pakistanischen Fernsehen, dass Israel das gesamte Gebiet, welches es im Sechstagekrieg besetzt hat, wieder räumen müsse. Der Bericht über Kossygins Rede wurde in der „Washington Post“ publiziert und stammt von ihrem Korrespondenten Bernard Nossite in Rawalpindi. Kossygin äusserte, die Israelis würden einen schweren Irrtum begehen, wenn sie §ich nicht in ihre Grenzen vom 4. Juni zurückziehen, „vielleicht der schwersten Irrtum ihrer Geschichte“. Das Volk von Israel würde seiner Regierung wohl niemals diesen Fehler verzeihen, fügte er hinzu, „doch dann wird es möglicherweise zu spät sein“. Was Kossygin in Wirklichkeit zu sagen beabsichtigte, war dem Korrespondenten nicht ganz klar. Die sowjetische Drohung bezweckte augenscheinlich, in Moskau und Pakistan Beifall zu gewinnen. „Allerdings“, so kabelte Nossite, „war der von Kossygin angeschlagene Ton nach Ansicht von Spezialisten in Mittelostfragen sichtlich scharf besonders aus dem Munde eines Mannes, der seine Worte im allgemeinen zu wägen pflegt.“ (ITA) IDie Ende März, Anfang April in Jerusalem abgehaltene grosse Wirtschaftskonferenz ausländischer Kapitalisten, an der hunderte namhafter Persönlichkeiten des Geschäftslebens und der Industrie aus Amerika, England und anderen Ländern teilnahmen, hat gute Ergebnisse gezeitigt und berechtigt zu Optimismus für die nächsten Jahre. Mit dem neuen Schwung, den die hier verabredeten Projekte. Fabrikserweiterungen und Neugründungen gepaart mit Fachkenntnissen und Geschäftsverbindungen ins Land bringen werden, kann ein neues Kapitel der israelischen Wirtschaftsgeschichte beginnen und die Produktion und der Export binnen einiger Jahre soweit steigern, dass es gelingen wird, die Passivität der Handelsbilanz zu überwinden. Infolge des Sechstagekrieges nahm daß Interesse der Diaspora ausserordentlich zu. In allen Ländern gab es eine Bewegung der Solidarität mit Israel, die in einem Strom von jugendlichen Freiwilligen und von Spenden und dem Erwerb israelischer Staatspapiere ihren Ausdruck fand und sich nun in der Bereitschaft zu Investitionen, zum Ausbau und zur Sanierung der Wirt* Schaft fortsetzt. Auch die Skepsis in der Einwanderungsfrage ist heute geringer, als sie noch vor einigen Monaten war. Die persönliche Verbindung mit Israel dringt immer mehr ins Bewusstsein der Auslandsjudenheit ein und muss sich früher oder später auch in zunehmender Einwanderung äussern. Es ist durchaus naheliegend, dass jetzt oder in der nächsten Zeit wegen des Antisemitismus aus Polen . auswandernde Juden, oder wegen der Rassenunruhen in den USA nach der erschütternden Ermordung von Martin Luther King ihre bisherige amerikanische Heimatstadt verlassende Juden — verstehen werden, dass Israel ihre eigentliche und endgültige Heimat ist. Heute wird hier vom Einwanderer nicht mehr verlangt, dass er sich mit einem entbehrungsreichen Pionerdasein begnügen müsseer kommt vielmehr in ein in fortgeschrittenem Entwicklungsstadium befindliches Industrieland mit demokra tichem Regime, in dem jeder Bürger ein inhaltsreiches Kultur- und Gesellschaftsleben auf gutem sozialen Niveau führen kann. Sowohl der Rückblick auf die ersten zwanzig Jahre des Staates Israel wie auch die Abschätzung der gegenwärtigen Lage und der Blick in die Zukunft können den Bürgern Israels, den Juden der Diaspora, die sich heute mit Israel solidarisch, #üh Frieden mit den Nachbarstaaten zu finden und das Fortschritts, die für den kleinen um seine Existenz ringenden Staat Sympathie empfinden, ein Gefühl der Genugtuung und der Zufrie- Das Bundesinnenmnisterium in Bonn ist die Behörde, die für die Kontrolle der öffentlichen Meinung zuständig ist und -rOrganisationen oder Verbände mit extremen Tendenzen zu beobachten hat. Die jährlichen Berichte, die von . diesem Ministerium herausgegebett werden, sind ebenso instruktiv wie lehrreich. Die Nationaldemokratische Partei (NPD) sei während des letzten Jahres noch stärker in den Mittelpunkt des allallgemeinen Interesses getreten und zum Zentrum des Rechtsradikalismus geworden. Trotz ihrer Wahlerfolge bedeute sie jedoch keine Gefahr für die deutsche Demokratie. Sie habe keinen Einfluss auf die Willensbildung der verfassungsmässigen Organe. — Schon diese Bemerkung gibt Veranlaßsung zur Diskussion. Wenn nämlich die NPD bereits Einfluss auf diese Organe der Republik haben würde, dann wäre es für weitere Erörterungen bereits zu ßpät .. Der zitierte Bericht gibt jedoch zu. dass die NPD avf einen Teil der Bevölkerung einen Einfluss ausübe, auf jenen Teil, der bereit sei, „romantisch-nationalen“ Vorstellungen zu folgen. Diese Romantiker würden Parolen Glauben schenken, deren Gefährlichkeit und Irrealität für die politisch Einsichtigen auf der Hand lägen. Im Bericht heisst es dann wörtlich: „In diesem von der NPD .. . nationalistischen Gedankengut einer Minderheit liegt die eigentliche Gefahr für die Demokratie.“ irgendwelche Folgerungen werden aus dieser Feststellung ebenso wenig gezogen, wie aus den statistischen Gegebenheiten: Von den 28.000 Mitgliedern der NPD sind 2.400 vor 1933 bereits der NSDAP beigetreten und hatten hohe Posten in der NS-Hierarehie inne; 35 Prozent der NPD-Mitglieder sind durch NS-oder rechtsextreme Vergangenheit belastet. Die NPD ist bereits in sechs Landtagen vertreten. Die Bezeichnung der NPD als romantisch-national dürfte ebenso nichtssagend wie irreführend sein. Mit Romantik haben die sehr realistischen Machtziele des Rechtsextremismus nichts zu tun. Hieran vermag auch die Tatsache nichts zu ändern, dass zur Verschleierung der wirklichen Absichten dieser Partei nationale Parolen ausgegeben werden, für die sicherlich sehr viele Menschen ganz allgemein empfänglich und zugänglich sind. Auch die Schlussfolgerung des Berichtes, die NPD stelle keine akute Gefahr dar, ist wenig überzeugend. Der Vormarsch dieser Partei bei allen Wahlen — zuletzt sogar bei Munizipalwahlen — ist nicht zu bestreiten. Damit dürfte die Gefahr, wenn es eine solche überhaupt geben sollte, tatsächlich vorhanden sein. Wie lange will man also warten? — Ob es konkrete Möglichkeiten gibt, eine politische Bewegung durch Verbote aufzuhalten, und ob solche Verbotsmasisnahmen überhaupt ergriffen werden können, ist bisher nicht hinreichend geklärt. Man wird skeptisch sein müssen, wenn man bedenkt, dass selbst Publikationen wie die Soldatenzeitung geduldet werden, weil man sie entweder dulden will oder gegen sie nichts unternehmen kann. Die Perspektiven für die deutsche Demokratie sind nicht sonderlich günstig, es sei denn, dass es doch noch gelingt, die Jugend in einem wahrhaft demokratischen Geist zu erziehen. Spenden für Israel Tel Aviv. — Die Einnahmen der Spenden für Israel aus den Vereinigten Staaten waren im Jahre 1967 um 210 Millionen Dollar höher als im Jahre voi.her. denheit geben. Das Aergste ist überstanden, die grössten Gefahren sind gebannt. Nun gilt es, den Weg zum Frieden mit den Nachbadstaten zu finden und das Ziel zu erreichen, das in wesentlicher Beitragsleistung zu kulturellem und sozialem Fortschritt und wirtschaftlicher Entwicklung nicht nur des Staates Israel selbst sondern der ganzen Region des Vorderen Orients besteht. Israel ist im Mittleren Osten kein Fremdkörper sondern ein bodenständiges Volk in seiner ethnischen und historischen Heimat Daher wird es hier eines Tages mit seinen verwandten Nachbarvölkern freundschaftlich Hand in Hand für eine bessere Zukunft wirken. Eine Milliarde Dollar Schulden London. — Die Schulden Aegyptens betragen zur Zeit mehr als eine Milliarde Dollar, und in dieser Summe ist die Schuld für Waffenlieferungen aus dem Ostblock nicht enthalten, so berichteten Wirtschaftskorrespondenten aus der äyptischen Hauptstadt. Auf Rumaeniens Spuren Die ungarische Regierung ißt dabei, ihre antiisraelische und antijüdische Haltung zu revidieren und zu der unabhängigen Linie Ru mäniens umzukehren, berichtete der londoner „Observer“. Diese Wendung kam in einer Rede des ungarischer. KP-Führers Janos Kadar zum Ausdruck, der in der Landeskonferenz der ungarischen KP-Jugend in aller Offenheit seine Sympathie für daß jüdische Volk in dessen besonderer Lage zum Ausdruck gebracht hatte. Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 821 Registro de la Propiedad Intelectual N* 947 22t

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