Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 29 (1968)
- Issue
- 2263 (12.4.1968)
- Date
- 1968-04-12
- Page
- [Seite 8] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/9616703-9616177-9616286--5170-9616294- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Correo Argentino Central B FRANQUEO PAGADO Concesión 908 SEMANA ISRAELITA An0 XXIX BUENOS AIRES, SABADO 13 DE ABRIL DE 1968 N® 2163 EL EJEMPLAR 0 A en toda la República JU," PUEYRREDON 2190 1® Izq. Buenos Aires T.E. 83- 2613 TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 Israels Beziehungen zur Welt von B. B. SAMUEL Nach den heftigen Zusammenstössen am Jordan una den dauernden Sabotageakten der arabischen Terrorbanden war vorübergehend eine kleine Pause eingetreten. die durch Verhandlungen auf höchster Ebene ausgefüllt wurde. Die arabische Bedrohung der Ruhe und der Sicherheit Israels hält jedoch an. Denn die Reden der verschiedenen arabi sehen Staatschefs haben ihren Ton und Inhalt nicht geändert. Jede Woche hat Israel Opfer feiger Ueberfäller und gemeiner Mordtaten zu beklagen. Was den arabischen Heeren versagt war, Israel zu besiegen oder zum Nachgeben zu zwingen, soll nun durch einen Kleinkrieg und dessen übliche Zermürbungstaktik erreicht werden. Dass diese arabische Rechnung nicht aufgehen wird, dürfte aussei Zweifel stehen. Aber die Opfer, die Israel bringen muss, sind sinnlos. Die Normalisierung der nahöstlichen Verhältnisse wird durch diese Methoden aufgehalten. Israel und seine Nachbarländer kommen nicht zur Ruhe. Die Verantwortung liegt gewiss auf Seiten be- -stimmter arabischer Politiker, die nur dann ihre eigegen Zwistigkeiten zu vergessen pflegen, wenn es siel’ um eine gemeinsame Sache gegen Israel handelt. Aber, auch deren Entscheidungen und Massnahmen beruhen nicht allein auf ihrem eigenein Willen, sondern werden entscheidend von den „grösseren“, internationalen Interessen mitgeformt und mitbestimmt. Insofern unterliegen die Araberländer und Israel den gleichen Gesetzen. Als Teil der Welt sind sie auch von deren wechselvollem Schicksal und damit von den Grossmächten abhängig. Ohne Zweifel wandelt sich das politische Bild ständig und, dieser Wechsel, diese Unsicherheit wirft ihre Schatten auf den Mittleren Osten. Die noch führende östliche Grossmacht, die Sowjetunion, hat die Beziehungen zu Israel abgebrochen, wobei sie als Grund den israelischen Angriff auf die Araberländer vom Juni -1967 angegeben hat. Heute weiss man, dass selbst im Osten beinahe alle informierten Kreise diese russische Haltung als einen Vorwand betrachten, die arabischen Länder noch stärker an den Osten zu binden, um jeden Versuch der Rückkehr westlicher Staaten in den Orient auszuschalten. Hier Israel — dort die Araberländer, sollte mit der simplen Formel: hier West, dort Ost korrespondieren. So einfach aber liegen die Verhältnisse nicht. Denn sehr bald zeigten sich I.isse im Ostblock als die direkten Folgen dieser (unvorsichtigen) russischen These; Rumänien ging eigene Wege, andere Ostblockstaaten werden folgen. Noch tragischer aber war die Reaktion und ist die Haltung der Israel „befreundeten“ Westländer, von denen Frankreich — oder besser gesagt dessen- Präsi dent — Israel brüsk den Rücken kehrte. Englands Einflüsse sind geringer geworden; die britische Meinung fällt nicht mehr ins Gewicht, was an sich schon eine erstaunliche Entwicklung in wenigen Jahrzehnten darstelt. Amerika lehnt» zwar entschieden die russische These ab, die Israel zum Angreifer stempelte, zeigte sich aber aus eigenen politischen Interessen schnellstens bereit, den in Not befindlichen arabischer. Ländern zu helfen, wofür die Hoffnung und die Chance massgebend waren, den verlorenen Einfluss wiederzugewinnen. Hierbei wurde nicht ein Auge zugedrückt, sondern beide Augen wurden fest geschlossen. Wie wäre es sonst möglich, dass die USA Tanks und andere Waffen an Transjordanien liefern, obwohl feststeht, dass dieses Terri torium in die breite Angriffsbasiß für alle Aktionen der arabischen Terrorbanden unter Duldung, wenn nicht im Einvernehmen mit dem transjordanischen König Hussein umgewandelt worden ist? — Diese Doppelzüngigkeit oder Zweigleisigkeit der amerikanischen Politik muss die arabischen Führer und Terroristen ermuntern, aber stört sie ebensowenig wie die amerikanischen Lebensmittelsen’ düngen und Kredite für Ae gypten daran, ihre sonst anti-amerikanische, antiwestliche und antiisraelische Politik fortzusetzen. Dass eine andere westliche Macht, die Bundesrepublik Deutschland, wichtige Hilfe dem Staat Israel leiht, ist eine unbestreitbare Tatsache, die von den arabi sehen Ländern ebenfalls für ihre Zwecke weidlich ausgenutzt wird. Noch immer versuchen sie, die Bundesrepublik mit dem Schreckgespenst der Anerkennung der Deutschen Demokratischen Republik (Ostdeutschland) einzuschüchtern, des im Augenblick treuesten Vasallen der Sowjetunion. Nach jahrelanger Erfahrung ist man ir Bonn weniger ängstlich geworden, denn diese Drohungen haben letztlich an Wert und an Inhalt verloren. Die Diskussion über die die offizielle Wiederaufnahme der nach dem Sechstagekrieg unterbrochenen diplomatischen Beziehungen der arabischen Staaten mit der Bundesrepublik hat bereits konkrete Formen angenommen. Deutsche Minister bereisen arabische Län der, und der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit, Han«3 - Jürgen Wischnewski, war vor kurzem Gast Husseins. Er besuchte u. a. den Hafen von Akaba, der bekanntlich in unmittelbarer Nähe des israelischen Hafens Elat an der Südspitze des Negew gelegen ißt. Thema des Ministerbesuches aus Bonn in Amman war die deutsche Wirtschafts- oder Entwicklungshilfe. Bei einem Rundfunk-Interview berief sich der Minister auf den israelischen .¡Standpunkt, dasß den unterentwickelten Ländern solche Hilfe geleiste; werden müsse. Da Israel, so argumentierte der deutsche Minister, ein Land mit einem „hohen Lebensstandard“ sei, wäre Ißrael auch daran interessiert, dass das „soziale Gefälle“ zwischen ihm und seinen arabischen Nachbarn geringer werden würde... Hier wird ein an sich richtiges Argument dazu benutzt, um deutsche Kredite oder Wirtschaftsplanungen in arabischen Ländern zu rechtfertigen. Israel ist gewiss daran interessiert, dass die sozialen Misstände in seinen Nachbarländern ver-, schwinden. Israel ist sogar bereit, hierbei mitzuwirken, aber im Frieden. In seiner eigenen kurzen, erst zwanzigjährigen Geschichte als selbständiger Staat hat Israel bewiesen, dass es Ein mutiger Student von SEM FRANKENSTEIN im Februarheft 1968 der in Berlin erscheinenden Zeitschrift „Der Monat“ finden wir einen Beitrag unter der Rubrik „Hinweise“, der den Titel „Beschönigungen“ trägt und für den Peter Jahn verantwortlich zeichnet. Peter Jahn wird als Student für osteuropäische Geschichte an der Freien Universität Berlin vorgestellt. Inhalt und Stil dieser Aüsführungen Jahns müssen als unge wöhnlich bezeichnet werden denn er nimmt gegen einen Aufsatz in der Historißchen Zeitschrift, der angesehnsten Fachzeitschrift der deutschen Historiker. Stellung, der aus der Feder des bekannten Münsteraner Ordinarius füt neue und neueste Geschichte, Professor Heinz Gollwitzer, stammt. Gollwitzer hat in einer der letzten Ausgaben der Historischen Zeitschrift einen Nachruf auf den ehemaligen Professor für Bayerische Landesgeschichte Karl Alexander von Müller veröffentlicht, der Parteimitglied seit 1933 gewesen ist und dessen nazißtisches Wirken Gollwitzer nach Jannß Meinung entschuldigt und beschönigt. Aus der Darstellung Jahns kann man entnehmen, dass von Müller am 10. Juni 1941 als Herausgeber dießer Historischen Zeitschrift einen Brief an den damaliger» Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung, Wilhelm Bernhard Rust, gerichtet hat, an denselben Rust, der nach seinen Anweisungen die Juden in allen Schulen und Schulfächern als abschreckendes Ungeheuer dargestellt wissen wollte und der SS-Obergruppenführer war. Wer dieser Rust war, kann hier im einzelnen nicht dargestellt werden. 1930 war er aus dem Schuldienst in Hannover entlassen worden, weil sich bei ihm Zeichen geistiger Gestörtheit bemerkbar machten. Er war also für seine Aufgabe als Erziehungsminister Hitlers prädestiniert. Die Vergangenheit dieses Rust musste wohl dem bayerischen Professor von Müller bekannt gewesen sein. Die von Rust erlassenen Massnahmen zur Erziehung waren jedenfalls selbst Herrn v. Müller nicht verborgen, denn sie waren allen Reichsbewohnern bekannt. Das störte aber den Münchner Professor nicht, in dem zitierten Brief u. a. folgendes zu schreiben: „Eine meiner ersten Massnahmen als Herausgeber der Historischen Zeitschrift war, in dieser weit ins Ausland wirkenden Zeitschrift, die in der Systemzeit stark verjudet war, ein regelmässiges, streng wisßenschaftliches Referat zur »Geschichte der Judenfrage1 einzurichten.“ Wenn auch Prof. Gollwitzer nicht in Abrede stellen würde, dass v. Müller ein ergebener Nazi gewesen ist, so versuche er doch in seinem Artikel, die Persönlichkeit v. Müllers in einer Weise zu würdigen, die seine Nazi- Entgleisungen entschuldigt oder v. Müllers Position in einem Licht erscheinen lässt, das den klaren Blick für die Tatsachen verschleiert. Jahn begründet seinen Stand punkt sachlich, wenn auch vehement, wozu er durch di-? Darstellung Gollwitzere herausgefordert wurde. Bei allem Respekt vor Gollwitzer ist auch eine nachträgliche Ehrenrettung v. Müllers ausgeschlossen, der in einer Rede 1936 u. a. sagte: „Sie alle fühlen, dass die Gründung dieser Forschungßabteilung Judenfrage im Reichsinstitut ... mehr ist als ein gewöhnlicher organisatorischer Akt der Wissenschaftspflege, dass sie vielmehr auf dem Felde der Wissenschaft und der Hochschule selbst ein Akt der Revolution, der grossen nationalsozialistischen Revolution Adolf Hitlers ist. Es ist zum erstenmal..., dass die wisßenschaftliche Forschung eines Volkes unserer Rasse sich dieses Gegenstandes grundsätzlich und mit völkischer Zielsetzung annimmt.“ Diese Kostproben genügen, sodass man auf die weiteren. von Jahn gebrachten Zitate nicht einzugehen braucht, die in einer hemmungslosen Lobpreisung Hitlers ausarten. Hier gibt es wirklich nichts zu beschönigen und nichtszu erkläret». GEGEN DIE SCHREIBTISCHMOERDER von ROBERT M. W. KEMPNER Am 4. Dezember 1941 erhielt der für die „Endlößung der Judenfrage“ in Ribbem trops Auswärtigem Amt zu ständige Unterstaatssekretär Martin Luther, der selbst nach dem Kriege umgekommen ist, ein Schreiben des Chefs der Sicherheitspolizei, Reinhard Heydrich, mit der Einladung zu einer Konferenz über die „mit dieser Endlößung zusammenhänenden Arbeiten“. Es war die berüchtigte Wannsee- Konferenz zur Koordinierung der Zentralinstanzen und der Ministerien bei ihrer Mitwirkung an der Endlösung. Auf diese Einladung zur Mordkonferenz schrieb Luther die folgenden Worte: „Pg. Rademacher, bitte Obergruppenführer Heydrich mitzuteilen, dass ich erkrankt bin, ihm für seine Einladung sehr danke und wenn irgend möglich teilnehme. (Luther hat dann tatsächlich teilgenommen) Bitte mir für die Sitzung eine Aufzeichnung über unsere Wünsche und Ideen anzufertigen, bitte auch sofort Herrn Staatssekretär (damals Ernst von Weizsäcker; zu unterrichten. 4. 12.“ Das war vor 26 Jahren. Jetzt, am 21. Februar 1968 steht Parteigenosse Franz Rademacher vor dem Schwurgericht Bamberg unter der Anklage der Anstiftung bzw. der Teilnahme am Mord in zahllosen Fällen. Nach der Bamberger Anklage wird ihm zur Last gelegt, gewissermassen als „Pendant“ Eichmanns im Auswärtigen Amt für die Judenvernichtung in Frankreich, Belgien, Holland so wie in Serbien dadurch mitverantwortlich zu sein, dass er dem Reichßsicherheitshauptamt laufend die Zustimmung des Auswärtigen Amtes Ribbentrops zur Judenvernichtung übermittelt habe. Zahlreiche ehemalige Kollegen Rademachers, teilweise selbst Belastete, sind als Zeugen geladen. Der Erste Staatßanwalt Amrhein vertritt die Anklage. In Jerusalem hat Eichmann laufend auf die gute Kooperation der zuständigen Beamten von Ribbentrop hingewiesen. In Nürnberg war Rademacher mehrfach vernommen worden. Er hat sich aber niemals zu einem nicht nur imstande ist, ßich gegen den Ansturm seiner feindlichen Nachbarn erfolgreich zur Wehr zu setzen, sondern sein Land aus dem Elend und der Not durch eigene Tatkraft und mit der Hilfe seiner Freunde zu einem Staat mit „hohem Lebensstandard“ zu entwikkeln, obwohl ihm kein Tag des Friedens vergönnt war. Zu dießem Frieden sollten s;ch auch die Grossmächte cntschliessen, der die Voraussetzung für die Herstellung moderner Lebens- und Arbeitsmethoden in allen Ländern dieses Gebietß ist Geständnis durchgerungen. Am 14. Oktober 1947 befragte ich ihn; „Schämen Sie sich nicht, in einer solchen Situation gewesen zu sein?“ Rademacher; Ich wollte r.ur das Beßte. Kempner: Warum sind Ihnen Tränen in den Augen? Sagen Sie es ruhig. Es ist besser, weinen Sie sich ruhig aus. RademaGher: Ich will mich nicht ausweinen. Kempner: Warum haben Sie Tränen in den Augen? Weil Sie das bedrückt? Ist das ßo? Rademacher: Nach dem, was ich heute weiss, ist es doch klar. Ist doch selbstverständlich für jeden Menschen. Kempner: Das ist garnicht klar. Eg gibt hartgesottene Sünder und welche, wie Gauleiter Bohle, der aufstand und gesagt hat: „Ich konnte nicht anders.“ Ich will wissen, wie wir Sie zu klassifizieren haben. Die Tatsachen weiss ich alle, dazu brauche ich Sie nicht ., Rademacher: Jawohl.“ In Nürnberg sollte Rademacher von den USA wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit — das hießs wegen seiner angeblichen Mitwirkung als Schreibtischtäter an der „Endlösung“ der Judenfrage — angeklagf werden. Wegen Verkürzung der Nürnberger Prozesse wurden seine Akten aber der Bayerischen Justiz übergeben und das Bayerische Amtßgericht erliess am 1. September 1948 gegen Rademacher einen Haftbefehl wegen angeblicher Mittäterschaft bzw. Beihilfe zum Mord. Nachdem er vom Schwurgericht in Nürnberg in einem vom Bundesgerichtshof aufgehobenen milden Urteil nur wegen Teilnahme bestraft worden war, flüchtete Rademacher in den Nahen Osten, hielt sich lange in Syrien auf, kam mit den dortigen Behörden in Konflikt, als ihn Eichmann- Mitarbeiter Brunner der Spionage beschuldigte. Rademacher stellte sich später den deutschen Behörden, nachdem er mittellos und krank geworden war. Einladung New York. — Als Metropolit Nikodim aus Moskau kürzlich in New York weilte, wurde er von einer Delegation des Synagogue Council besucht. Er erklärte, dass er keinen Grund sehe, warum Oberka’obiner Jehuda Leib Levin nicht nach New York kommen könne, lehnte eß aber ab, ihm eine Einladung zu überbringen. Er erklärte, dass alle christlichen Gemeinschaften mit ihren internationalen Körperschaften Kontakte pflegen können. Er sprach mit der Delegation hebräisch und russisch. Oberrabbiner Levin wird nun eine direkte Einladung nech Amerika erhalten. Impreso et. la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831 Registro de la Propiedad Intelectual N* J47 226