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Jüdische Wochenschau · 1968-03-22 · 2260 (22.3.1968) · p. [Seite 8]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
29 (1968)
Issue
2260 (22.3.1968)
Date
1968-03-22
Page
[Seite 8] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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Concesión 908 FRANQUEO PAGADO Z c m o at TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 Año XXIX BUENOS AIRES, VIERNES 22 DE MARZO DE 1968 m 226« EL EJEMPLAR en toda la República qjva"* PUEYRREDON 2190 1® izq. Buenos Aires T.E. 83- 2613 Antisemitische Welle in Polen New York. — Der Präsi deat des Jüdischen Welt kongresse«, Dr. Nachum Goldmann, veröffentlichte folgende Erklärung; ,,Es ist meine Pflicht, im Namen des JWK gegen die schänd liehe Propaganda zu protestieren, in der polnische Po litiker und die Presse Po lens Juden und Zionisten als Anstifter der' gegenwärtigen Unruhen in Polen brand marken. Dies ist die grösste Verleumdung der kleinen jüdischen Gemeinschaft Po lens, die heute nach der Ermordung von Millionen ih rer Mitglieder durch die Nazis nur noch 20.000 Seelen zählt. ,,Es ist unfassbar, das« die politische Regierung den Missbrauch der Juden als Sündenbock für ihre augenblicklichen inneren Schwie rigkeiten zulässt und diesen Versuch zur Wiederbelebung de« traditionellen Antisemitismus in den einstigen reak tionären Kreisen in Polen nicht verurteilt. Die Juden in der ganzen Welt sind über diese Kampagne zu tiefst besorgt, denn sie könn te zu einem Ansporn für die antisemitischen Elemente in anderen Ländern ausarten.4' WARNENDE STIMMEN Waehington. — Der republikanische Deputierte fii»* Illinois, Edward J. Derwinski, der einer polnisch Christ liehen Familie entstammt, warnte im Parlament, dass ,,das kommunistische Regime in Warschau sich de« Antisemitismus bedient, um gerechtfertigte Proteste zum Schweigen zu bringen“. Der Korrespondent de*' ..Washington Post“ aus Warschau beschuldigt die kom munisti«chen Führer Polens, die Erregung im Volk auf die Juden abzulenken, disie für die Unruhen im Land verantwortlich zii, machen versucht. AUS LONDON VERLAUTET ln einem Kabel des war schauer Berichterstatter? des „Guardian“, Victor Zor za, heisst es u. a.: ,,Es mag stimmen, da«s jüdischer Einfluss bei den Unruhen mit spielt, denn die Söhne frühe rer hoher Beamter haben die Rebellion der Studenten und Intellektuellen geschürt und viele dieser Beamte» waren Juden, zumeist heftige Stalinisten. Seither haben sie sich beruhigt und sind , liberale“ Kommunisten gef worden, und die konservati ven Kreise haben in den an tisemitischen Argumenten jetzt einen Knüppel gefunden, um auf die Liberalen einzuschlagen.“ Aus glaubwürdigen Quellen wird von Massenverhaftungen von Juden in ver schiedenen polnischen Städten zur Abwürgung der Revolte der Intellektuellen be richtet. Der Prozentsatz von Juden unter Jen Verhafteten ist äusserst beunruhigt, wenn man bedenkt, da«s e<« in ganz Polen heute nur noch zwischen 10.000 und 20.000 Juden gibt, von denen 5.000 in Altersheimen leben. In einigen Schulen hat man die jüdischen Schüler verhört und zum Teil fest genommen. Einer der in Warschau verhafteten Studenten ist, wie aus gutinformierten Quellen verlautet, Alexander Smolar, der Sohn von Hirsch Smolar, des Herausgebers der „Folksstimme“, der ein zigen jiddischen Zeitung in Polen. Eine andere verhaftete Studentin soll Katheri na Werfel, die Tochter de? berühmten polnischen jüdi gehen Dichters, sein. Der „Folksstimme“ wird zum Vorwurf gemacht, auf der ersten Seite die Rede von Jussef Kempa, des Chefs der KP, veröffentlicht und darin alle anti israelischen und antizionistischen Angrif fe ausgelassen zu haben. Kempa hatte die jüdischen Studenten angeklagt, zionistische und proisraelische Agitation in den Studenten- Örganisationen zu betreiben. Der warschauer Korrespondet der „London Times“ Richard Davy berichtete dass auf einer grossen Versammlung der Studenten de" Universität Warschau ein Teilstreik beschlossen und ein Appell an die Arbeiter verfastst wurde. Dieser Appell bezweckte, dem wüten ten Pressefeldzug entgegen zutreten, der den Arbeitern weismachen will, dass die Studenten von einer kleinen Gruppe von Schriftstellern und Zionisten gelenkt werden. RICHTIGSTELLUNG London. — Dem „Guardian“ ging die Nachricht aus Warschau zu, dass ei nige der rebellierenden Stu denten es al« eine Beleidigung empfanden, in dem Bericht des Korrespondenten Victor Zorza als Antisemiten hingest-ellt zu werden. Zorzu selbst schrieb hierzu folgendes: „Nichts lag mir ferner, als Derartiges zu be haupten, und ich bitte uir. Entschuldigung für dieses Missverständnis, das nur au« der unvollständigen Wiedergabe meiner Artikel herrührt. Meine eigene Meinung war in einem Absatz enthai ten, den der Guardian zu sp it erhielt, um ihn meinem Artikel an jenem Tag anzufügen. Ich schrieb, dass die warschauer Studentenschaft gegen den Versuch der Konservativen, den alten Anti semitismus im polnischen Mord an 400 Geistlichen Wegen der Ermordung von über 400 Priestern im Konzentrationslager Dachau, von denen eine grössere Anzahl wegen ihrer Proteste gegen die Judenverfolgungen oder wegen Fluchthilfe für Verfolgte in das Konzentrationslager eingeliefert waren, hat Oberstaatsanwalt Dr. Weiss vom Landgericht München 55 ein grosses Ermitlungsverfahren gegen den mutmasslichen Täter eingeleitet. Im ganzen sind im Konzentrationslager Dachau 2.800 Geistliche während der Nazizeit ein gesperrt gewesen. Die überwiegende Anzahl waren katholische Priester, darunter sehr .viele aus Deutschland. Oesterreich und Po'en aber auch 96 evangelische Geistliche — viele von ihnen aus Holland — und 16 griechischorthodoxe Geistliche. Von dieser Gesamtzahl kamen 1.093 ums Leben. Man liess sie entweder verhungern, brachte sie durch medizinische Versuche um, oder quälte sie zu Tode. Eine genaue Chronik über die Todesursachen wird innerhalb des Werkes von Benedikta Maria Kempner über die insgesamt während der NS- Zeit umgebrachten 4.000 Märtyrer-Priester erscheinen. Von den 1.000 in Dachau umgekommenen Geistlichen hat die Staatsanwaltschaft in München jetzt etwa 400 Fälle herausgegriffen, um die Verantwortlichen zu ermitteln. In der Untersuchung muss festgestellt werden, inwieweit die Täter durch ihre eigenen Handlungen für den Tod der Betreffenden durch besonders ruchlose Massnahmen verantwortlich sind. In den Kreis der Verantwortlichen dürfen auch diejenigen „Schreibtischmörder“ einbezogen werden, die die Ueberweisung der Geistlichen in das Konzentrationslager vorgenommen und dabei damit gerechnet haben, dass diese Art der Bestrafung, besonders von Aelteren und Kranken, praktisch den Tod bedeute. ROBERT M. W. KEMPNER Boyko tt gegen Jerusalem? Jerusalem. — Die Mitglieder des diplomatischen Korps werden aller Wahrscheinlichkeit nach auch die ses Mal die Parade am Unabhängigkeitstag boykottieren, wenn auch aus anderen Gründen als im vorigen Jahr, so berichten politische Beobachter. Im vergangenen Jahr hatten die Diplomaten es abgelehnt, bei der Parade zu erscheinen, weil ihre Länder Jerusalem nicht als Hauptstadt Israels aner kannten. Obwohl dia Einladungen zur Parade noch nicht verschickt worden sind, so vermutet man doch, dass die Diplomaten ihnen nicht Folge leisten dürften, weil ihre Anwesenheit die Anerkennung des wiedervereimen Jerusalems unter israelischer Oberhoheit bedeuten könnte. Die Parade wird sich durch Ostjerusalem bewegen. (ITA) Volk für ihre Zwecke wieder zu erwecken, energisch pro testiert und damit bewiesen hat, dass sie einer au« dem tiefsten Mittelalter stam menden Abirrung nicht erliegt. Im Krieg haben vielc- Polen ihr eigenes Leben aufs Spiel gesetzt, um Juden vor den Gaskammern zu retten, sie haben Juden vor den Konzentrationslagern bewahrt und jüdische Kinder erzogen, deren Eltern von den Nazis erschlagen v/ur den. Dies ist die Tradition, zu der sich heute ganz Polen bekennt, wenn es nicht seinen guten Namen und seinen Platz unter den zivilisierten Völkern Europas verlieren will. Nach der Ausrottung von C Millionen Juden durch. Hitler kann heute kein Volk mehr den Antisemitismus auf seine Fahne schreiben, ohne sich der Gefahr auszusetzen, von der ganzen Welt verurteilt zu werden.“ „WAS IST ZIONISMUS?“ London. — Ir. einem „Was ist Zionismus?“ betitelten Artikel in dem Parteiblatt „Trybuna Ludu“ heisst es, dass der Zionismus „ver sucht, die Juden davon zu überzeugen, dass ihr Platz nicht unter den Nationen ist, unter denen sie seit Jahrhunderten leben“. Die Zionisten würden vielmeh*' die Assimilation der Juden in anderen Ländern verhindern wollen und „die Klutf zwischen den Juden und den anderen Völkern“ zu vertie fen versuchen. „Sie säen nationalen und rassischen Un frieden in der Arbeiterklasse“, schreibt die Zeitung. Der Leiter des Politbüros Eduard Gierek bestritt in einer öffentlichen Versammlung, dass die polnische Regierung antisemitisch sei. Hierauf stiess er Drohungen gegen die „Feinde Polens“ aus, die „vernichtet werden würden, selbst wenn eie vom internationalen Zionismus geschützt werden“. Gierek sprach vor 100 000 Menschen in Kattowitz und erklärte, die polnische Jugend sei nicht für die kürzlichen Unruhen verantwortlich, denn diese wären von einer kleinen Schar „politischer Aben teurer“ angezettelt worden. „Kameraden“, so rief er au«, „ihr kennt ihre Namen.“ Trotz dieser Unter Stellung verlas er anschliessend eine Liste jüdischer Namen von Studenten, die schon in der polnischen Presse verbreitet worden waren. Die Rede Gierek«, die im ganzen Land durch Television übertragen wurde, ent nielt auch Angriffe gegen die , Revisionisten“ — wie er die Juden an der Spitze bezeichnete —. die seiner Aussage nach die Schuld an den wirtschaftlicnen Schwierigkeiten der letzten Jahre treffe. (ITA) EIN PROTEST Die lateinamerikanische Exekutive des Jüdischen Weltkongresses hat auf ihrer Plenarsitzung am letz ten Wochenende die Resolution gefasst, sich der Erklärung des Präsidenten des JWK, Dr. Nachum Gold- Allianz *»n ALFRED WOLFMANIN „Israel wird nicht lange leben!“ verkündete die „Deutsche National- und Soldatenzeitung“ triumphierend. Es war ein Zitat aus einem Interview, das der irakische Staatspräsident Aret dem Herausgeber und Chefredak. teur des neonazistischen Blatte« Dr. Gerhard Frey, gewährt hatte. Mit Balkenüberschrift druckte das Blatt die kaum verhüllte Aufforderung aus Bagdad zum Völkermord. Und kein deutscher Staatsanwalt schritt ein. In dem Interview griff Aref die bundesdeutsche Politik mit diesen Warten an: „Besondere Umstände haben es leider mit sich gebracht, dass Macht heute gegen die Interessen des deutschen Volkes missbraucht wird. Als Folge steht die deutsche Politik nun gegen die arabische Nation“ Frey „tröstete“ den irakischen Staats Präsidenten mit seiner Prognose: „Doch die Verhältnisse in Deutschland ändern sich und Eure Exzellenz werden diese Aenderungen an den Wahlen von Jahr zu Jahr verfolgen können.“ Und er fügte hinzu: „Unser Volk hat die gleichen Ideale von Recht und Freiheit wie das arabische.“ Nachdem Aref seinerseits die arabischen Wünsche nach Einheit schilderte, sagte er wörtlich: „Israel wird nicht lange leben! Es existiert nur, um gewisse Dienste für die Kolonialisten zu leisten, und das wird kein dau erhafter Zustand sein. Wenn Israel die Zeitspanne seit. 1948 existiert hat, so bedeutet das nicht, dass es ewig bleibt. Israel existiert nur, solange Deutschland einem Protektorat gleich beherrscht wird.“ Dann sprach Aref den Dank der Araber aus gegenüber „jenen kommunistischen Staaten, welche uns bei der verbrecherischen israelischen Aggression beistanden.“ Und Frey stimmte dem mit den Worten zu: „Jedenfalls bei der Israel-Aggression haben kommunistischen Staaten in der Tat den Arabern gegenüber eine bessere Haltung eingenommen als westliche Staaten.“ In der gleichen Ausgabe der „Nationalzeitung“ wird von einer „internationalen Pressekonferenz“ berichtet, die Frey im irakischen Fernsehen als Starobjekt gab. Einträchtig sassen der Leiter der braunen „Nationalzeitung“, die in ihren Artikeln Naziverbrecher zu verteidigen pflegt, und die Vertreter der ostdeutschen Nachrichtenagentur ADN, der sowjetischen TASS und von Radio Moskau zusammen. Und der sonst so rabiate Antikommunist, dem die deutschen Grenzen von 1937 nicht ausreichen für seinen Plan eines künftigen einheitlichen Reiches, fing den kommunistischen Ball auf mit den Worten; „Ich muss Ihnen ein Kompliment machen: Die sogenannte Regierung der sowjetisch besetzten Zone hat sich in der Israel-Frage gut geschlagen.“ Man sieht: der gemeinsame Hass gegen den jüdischen Staat überwiegt alle ihre sonstigen Gegensätze. 1 NASSER BILDET SEIN KABINETT UM Kairo. — Aegypten« Präsident Nasser hat einige seiner ältesten Mitarbeiter verabschiedet und seine Regelung radikal umgebildet, so dass sie jetzt einen zivilen Charakter trägt. Ausser Nasser verbleibt nur einer der Männer, die dem Revolutions-Ausschuss vom Jahre 1952 angenörten, nämlich Vizepräsident und Vize Ministerpräsident Hussein Ei Fhafei, welcher weiter an der Spitze des Ministerium? für Religionsf ragen stehen wird. Die grösste Ueberraschung des neuen Kabinetts von 3.1 Mitgliedern ist das Fehlet: der Vizepräsidenten Zakaria Mohieddin und Ali Sabn Mohieddin war eine wichtige Figur in der Regierung seit der antimonarchischen Revolution von 1952. Nach dem Sechstagekrieg wurde er als der wahrscheinliche Nachfolger Nassers angesehen. Ein Regierungssprecher erklärte jetzt, dass Mo mann, voliinhaltlch anzuschlietssen und gegen die neue antisemitische Welle in Polen energisch Protest zu erheben. h;eddin „alle Aemter nie der gelegt hat“, lehnte jedoch ab, sich zu den Gründen für dessen Ausscheiden zu äussern. In eingeweihten Kreisen glaubt man, dass Mohieddins Rücktritt mit dem Zögern Nassers zusam menhängt, die Beziehungen zu den USA wieder aufzur.ehmen, die kurz nach Ausbruch des Krieges mit Israel im vergangenen Jahr abgebrochen wurden. Vorläufig wusste man auch nicht, ob Sabri zurücktrat oder aus dem Kabinett ent fernt worden ist. Er behält allerdings sein Amt als Ge neralsekretär der Sozialistischen Arabischen Union, der einzigen politischen Partei in der VAR, bei. In dem neuen Kabinett sitzen 12 Militärs, ein schliesslich Nassers und des Verteidigungsminister« General Mahmud Fawzi. Dies ist die niedrigste Zahl von Offizieren, seit das sozial! st’sche Regime vor 16 Jahren die Macht übernommen hat. Von den 14 kürzlich ernannten Zivilpersonen sind viele im Land nicht bekannt, und »sieben sind Universitäts Professoren. impreso ec la imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831 Registro de la Propiedad Intelectual N9 947 226

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