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Jüdische Wochenschau · 1968-03-15 · 2259 (15.3.1968) · p. [Seite 5]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
29 (1968)
Issue
2259 (15.3.1968)
Date
1968-03-15
Page
[Seite 5] (sequence 5)
Language
German, Spanish
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Vier»««. 8 *; Marsso d* IS68 SEMANA ISRAELITA A«» XXIX. — N“ 225S — 5 Eine Dichterin in Israel Ein neuer Name taucht in der deutschsprachigen Literatur Israels auf. Entgegen allen Prophezeiungen, dass die deutsche Sprache und Literatur zum Aussterben in Israel verdammt sind, erscheinen immer wieder Autoren. die aus den deutschsprachigen Ländern eingewandert sind, auf dem Büchermarkt. Ilse Ester Hoffe, die aus Troppau kommt, dem damaligen Oesterreich- Schlesien. legt Gedichte vor. die teilweise Gedanken und Empfindungen in ihrer neuen Heimat Israel spiegeln andererseits Erinnerungen m die Gegenwart hineinprojizieren. In Zürich, wo ich die Dichterin häufig traf, in Begleitung des Dichters Max Brod, dessen langjährige Mitarbeiterin und ideale Sekretärin sie ist, hatte ich kürzlich Gelegenheit, mit ihr über ihre Entwicklung und ihre Arbeit zu sprechen. Ihre Jugend war frei und glücklich. Sie erzählte mir. dass sie vier Geschwister waren, zwei Jungen und zwei Mädchen, und ein Team von „rechten Wildfängen“ bildeten. Der jüngere der Brüder, Othmar. Schüler und Assistent bei Prof. Bekking an der Prager Deutschen Universität, zeichnete sieh durch wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der Musikpsychologie aus. Frau Hoffe erzählte: ..Vater war Ingenieur, Oberbaurat der schlesischen Landesregierung, zuletzt Chef des Strassen- und Brückenbaus für Mähren-Schlesien. Gern gedenke ich der JnspeM.ion.sfahrten meines Vaters, der uns Kinder gelegentlich im :• Bcgierungsauto mit.nahm. Da und dort liess Vater anhalten. die Stra ssen wärter und Strassenmeister standen ha'b' acht. Vater stieg aus dem M'agen. untersuchte die im Bau befindliche Strasse, beklopfte die-am Wegrand, aufgehäuften Steine, gab An-* Ordnungen, und wir Kinder waren jahrelang der festen Ueberzeugung, dass die „Reichsstrassen“ im ganzen Land unser Eigentum wären, da wir Reich hiessen. Es gab 2U Hause stets ein freies, schönes, mitteilsames Familienleben, die Eltern, besonders die geniale, grosszügig und vislseitig veranlagte Mutter war unsere Freundin und Vertraute. — Ich besuchte das Troppauer Lyzeum, anschliessend, sprachgierig. verbrachte ich ein Studienjahr in Nancy und einige Monate in London. Später ging ich nach Prag, wohin auch unsere Familie umzog.“ Frau Hoffe machte in ihrer Erzählung eine kleine nachdenklich-ernste Pause. Leise fährt sie fort: ..Meine beiden wundervollen, edlen Eltern fielen den Nazis zum Opfer. Ich selbst konnte noch mit meinem Mann und den beiden kleinen Töchtern über Frankreich nach Palästina fliehen, wo wir mühsam genug eine neue Existenz aufbauten.“ Und nun spricht Frau Hoffe von ihrer so glücklich gefundenen Betätigung als Sekretärin und Mitarbeiterin von Max Brod. den sie in einem Ulpan kennenlernte: „Ich fand durch die Arbeit bei Max Brod die glückliche Gelegenheit und Musse zur Arbeit am Nachlass Kafkas, bereitete speziell den Briefband. die komplette Ausgabe der Tagebücher Kafkas sowie den Band der kleinen Erzählungen und Fragmente für die Gesamtausgabe vor. Ich hätte die Freude. gegen zwanzig Briefe Kafkas an seine Jugendfreundin Hedwig. meine .Tante Ilerzka“, aufzufinden, die jetzt die zeitlich frühesten Dokumente aus dem Leben Kafkas — von einem Jugendbrief an eine jetzt in London lebende Dame abgesehen — in dem erwähnten Briefband bilden. In der Zeit, da ich in diese Arbeit vertieft war, begann ich, meine ersten Gedichte und Prosaskizzen zu schreiben, die in Zeitungen und Zeitschriften der Schweiz und Deutschland gedruckt wurden.“ Ilse Ester Hoffe hat nun unter dem Titel „Gedichte aus Israel“ im entdeckungsfreudigen Starczewski-Verlag, München, eine kleine Auswahl dieser Gedichte und Prosaskizzen zum ersten Mal herausgebracht. Durch ihre intensive Arbeit am Nachlass Kafkas hat sie spürbar manchen unterschwelligen Einfluss des mystischen Dichters emp- I fangen. So ist ihre kleine unheimliche Prosaskizze „Das! weisse Mäuslein“ ein erre- | gendes Prosagedieht im Geij ste Kafkas geworden und! steht ebenbürtig neben typischen Skizzen wie „Tel Aviv nach einem Regen“, die dem Leser die israelische Landschaft malerisch vorgaukeln. Erschütternd und tief erletht ist, das Gedicht: „Die Erscheinung“, in welchem der von den Nation a Isozia listen ermordete Vater der Dichterin erscheint. Die Gespräche vieler, unzähliger ermordeter Eitern stehen in diesen wenige» Zeilen: Wie baten wir die Eltern mitzufliehn. Und du: Es tut dem Baum nicht nicht gut, wenn man ihn spät verpflanzt Aus Heimatboden, den die Wurzel fest umspannt. Ihr fällt damit den Baum. der Tod war ihm gewiss Ihr irrt! Was wird den alten Menschen hier geschehn! Gertrud Isolani Die Drusen in Mashdel Chams Es ist ein gespenstischer AnbJck. Die Dörfer und Städte in den syrischen Bergen zwischen dem See Geneznret und der Waffenstillstandslinie hinter Kuneitra sind tot und leer. Sieben Monate sind vergangen, seitdem der Blitzkrieg über diese karstigen Höhen fuhr. Er hat ein Land ohne Leben hinterlassen. Die Menschen sind vor dem Krieg geflüchtet. Sie haben leere Häuser, Ställe, Schulen und Strassen zurückgelassen. Verwahrloste Katzen und Hunde streunen herrenlos umher. E'ne Volkszählung hat kürzlich ergeben, dass im ganzen ehemals syrischen Gebiet in den Golan-Bergen nur noch 6.400 Menschen leben. Sie sind fast ausnahmslos Drusen, ein Arabervolk, das den Israelis nicht feindlich gegenübersteht. Allein die grösste Stadt auf den Golan-Höhen, Kuneitra, hatte vor Ausbruch des Ju ni-KHeges 20.000 Einwohner. Eingebettet in den Sattel der syrischen Berge, war dieser Ort von grosser strategischer Bedeutung. Hier war eine starke Garnison einquartiert. Kuneitra war Verkehrs- und Handelsknotenpunkt auf dem Wege in die Landeshauptstadt Damaskus. Heute ist es eine Gei sterstadt. Ausgestorben liegen die Strassen. Die Häuser sind leer und offen. In aller Hast haben die Menschen, die vor dem Kriege flüchteten, das Notwendigste zusammengepackt. Was sie nicht mitnehmen konnten, liegt wüst herum — Matratzen, Kissen. Bettgestelle, Geschirr, Sessel, Stähle, bunte Zeitschriften Kinderwagen und Spielzeug In einem Friseursalon an der Hauptstarsse liegt noch ein Rasierpinsel mit eingetrocknetem Seifenschaum. Den Spiegel hat ein Schuss zersplittert. Es ist — wie in einem bekannten Grimmschen Märchen —, als sei hier mit einem Schlage wie durch Zauber mitten im Leben alles in tiefen Schlaf gefallen. Die Menschen, -die hier gelebt haben, hausen nun irgendwo jenseits der Demarkationslinie in primitiven Flüchtlingslagern. Der Winter ist kalt in dieser Höhenlage. Geflüchtet sind die Syrer. Die Drusen sind geblieben. Sie haben sich nicht von Hassgefühlen aufpeitschen lassen. Sie wissen, dass schon seit 20 Jahren Drusen friedlich mit den Israelis Zusammenleben. Dort werden sie als gleichberechtigte Minderheit geachtet und geschätzt und dienen auch in der Armee. Die Drusen könnten einmal das Bindeglied zwischen Arabern und Israelis werden. Mashdel Chams ist ein Drusendorf am Hang des schneebedeckten Hermon- Berges, 14 Kilometer von Kuneitra. Hier herrscht ein anderes Bild als in der ausgestorbenen Geisterstadt Hier pulsiert das Leben. Die Geschäfte sind geöffnet. In HOTEL LAGO HW Inhaber: LEO KAHN RÍO CEBALL0S — SIERRAS DE CORDOBA CASILLA CORREO 34 Auskunft in Buenos Aires: 70-7018 — 70-2360 Anmeldungen für Pessach werden angenommen. —■..I ■ Ml | --- -- der Schule wird unterrichtet. Auf dem Sportplatz spie-; len die J-ungen Volleyball, i Mashdel Chams hat sich , nicht einschüchtern lassen. Es hat sich den Realitäten j nach dem 10. Juni 1967 angepasst. Doi'it. eine israelische Armee-Helferin ist an ihrem freien Nachmittag nach Mashdel Chams gej kommen. Sie gehört zu vielen Armeehelferinnen, die im ausgestorbenen Kuneitra Dienst tun. Aus der geisterhaften Leere der Strassen in ihrer Garnisonstadt hat es sie hierhergezogen in das bunte. Leben des Drusendorfes. Es gibt fast jeden Abend einen Film für die Soldaten and Helferinnen. Es sind meistens englische oder; amerikanische Filme. Man fand sie im verlassenen Stadtkino. Die jungen Israelis. die hier auf wahrhaft ' einsamem Posten stehen haben sich eine „Diskothek“ eingerichtet, die sie an den lebhaften Dizengoff-Boulevard in Tel Aviv erinnert Beat-Musik klingt durch die menschenleeren Strassen. Israelische Wissenschaftler forschen gegenwärtig auf den Golan-IIöhen nach Spuren jüdischer Besiedlung. Sie suchen Beweise für die Annahme, dass in den ersten sechs Jahrhunderten unserer Zeitrechnung Vorfall vn der wehrhaften Israelis von heute hier gelebt haben. Inzwischen haben jungt israelische Wehrbauern hier schon drei neue Siedlungen gegründet. (Heinz Schewe in der „Welt“) Neonazis Ravensburg. — Auf einer Konvention der SDP erklärte Willy Brandt, dass der Neonazismus der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD) nicht nur ein Verrat am deutschen Volk sei sondern auch „die deutsche Position in der Welt zerstört.“ Er versicherte, seine Regierung sei entschlossen, dieser Gefahr mit „drastischen Massnahmen“ z,u begegnen.. \d «*»-V Al inaugurar eh edificio propio en la cano Corrientes 2510 ( edificio del ex Banco Israelita dé! Rio la Plata) el Banco Comercial de Buenos Aires integra al servicio de la comunidad numéntal edificio especialmente SU actividad especifica ' desenvolvimiento desarrollo un mo>,^ diseñado para su que al contribuir a su uv representa su aporte al desai,„ dé las empresas e instituciones de nuestro país, BANCO COMERCIAL DE BUENOS AIRES El Banco' que ■siempre ofrece "■ '-o más' NUEVA CASA CENTRAL 1* CORRIENTES 25W > i Agencie N° 1 Av. Son Medí -ncJa N° 2 Av. Corrientes ‘.^9° ■r W

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