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Jüdische Wochenschau · 1967-10-04 · 2238 (4.10.1967) · p. [Seite 9]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
28 (1967)
Issue
2238 (4.10.1967)
Date
1967-10-04
Page
[Seite 9] (sequence 9)
Language
German, Spanish
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Mféroole«. 4 ém Oubrt«« 4e IM? SRNAir* »9KAKL1TA AA* XXV*». *. fl* 8»* — » Ein Mann ans ¡Leipzig von KURT KAISER-BLUETH Ein französischer Kollege hatte mir eine Elintrittskarte gegeben. ,,Streng persönheh“ stand fettgedruckt quer über diesem ..Sesam öffne - Dich £ür eine ,.interne Diskussion“ des ,,Studentenz;rkels zur Klärung der Judenfrage“ Eine verführerische Ankundi gütig auf dieser Karte versprach „das sehr interessante Expose eines ausländischen Freundes über gewisse historische Aspekte des jüdischen Problems“. Unten auf der Karte stand kleingedruckt: „Um unangenehme Zwischenfälle zu vermeiden, werden Juden, die versehentlich in den Besitz dieser Einladung gekommen sind (!), im eigenen Interesse gebeten, von ihr keinen Gebrauch zu machen.“ Nett, dass sie einem das vorsorglich sagen... Rue St. Sulpice, unweit von der Place Odéon im Heraen des Quartier Latin, im obskuren Hinterzimmer eines ebenso obskuren Hotels sind etwa zwanzig Herren verschiedener Altersstufen versammelt, die alle so Aussehen. als ob sie selbst oder ihre Väter einmal Mitglieder der ..Action Française“ gewesen seien. Sie tragen keine Uniform und grossen auch nicht mit ausgestrecktem Arm, aber es geht etwa« von jener kleinbürgerlichen- Verwesung von ihnen au«, die Fleisch vom Fleische des Na zismus ist. Keiner mustert mich argwöhnisch, und ich tue ganz so, als ob ich zur Familie gehörte. Auf einem kleinen Tisch liegen Zeitungen und Zeitschriften aus „Rivarol“, das Blatt der noch einmal davongekommenen Kollaboranten, „Aspects de la France“, die fahle Nachgeburt der ,,L’Action française“, „Minute“ das Skandalblatt der extremen Flechten, und .Nation- Euro pe“, das Blättchen der jungen französischen Neorazis. Der Versammlungs-Leiter, ein semmelblonder Mann mit stechendem Blick, der stottert, aber sonst sehr martialisch ist, spricht einige einleitende Worte und sagt, die letzten Wahlen hätten gezeigt, dass e,s mit der Firma „de Gaulle. FPmpidou Ftothschild, Judäa & Co“ zu En. de gehe. Er erwähnt u. a. den Juden Mendes, der ,.Indochina verschachert hat“, und Mitterand, der .den Bolschewisten das Bett macht“ Nach diesen aktueller Randbemerkungen machte er uns mit dem Clou des Abends bekannt, einem Mann aus der Deutschen Bundesrepublik, einem „Gesinnungsfreund, der im Jahre 1945 die Kerker und die Rache der Sieger erdulden musste“ Er werde, so erklärte der Versammlungsleiter, über die Ursachen des Antisemitismus im Dritten Reioh sprechen. Der Mann, der sich jetzt ganz links in der ersten Reihe erhob und, gefolgt von einem Uebersetzer, auf das kleine Rednerpult zuschritt, war ein Individuum in den Fünfzigern mit gescheiteltem angegrautem Haar und einem aufgedunsenen Gesicht. Er nannte sich Lohmann — ob er wirklich so hiess, scheint sehr fraglich — und sprach Deutsch mit betont sächsischem Akzent. Nach jedem zweiten Satz wurde der Text in sehr mittelmässiger Weise von dem Dolmetscher ins Französische übeisetzt. Der angebliche Lohmann brachte die uralten Schlager der Goebbels-Propaganda zu Gehör. Die Juden, so sagte er, beherrschten die Weimarer Republik, sie hatten die politischen Parteien (ausser der NSDAP versteht sic-h) gekauft, sie waren die Herren and Meister im Theaterleben, in dem die schmutzige Zote und eine Erotik ohne Scham, „beides dekadente Neigungen, die dem Juden eigen, tümlich sind“, den Ton angaben. Sie dominierten in absoluter Weise im Geschäftsleben und dirigierten souverän die Fresse, die sie in ihrem Sinne missbrauchten. Was die Literatur anging so war sie ihr reserviertes Jagd gebiet. Deutschempfindende Schriftsteller, mochten sie auch noch so begabt sein, hatten keinerlei Zukunftsmögliehkeiten. Oft blieb ihnen nichts weiter als der Hungertod. Die Ostjuden, die über die Grenzen strömten, frassen das deutsche Volksvermögen wie die Heuschrek ken. Das deutsche Volk wurde von den Juden ausgepowert und kolonisiert. Nicht Hitler, so schloss er, hat das deutsche Volk antisemitisch gemacht, die Juden selbst waren es, die durch ihre Zügellosigkeit und ihren Parasitengeist die Deutschen zu Antisemiten gemacht haben. Das ging so gute anderthalb Stunden lang. Am Schluss hatte der Gast aus der Bundesrepublik einen ebenso netten wie bezeichnenden Einfall. Er zog ein Exemplar der „Deutsche Nachrichten“, Hannover, des Zentralorgans der NPD und eine« der „Deutsche National- und Soldaten-Zeitung“, München, aus der Tasche und liess die beiden Zeitun- _ gen unter den Anwesenden herumgehen, damit die „werten Gesinnungsfreunde sehen sollen, dass der Geist des Widerstandes gegen Selbstaufgabe, Verlotterung und Kapitulationsseligkeit wieder zu erwachen beginnt" Nachher sass man noch ein wenig gesellig beisammen. Gesinnungsfreund Lotimann aus Hamburg (er ist gebürtiger Leipziger, lebt aber schon seit Jahrzehnten „an der Waterkant“) war überrascht und erfreut, in mir einen Gesprächspartner zu finden, der so gut Deutsch sprach. Er war erfreut, gewiss, verlor aber trotzdem nicht seine Vorsicht. In welcher Eigenschaft er hierher nach Paris gekommen sei, fragte ich ihn. „Oh“, sagte er lächelnd. „lein privat“. Auf einer Berufsreise. „Und da ich zufällig einen der Herren des S^udienzirkels kannte, hat man mich spontan aufgefordert, einmal über das Judenproblem aus deutscher Sicht zu berichten.“ (Rein zufällig und spontan, und dabei hatte er bei seinem Vortrag über die Juden unter Weimar ganze Bündel von „Material" aus seiner Aktentasche gezogen.) Was er von der politischen Situation in der Bundesrepublik halte, fragte ich inn. „Ah“, meinte er, „das ist eine reine Frage der Zeit. Wir kommen... wir kommen wieder. Das ist nicht aufzuhalten. Kiesinger und die lächerliche Grosse Koalition — das ist der letzte Rettungsversuch eines absackenden Regimes.“ WTir kommen wieder? Also muss er doch schon einmal dagewesen sein! Was schliesslich die Judenfrage angehe, so sagte Lohmann noch, so sei sie für die Bundesrepublik im Augenblick noch nicht sehr aktuell. Es seien so wenige, dass man gegebenenfalls schnell mit ihnen fertig würde. „Im übrigen“, sagte er schliesslich, plötzlich konziliant werdend. ,die französischen Juden sind nicht unsere Angelegenheit. Ich mische mich da nicht ein — schon aus geschäftlichen Gründen. Ich politisiere so- Schwesterstaedte Tel Aviv. — Zwischen dea. Städten Tel Aviv und Ph'iadelphia sind Abkommen getroffen worden, nach deieft sie in Zukunft als Schwerteretädte gelten sollen. Protest aus Prag London. — In einem erstaunlich offenen Manifest, das auf Umwegen ins \usr land gelangte, appellieren die tschechischen Schriftsteller an die öffentliche Weltmeinung und beschuldigen die kommunistischen Behörden, eine .ausgesprochen faschistisch gefät hte Hexenjagd“ gegen die Intellektuellen zu veranstalten, (ITA) Zusagen nur nebenberuflich" Hier kam ein fettiges Lachen auf sein sichtlich überernährtes Gesicht. und er zwinkerte mit den Augen, als suchte er einen Komplizen, „hauptberuflich bin ich in Textilien, und wir haben einige durchaus einwandfreie und zahlungskräftige jüdische Kunden in Frankreich," CRUCERO a bordo del Hotel Flotante i. s. T. HERZL CINERARIO Diciembre 1967 VIERNES 22: a las 10 ki. Salida de Buenos Ai! re*- — A lew It he.: Servicio religioso en la magnifican»«»*« adornada sinagoga de < la nave, — C*M Sabática. — A las 21.30 ¡ hs.: Cabala* Shabat en el Salón "Alinea ( land". Amplio programa alusivo. — SABADO 23: Día de navegación. — Se habilita.! rá la pileta de natación, juegos de puente, ¡ concursos y campeonatos sobre temas is- ( isRael Discount Bank ttö. m Pedro Pechersky S. A. I. C F„ ARTISED A FABRICA DE TEJIDOS DE RAYON FORRERIAS PARA LA CONFECCION DE PRENDAS DE VESTIR Av. DEL CAMPO 1570 BUENOS AIRES ADMINISTRACION.; T. E 52-886S CONTADURIA.: T. E. 52-7425 VENTAS y EXPEDICION .: T. E. 51-8454 J 172 raelíes y generales con premios. Conferen. cias alusiva«. — 20 hs.: Llegada a MAR PLATA. -—21 hs.: Habilitación de los salones para gran baile con orquestas y programa artístico. Durante la permanencia se organizará una excursión optativa para visitar Mar del Plata nocturno. Cine DOMINGO 24: Día de navegación. — Cine infantil, — Concursos — Juegos deportivos — Pileta de natación — Entretenimientos. — Concierto de mediodía — Concurso de bailes (israelíes) — Recepción ofrecida por el Capitán. — Cena. 20 hs.: L’egada a PUNTA DEL ESTE. Baile. 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