Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 28 (1967)
- Issue
- 2232 (25.8.1967)
- Date
- 1967-08-25
- Page
- [Seite 8] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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FRANQUEO PAGADO Concesión 903 EL EJEMPLAR en toda la República O u c TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 PUEYRREDON 2190 1» izq. Buenos Aires T.E. 83-2613 BUENOS AIRES, VIERNES 25 DE AGOSTO DE 1967 Ano XXVin. N» 2232 Juden in Araberlaendern Bel der bekannten Haltung Und Einstellung der Regierungen der verschiedenen arabischen Länder konnte man keinen Zwe'/el daran hegen, dass der Ausbruch des Israelisch * arabischen Blitzkrieges schwere and nachteilige Folgen für die jüdische Bevölkerung in arabischen Staaten haben werde. Obwohl nicht ein Fall bekannt geworden ist, ln welchem die israelische Regierung irgendwelche Zwangsmassnahmen Oder Repressalien gegen die arabische Bevölkerung Is- . raels für die verbrecherischen Ueberfälle oder sonstigen Schandtaten arabischer Eindringlinge getroffen hat. •nachte dieser Umstand keinen Eiindruck aux die arabischen Regierungen und änderte nicht ihr Vorgehen gegen die jüdische Bevölkerung In ihrer Hand. Aufgrund de« vorliegenden Tatsachenmateidyils, das aus den arabischen Ländern 6tammt und u. a. vom Jüdischen Weltkongress publiziert worden ist, seien hier einige Pakten angeführt, die ein be- •triibliehes Bild missbrauchter Macht zeigen. In Aegypten lebten im Jahre 1947 etwa 80.000 Juden, die j von ARIE ASHKENAS nach der Errichtung des Staates Israel schweren Ver folgungen ausgesetzt gewesen sind. Etwa die Hälfte dieser Juden verliess Aegypten bis zum Sinai-Feldzug (1956). Als auch nach diesem für die Aegypter blamablen Ausgang des Krieges neue Verfolgun gen der Juden in Aegypten einsetzten, wanderten weitere 25.000 Juden aus dem ungastlichen Mizrajim aus. Beim Ausbruch des letzten Krieges lebten noch 2.500 Juden dort, von denen 350 bis 300 Män ner. — Frauen wurden nicht hiervon betroffen, — sofort verhaftet und in Kerker geworfen wurden. Die Behandlung war menschenunwürdig. In kleine Zellen wurden bis zu 30 Menschen hineingepresst. Ete gab weder Sitznoch Schlaf - Gelegenheiten Nach zwei Tagen erhielten sie schmutziges Wasser zu trinken, Essen gab es erst nach drei. Tagen. Gefangene Juden, die ausländische Pässe hatten, wurden direkt vom Gefängnis zum Schiff gebracht. Es handelte sich meist um italienische :der griechische Juden, die ohne Hab und Guc abgeschoben wurden. Die beiden Rabbiner wur den unter Hausarrest gestellt. Naoh Mitteilungen grosser italienischer Zeitungen, unter ihnen ,,11 Giornale dTtalia“, befanden sich die Flüchtlinge in einem beklagenswerten Zustand, da die meisten von ihnen Torturen über sich haben ergehen lassen müssen. Mit dem italienischen Dampfer ,,Esperia“ kamen u. s. sieben Kinder an, die man von ihren Eltern getrennt hatte, die nunmehr von den Behörden gesucht werden. Reklamationen und Beschwerden, die an die UN gerichtet worden sind, blieben ohne Erfolg. Während sich ausser den UN und ihrer Unterorganisationen auch die Quäker um die „armen Gaza- Flüchtlinge“ kümmern zu müssen glaubten ist bisher nichts darüber oekannt geworden, dass sich die Quäker fiir die verfolgten Juden in den arabischen Staaten eingesetzt hätten... Auch die Lage der Juden in Libyen ist als äusserst gefährdet zu betrachten. Radio Kairo stachelt das Volk in Libyen auf, sich gegen s»ir>e Regierung und vor allem ge- Was sie in Prag vergassen v.n Kurt R. Gr.sumanu[* Moskau weist USA-Bürger aus Washington. — Sowjetrussland wies zwei nordamerikanisciie jüdische Touristen aus, weil sie öffentlich die Araber und die anti-israelische Politik Moskaus kri tisierten, wie aus offiziellen Quellen verlautete. 'Einer der Leiden Amerikaner, Rabbi Solomon Pieilich aus Mount Vemon (N. Y.), wurde am 13. August abtransportiert. Der Name des zweiten Besuchers war nicht zu erfahren. Rabbi Freilich wollte naoh seinem Besuch in Kiew, wo er aufgehalten wurde, nach Bukarest und Budapest reisen. Er wurde besohuldigt, die sowjetische Gastfreundschaft missbraucht zu haben. Man gestattete jedoch beiden Besuchern, die USA-Botsohaft telefonisch zu verständigen, bevor man sie an Bord eines Flugzeuges braohte, mit dem sie Russland verliessen. Wie amerikanische Gewährsleute betonten, überwachen die sowjetischen Behörden in letzter Zeit die Kontakte zwischen ausländischen Juden und russischen Bürgern noch strenger als früher. — Aus Mount Vernon wurde mitgeteilt, dass Rabbi Freilich in Israel eintraf. — (ITA) Entschädigung verweigert *•« ROBERT M. W. KEMPNER Nach fast dreissigjähriger Abwesenheit zu einem kurzen Besuch in die Tschechoslo wakei zurückgekehrt, bot sich mir Gelegenheit, den Unterschied zwischen der Haltung des Volkes und der Regierung im Nahostkonflikt zu beobachten, ' Was das tschechische Volk betrifft, so gewann ich den Eindruck, das« weite Kreise mit dem kleinen Land Israel sympathisierten. Das ist natürlich: das tschechische Volk weiss aus eigener Geschichte des „nationalen Befreiungskampfes“. dass kleine Völker gut daran tun, sich nicht den Technikern des Krieges“ Widerstandslos auszuliefern. f Sehr zwiespältig war dagegen die Haltung der tschelohoslowakischen Regierung Einerseits erklärte Minister- Präsident Lenart am 6. Juni bei einer Tagung des Verbandes tschechoslowakischer Frauen: „Wir hegen keinen Hass gegen die Bewohner von Israel.“ Gleichzeitig riet er Israel, sich „dem Einfluss des Imperialismus zu entziehen“ und mit den arabischen Völkern zusammenzuarbeiten. Aber er fügte hinzu: „Wir anerkennen und respektieren die Existenz Israels.** Diese Rede wurde als eine Konzession an die öffentliche Meinung des Landes betrachtet. Trotzdem brach die Regierung die Beziehungen zu Israel unter dem Druck der Sowjets ab. Diese Aktion wurde im Lande heftig kritisiert Der Vorsitzende des tschechoslowakischen Schriftstellerverbandes war in seinem Protest so weit gegangen, dass ein Parteidisziplinarverfahren gegen ihn eingeleitet wurde. Gerade die Tschechen können aus der Geschichte ihrer zweiten Republik unter der Führung eines ihrer Grossen, Thomas G. Masaryk, lernen, welche furchtbaren Folgen die Unterwerfung für ein Volk haben muss Es ist eine Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet die Tschechoslowakei als Freund der arabischen Staaten auch der de tacto-Freund seiner eigenen Todfeinde wird. Besonders lächerlich war die Haltung der tschechoslo. wakischen Kommunisten in Karlsbad. Hier, wo nur 30 indische Familien leben, kam es zu Demonstrationen gegen die Juden, von denen einige verhaftet wurden Die „Zionisten“ werden als die „neuen Kolonialherren“ und „Imperialisten“ charakterisiert. Scheinbar vollkommen vergessen wurde dabei die Tatsache, dass die Tschechen ih- Schusswech&el Tel Aviv. — Ein israelischer Militärsprecher meldete, dass transjordanische Truppen einen halbstündigen Schusswechsel mit einer israelischen Patrouille auf dem Westufer des Jordans provozierten. Die Transjordanier begannen das Feuer, das von den Israels erwidert wurde. Verluste wurden nicht bekannt gegeben. Der Schusswechsel fand etwa 50 km nördlich von der Damya-Brücke an einer Stelle statt, an der sich seit der Feuereinstellung am 10. Juni schon mehrmals ähnliche Zusammenstösse ereigneten. tschechoslowakische Republik wurde, wie man weiss, am 28. Oktober 1918 in Pittsburgh, USA, in Anwesenheit von Lokalvertretern aus Chicago, New York und vielen anderen Zentren tschechoslowakischer Emigration ausgerufen. Ohne die Unterstützung amerikanischer Staatsangehöriger tschechoslowakischer Herkunft, die damals viele Millionen Dollar sammelten, hätte es kaum eine selbständige Tschechoslowakei gegeben. Als der tschechi -slowakische Ministerpräsident in New York über „Israels Angriffskrieg“ sprach, erinnerte ich mich der Drohreden Adolf Hitlers gegen Prag, das sie ernst nahm, genau wie Tel Aviv es tat, als Nasser die „Zerstörung Israels“ ankündigte. Der Ablauf der Geschichte im Jahre 1938 ist bis München dem Israels parallei. Die tschechoslowakische Republik folgte den westlichen Staatsmännern, die sie Preisgaben, und glaubte, allein gelassen, nicht zum Schicksalskampf antreten zu können. Das kleine Volk am Jordan hat an dem tragisehen Beispiel des Volkes an der Moldau gelernt. Die Tschechoslowaken sind ein gutes, arbeitsames, freundliches Volk Ohne ein endgültiges Urteilt schon jetzt fällen zu wollen scheint es, dass diese Menschen den Lebensrhythmus der neuen Tschechoslowakei akzeptiert haben. Gerade deswegen ist es, wie gesagt, schmerzlich, das Land nicht an der Seite Israels zu wissen wie wir damals an seiner Seite standen, als München sein Schicksal ohne Widerstand besiegelte. gen den alten König Idris zu erheben. Da auch die Mehrheit der Lehrer in Libyen Aegypter sind, ist d »für gesorgt, dass die Jugend zu Gewalttaten aufgerufeu wird. Obwohl sich die Regierung von Libyen darum bemühte, in den ersten Junitagen die Ruhe aufrechtzuerhalten sowie die Ausländer und Juden zu schützen, kam es zu Gewalt taten. Juden wurden überfallen und die Lebensmitteldepots der Regierung beraubt. Bei den Unruhen sollen 17 oder 18 Juden sowie weitere neun Personen ums Leben gekommen sein... Die wohlhabenden Juden sollen die Möglichkeit zur Flucht nach Tunis oder Italien gehabt haben. 600 Juden, die in Tripolis leben und 200 in Bengasi wurden in Militärlager zu ihrem eigenen Schutz gebracht. Selbst in Tunis kam es zu antisemitischen Ausschreitungen. Dort leben heute mehr als 40.000 Juden. Studenten demonstrierten gegen die Botschaften aer USA und Grossbritannien, wo man Feuer anlegte. Jedoch intervenierten sofort Polizei und Feuerwehr. Im jüdischen Viertel kam es zu zahlreichen Gewaltakten, Plünderung von jüdischen Geschäften, Zerstörung jüdischer Wohnungen uud zu Brandlegungen. Die Inneneinrichtung der Synagoge soll vollkommen von den Flammen zerstört worden sein. Man ist der Meinung, dass diese Ausschreitungen in organisierter Form vor sich gingen, obwohl die Regierung dies abstreitet. Immerhin steht fest, dass die Pölizeikräfte keinesfalls mit der erforderlichen Energie eingeschritten sind. Nach diesen Vorkommnissen haben bereits viele Juden Tunis verlassen. Der König Hassan von Ma rokko evgriff nach dem Beranntwe,-iien de« Kriegsausbiuchs sofort scharfe Massnahmen, vm Ausschreitungen zu vermeiden und forderte die Bevölkerung auf, die Ruhe zu bewahren Nach der arabischen Niederlage wurden trotzdem zwei Juden ermordet; die Täter sollen, wie zugesagt wurde, zur Verantwortung gezogen werden. Die Opposition rief die Bevölkerung zum Boykott der jüdischen Geschäfte auf. Die Lage der Juden in Aden, der im Süden der Arabischen Halbinsel gelegenen britischen Besitzung, war äusserst gefährdet, bis es gelang, alle Juden zu evakuieren. Bereits vor dem Beginn des Blitzkrieges wurde ein Hotel, das Juden gehörte, in Brand gesetzt. Auch nach der Niederlage fielen arabische Banden in das jüdische Viertel ein, erschlugen einen alten Juden und versuchten, die Synagoge und jüdische Geschäfte zu plündern und anzuzünden. Einei der Brandstifter wurde von der Polizei festgenommen. Wenige Tage nach diesen Vor:ällen verliessen alle Juden unter dem Schutz der britischen Polizei das unwirtliche Aden. Die wenigen Juden, die noch im Irak leben, wurden nach einer Meldung aus Kai- Aus formalen Gründen hat der Bundesgerichtstof in Karlsruhe bedauerlicherweise in einem Muster-Prozess gegen die Firma Heinkel A. G. die Klage eines Zwangsarbeiters auf Arbeitsentgelt und Schmerzensgeld für seine Zwangsarbeit während des Krieges abgewiesen. Der BGH ist der Meinung, dass der An. spruch verjährt sei, obwohl das Oberlandesgericht in Stuttgart die Förderung des Zwangsarbeiters im Mai 1966 ro inhaftiert und unter dem Verdacht der Spionage schweren Verhören unter der Ieitung des Innenministers unterzogen. Weitere Einzelheiten sind bisher nicht bekannt. Die Syrer dagegen verhafteten die 250 Juden, die in Kamishlish leben, einer kleinen Ortschaft im Norden dieses Landes. Ein Juc’e wurde zum Tod verurteilt. Türkische Journalisten meldeten aus Damaskus, dass dort ein Pogrom stattgefunden habe 57 Juden, unter ihnen Frauen und Kinder, sollen ermordet woraen sein. 200 Juden sollen sich in Kerkern befinden. Die syrische Polizei half den Mördern. Die antijüdischen Ausschreitungen wurden nach sicheren Informationen von Provokateuren im diplomatischen Rang angestachelt und geleitet. Wie vom Jüdischen Weltkongress mitgeteilt worden ist, habe der irakische Chargé d’Affaires in Tunis die Massen aufgehetzt. In J jbyen und Aden waren ägyptische Agenten an der Hetze und den antiiiidischen Massnahmen beteiligt. Die situation der Juden in allen arabischen Ländern ist äusserst schwierig, selbst in Tunis. Denn dort hat sich gezeigt, dass selbst eine Regierung, die nien auf der Linie der Arabischen Liga steht, nicht .0 jedem Fall bereit ist. die Juden gegen Angriffsakte zu senützen und tatkräftig zu veiteidigen. Man darf annehmen. dass di» Fvakuierung der Juden aus den arabischen Lärdern mit Nachdruck weitergeh'. jedenfalls aus jenen Ländern, die einer Aus- Wanderung keine grösseren Schwierigkeiten entgegensetzen. dem Grunde nach für gerechtfertig erklärt und dem Verjährungseinwand nicht stattgegeben hat Der Prozess der fiir viele Fälle von Zwangsarbeitern als Musterprozess anzusehen ist, war von dem ehemaligen KZ- Häftling Edmund Bartl aus Augsburg wegen Zahlung von 10.000.— DM angestrengt worden. Bartl, von Beruf Jurist, hatte im Jahre 1941 gegen das Naziregime abfällige Aeusserungen gemacht und war mit zwei Jahren Gefängnis bestraft worden. Anstatt ihn zu entlassen, wurde er, von der Justiz an die Gestapo überstellt, in das KZ Saohsenhausen gebracht. Zusammen mit anderen Zfwangsar. beitern musste er in den Heinkel-Werken bei Oranienburg unter menachenunwürdigen Bedingungen zwei Jahre Zwangsarbeit leisten. Dafür bekam er zwar vom Bayerischen Entschädigungsamt die übliche Entschädigung. Das Arbeitsgeld und Schmerzensgeld für die Misshandlungen wurde ihm jedoch von den Heinkelwerken vorenthalten. Die^e Forderung hatte er 1950 angemeldet. Die Bundesregierung war dem Prozess im Interesse des Klägers beigetreten. Sie vertrat die Ansicht, dass solche Zwangsarbeiter — wie dies auch von der IG, Krupp, und Siemens durch besondere Vereinbarungen anerkannt worden ist, — auch Ansprüche gegen die betreffenden Firmen haben. — Der Bundesgerichtshof hat sich jedoch auf den Standpunkt gestellt, hier greife die kurze Verjährungsfrist für Arbeitsleistung von zwei Jahren durch und der Kläger habe diese durch seine verspätete Anmeldung verwirkt. Diese formelle Entscheidung ist höchst bedauerl'Gh, zumal man auch juristisch der Meinung sein kann, dass die betreffenden Firmen durch die nicht oder schlecht bezahlte Entlohnung der Zwangsarbeiter ungerechtfertigt bereichert seien, so dass die lange Verjährungsfrist von 30 Jahren für solche Ansprüche in Frage käme. Eis ist zu hoffen, dass in dieser Sache noch nicht das letzte Wort gesprochen ist, da auch noch verfassungsrechtliche Fragen ausgeräumt werdik können. Impreso an u Imprenta POLIGLOTA — Rivadavla 831 Registro de w Propiedad Intelectual N» 909 491