Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 28 (1967)
- Issue
- 2229 (4.8.1967)
- Date
- 1967-08-04
- Page
- [Seite 1] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9616703-9615794-9616051--4928-9616052- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
JÜDISCHE ÜIOCHEDSHU JüxJkmxMtaJsA&jelbta PUEYRREDON 2190 — 1* izq. Ano XXVIII. T. E. 33 - 26 1 3 BUBNOS AIRES, VIERNES 4 I»E AGOSTO DE UW7 2229 Gibt es Hoffnung auf Frieden Drohendes Chaos Wer bisher noch nicht verstandeil hatte, dass die Schicksale aller Völker miteinander aufs engste verbunden sind, wird in den letzten ebenso dramatischen wie tragischen Wochen der Zeitgeschichte erkannt haben, dass es keinen Frieden geben kann, solange die Klärung der fundamentalen Probleme unserer Gegenwart nicht erfolgt. Wohin auch unser Bliok auf die Landkarte fällt, überall brodelt es, als ob die Erde sich in einen einzigen Vulkan verwandelt hätte, der an vielen SteUen gleichzeitig zum Unheil aller Menschen ausgebrochen ist. Kein Kontinent, beinahe kein Land ist von der unmittelbaren Gefahr verschont, in den Abgrund herabgerissen zu werden. Was Menschenhand errichtet, wird durch Menschenhand wieder zerstört. Die zarten Ansätze eines Friedens unter den Nationen werden von politischen Leidenschaften, wirtschaftlichen Interessen und lange aufgespeichertem Hass .niedergewalzt, die Forderungen der Moral und der Gesinnung sind vergessen und mit der urwüchsigen, ungehemmten Kraft des Dschungels wird zerstört, was in mühsamer Arbeit aufgebaut worden ist. _ 'MiemflLnrf . wird die Schwierigkeiten verkennen, die immer bestehen, wo sich menschliche Gemeinschaft zu gemeinsamem Wirken zusammenfindet. Der Ablauf der Geschichte ist von solchen Zwistigkeiten, Spannungen, Auseinandersetzungen Streitigkeiten und Kriegen gekennzeichnet, die innerhalb aller Gesellschaftsformen bestehen, von der kleinsten Form, der Ehe, angefangen über alle Arten der Familien-, Sippen- und Stammes- Verbände zum Staat, mit allen denkbaren Zwischenstufen und Erscheinungsformen, bis schliesslich zu den Versuchen unseres Jahrhunderts, einen Völkerbund, einen Org&nismus der Vereinten Nationen, eine Art Weltregierung zu bilden. Bürgerkriege sind vielerorts ausgebrochen oder drohen, das Volk oder die Völker eines Staatsverbandes im Kampf gegeneinander aufzureiben, wobei wir nur an das Rote China oder Nigerien und viele andere souverän gewordene, junge Länder zu denken brauchen. Auch jene furchtbaren Rassenkämpfe, die jetzt zwischen den Weissen und den Schwarzen in den USA, toben, haben die Gestalt eines Bürgerkrieges angenommen, für den es von JEHUDA GOTTHEMER im Augenblick offensichtlich noch keine zum inneren Ausgleich und Frieden führende Losung gibt. Die Erschütterung, ■ die mit diesen Strassen- und Rassenkämpfen verbunden ist, muss sich wie ein Beben nach allen Saiten bemerksam machen und vertieft die ohnedies bestehenden Gegensätze, innerhalb und zwischen den Nationen. Deswegen soll niemand sich nur darin, dass er dem alten Volk der Juden den Weg zeigte, die „verschleppte Judenfiage" zu lösen, nioht nur darin, dass er sagte: „Niemand ist stark oder reich genug, um ein Volk von einem Wohnort nach einem anderen zu versetzen. Das vermag nur eine Idee. Die Staatsidee hat wohl eine solche Gewalt. Die Juden haben die ganze Nacht ihrer ÿSÎsiwK«! für alle Nationen, durch ihre Besinnung auf Menschenwiir. de aus dem Traum des Friedens einen taghellen Gedanke« zu machen. — III. Qebeck den Qebeckern MAHNMAL UND SYMBOL Der Autobus 9 fährt wieder der Illusion hingeben, dass es ihn nichts angeht, was in Nordamerika geschieht. II. Der 24. Tammus In dieser wahrhaft turbulenten Zeit ist selbst in der jüdischen Welt des 24. Tammus nicht hinreichend gedacht worden, an welchem im Jahre 1904 Theodor Herzl gestorben ist, nur 44 Jahre alt. Und doch ist Herzte Werk und Denken aktuell, das heisst gegenwartsnah, geblieben, obwohl durch die Erfüllung seines Traumes von der Staatwerdung Israels sein Streben gekrönt - und sein Ziel erreicht wurde. Herzls Bedeutung liegt keinesfalls WIEDERVEREINIGTES JERUSALEM Jerusalem. — Gespräche auf hohem Niveau fanden unter den Arabern statt, nachdem Israel sich geweigert hat, die Wiedervereinigung Jerusalems rückgängig zu m&ohen. In der El-Aksa-Moschee versammelten sich arabische Notabein, darunter der Bxbürgermeister der Altstadt, der Vorsitzende des religiösen muselmanischen Obergerichts und der ehemalig« transjordanische Botschafter in London. Sie verfassten eine Resolution, die sie an Israels Ministerpräsidenten Levi Eshkol, Religionsminister Wahrhaftig und andere hohe israelische Beamte sandten. In dieser Resolution erklären die arabischen Würdenträger, dass sie die „Annexion“ der Jerusalemer Altstadt nicht anerkennen, die „nur deshalb besetzt wurde, weil sie Teil des Königreichs Transjordanien war“. Sie beschlossen auch, ein neues muselmanisches geistiges Oberhaupt zu ernennen, und erklärten, sie würden in Zukunft nicht mehr den Text der Predigten ihrer religiösen Führer den israelischen Behörden vorlegen, wie sie dies seit der Wiedervereinigung der Stadt zu tun gehalten sind. (ITA) Geschichte hindurch nicht aufgehört, diesen königlichen Traum zu träumen: „Uebers Jahr in Jerusalem!“ ist unser altes Wort. Nun handelt es sich darum zu zeigen, dass aus dem Traum ein tagheller Gedanke werden kann “ — Herzl hat auch den Weg gewiesen, auf welche Weise die Verwirklichung dieses Ideals, dieses Programms, dieser Sehnsucht und Hoffnung vor sich gehen muss. Er hat verstanden, dass nur durch die Zusammenfassung der Kräfte ein grandioses, fernes Ziel erreichbar w'rd, und dass hierfür der einzelne Mensch, der einzelne Jude einen Prozess der inneren Wiedergeburt durchmachen muss. Der Faktor „Mensch“, der andere, der neue, der freie jüdische Mensch muss wieder jenes Selbstoewusstsein und jene Würde zurückgewinnen, die er durch zweitausendjähriges Ghetto- und Verfolgungsschicksal verloren hatte. Herzls Kampf war das Ringen um Menschenwürde Die Kraft einer Idee und die Möglichkeiten ihrer Realisie. rung können mr von Menschen entfaltet werden, die sich ihres Menschentums, im besten Sinne dieses Wortes, bewusst werden. Auch der Frieden unter den Völkern ist eine Idee, die gestaltende Kräfte auslösen können, wenn alle verstehen würden, was Menschentum und Menschenwürde bedeuten. In diesem Sinne wird Herzl nicht nur zum Visionär 'Unseres Volkes, sondern zum Mahner Das Auftreten des Generals de Gaulle in Kanada, das nicht nur in der weiten Welt, sondern auch in Frankreich selbst Aufsehen und Unwillen hervorgerufen hat, beweist einmal mehr, dass es sich bei den heutigen Differenzen und Spannungen weniger um Zänkereien zwischen Völkern als um eine moralische Krise der Führung handelt. Zu dem Konflikt, der durch das unverständliche Auftreten des französischen Präsidenten in Quebeck (Quebec) heraufbeschworen wurde, lag nicht die geringste Veranlassung vor. Es ist geradezu absurd, die alten kolonialen Zustände wiederherstellen zu wollen. Das will wohl selbst de Gaulle nicht. Aber die von Sentiments diktierte anti-amerikanische Politik des französischen Präsidentengenerals hat ihn dazu hingerissen, plötzlich eine Parole unters Volk zu werfen, welche gewisse separatistische Tendenzen, die völlig bedeutungslos sind, schüren soll. Einige Konsequenzen dieser Aufhetzung sollen bereits zu verzeichnen sein Wir würden dieses Vorkommnis nicht registrieren, wenn es nicht auf der neuesten Linie der von de Gaulle betriebenen Politik liegen würde, die ihn auch im israelisch-arabischen Konflikt zu einem plötzlichen, hundertprozentigen Frontwechsel getrieben hat. Dass de Gaulle weder für sein Abenteuer in Kanada noch für seinen Husarenritt gegen Israel Resonanz im französischen Volk gefunden hat, ändert nichts an den Tatsachen. — IV. Israels Araber Jüdische Neger- Gemeinde von JOEL LIDMANN FRÄNTZ Die erschreckenden Rassenkämpfe, die in den letzten Wochen nicht nur die gesellschaftliche Grundlage des nord« amerikanischen Lebens, sondern auch die innere Sicher« heit des Staates erschütterten, sind gewiss auf verschiedene Ursachen zurückzuführen. Dass hierbei kommunistisch« Einflüsse, vor allem aus Kuba, sowie Parolen der schwarzen Muselmanen eine Rolle spielen, dürfte kaum geleugnet werden. Mit diesen Hinweisen allein wird man der Sachlage jedoch nicht gerecht. Die Spannungen zwischen den USA-Weissen und USA-Negern reichen in euve Zeit zurück, in welcher diese Argumente noch nicht bestanden haben. Hier rächen sich die Sünden der Väter an Enkeln und Urenkeln... Während die Kämpfe zwischen Schwarz und Weiss in den Vereinigten Staaten toben, erreichte uns eine Nachricht aus Südafrika, dem „klassischen“ Land der Rassenstreitigkeiten, in denen es um Tod oder Leben geht. Eine aus 27 Mitgliedern bestehende jüdische Neger- Gemeinde hat sich in Dube bei Johannesburg gebildet. Der geistliche Führer der Gemeinde ist der 39jährige Jackson Mistehana, der schon zu mehreren anderen Glaubensgemeinschaften zählte, bis er „auf der Suche nach der Wahrheit“ zum Judentum kam. Mistshana nennt sich ,,Rabbi“, aber er wird nicht als Rabbiner anerkannt, da er kein wirkliches Rabbinatsstudium abgelegt hat. Die ganze Zwiespältigkeit jüdischen Lebens in Südafrika wurde in einer Erklärung offenbar, die der progressive Rabbiner Artur Saul Super (früher Jeusalem) abgab: .Jeder kann ein Jude werden, wenn er einen, entsprechendem Antrag stellt und sich beschneiden lässt. Rein theologisch gesehen, besteht überhaupt kein Problem, in der Praxis würde ich jedoch keinen Aufnahmeantrag eines Afrikaners empfehlen, da die Gesetze dieses Landes die Absorption in der weissen jüdischen Gemeinschaft verhindern“. — Diese Stellungnahme des weissen (aber nicht sehr weisen) Rabbis zeigen die Problematik des jüdischen Leb“na in Südafrika. Einem Menschen die Aufnahme in die jüdische Gemeinschaft zu verweigern, weil er schwarzer Hautfarbe ist, widerstösst gegen das jüdische Gesetz Juden, denen Landesgesetze die Beachtung ihrer jüdischen Gesetze verbieten, sollten das Land verlassen und nach Israel übersiedeln, was den südafrikanischen Juden aus vielen Gründen und von vielen Seiten bereits seit langem an geraten wurde. Jedenfalls ist das Judentum die erste Gemeinschaft gewesen, die den Grundsatz aufstellte, dass jeder Mensch im Ebenbild Gottes geschaffen wurde. Dieses Prinzip höchster Humanität muss über die Rassengesetze der südafrikanischen Regierung gestellt werden und als Richtschnur unseres Lebens gelten. Abba Eban vor der Knesset Dass die weltpolitischen Auseinandersetzungen und der Machtkampf zwischen den verschiedenen Grossreichen bisher eine Verständigung im Mittleren Osten verhindert haben, trat nach dem siegreichen Sechs-Tage-Krieg Israels gegen seine angreifenden Nachbarn noch deutlicher als vorher in Erscheinung. Denn Israel hat mit seinem militärischen Erfolg an allen Fronten nicht nur Aegypten, Syrien und Transjordanien besiegt, sondern gleichzeitig dem Westen einen grossen Dienst erwiesen, indem die russische Schutzmacht der arabischen Länder oder einiger untei ihnen, Prestige und Einfluss verloren hat. Der Kreml hat das sofort verstanden und seine un. glückseligen Konsequenzen gezogen, indem er versucht, die Araber zur Unabhängigkeit anzuhalten und sie wieder aufzurüsten. Dass damit das Problem für diese Staaten nicht gelöst werden kann, ist selbst den bisherigen arabischen Regierungen allmäh. lieh klar geworden. Eine der Folgen des israelischen Sieges und dpr notwendigen Besetzung einiger von den Arabern bisher okkupierter Gebiete ist die Tatsache, dass innerhalb der israelischen Grenzen rund eine Million Araber leben die (Schluss auf Seite 2> Jerusalem. — Aussenminister Abba Eban erklärte vor der Knesset, dass es vorläufig nur zwei Alternativen gibt, nämlich die heutige Situation aufrecht zu erhalten oder Frieden zu schliessen. Eban erschien zum ersten Mal in der Knesset seit seiner Rückkehr aus New York und London. Ueber den Status von Jerusalem berichtete der Aussenminister, dass die UN- Vollversammlung zu dieser Frage über zwei getrennte Resolutionen beraten hat, und gab der Erwartung Ausdruck, dass die Welt die „neue Wirklichkeit“ in der Stadt anerkennen wird, welche den vitalen Interessen ihrer Bevölkerung und den Aspirationen der ganzen Menschheit dient. Ate die drei Ziele der israelischen Politik im vereinten Jerusalem nannte er erstens die Unverletzlichkeit der Stadt, zweitens ihr Wohl und drittens ihre Heiligkeit. Trotz der „überwältigenden Machtfülle der Vereinigten Staaten und Sowjetrusslands“, führte er aus. „besteht die einzige Möglichkeit zur Aenderung der tatsächlichen Gegebenheiten in der Zone in einem Dialog zwischen den eigentlich interessierten Staaten selber. Die Abstandnahme vom Kriegszustand, zu der die Araber nicht willens sind, kann nur durch Taten bewiesen werden, und keine Deklarationen sind hier dienlich. Die Frage ist, wann die Araber bereit sein werden, mit Israel über den Frieden zu verhandeln.“ Eban lobte eine Erklärung des Staatssekretärs der USA, Dean Rusk, der betont hatte, dass die Staaten des Mittelostens keine von aussen kommende Regelung, die andere Mächte in Vorschlag bringen würden, akzeptieren könnten. Zu den Abkommen über die Feuereinstellung zwischen Israel und den arabischen Ländern bemerkte j Erklaerung Bourguibas New York. — Der tunesische Aussenmniister Chabib Bourguiba Sohn des Staatspräsidenten erklärte, die Araber haben augenscheinlich auch von ihrer Niederlage im Kriege mit Israel nichts gelernt. In einem Televisionslnterview sagte der Minister, er habe feststellen müssen, nachdem er sich mit den arabischen Repräsentanten in den UN unterhalten habe, dass sich in der Haltung der Araber nichts geändert habe. Erst wenn die Araber aufhören werden, sich an ihren eigenen irreführenden Worten selbst zu berauschen kann es eine Aenderung geben. Eban, dass Israel diese nach „Buchstaben und Geist“ zu beobachten beabsichtige. ET fügte hinzu, dass diese Verträge sich auf Gegenseitigkeit und Gleichheit gründen müssen und ganz besonders mit Hinblick auf den Suezkanal. (ITA) Noch eine arabische Konferenz Khartum (Sudan), — Eine Konferenz der Arabischen Liga wurde in Khartum einberufen. Das Treffen ist ein nochmaliger Versuch, die Einigkeit unter den Araberländern herzustellen, damit sie gemeinsam die wirtschaftlichen und politischen Probleme lösen sollen, denen sie nach der arabischen Niederlage :m Krieg gegen Israel gegenüberstehen. Die dreizehn Mitgliedstaaten der Liga haben die Entsendung ihrer Aussenminister zugesagt Tunesien, das sich lange Zeit aus der Arabischen Liga ferngehalten hat, wird seinen Justizminister Mongi Eli sehikken, Selbst Saudi Arabien und Transjordanien deren Monarchen in offenem Gegensatz zum VAR-Präsidenten Nasser stehen, werden auf dieser Konferenz vertrete» sein.