Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 28 (1967)
- Issue
- 2225 (7.7.1967)
- Date
- 1967-07-07
- Page
- [Seite 1] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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F PUEYRREDON 2190 — 1* izq. T. E. 83 - 26 1 3 Año xxvin. BUENOS ABRES, VIERNES 7 DE JULIO DE 1967 N'-> Der Weg zum Frieden Das UN-Büro für Hilfe und Rehabilitierung der Flüchtlinge wird nach einem Ueuereinkommen mit der Regierung Israels seine Akti/itäl in der Westzone des Jordan flusses und im Gaza-Streiten verstärken In dem Abkommen wurde vereinbart, dass die israelische Re* gierung der UN bei der Verfolgung ihrer Ziele im Rahmen der durch die Sicherh-its nassnahmen in diesem Gebiet gebotenen Einschränkungen ihre volle Mitarbeit leihen wird. Dem Personal des UN-Büros wurde Schutz, Brlc'ohterung bei Verbindungen und Transporten, Ausnahmen bei der Zollabfertigung und Lebensmittelversorgung zugesagt. Israels Ministerpräsident ILevi Bshikol erklärte in einem Interview mit den Berichterstattern der Fernsehnetze ver sohiedener Länder u. a. folgendes: ,,Mein Land hat soeben einen harten Kampf um seine Existenz bestanden Dabei' Möchte ich eine Erklärung abgeben. Wenn unsere Nachbarn auf ihrer feindseligen Politik beharren und weiter Pläne zu unserer Vernichtung schmieden, werden wir die Gebiete, welche sich unter unserer Kontrolle befir.- den und die wir fiir unsere Sicherheit und Selbstverteidigung als notwendig erachten, nicht räumen. Wenn dagegen die arabischen Staaten bereit sind, mit uns über den Frieden zu verhandeln und auf den Krieg gegen uns verzichten, so glauben ich, dass es kein Problem gibt, welches nicht durch direkte Verhandlungen zum Nutzen aller interessierten Teile gelöst werden kann. ,,Die Aussichten für direkte Verhandlungen sind heute besser, als während der letzten 20 Jahre, denn die ara bischen Staaten haben heute wahrscheinlich die Notwendigkeit erkannt, die Realitäten im Mittleren Osten in Rechnung zu ziehen. Sie haben es drei Mal mit dem Krieg versucht. Jetzt ist der Augenblick für sie gekommen, Frieden zu schliessen Im Laufe von zwei Jahrzehnten hat sich erwiesen, dass der sogenannte Waffenstill. Stand nicht der Weg zum Frieden ist und nicht den Interessen der in dieser Region lebenden Völker dient. Die Erfahrung hat ferner gelehrt, dass die Vermittlung Dritter nur wenig Bedeutung hat. „Wenu die Araber zum Frieden bereit sind, so liegt kein Grund vor aus dem sie es ablehnen sollten, mit uns hierüber zu sprechen. Wenn sie den Frieden wol'en, so wäre die Vermittlung Dritter nur ein Rauchschleier, hinter dem die Araberstaaten ihre Politik der Nichtanerkennung Israels und ihrer Feindseligkeit gegen unser Land forbsetaen würden. Die Schaffung des Friedens zwischen Israel und seinen Nachbarn würde ein für alle Mar die Benutzung der Flüchtlinge als ein Pfand kn. politischen Spiel ausschliessen und neue Bedingungen für die Lösung vieler Probleme henstellen. Ich hege d’e Ueberzeugung, dass die interna rionale Gemeinschaft zusammen mit den Ländern unserer Region, einschliesslich Israel, dann mit Erfolg eine wahrhaft humanitäre Lösung des Problems der Flüchtlinge finden würde. Dass Juden und Araber in Eintracht und Zusar’imenarbeit miteinander leben können, wurde während der jüngsten Krise weitgehend bewiesen, als die arabischen Einwohner Israels dem jüdischen Staat treu blieben und sich ebenso vor wie während der ernsten militärischen Probe, die wir ablegen mussten, als treue Bürger zeigten. Viele von ihnen boten freiwillig ihre Dienste auf verschiedenen Gebieten an und erfüllten ihre Aufgaben innerhalb der nationalen Anstrengung Auch verschiedene dmsische Einheiten schlossen sich uns an und nahmen aktiven Anteil am Kampf. „Ich möchte gleichzeitig die vorbildliche Haltung unserer Offiziere und Soldaten zu den Kriegsgefangenen betonen die in unsere Hände fielen. Nicht nur die Genfer Konvention wurde in allen ihren Bestimmungen strikt befolgt, sondern unsere Truppen bemühten sich darüber hinaus, den verwundeten Gefangenen und besonders jenen ihrer früheren Feinde Hilfe zu leisten, die verstreut, ohne Lebensmittel und ohne Wasser in der Wüste umherirrten. „Ich freue mich festzustellen, dass das Leben in den unter der Kontrolle der israelischen Verteidigungskräfte stehenden Gebieten wieder zur Normalität zuriickkehrt. Viele reguläre Dienste aus Friedenszeiten und die durch den Krieg unterbrochenen Aktivitäten funktionieren wieder, und er wurden schon die notwendigen Massnahmen getroffen, um auch die restlichen Dienste wieder einzurichten. Viele der Bewohner dieser Zonen helfen bei dieser Aufgabe mit. Wir alle hoffen, dass die Wunden der Vergangenheit bald geheilt sein werden. „Während der Kämrfe wurde alles nur Mögliche unternommen, um die den verschiedenen Religionen heiligen Stätten zu schützen und zu erhalten. Dies geschah sogar auf Kosten militärischer Konvenienzen. Wer die von uns kontrollierten Orte besucht, kann mit eigenen Augen feststellen, dass fast alle heiligen Stätten intakt ge blieben sind. Wir haben Verfügungen getroffen, um den freien Zugang zu den heiligen. Stätten den Mitgliedern aller Bekenntnisse an diesen Orten und in ganz Israel zu sichern. -.„Die Zukunft des Mitteiostens hängt nunmehr davon WIE ICH ES SEHE' Innenminister berichtet ab, was die Regierenden in diesem Raum ¿u tun bereit sind, am die Interessen ihrer Völker in Zukunft gu wahren. Es sind Anzeichen vorhanden, das zuminde'-t einige der arabischen Staatsmänner sich der Unmöglichkeit eines Versuchs zur Rückkehr zu den so lange Jahr? hindurch in dieser Region herrschenden Zuständen bewusst sind. In welchem Ma sse sie vorbereitet sind, diese blosse Erkenntnis in konkrete Begriffe uimzuwandeln, wird weitgehend davon abhätigen, dass a-idere Nationen in der Welt guten Willen zeigen und das Gewicht ihres Einflusses zugunsten direkter Verhandlungen zwischen den Parteien geltend machen. Diese Verhandlungen sind die einzige Hoffnung, zu einem wahren und dauerhaften Frieden in der Region zu gelangen Wir strecken unsere -Friedenshand all denen entgegen, dis zum Frieden bereit sind.“ Arabische Mordplaene gefunden Aus Israel wurde gemeldet, dass das Verteidigungshe-e.- bei der transjordanischen Heeresbrigade, deren Kommando in der Nähe von Ramalla stationiert war, Aktenstücke mit Plänen gefunden hat, in denen Ueberfäüe auf israelische Siedlungen, die Ausrottung der gesamten jüdischen Bevölkerung und die Zerstörung aller Anlagen und Gebäude befohlen wurde. Jeder einzelne Befehl bestimmt eine israelische Siedlung, die auf Anordnung des Kmwmandos des transjordanischen Sektors der Westzone der Aktion zum Opfei fallen sollte. Gleichlautende Befehle zum Angriff auf israelische Grenzkolonien zum Zweck ihrer Vernichtung und Ermordung1 aller Eiinwohner wurden als Geheimmaterial bei den übrigen sechs Brigaden der transjordanischen Armee in der Westzone gefunden. Ein jeder Befehl befand sich io einem Aktendeckel, auf dem ausdrücklich vermerkt war, dass ,der Befehl innerhalb des Brigadekcm mandos streng geheim zu halten und erst in dem Augenblick an die betreffenden Regimenter weiterzugeben sei, wenn das Oberkommando dieser Zone dies beschlossen werde. Jedes Aktenstück trug in arabischer Sprache die Aufschrift: „Befehl für Sonderaktion“. Den Instruktionen gemäss sollte in jedem Fal’ ein« Kompagnie Infanterie mit Unterstützung von Artillerie und Ingenieuren eingesetzt werden. Drei Einheiten sollten jeweils die Operation durchführen: eine sollte in den Ort eindringen, ihn zerstören und die Siedler ermorden, eine zweit« den Platz befestigen und eine dritte den Opfern alle Wege zur Flucht abschneiden. Die Befehle enthalte« klare und präzise Einzelheiten aller Phasen der geplanten Vernichtungsaktionen. von JEHUDA GOTTHEIMER Siegreiche israelische Soldaten in El Arisch Wie in den letzten Jahren so hat auch jetzt das deutsche Bundesministerium des Innern einen Bericht über die im Jahr 1966 beobachteten rechtsradikalen Bestrebungen in der Bundesrepublik veröffentlicht, der allgemeines Interesse hervorgerufen hat. Der umfangreiche Bericht ist sorgfältig ausgearbeitet und enthält viele Aspekte eines Problems, die besonders unsere Aufmerksamkeit hervorrufen müssen. Zwei Erscheinungen . des deutschen politischen Leben« stehen im Mittelpunkt der Ausführungen, die Entwicklung der NPD und die National-Zeitung und Soldaten Zeitung, deren Ton immer aggressiver wird In den letzten Monaten sind bereits vor der Abfassung des vorliegenden ministeriellen Berichte«, zahlreiche Publikationen erschienen, die sich mit der NPD und deren auffallenden Stimmenzuwachs besohäfti gen. Eine dieser Analyse» wurde vor einiger Zeit bereits hier erwähnt und erläutert Denn ohne Zweifel weist das Auftreten der NPD und Ihre Schwierigkeiten erhebliche Aehnlichkeiten mit der NSDAP und deren frühe politische Tätigkeit in den aufgeregten Jahren unmittelbar naoh dem Ersten Weltkrieg auf. Die Kritiker sind beinahe übereinstimmend der Auffassung, dass sich nicht wieder holen werde, was vor einigen 45 Jahren in Deutschland geschah. Es mag sein, dass Parallelen gezogen werden können, die äusseren Bedingungen aber würden ebenso we die jetzige politische Struktur der Bundesrepublik nach den von allen gemachten Erfahrungen eine Wiederholung der rechtsextremistischen Diktatur mit allen Folge-, Neben- und Begleiterscheinungen verhindern. Wie weit diese Prognose zutreffend ist, bleibe dahingestellt. Bisher hat noch niemand mit Sicherheit die Zukunft oestimmen können, sodass solche Voraussagen immer mit Skep sis und Vorsicht aufgenommen werden sollten. Bevor auf den Bericht näher eingegangen wird, seien jene Stimmen deutscher Politiker erwähnt, die weniger einen Ruck nach rechts, als einen solchen nach links befürchten, indem sie mit gutem Grund auf die gleichgelagerten Tendenzen und Voraussetzungen aller extreme»- Systeme hinweisen. die sich viel näher stehen, als dies durch die allgemeinen Bezeichnungen „ganz rechts“ und „ganz links“ zum Ausdruck kommt. Es gibt ein» Reihe von Erfahrungen, die uns gezeigt haben, wie leicht sich faschistische Totalitarismen mit roten Diktaturen zu verständigen vermögen. Ausserdem ist es eine nicht unbekannte soziol-»gische Erscheinung, dass die Massen ohne grosse Hemmungen oder sonstige Schwierigkeiten von einem ins andere Extrem, „geführt“ werden können und ohne scharfe Uebergänge die rote mit der brauner. Fahne tauschen... und umgekehrt. Man braucht nur die Deutsche Demokratische Republik (Ostdeutschland) zu betrach, ten, deren Heer vor früheren SS-Generälen ausgebildet und geleitet wird, deren Volksmassen früher „Heil Hitler“ und heute „Heil Moskau* schreien, um diesen sicherlich merkwürdigen, aber durchaus nicht seltenen Verwandlungsprozess zu versrehen. Nach allen diesen Erfahrungen ist es durchaus nicht ausgeschlossen, dass heute der Rechtsradikalismus dei Steigbügelhalter einer Entwicklung ist, die eines Tages zum Kommunismus ((ihren kann Diese Gefahr ist schon deswegen ernst, weil in manchen Kreisen, die sich nicht offiziell zum Rechtsradikalismus bekennen Tendenzen vorhanden sind die deutlich gegen eine scharfe Auseinandersetzung mit dem kommunistischen Gedankengut gerichtet sind die einen Kommunismus, Sozialismus, Leninismus und Marxismus ohne Marx predigen, wobei gleichzeitig gewisse antisemitische Gedanken eine Rolle spielen. Bei der Betrachtung all clieser Probleme wäre es falsch, sich an alte, inzwischen überholte Denkkategorien zu halten oder von „sicheren“ historischen, philosophischen, ökonomischen, geo poli tischen, religiösen oder pseudoreligiösen Vorstellungen auszuge hen. Die wiederholten Kata Strophen unseres Jahrhunderts haben alle Fundamente der sittlichen oder sozialen Wertungen erschüttert. Rassentheorien stehen inzwischen nicht mehr hoch im Kurs, werden aber doch auch heute noch im Rahmen der Auseinandersetzungen eingeflochten, was meistens zu den bekannten Verzerrungen Ve-r anlassung gibt bei deren bewusster Produktion oer Nazismus den Mythos vom Blut geschaffen hat und sich damit ein „wissenschartlich-po- Israelische Verluste Jerusalem. — Die israelische Regierung hat eine berichtigte Liste der m dem letzten Krieg Gefalle nen herausgegeben, die die Zahl der Toten mit 730 angibt. Die Zahl der Verwundeten beträgt 2 800 von denen einige ständige Körperschäden davontrugen. Frühere Ziffern spra ohen von 679 Toten und 2.500 Verwundeten. (ITA) litisches“ Alibi für sein« Mordexzesse suchte. So wer,len zwar Marxens Theorien von einigen ,,Ge« Schichtsforschern“ ‘akzeptiert, Marx aber abgelehnt, da er Jude sei, im übrigen aber seine Lehren nicht von ihm, sondern von Engels stammen würden, dessen Gedanken von Marx übernommen und von ihm unter seinem Namen publiziert worden wären... —Die angerich^ete Verwirrung der Begriffe entspringt einer Abischt. Denn nur dort, WO Unklarheiten bestehen, haben rechtsradikale Bestrebungen eine Chance auf Erfolg. Das Bundesnrnisterium des Innern bezeichnet solch» Gruppen als rechtsradikal, die „ein glaubwürdiges Bekenntnis zur freihetlichen demokratischen Grundordnung vermissen lassen und bei denen Anhaltspunkte dafür vo.’liegen, dass ihre Ziele und Tätigkeit gegen d*e verfassungsmässige Ordnung gerichtet sind oder das« sie ve*. fassungsfeindiiche Bestrebungen fördern“. Die als solche bezeich rieten Gruppen verwahren sich in ihrer Mehrheit gegen diese Charakterisierungen. Man wird nicht bestreifen können, dass diese Definition de« Rech tsradikalismiL. ungenau und wenig scharf ist Denn die Frage der Verfassungsmä- (Schluss auf Beite 2> Antwort an Gomulka Tel Aviv. — Die polnisch-israelische Freundsehafts- Jiga veröffentlichte eine Erklärung, in der dei Entschluss der Regierung Polens, die diplomatischen Bezie. huhgen mit Israel abzubreohen, scharf verurteilt und Protest gegen die feindseligen Aeusserungen des Ministerpräsidenten Gomulka und die von der polnischen Presse entfesselte Hasskampagne gegen Israel erhob»»' wird. In einem Teil seiner Rede hatte Gomulka erklärt er könne „verstehen, dass die Araber Israel vernichten wollen“ Diese Worte, so heisst es in dem Memorandum der Liga, sind umso schwerwiegender, da sie in Polen dem Land, in dem unter der Naziokkupafc-on mit der aktiven Beihilfe vieler Polen 3.000.000 Juden ermorde“, wurden, ausgesprochen worden sind \