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Jüdische Wochenschau · 1967-06-02 · 2220 (2.6.1967) · p. [Seite 8]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
28 (1967)
Issue
2220 (2.6.1967)
Date
1967-06-02
Page
[Seite 8] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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Für diese Presse scheint es deshalb auch ganz selbstverständlich kein Wort des Protestes dagegen zu erheben, dass in Aegypten und Syrien Nazi - Schwerverbrecher Zuflucht fanden und von dort »vis 'hre antijüdische Srrei- ©her-Propaganda im Aufträge ihrer neuen arabischen Bosse we’terbetreibeu. Kein Wort war bis heute ln der gesamten ostdeutschen Presse darüber zu finden, dass der berüchtigte KZ-Arzt Eiseie in Kairo willkommenes Asyl fand oder dass der Eichman - Gehilfe Radema. eher jahrelang in Syrien sich 6einer Freiheit erfreuen konnte. Für diese ostdeutschen Zeitungen sind Syrien Und Aegypten .sozialistische' Und .fortschrittliche* Länder. Obwohl es ein wirklicher So zialist einigermassen schwer hätte, in diesen Ländern eine Spur von Sozialismus zu Sehen. Auch die Tatsache, dass Sie arabischen Staaten ganz offen ihre Absicht erklären, den Staat Israel auszuradieren — und damit den Völkermord proklamieren — hindert die DDR nicht daran, Sich bei den Arabern auf Kosten Israels anzubiedern. Einige Kostproben aus der presse der DDR: ' Am 5. April 1967 brachte Has offizielle Organ der kom. munistischen „Sozialistischen Einheitspartei“, das „Neue Deutschland“, einen Artikel unter der fettgedruckten Ueberschrift; ,,Kiesinger verstärkt Kollaboration mit Israel“. Darunter der Untertitel; ..Ergebnis dei Geheimqrerhandlungen: Zwei Milliarden DM »Wirtschaftshilfe* für Regierung in Tel Aviv“ In dem Artikel hiess es: ’ „Dem Ausbau des imperialistischen Vorpostens Israels gegen die Staaten der Arabischen Liga diente eine Besprechung, die der Hamburger Zeitungs- König* Axel Springer gelegentlich seines Besuches von Jerusalem mit ¡dem israelischen Staatspräsidenten Shazar hatte. Bei den geheimen Verhandlungen im März zwischen Vertretern der Bonner und der israeliscnen Regierung ging es auch um eine Erhöhung des westdeutschen Kreditlimits, das nach den Vereinbarungen aus dem Jahre 1966 jährlich 200 Mil- * lionen DM für die Dauer von gehn Jahren betragen soll. Diese Vereinbarung war als Fortsetzung des Abkommens zwischen Bonn und Tel Aviv sus dem Jahre 1953 abgeschlossen worden. Dieses Abkommen war mit westdeutschen Warenlieferungen dar- 1 van Alfred Wolfmann unter auch zahlreichen Rüstungsgütern lür die israelische Wehrmacht, im Gesamtwert von 3.2 Milliarden DM bis Ende 1966 restlos erfüllt worden und hatte — wie von arabischer Seite mehrfach oetont wurde — bedeutend zur wirtschaftlichen und militärischen Stärkung Isra. eis beigetragen. Das prinzipielle Abkommen über die weitere .Wirt schaftshilfe“ Bonns an Israel nach dem Auslaufen der Reparationsleistungen war 1960 zwischen Adenauei und dem damaligen israelischen Ministerpräsidenten Ben Gurion bei einer Unterredung im New Yorker Astoria-Hotel zustande gekommen. Es wird auch von der Kiesinger- Strauss-Regierung akzeptiert. Die langfristige Bonner Wirtschaftshilfe' von zwei Milliarden DM für Israel wird in der Hauptsache in einer .Atom'-Anleihe beste, hen. Die israelische Regierung ist mit Unterstützung der USA stark am Bau einer Atomanlage in der Negew- Wüste interessiert. Hier soll wie im westdeutschen Atom- Zentrum Karlsruhe auch atombombenreines Plutonium anfaden. Neben den USA ist die Bundesrepublik an der Finanzierung dieser Anlage beteiligt.“ In einem anderen Bericht am gleichen Tage veröffentliichte das „Neue Deutschland“ auf der ersten Seite einen weiteren „enthüllenden“ Bericht mit der bezeichnenden Ueberschrift: „Bonn öffnet Israel die EWG-Tür — Sonderbemühungen bestätigen antiarabische Regierungspolitik.“ Der „Bericht“ sagt u. a.: .Entgegen scheinheiligen Versprechungen an die Arabische Liga verstärkt Bonn seine antiarabischen Sonderbeziehungen zu Israel weiter. Nach umfangreichen Geheih. Verhandlungen im März über verst ä: kte , Wir tsch a f tshil f e* konzentrieren sich jetzt die Bemühungen des Kiesinger- Strauss-Kabinetts darauf, einen Anschluss Israels an die EWG durchzusetzen... Arabische politische Beobachter weisen darauf hin, dass sich Bonn damit erneut als Heuchler enthülle und als Feind der Araber bestätige.“ Dabei macht die Zeitung sich nicht einmal die Mühe, zu erklären warum es ein reaktionäres Verbrechen ist, dass Israel sich mit der „Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft'* verbinden will. $8NiV- DIE ZEITEN haben äich geändert: Israels Botschafter Ben Nathan sprach vor Offizieren der Bundeswehr. Im Hintergrund sind die Flaggen der Bundeswehr und des israelischen Verteidigungsheeres zu sehen. Der Fall Katzenberger Nach einer masslosen Hetze in dem üblen antisemitischen Schmutzblatt „Der Stürmer“ des Nürnberger NS- Gauleiters Julius Streicher wurde im Frühjahr 1942 der damalige Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde i in Nürnberg, der 68jährige Leo Katzenberger vom Sondergericht in Nürnberg wegen seiner angeblichen Beziehungen zu einer „arischen“ Frau zum Tode verurteilt und hingerichtet. Es war ein glatter NS-Justizmord. Jetzt hat die bayerische Staatsanwaltschaft in Nürnberg die beiden damaligen beisitzen, den Landgerichtsräte des Sondo-gerichts wegen Totschlags angeklagt. Der Fall des unschuldig Hingerichteten Juden wird also nach 25 Jahren noch einmal auf gerollt. Der Justizmord an Katzenbergei hat schon vor 20 Jahren, im Jahre 1947, im Nürnberger Juristenprozess eine wichtige Rolle gespielt. Damals hatte sich der Vorsitzenv«n ROBERT M. W. KEMPNER de des ehenmaligen NS-Son- > lerisch wiedergegeben dergerichts. Landgerichtsden. Als Katzenberger direkter Oswald Rothaus, wegen mehrerer widerrechtlieher Todesurteile zu verantworten, die von der amerikanischen Anklagebehörde - als Verbrechen gegen die Menschlichkeit angesehen wurden und nach dem deutschen Strafgesetzbuch unter den Mordparagraphen gefallen wären. Rothaug wurde zu lebenslänglicher Freiheitsstrafe verurteilt, dann zu 20 Jah. ren begnadigt und in den fünfziger Jahren allzu früh aus der Haft entlassen. Das mörderische Urteil gegen Leo Katzenberger, das er zusammen mit den jetzt angeklagten Landgerichtsräten ausgesprochen hatte, war einer rer wichtigsten Punkte seiner Verurteilung. Der Fall Katzenberger hat seit Jahren die Weltöffentlichkeit erregt und ist auch in dem bekannten Film „Das Urteil von Nürnberg“ künst- Forschung für das Ausland „Israel führt heute im Jahr für 8.5 Millionen Dollar Forschungsarbeiten für die USA durch und steht bei der Uebernahme solcher wissenschaftlicher Aufträge an dritte* Stelle hinter England (16 Millionen Dollar) und Australien (10 Millionen Dol- 1ar)“. erklärte der Generaldirektor des Weizmann-Instituts. Professor Amos de Shaiit ui einem Vortrag vor dem .elaviver Handels- und Industrien:! ub. Die wissenschaftliche Forschung in Israel kann ein wichtiger wirtschaftlicher Zweig werden, und das Weizmann-Institut hat auch Forschungsaufträge von anderen Ländern bekommen so z. B zum ersten Mal von Frankreich in Höhe von 250 000 Dollar; ferner bekam das Institut schon vorher grössere Unterstützungen für wissenschaftliche Forschung. Mit Hilfe dieser Aufträge können alte Wissenschaftler im Lande beschäftigt werden. Professoi de Shaiit vertrat die Meinung, dass man in Israel ohne weiteres wissenschaftliche Institutionen und wissenschaftliche Forschung entwickeln könnte, die hiebt in Proportion zur Zahl der Bevölkerung steht Die Israelis müssen hier auch an ihre Beziehungen zur Judenheit der Diaspora denken, deren Jugend in hohem Mass zum akademischen Studium drängt. 40 Prozent aller Studenten auf der Harvard Universität sind Juden. Die Religion wird allein nicht mehr den Zusammenhalt des Judentums liefern können, und wenn Israel auf die Juden der Diaspora wirken will muss es noch andere Wege suchen. Nach Meinung von Professor de Shaiit muss es eine wissenschaftliche Por schung entwickeln, die es über die äussere Kleinheit des Landes hinauehebt und attraktiv macht. Nach der Auffassung des Redners müsste das Unterrichtsprogramm der israelischen Schulen, besonders der Gymnasien, völlig umgestaltet werden. Man sollte von der Idee abgehen, dass man Schülern Kenntnis auf a'len Gebieten vermiteln kann und sollte nach Spezialisierung in gewissen Fächern streben. Ein besonderes Problem sind die Lehrmittel, Lehrbücher und wissenschaftliche Literatur können nur in beschränk* ten Auflagen gedruckt, werden, besonders in Israel mi*: seiner in ihrer Verbreitung beschränkten Sprache. Daher wäre es wichtig, dass die Schüler und Studenten *uch Fach- und Lehrbücher in anderen Sprachen, besonders in Englisch lesen können. Die heutigen Kenntnisse der Schüler im Englischen sind nicht ausreichend; um s>e zu bessern, schlug Professor de Shaiit vor, dass die Schüler schon von der untersten Klasse Englisch lernen sollen, damit sie diese Sprache wirklich beherschen können. Im ersten Teil des Vortra ges war Prof, de Shaiit aut bevorstehende wissenschaftliche Umwälzungen eingegangen. Nach seiner Mei nung wird in Zubereitung und Zusammensetzung de» Nahrungsmittel wie in der Form der Nachrichten-Mitte, und Lehre eine grosse Revo lution eintreten. und wir werden ganz neuen Formen der Entwicklung gegenübergestellt werden. Professor de Shaiit sieht auf Grund seiner Erfahrun. gen im Weizmar.n-Institut grosse wissenschaftliche Möglichkeiten für das Land voraus. workurz bevor die „Endlösung“ auch in Nürnberg durchgeführt wurde — Vorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde war, wurde in der Hochburg Streichers auf Mittel und Wege gesonnen, ihn zu beseitigen. Durch Spitzel fand man heraus, dass er sich mit ei. ner nicht-jüdischen alten Bekannten öfter abends getroffen hatte. Obwohl die sogar im Rassenschandegesetz als Voraussetzung für eine Bestrafung gefordert«! Inti- -kann jetzt noch verfolgt wermitäten niemals stattgefun den hatten, obwohl ferner die mitangeklagte nicht-jüdische Bekannte trotz aller Erpressungen durch die Behörden bei ihrer wahren und verneinenden Aussage blieb, wurde Katzenberger in einem Schauprozess der sogenann. ten Rassenschande für schuldig befunden. Da aber für Rasse ».schände nicht die Todesstrafe vorgesehen war, griff Rothaug, der Vorsitzende des Sonderge. riohts, der auch in anderen Fällen unmenschliche Urteile unter gemeinster Beschimpfung von angeklagten Juden, Polen und eines Priesters gefällt hat, zu einem besonderen juristischen Trick. Obwohl Katzenberger seinen freundschaftlichen Verkehr mit der nicht-jüdischen Dame stets offen gepflegt hatte wurde in dem Urteil gegen ihn unterstellt, er habe sich z. B. bei Treffen in den Abendstunden, die Verdunkelung und die Umstände des Krieges zu Nutze gemacht. Er sei deshalb als Volkcschädling nach einer besonderen im Kiiege geltenden Verordnung zu bestrafen Danach konnte mit dem Tode bestraft werden, wenn das ..gesunde Volksempfinden“ dies bei einer solchen Straftat, wie z.B. der „Rassenschande“ fordere. Dieses mörderische Urteil wurde am 13. März 1942 unter Mitwirkung des Landgerichtsdirektors Dr. Rothaug und der jetzt angeklagten Beisit. zer Landgerichtsräte Dr Ferber und Dr. Hoffmann gefällt. Katzenbergers Bekannte, die Inhaberin eines Photogeschäfts in Nürnberg, erhielt wegen Zeugenmeineides eine Zuchthausstrafe von 2 Jahren, weil sie die tatsächlich garnicht vorhanden gewesenen Intimitäten bestritten hatte. Warum die Staetsaivwalt- Schaft in Nürnberg jetzt lediglich Anklage wegen Totschlages und nicht wegen Mordes erhoben hat, lässt sich nur annehmen; offenbar ist sie der Meinung, dass bei den beiden Beisitzern — die übrigens nach dem Kriege nieht mehr in der Justiz tätig waren — der Mordvorsatz nicht zu beweisen sei, zu dem niedrig« .Beweggründe1' usw. gehören. Aber auch Totschlag den. wenn, wie offenbar ift diesem Falle noch vor Ablauf der Verjährungsfrist richterliche Handlungen gegen die Angeklagten vorgenommen worden sind. Dies ist der zweite grosse Fall, in dem Richter wegen ihrer NS-Reehtsprechung als Kapital Verbrecher angeklagt sind. Beim Landgericht Ber-' lin in Moabit schwebt eine Anklage gegen den früheren Beisitzer Freislers am Volksgerichtshof, den ehemaligen Kammergerichtsrat Hans- Joachim Rehse. Dies«- muss sich wegen Mordes und Mordversuchs in mehreren Fällen verantworten. Die Strafkammer hat abgelehnt, ihn aus der Haft zu entlassen, obwohl er eine Kaution von 100.000 Mark angeboten hat. Rehse hatte in Verhandlungen gegen zwei katholisohe Priester einen bekannten Gelehrten und andere Angeklagte, die vor dem Volksgericht standen als Beisitzer mitgewirkt Die Berliner Staatsanwaltschaft ist der Meinung, dass die damals gefällten Todesurteile wegen feindlicher, tatsächlich aber harmloser Aeusserungen gegen das NS-Regime den Tatbestand des Mordes durch die Justiz erfüllten. Die Hauptverhand lungen vor dem Schwurgericht in Berlin und Nürnberg sollen noch in diesem Jahre stattfinden. NPD-Mitgliedscliaft München. — Nach Mitteilung des „Nationaldemokrat.ischen Pressedienstes“ hatte die NPD Anfang Februar 27.000 Mitglieder. Der Zuwachs belaufe sich mittlerweile auf monatlich 1.500 Beitritte. (AWZ) Impreso «n la Imprenta POLIGLOTA - Rivadavia 831 Registro de JA Propiedad Intelectual NV 909.491

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