Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 28 (1967)
- Issue
- 2201 (13.1.1967)
- Date
- 1967-01-13
- Page
- [Seite 5] (sequence 5)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Viernes, 13 àc Euer« de 1967 LA SEMANA ISRAELITA Das Oberammergaaer Passionsspiel Blick in die Welt Vor etwa zwei Jahren sah ich in Charing Cross Road ein deutsches Büchlein „Das Oberammergauer Passions- Bpiel. Ein geistliches Festspiel hi drei Abteilungen mit 20 lebenden Bildern. Mit Benutzung der alten Texte von J. A. Daisenberger im Jahre 1860“ (Zauner Verlag. Dachau, Seiten 141). Letztens erschienen Berichte, dass dieses Stück als Exportgeschäft eventuell auch ausserhalb Deutschlands aufgeführt werden solle. Deshalb ging ich ■wieder zur Strasse der Buchhändler. Unterdessen waren dort Tausende vorbeigegangen, aber nicht ein einziger hatte sich für dieses Büchlein interessiert. Passionsspiele wurden noch im Mittelalter, im 12. Jahrhundert in Deutschland und in anderen Ländern auf geführt, gewöhnlich folgten dann als Nachspiel Pogrome oder anti-jüdische Gesetze. Oberammergau ist ein Dorf ln Bayern. Im Jahre 1633 kehrte ein Oberammergauer, der in einer Nachbarstadt ge - arbeitet hatte, zurück und brachte den ,.schwarzen Tod“ mit sich. Da man die Juden nicht beschuldigen konnte, dass sie dort den ,,schwerzen Tod“ hervorgezaubert hätten, gelobten die frommen Einwohner von Oberammergau, dass sie die „Leidensgeschichte von Jesus“ alle zehn Jahre darstellen werden unter der „Bedingung“, dass die Krankheit in ihrem Dorf verschwinden werde. Im Jahre 1634 führten sie zum ersten Male das „Festspiel“ auf, um die Leiden von Jesus und den Has gegen die Juden zu demonstrieren. Das Stück, öfter umgearbeitet, wurde einige Male verboten, aber im Jahre 1811 erhielt es wieder die Bewilligung, die bis heute gilt. Als Hitler zur Macht kam, wurde das Passionsspiel einundachtzig Male im Jahre 1934 aufgeführt. Unterdessen wurde aus dem Gelöbnis eine gute Einnahmequelle für Oberammergau. Etwa 1.000 Personen, darunter gegen 200 Kinder beteiligten sich im Festspiel und gegen 500.000 Touristen, Geistliche, Neugierige und To« JOSEF FRA ENKEL sonstig« Antisemiten suchten Oberammergau auf, um das Spektakel zu sehen. Jesus wird im Stück Rabbi, Christus, Davids Sohn. Menschensohn, Judenkönig und Prophet genannt. Er hatte eine jüdische Erziehung, beachtete Kaschrut und ging regelmässig in den Tempel. Er wusste schon vorher, was kommen wird, erkannte rechtzeitig jede Einzelheit, die folgen wird, von seinem Einzug in Jerusalem bis zu seiner Kreuzigung, und ermunterte alle, damit die Kreuzigung stattfinden solle Der Konflikt im Passionsspiel beginnt folgendermassen: Jesus, begleitet von Heilrufen des Volkes, geht zum Tempel, dessen Bau .sechsundvierzig Jahre“ gedauert hatte. Hier sieht er ..Touristen“, die „aus den Ländern der Heiden“ nach Jerusalem gekommen waren, um zu beten. Er ist entsetzt, dass hier Händler „Oel, Salz, Tauben“ verkaufen und Geldgeschäfte betreiben. Er dront den Priestern und vertreibt die Käufer und Verkäufer. Amon ein Pharisäer, verlangt von ihm ein .Wunderzeichen ‘ und er antwortete: „Zerstört diesen Tempel hier! Und in drei Tagen werde ich ihn wieder aufgebaut haben.“ Während das Volk und die Kinder „Hosanna dem Sohne Davids“ rufen, begibt er sich in den Tempel, um zu beten. Wenn heute, sagen wir, ein Heiliger an der Spitze einer religiösen Demonstration vor der Peterskirche, vor dem Stephansdom oder vor der Kathedrale zu Strassbarg erscheinen würde, um rings um die Hauptkirchen die Händler, die Käufer und die Touristen, die Kerzen, Bilder und Religionsgeräte kaufen, zu vertreiben, — was würde geschehen? Sollte er verlangen, dass man die Kathedrale zerstören soll, damit er sie in drei Tagen wieder aufbauen solle, — was würde die Folge sein? Was aber geschah in Jerusalem? Im Passionsstück? Der Hohepriester Kaiphas J. P. LANDSBERG VERSICHERUNGEN JEDER ART Bme. MITRE 430 V. Of. 550 T.E.: 30-1474 C A TECA S.A. Directorio 5555 Buenos Aires T. E. 68.1017/18 y 1264 SUAVANDAR el calzado legítimo de espuma de goma DEIN HOBBY DEINE SPARKASSE Israel-Briefmarken Beratung durch: STAMPS CENTER 94 Allenby Kd — TEL AVIV — P.O.B. 4444 ruft sofort das Synbedrion, die oberste Jüdische Behörde, zusammen. Da erscheinen Priester, Väter, Lehrer und natürlich auch die Händler — wie zu einer geheimen Verschwörung. Der Urheber des Komplotts ist natürlich der böse Hohepriester, ein schlimmer Bösewicht mit einem Heuchlerantlitz, wahrscheinlich nach dem Vorbild von Guy Fawkes, der das Haus des englischen Parlamentes am 5. November 1605 in die Luft sprengen wollte. Man beschliesst, ihn zu verhaften, aber hierzu musste man einen seiner Apostei bestechen, damit er ausspioniere, wohin Jesus sich „beim nächtlichen Dunkel zurückzieht“. Esron, ein Händler, macht einen naiven Zwischenruf: „Er kommt ja täglich. in den Tempel. Da kann er leicht gefangen und weggeführt werden“. Aber sein Antrag findet keine Beachtung. Nachdem sich alle verpflichtet hatten, Schweigen zu beobachten, ein Händler „Es lebe Moses!“ ruft und alle zusammen „Gepriesen sei der Gott Abrahams. Isaks und Jakobs“ zitierten, wird die geheimnisvolle Sitzung geschlossen. Nun folgt der Konflwci zwischen Jesus und Judas. Judas ist der Kassenwart der Apostel und der Freunde von Jesus. Neidisch im Ausdruck, mit geizigen Fingern, mit einem rötlichen Bart, gekleidet in gelber Farbe und natürlich mit einem Geldsäckel an seinem Gürtel. Als Magdalena mit einem Salbengefäss auftritt, bewundert man den „köstlichen Geruch“. Bartholomäus, ein Expert im Parfüm, meint: „Das ist kostbares, echtes Nardenöl“. Magdalena schüttet das teure Parfüm auf den Leib von Jesus, was Judas als Verschwendung betrachtet Er ist habsüchtig und schwitzt vor Aufregung. Nun spricht er acht verhängnisvolle Worte. Der Schauspieler, der den Judas darstellt, muss den Satz, Wort für Wort, genau studieren, um eine „judenartige Betonung“ hervorzubringen: „Eine so teuere kostbare Salbe auszugiessen — welche Verschwendung“. Das Parfüm kostete „wenigstens dreihundert Denars“ und man nätte „das Geld den Armen geben können.“ Jesus antwortet: „Die Armen habt ihr immer um euch, aber mich habt ihr nicht immer“. Jesus bestimmt, dass Judas der Verräter sein soll. „Das du tust, das tue bald“, flüsterte ihm Jesus zu. Als er verhaftet wurd?, verlange einige seiner Anhänger, dass er Wunder oder Widerstand leisten solle. Aber Jesus lennt ab, obzwar er „mehr als zwölf Legionen Engel“ haben könnte. Und so geht die Geschichte, immer mehr und mehr die Gefühle aufpeitschend, bis ans Ende. Die Büchse der Passionsspiele reizt die Zuhörer gegen die Juden und gegen die „verfluchte“ Synagoge auf. Kein Wunder, dass Dachau neben Oberammergau ein Konzentrationslager beherbergte. Merkwürdig, während die Einwohner von Oberammergau im Jahre 1933 die Dreihundertjahrfeier für Vom Weizmann Institut Jerusalem. _ Der jetzige Aussenminister Abba Eban sah sieh wegen zu starker anderweitiger Inanspruchnahme gezwungen, sein Amt als Fräsident des Weizmann-Instituts niederzulegen, das er sieben Jahre lang innehatte. An seiner Stelle wurde Meir Weisgal zum Präsidenten gewählt. Zum Generaldirektor des Instituts wurde Prof. Arnos de Schalit ernannt. — (HZ) 1934 vorbereiteten, wurde in Dachau im Jahre 1933 ein Konzentrationslager, welches im Jahre 1934 im Schwünge arbeitete, errichtet. Auch kein Wunder, wenn „verfluchte“ Synagogen verbrannt und Friedhöfe geschändet wurden und werden. Aeusserlich ist das Passionsspiel eingewickelt mit Liebe und Versöhnung, aber innerlich ist es vollgestopft mit Gift gegen die Synagoge und gegen die Juden. Dieses Gift, eigentlich Giftgas, unsichtbar, aber tödlich, wird erzeugt durch Stimmung, Handlung und durch Prologe mit der allegorischen Gegenüberstellung zwischen dem Alten und Neuen Testament. Hohepriester, Pharisäer und Händler sind Zerrbilder und Karikaturen. Und wenn das Volk „Ans Kreuz mit ihm!“ ruft, so ist es als ob Wölfe und Hyänen, nicht Schauspieler, heulen Das Stück wirkt auf religiöse und sonstige Zuhörer, um Rache zu nehmen. In dem Juden finden sie den Sündenbock. Vor 333 Jahren gelobten die Oberammergauer ein Passionsspiel aufzuführen. Aber gemäss der Zeit änderte man den Text, die Musik und die Handlung des Stückes. Auch legten die Einwohner von Oberammergau einen Eid der Treue — für Oesterreich, für die Habsburger, dann für Deutschland, für die Hohenzollern, für die Weimarer Verfassung, für Adolf Hitler und schliesslich für das jetzige Deutschland ab. Aehnliche Beispiele könnte man auch über Einwohner anderer Länder bringen. Auch die Kirche ändert öfter ihre Bestimmungen. Die Haltung der Kirche des Mittelalters zu den Juden ist im Vergleich zum Beschluss des letzten Vatikanischen Konzils eine wesentlich andere. Das Gelöbnis von 1633 war nur bezüglich der Aufführung des Stückes in Oberammergau und nicht in einer anderen deutschen Stadt oder gar im Ausland. Man ist sogar bereit, wahrscheinlich aus finanziellen Gründen, das Passionsspiel , zu verbessern“ und „antisemitische Referenzen“ zusammenzustreichen“. Es wäre wirklich angebracht, dass die Einwohner von Oberammergau ein neues Gelöbnis leisten sollen, zum Beispiel, das Stück der Toleranz „Nathan der Weise“ aufzuführen oder einmal im Jahre sich beim Denkmal der Opfer der Nazis in Dachau zu versammeln, um ihr Andenken zu wahren. ven HAROLD SCHWARCZ U THANT, Generalsekretär der UN, behandelte in einer Neujahrsansprache die Zeitprobleme und appelliert« an alle Völker, in Frieden und Harmonie zusammenzuleben. — SIC TRANSIT glorla mundi, muss man ausrufen wenn man erfährt, dass Ghana eine grosse Geldprämie auf den Kopf seines ersten Präsidenten Kwame Nkruma ausgesetzt hat! _ GROSSE ERFOLGE und neue Erkenntnisse brachte der Lunar 13. die russische Mondsonde, die wichtige Nachrichten übermittelte. — DAS PRESSEGESETZ des brasilianischen Präsidenten Castello Branco stösst auf wachsende Opposition. — PRÄSIDENT BARRIEN TOS konnte die bolivianiche Krise durch neue Versprechungen beschwören. — STARKE BßFLBRCHTUNGEiN über das wachsende Kriegspotc-ntial des Roten China bestehen vor allem in Europa. — NORDKOREA griff überraschend amerikanische Streitkräfte an — TRANSJORDANIEN meldete neue Infiltrationen aus Syrien. — EIN TERRORISTEN-Attentat wird wieder einmal aus der Dominikanischen Republik gemeldet. — NICHT UEBERSCHAETZEN solle man die rotchinesischen Atom-Kenntnisse, meinten französische Experten. — SUKARNO, der indonesische Präsident solle sich einem Tribunal stellen, um seine Unschuld an einen, kommunistischen Unristurz versuch zu beweisen. verlangten mehrere tausende Demonstranten. — ZYPERN verurteilte die von den Russen für die Türken geleistete Hilfe. — EIN NEUER Staatsstreich wurde im Sudan versucht.— TRUPPEN ZAMBIAS marschierten an der Grenze mit Angola auf, weil die Portugiesen mit Mobilisierung gedroht hatten. — ALEXEI KOSSYGIN, der russische Premier, wird England besuchen, wie aus London mitgeteilt worden ist — KEINE WAFFEN und kein Petroleum werden aus Mexiko nach Rnodesien geschickt werden. — DER KOENIG des jungen afrikanischen Landes Lesotho (Ba ituland) ist in Haft genommen worden. — KUWAIT will die Syrer im ,Petroleumkrieg‘ unterstützen. — 10 JAHRE KOENNE der Vietnam-Krieg noch dauern, meinte einer der englischen Vietnam-Experten. — LIU SHAO SHI, Präsident des kommunistischen China, wurde von den Extremen mit Nikita Krutsehew verglichen. — SECHS SOWJETISCHE Soldaten wurden von den Russen wegen Beteiligung an Nazi-Verbrechen hingerichtet. — VIZELUFTMARSCHALL Dhani wurde in Indonesien zum Tode verurteilt. — HANOI erklärte sich mit direkten Verhandlungen über einen Frieden für Vietnam einverstanden, wenn die Amerikaner die Bombardements vorher einstellen würden. — PAPST PAUL äusserte die Absicht, Südamerika zu besuchen. — MAO TSE TUNG richtete scharfe Angriffe gegen die Oppositionellen. — STUDENTEN in Indien griffen die Polizei an; es gab 15 Tote. — SAEMTLICHE Verfahren in der Spiegel-Affäre die seinerzeit grosses Aufsehen erregte, sind inzwischen eingestellt worden. — HAITI und Kuba sollten von Exilierten .invadiert* werden. — NICOLAI PODGORNY, Präsident der Sowjetunion, Wird Ende Januar vom Papst empfangen werden. — MOHAMED KHIDER algerischer Revolutionär, Freund Ben Bellas, wurde im Exil zu Madrid von Unbekannten ermordet. — MILOVAN DJILLAS, jugoslawischer Poliiker und Schriftstei'er, wurde aus der Haft entlassen. — WIEDER EINMAL wurde die Verhaftung Bormanns gemeldet, diesmal aus Recife; der Verhaftete wurde als Ex- SS-Offizier Hans Detlev Sonnenbürg identifiziert, der wegen verschiedener Delikte gesucht wird. — Á PASTEUR 254 , TEL 48-71 «6.1373 2* y 5o piso» * Sueños aíre; cimnciot •conóm/ces contador** públicos ' naciorfaÍM , vv consultores de'emprosmi ESPECIALISTAS EN SOCIEDADES ANONIMAS Fiambres Finos - “FRIGUINCIA ” MARCA QUE DISTINGUE LA CALIDAD FRIGUINCIA * '"i ras